Sternschwaben am Urbanhafen / I Watch It Crush Me and Then I Die.

Schwanendämmerung: So sieht es aus, wenn ein Torero stirbt #01 © Kai von Kröcher, 2026

Schwanendämmerung: So sieht es aus, wenn ein Torero stirbt #02 © Kai von Kröcher, 2026

Schwanendämmerung: So sieht es aus, wenn ein Torero stirbt #03 © Kai von Kröcher, 2026

Schwanendämmerung: So sieht es aus, wenn ein Torero stirbt #04 © Kai von Kröcher, 2026

Schwanendämmerung: So sieht es aus, wenn ein Torero stirbt #05 © Kai von Kröcher, 2026

Schwanendämmerung: So sieht es aus, wenn ein Torero stirbt #06 © Kai von Kröcher, 2026

Schwanendämmerung: So sieht es aus, wenn ein Torero stirbt #07 © Kai von Kröcher, 2026

Schwanendämmerung: So sieht es aus, wenn ein Torero stirbt #08 © Kai von Kröcher, 2026

Schwanendämmerung: So sieht es aus, wenn ein Torero stirbt #09 © Kai von Kröcher, 2026

Schwanendämmerung: So sieht es aus, wenn ein Torero stirbt #10 © Kai von Kröcher, 2026

Schwanendämmerung: So sieht es aus, wenn ein Torero stirbt #11 © Kai von Kröcher, 2026

Schwanendämmerung: So sieht es aus, wenn ein Torero stirbt #12 © Kai von Kröcher, 2026

Schwanendämmerung: So sieht es aus, wenn ein Torero stirbt #13 © Kai von Kröcher, 2026

Schwanendämmerung: So sieht es aus, wenn ein Torero stirbt #14 © Kai von Kröcher, 2026

Schwanendämmerung: So sieht es aus, wenn ein Torero stirbt #15 © Kai von Kröcher, 2026

 

Ein alter Mann mit erloschenen Augen füttert die Spatzen und ruft mir zu: „Das sind Picassos Tauben.“
Überschrift inspired by: Erste Schritte / Retrospektive © Freundeskreis, 1999
Überschrift also inspired by: The Sky Is Broken © Moby, 1999
Bildunterschrift inspired by/Lyrics: Picassos Tauben © Keimzeit, 2013
Konrad Lorenz (* 7. November 1903 in Wien; † 27. Februar 1989 ebenda), österr. Zoologe, Verhaltensforscher und Medizin-Nobelpreisträger

Mein lieber Schwan / Fahrstuhl zum Schafott.

Ride a White Swan: Skoda Enyaq auf Parkplatz in Baad (Vorarlberg) © Kai von Kröcher, 2026

 

I think it’s strange you never knew. +++ Ja, gut – das ist natürlich schon klar, dass man Schwäne nicht mit Keksen füttert. Aber das neulich war halt nicht einfach so’n Postkarten-Schwan, wo die Verliebten eng umschlungen am Ufer stehen und beseelt darauf zeigen. Und die junge Frau, die sehe ich häufiger da alleine am Hafen. Ich habe mich manchmal gefragt, ob sie womöglich schwermütig ist. Doch jetzt wirkte sie auf recht positive Art verzweifelt. +++ Was ich bis vor wenigen Tagen noch nicht wusste: der Typ, dessen Oberkörper im Anschnitt das erste Album der britischen Band The Smiths ziert, ist derselbe, dessen Unterkörper auf dem Sticky Fingers-Cover der Rolling Stones in der Jeanshose mit dem Reißverschluss steckt. +++ Um den Schwan hatte sich eine Handvoll Krähen versammelt – die fingen schon an, auf ihn einzuhacken. Die Frau fragte uns nach etwas zu essen, dass der Schwan wieder zurück auf die Beine käme und davonfliegen könne. Wir aber hatten halt nur die Biscoteria Double Choc-Kekse. Damit stieg sie aufs Eis und marschierte vorsichtig zur Mitte. Was nicht ganz ungefährlich war, es hatte die Tage schon etwas getaut. Statt aber die Double-Choc-Kekse anzunehmen, verlor der armselige Schwan vollends seinen Verstand und drehte sich flatternd im Kreis, bis er ermattet zusammenbrach. +++ Sie kennen mich als Hardboiler, einen harten Hund. Heute am Kanal aber schoss mir ein kalter Schauer über den Rücken, als liefe im Abend-TV ein dysthopischer Endzeit-Schocker: Auf dem Eis saßen mehrere Schwäne, die unwiderruflich todgeweiht schienen. Ihre Hälse schlackerten kraftlos umher, und wenn sie versuchten zu gehen, taumelten sie wie betrunken oder auf Nowitschok – das Wasser ist bereits voller Leichen. +++ Wir sehen uns in Plötzensee!*

 

 

Überschrift inspired by: „Mein lieber Schwan!“ (Redensart – Ursprung in der Oper Lohengrin von Richard Wagner, 1850) 

Überschrift also inspired by: Fahrstul zum Schafott (Kriminalfilm mit Jeanne Moreau und Maurice Ronet) © Louis Malle (Drehbuch/Regie), F 1958  

Bildunterschrift inspired by: Ride a White Swan © T. Rex, 1970

Lyrics: Fade Into You © Mazzy Star, 1993

The Smiths © The Smiths, 1984 (Coverdesign by Morrissey)

Sticky Fingers © The Rolling Stones, 1971 (Coverdesign by Andy Warhol)

Joe Dallesandro (* 31. Dezember 1948 in Pensacola, Florida), US-amerikanischer Schauspieler

Strafgefängnis Plötzensee: Hinrichtungsstätte für den Vollstreckungsbezirk IV

* Grüße an Christian & Sven!

Dream Therapy / Cygnet Committee.

Kleinwalsertal: Riezlern © Kai von Kröcher, 2026

Kleinwalsertal: Parsennlift © Kai von Kröcher, 2026

Kleinwalsertal: Parsenn © Kai von Kröcher, 2026

Kleinwalsertal: Bundesstraße L 201 © Kai von Kröcher, 2026

 

Die Sopran-Vokalistin mit den riesigen Brüsten hatte es dem Meister angetan – doch sie liebte einen Herrn vom Ballett, der war sehr nett, der tanzte immer den sterbenden Schwan. +++ Von der fixen Idee einmal abgesehen, die einst von mir Besitz ergriffen hatte – dass ich in Brandenburgs Wäldern irgendwann mit der Stimme von Stevie Nicks hatte schlafen wollen (club49 Blogspot berichtete). Ansonsten jedenfalls bin ich doch eher leidenschaftslos, wenn es um Fleetwood Mac geht. Ein paar Songs mag ich sehr gern, der Rest ist mir unbekannt oder egal. +++ Wie das halt immer so ist. +++ Breaking News: Auch John Lennon stand nachweislich in engem Kontakt zu Brian Epstein! +++ Krass übrigens auch das Phänomen des Schwansterbens aktuell bei uns vor der Haustür: Neulich hatten Otto und ich sogar einer jungen Frau noch geholfen, einen Schwan auf dem Eis mit Biscoteria Double Choc-Keksen vom Netto-Markendiscout aufzupäppeln. Der bäumte sich allerdings nur kurz einmal auf wie der schlaffe Harry (oder Harro?) in Zur Sache, Schätzchen damals mit Uschi Glas. Dessen Anthrazitpullover derart im Nacken kratzt, dass er kurz mal den Kopf hebt, dann aber gleich wieder von seiner Lethargie übermannt wird. Unser Schwan drehte, wie einst im Rinderwahn, plötzlich ein paar beängstigend-irre Volten, dann brach er entkräftet an einem Wasserloch zusammen. +++ Mittlerweile wurden jetzt einige Schwanleichen angeschwemmt, die haben sich im Urbanhafen zwischen Sperrmüll und Weihnachtsbäumen verfangen. +++ Genau: Heute früh, kurz vor dem Aufwachen, da wohnte ich in einem meiner Träume einem besonderen Moment der Musikgeschichte bei. Nämlich war ich stiller Beobachter, wie Stevie Nicks, damals noch vollkommen unbekannt, gemeinsam mit ihrer Schwester in einer Art Heuschuppen in Zehlendorf sitzt, und sie (Stevie Nicks/Anm.d.Red.) ist relativ aus dem Häuschen – hat sie kurz vorher doch das Angebot bekommen, bei einer noch unbekannten Band namens Fleetwood Mac vorzusingen. Spontan schreibt sie den schönen Song Gypsy – der schwirrt jetzt als Ohrwurm noch immer durch meinen Kopf.

 

Überschrift inspired by: Dream Therapy © Oscar Farrell feat. Sampha, 2025

Überschrift also inspired by: Cygnet Committee © David Bowie, 1969

Lyrics: Votan Wahnwitz © Udo Lindenberg und das Panikorchester, 1975

Brian Epstein (* 19. September 1934 in Liverpool, England; † 27. August 1967 in London), brit. Musikmanager

Zur Sache, Schätzchen (Filmkomödie mit Werner Enke, Uschi Glas u.a.) © May Spils (Regie), D 1968

Gypsy © Fleetwood Mac, 1982

Verbrenner / Der Pete Townshend der alpinen Fotografie meldet sich zurück.

Up the Hill Backwards (I) © Kai von Kröcher, 2026

 

Up the Hill Backwards (II) © Kai von Kröcher, 2026

 

Von wo wir sind, könn‘ wir die Berge seh’n. +++ Okay, ich habe jetzt gerade nicht viel Zeit. Wegen Leben, usw. Hier einfach schon mal eine Art Vorspeise, ein Amuse-Gueule. +++ Nennen Sie die da oben (nein, nicht die auf dem Berg). Nennen Sie die da oben auch die „Polit-Clique“? +++ Das untere Bild (oben) erinnert an die Werke des österreichischen Malers Michael Wolf, was schon mal ein gutes Zeichen ist. +++ Das obere Foto ist kurz vor Tagesanbruch durch eine Thermoscheibe aufgenommen, weshalb der Mond eine psychedelische Aura bekommt. +++ Was das alles mit Verbrennern zu tun hat, warum ich mich offensichtlich selbst als den Pete Townshend der Fotografie bezeichne, ob es in den Rocky Mountains alpine Wettbewerbe gibt – und wie das erste Skirennen im Leben meines Sohnes verlaufen ist: dazu an selbiger Stelle demnächst mehr.

 

Überschrift inspired by: Maschin © Bilderbuch, 2013

Überschrift also inspired by: Pete Townshend (* 19. Mai 1945 in Chiswick/London), brit. Musiker

Bildunterschrift inspired by: Up the Hill Backwards © David Bowie, 1980

Lyrics: Nahuel Huapi © Bilderbuch, 2021

Rocky Mountain High © John Denver, 1972

Up the Hill Backwards / Erstmal zu Penny.

Unterwestegg (Vorarlberg) im Regen – oktapolare Fotografie © Kai von Kröcher, 2024

 

We both tell the same jokes over and over. +++ Im Post mit der Gedächtniskirche gestern sind Sie möglicherweise über einen rhetorischen Kniff gestolpert. Sofern Sie ein aufmerksamer Leser sind – ist Ihnen jedoch alles egal, haben Sie es womöglich gar nicht bemerkt: Wie ganz nebenbei hatte ich mich in einem Atemzug mit Annie Leibovitz, Peter Lindbergh und einigen anderen genannt. Diese narzisstische Finte habe ich mir einst beim allgegenwärtigen Präsidenten abgeschaut, dem POTUS. Über den gestern ein Kunde im Netto-Markendiscount an der Prinzenstraße (Ihr seid solche Fucker berichtete). Den einer bei Netto eine „Lachnummer“ genannt hatte. +++ Wahrscheinlich ist es nicht sonderlich klug, so etwas öffentlich zu ver-, äh, zu veröffentlichen. Dass man die nächsten Tage verreist ist. Solange Sie aber nicht gerade Riki Mi*ev heißen und kriminelles Potential in sich tragen, sehe ich da an sich keine Probleme. Ich werde eh alles mitnehmen, was mir wichtig und teuer ist: meine Kamera, meinen Sohn. +++ Dieses Bild mit den Bergen (oben), und darauf will ich natürlich hinaus. Eine sogenannte Oktapolare Fotografie, bestehend aus – das lässt sich gerade nicht rekonstruieren – geschätzt waren das ungefähr zweihundert Einzelaufnahmen. Aufwändig zusammengesetzt ohne KI. Das Original wäre riesengroß, hier (oben) erkennt man die Details leider nicht. Worauf ich nämlich, wenn das das richtige Wort ist, einigermaßen stolz bin, ist jeweils das Schild, das Sie rechts und links sehen. Einmal weist es nach Hirschegg und Mittelberg im Südwesten, rechts Richtung Norden nach Oberstdorf (Deutschland). Der Clou an der Sache aber ist: Es handelt sich hierbei um ein und dasselbe Schild, nur eben von zwei entgegengesetzten Seiten fotografiert. +++ Und wenn Sie jetzt zu lange darüber nachdenken, explodiert Ihnen der Kopf! +++ Toll jedenfalls: Zu Weihnachten hatte Otto von meiner Nichte einen Skikurs geschenkt bekommen, dahin machen wir uns in den kommenden Tagen auf den Weg. +++ Wei Schifoan is des leiwandste, wos ma si nur vorstöhn ko!

 

Überschrift inspired by: Up the Hill Backwards © David Bowie, 1980

Überschrift also inspired by: Erstmal zu Penny (Werbeslogan) © Penny, 2011

Lyrics: Cheers © Faye Webster, 2021

Schifoan © Wolfgang Ambros, 1976

Wochenendrebellen / Die Kirche im Dorf lassen (Part three).

HBO Max präsentiert Harry Potter / Lighthawk an der Gedächtniskirche © Kai von Kröcher, 2026

 

Making money twenty-four-seven, but you never find anyone else. +++ Kriegen Sie noch zusammen, was der Vater des Jungen in Wochenendrebellen gegen Ende zu seiner Frau sagt? Als er den Sohn da in Riga im Fahrstuhl gesehen habe, da habe er – sinngemäß – zum ersten Mal etwas begriffen. +++ Das Foto (oben) ist vor zweieinhalb Wochen entstanden, da war gerade ein Schneesturm über der Hauptstadt erwartet worden. Oder Eisregen, ich weiß es nicht mehr. Blieb am Ende aber sowieso aus, doch kalt war es in jedem Fall. Der allererste Barmann in der Geschichte der Szene-Gaststätte der Herzen, Sebastian, hatte mich für die Aufnahmen engagiert: Er seinerseits, und das war Top Secret. Er seinerseits hatte von Warner den Auftrag bekommen, aus Anlass der Markteinführung des Streamingdienstes HBO Max die Gedächtniskirche zu illuminieren. Das sah tatsächlich ziemlich spooky aus, der neblige Januartag tat ein Übriges. +++ Im Netto-Markendiscount heute kaufte ein Kunde ein, der nahm kein Blatt vor der Mund: Trump sei eine Lachnummer, meinte er. +++ Das Stadion, das in Wochenendrebellen in der lettischen Hauptstadt Riga steht – die Szenen damals dort wurden in Wirklichkeit in keinem Geringeren als dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gedreht, berüchtigt als einstige Spielstätte des Mielke-Clubs BFC Dynamo Berlin. Wird zurzeit abgerissen, letztens bin ich extra mit meinem Sohn mal vorbeigefahren. Immerhin, und das finde ich dann wieder beruhigend: Die markanten, um nicht zu sagen ‚ikonischen‘ Flutlichtmasten bleiben erhalten und werden in den geplanten Stadionneubau integriert. +++ So weit da zu. +++ Sebastian hatte sich dann relativ bald aus der Gastronomie und damit auch aus dem club49 verabschiedet und sich im Film- und Fotobereich selbstständig gemacht. Mit seiner Firma Lighthawk, und so viel Neid muss man mir lassen: die Liste seiner Auftraggeber liest sich wie ein verdammtes Who-is-Who. Werbekampagnen für Adidas, Puma und Nike haben sie ausgeleuchtet, für BMW, Mercedes und Jaguar. Um nur ein paar zu benennen. Zusammenarbeit über die Jahre mit Fotografen wie Lindbergh, Rakete und Unwerth, Leibovitz, Testino und Ballhaus. +++ Um nur ein paar zu benennen. ++ Und ich durfte jetzt diese HBO-Aktion an der Gedächtniskirche zum Start einer Harry Potter-TV-Serie fotografieren. +++ Apropos ‚Streaming‘: Da hatte mir Anfang des Jahres doch tatsächlich ein Fucker namens Riki Mi*ev (angeblich im Namen von Netflix) sage und schreibe 19,99 € vom Konto abgebucht. Wo ich zum Streamen doch meinen Bücherei-Ausweis habe (Ihr seid solche Fucker berichtete) – das Geld habe ich mir selbstredend umgehend zurückgeholt, wo kommen wir denn da hin?!

 

Überschrift inspired by: Wochenendrebellen (Tragikkomödie mit Aylin Tezel und Florian David Fitz nach der Autobiografie von Mirco von Juterczenka) © Marc Rothemund (Regie), D 2023  

Überschrift also inspired by: Under the Milky Way © The Church, 1988

Lyrics: Mr W4 © Baxter Dury, 2025

Lighthawk GmbH Berlin | Sebastian Siebel, Sandra Pinelli | Cinema Lightning Services | www.https://lighthawk.de

Erich Mielke (* 28 Dezember 1907 in Berlin; † 21. Mai 2000 ebenda), Minister für Staatssicherheit und Fan des BFC Dynamo

Harry Potter | Fernsehserie © HBO Max, 2024 (seit 13. Januar in Deutschland)

club49 | Ohlauer Straße 31 | 10999 Berlin | (seit 2005)

One Of These Days / Netflix Couch Potato (Part two)

Shine a Light: Mein Sohn damals als Licht-Double (52 mm/f 5.6) © Kai von Kröcher, 2023

 

Heute ist wieder einer der verdammten Tage, die ich kaum ertrage, und mich ständig selber frage. +++ Das wird Sie vielleicht wundern, aber ich streame jetzt auch. Normalerweise muss ich ja nicht immer ganz vorn mit dabei sein, dafür bin ich bekannt. Nicht die Atombombe reiten, wenn sie in knapp 10.000 Metern ausgeklinkt wird. Aber zumindest streame ich jetzt. +++ Die Geschichte mit dem Fotoshoot und dem verschollenen Telezoom: Es war ein grauer Tag Ende Oktober vor so ungefähr zweieinhalb Jahren. Porträts einer Frau für deren Webseite sollte ich machen. Für die Aufnahmen hatte sie einen Institutsrohbau im nordöstlichsten Ortsteil Buch organisiert. Mit meinem Sohn hatte ich ausgemacht, dass er mir als Assistent etwas zur Hand geht. +++ Als ich vor Jahren einmal im Krankenhaus lag – das hatte damals zuerst ja ziemlich dramatisch ausgesehen, sich im Verlauf meines Aufenthaltes aber als eher harmlos relativiert. Jedenfalls teilte ich das Zimmer mit einem jüngeren Typen, den hatte es wesentlich schlimmer erwischt. Er litt eh schon an Diabetes, nun war auch noch irgendein Krebs, glaube ich, dazugekommen. Seine Tages- und Lebensplanung im Allgemeinen erschien mir alles andere als spontan: Bevor etwas bei ihm auf den Teller kam, bestimmte er anhand irgendwelcher Tabellen immer erst einmal die exakte Nährstoffzusammensetzung oder so. Den ganzen Tag saß seine Freundin an seinem Bett, und gemeinsam zerbrachen sie sich den Kopf und rechneten sich einen sogenannten Wolf. Als er entlassen wurde, gaben die Ärzte ihm mit auf den Weg, er solle sich unbedingt erstmal schonen. Da sah er mich an und meinte verschwörerisch: „Kein Problem, ich bin ein Netflix-Couch-Potato!“ Wir schrieben das Jahr 2016, und ich hatte nicht die leiseste Ahnung, wovon er sprach. +++ Mein Sohn jedenfalls freute sich sehr auf die Fotos, und motiviert bis in die Haarspitzen trugen wir mein Kamera-Equipment nach unten zur Straße. Kurz darauf kam die Frau in ihrem Honda Civic um die Ecke gebogen und sammelte uns ein für die Weltreise nach Buch. In ihrem Kofferraum sah es aus wie auf dem Wertstoffhof, meine Ausrüstung verschwand zwischen Einwegflaschen aus Kunststoff und anderem Müll. +++ Um Sie nicht länger auf die Folter zu spannen: Natürlich boykottiere ich nach wie vor Netflix und Disney Plus und was es da alles so gibt, doch bin ich auch nicht mehr der beinharte Verfechter des linearen TV – vor nun längerer Zeit schon hatte ich mir einen Bibliotheks-Ausweis geholt, Streaming 3.0! Da leihe ich mir jetzt immer Flatrate-mäßig Filme aus, die ich im Kino verpasst habe, und die ich schon immer mal sehen wollte. Für heute habe ich mir Bastian Günthers One Of These Days besorgt. Den hatte ich zwar schon – is‘ klar! – bei seiner Premiere gesehen, doch längst ist die Erinnerung daran zu einem klaustrophobischen Farbrausch in Gelb zusammengeschmolzen. +++ Jedenfalls waren wir gerade beflügelt dabei, in den fahrenden Pfandautomaten zu klettern, da sagte sie auch schon übertrieben mitfühlend zu meinem Sohn: „Waaaaas – du musst da jetzt mitkommen und die ganze Zeit mit uns rumhängen?! Das ist doch total langweilig! Naja, vielleicht finden wir irgendwas zum Spielen für dich …“ +++ Was ist eigentlich der Unterschied zwischen One of those Nights und One of these Days – außer, dass das eine stockfinster ist und das andere hell? Und ist Ihnen überhaupt einmal aufgefallen, dass das englische brilliant wesentlich logischer über die Lippen geht als das deutsche brillant? +++ Erst einige Monde nach dem Fototermin in Berlin-Buch brauchte ich mein 80 – 200er Telezoom wieder, doch nun war es nirgendwo mehr zu finden. Ich weiß nicht, wie oft insgesamt ich die üblichen Ecken der Wohnung durchsucht habe – und so sehr ich auch hoffte, das Objektiv blieb verschwunden: Vielleicht hatte ich es irgendwo in den Winkeln des Rohbaus stehengelassen, vielleicht war es vom Schwarzen Loch ihres Kofferraums verschluckt worden.

 

 

Überschrif inspired by: One Of These Days (Filmdrama) © Bastian Günther (Drehbuch/Regie), D 2020

Überschrift also inspired by: Netflix, US-amerikanischer Streaming-Anbieter, seit 1997

Bildunterschrift inspired by: Shine a Light (Konzertfilm) © Martin Scorsese (Regie), USA 2008

Bildunterschrift also inspired by: Shine a Light © The Rolling Stones, 1972

Lyrics: Sie ist weg © Die Fantastischen Vier, 1995

Book of Brilliant Things © Simple Minds, 1984

Amerika-Gedenkbibliothek | gegründet: 1954 | Zentral- und Landesbibliothek | Blücherplatz 1 | 10961 Berlin

Ingeborg-Drewitz-Bibliothek | Grunewaldstraße 3 | 12165 Berlin

Bezirkszentralbibliothek „Mark Twain“ | Freizeitforum Marzahn | Marzahner Promenade 55 | 12679 Berlin

 

 

Kein Gott, keine Uhr und kein gutes Buch / This train terminates here (Part one).

Those were the days, my friend – we thought they’d never end © Otto G., 2025

 

Jede Nacht eine neue Reise bis ans Ende der Welt und weiter – über die Wolken, unter die Gleise. +++ Aber haben Sie sich in den vergangenen Jahren mal bewusst die U-Bahnhöfe angesehen? An vielen Stationen sind die großflächigen Werbetafeln lange schon überlebensgroßen Fotografien gewichen, müssen Sie mal drauf achten. +++ Gestern kam hier ein neues Objektiv ins Haus geflattert. Ein gebrauchtes Telezoom aus dem Jahre 1987 in etwa. Das hatte ich mindestens dreimal vorher schon besessen gehabt. Mit dem einen hatte ich mich im Winter vor einigen Jahren im vereisten Hinterhof auf die Klappe gelegt. Kamera lässig über der Schulter, Hände in den Manteltaschen, und zack – ausgerutscht, Objektiv futsch: das war jetzt ziemlich verzogen und ließ sich nicht mehr vernünftig fokussieren. Die gleichen Objektive zuvor oder danach ähnliche Schicksale. +++ Mein intuitiv favorisierter Untergrundbahnhof dürfte wohl Jannowitzbrücke sein, rein von den historischen Bildern her. Oben haben wir heute ein Foto, das hatte mein Sohn vorigen Herbst dort von mir geschossen: Da stehe ich vor einer Aufnahme der Brücke über die Spree, die dem U-Bahnhof einst seinen Namen gab: Jannowitzbrücke. +++ Komischerweise hatte ich immer gedacht, Those Were the Days von Mary Hopkin wäre ein Song, den Paul McCartney geschrieben hat. Damit hätte ich bei jeder Quizshow im Fernsehen zu punkten geglaubt. Und völlig daneben gelegen: Paul McCartney produzierte den Song zwar seinerzeit in den Abbey Road Studios. Ursprünglich geschrieben hatte ihn aber ein Russe, Boris Fomin nämlich: Дорогой длинною (Entlang der langen Straße), mit einem Text von Konstantin Podrevsky. Ein findiger (bis möglicherweise auch windiger) Amerikaner namens Eugene Raskin hat dem Lied dann einen englischen Text verpasst und gilt seither landläufig als dessen Komponist. +++ Kulturelle Aneignung par exellence, Sergei Lawrow soll ziemlich erbost darüber gewesen sein. +++ Jedenfalls stehe ich auf dem Foto (oben) unten im U-Bhf. Jannowitzbrücke und scheine mit einer Fernbedienung herumzufuchteln. Durch die raffinierte Kameraperspektive werde ich auf der Aufnahme zurück ins Jahr etwa um 1935 katapultiert, da müsste ich nachschauen. Von der Nazizeit einmal abgesehen, sah die Brücke selbst seinerzeit wesentlich sinnlicher aus als heute. +++ Um aber noch einmal auf die ursprüngliche Story zurückzukommen: Bei einem Fotojob vor zweieinhalb Jahren – da muss ich mein Tele, begünstigt durch welche Torheit auch immer, tatsächlich verbummelt haben. Fünfundzwanzig Zentimeter lang und knapp zwei Kilo schwer – irgendwann war es einfach nicht mehr da, und das habe ich ohne Quatsch Monate später erst festgestellt. +++ Dieser Post muss demnächst fortgesetzt werden, sonst wird er zu lang. Darin gibt es dann einiges über das Leben zu erfahren – Psychologie und Alltag …

 

 

Überschrift inspired by: Wir brauchen nichts © Tele, 2007

Überschrift also inspired by: Get the Fuck Out of Here (Bandansage) © BVG, ca. seit 2020

Lyrics: Mario © Tele, 2007

Those Were the Days © Mary Hopkin, 1968 (Cover)

Sergei Lawrow (* 21. März 1950 in Moskau), mutmaßlich verschollener russischer Außenminister

 

Lay your body down upon the midnight snow / They say a snow year’s a good year.

Once Upon a Time in the West: Mit dem Sohn letzten Samstag im Grunewald © Kai von Kröcher, 2026

 

Did you ever want to be alone, be all white in decent snow. +++ Ich hatte nicht auf die Uhr geschaut, aber lass es vielleicht fünf Minuten gewesen sein. Fünf Minuten ungefähr, nachdem ich am Dienstag meinen Post abgesetzt hatte. Sagt man das so – einen Post absetzen? Wie einen Funkspruch: Mayday, Mayday? Oder neuerdings eine Fernsehshow? +++ Seit einigen Jahren nun schon lässt mich der 8. Januar offenen Mundes staunen über die Tatsache, dass exakt an diesem einen Tag zwei der wohl größten Größen der Musikgeschichte beide Geburtstag hatten. Und zudem wäre auch noch der Kaiser, kein Geringerer als Franz Beckenbauer nämlich – fast wäre auch noch der Kaiser an genau diesem Datum verstorben. Die Wahrscheinlichkeit einer solch kosmischen Konstellation scheint in etwa so fabulös, als hätte, sagen wir mal, ich gemeinsam Geburtstag mit Lothar Matthäus und Sergei Wiktorowitsch Lawrow. Und ich weiß nicht, wie es bei Lothar Matthäus aussieht, aber genau wie Lawrow habe auch ich einst Gitarre gespielt: D7, D7, D7 – frei nach Peter Bursch. Mein Sohn übrigens wurde geboren am 53. Jahrestag, da die englische Popgruppe The Rolling Stones die Berliner Waldbühne seinerzeit legendär zu Kleinholz verarbeitet hatte. +++ Jetzt habe ich aber doch ein bisschen den Faden verloren: Jedenfalls ungefähr fünf Minuten, nachdem ich den Post vorgestern abgesetzt hatte, schickte mir Richard David Precht eine Freundschaftsanfrage auf Facebook.

 

Überschrift inspired by: Snowbound © Genesis, 1978

Bildunterschrift inspired by: Spiel mir das Lied vom Tod (Once Upon a Time in the West, Italo-Western) © Sergio Leone (Drehbuch/Regie), I/USA 1968

Lyrics: Decent Snow © Super 700, 2012

Elvis Aaron Presley (* 8. Januar 1935 in Tupelo, Mississippi; † 16. August 1977 in Memphis, Tennessee), US-amerikanischer Musiker und Schauspieler

David Bowie (* 8. Januar 1947 in London; † 10. Januar 2016 in New York City), brit. Musiker, Sänger, Produzent, Schauspieler

Franz Beckenbauer (* 11. September 1945; † 7. Januar 2024 in Salzburg), dt. Fußballspieler, Funktionär, Trainer, Kaiser, Schauspieler

Lothar Matthäus (* 21. März 1961 in Erlangen), dt. Fußballspieler und -trainer, Fernsehexperte

Sergei Lawrow (* 21. März 1950 in Moskau), mutmaßlich verschollener russischer Außenminister

Peter Bursch’s Gitarrenbuch, Voggenreiter Verlag/Bonn 1975

Wer bin ich – und wenn ja, wie viele ? (Sachbuch über die Philosophie) © Richard David Precht, Goldmann Verlag/München, 2007 

Hold on tight during the Riot / Die Lage ist komplex, aber nicht ernst.

Back in the Day: Heizkraftwerk Lichterfelde (Corona-Version) © Kai von Kröcher, 2020

 

Berlin is tough but sincere – please show respect and be kind to each other. +++ Hatten Sie in der Vergangenheit auch zunehmend das Gefühl, die deutsche Filtertüte habe in ihrer Zuverlässigkeit – also, dass sie unten am Falz andauernd aufreißt und man vom Feeling her den Mund ständig voller Kaffeepulver hat? +++ Aus aktuellem Anlass habe ich mal ein Bild hervorgesucht: Da lag der Sohn mit einer Bronchiengeschichte gerade im Krankenhaus. Das kam damals häufiger vor, scheint in den ersten Jahren gar nicht so ungewöhnlich. Er bekam dann kaum Luft, armer Wurm. Irgendwann war es weg, die Ärzte hatten es so prophezeit. +++ Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hatte ein Auto gemietet, weil wir genau an dem Wochenende eigentlich in die Löwenstadt zwischen Harz und Heide hatten reisen wollen. Es hatten sich die Corona-Days über das Land gelegt, und irgendwie war mir der Zutritt zum Krankenhaus nicht gestattet. Da lag er da also unten in Zehlendorf, nur seine Mutter als Begleitperson durfte das Zimmer mit ihm teilen. Ich meinerseits stromerte währenddessen mit dem höherklassigen Mietwagen im südlichen Westen der Hauptstadt umher, hier und dort hielt ich Zeitgeschehen in meiner Kamera fest. +++ Ich mag dieses Bild (oben). Und sollten auch Sie einmal Lost in Lichterfelde-Ost unterwegs sein – vermutlich werden Sie völlig zu Recht feststellen, dass es das Heizkraftwerk in dieser optischen Form nicht mehr gibt. +++ Neulich hatte ich mich übrigens gerade gefragt, wer damals das Lied Prost, Onkel Albert gesungen hat. Heutzutage lässt sich ja so was im Internet schnell herausfinden, aber dazu bin ich wohl noch immer eine Spur zu sehr oldschool. +++ Apropos: Wie finden Sie, als Muttersprachler:in, den neuen Slogan der BVG? Berlin sei hart aber herzlich – und dass man nicht in der Gegend herumlaufen soll wie ein stumpfsinniger Idiot?

 

Überschrift inspired by: Hold On Tight During the Ride (Slogan im Bus) © BVG, 2025

Überschrift also inspired by: I Predict a Riot © Kaiser Chiefs, 2004

Überschrift also inspired by: Donald Trump (* 14. Juni 1946 in New York City), POTUS und Träger des FIFA-Friedenspreises 2025

Überschrift also inspired by: Eins, zwei, drei (One, two, three, Ost-West-Komödie mit Horst Buchholz, James Cagney und Lilo Pulver) © Billy Wilder (Drehbuch, Regie), USA 1961

Lyrics: Berlin is tough but sincere (Slogan im Bus) © BVG, 2025

Brandanschlag auf Kabelbrücke am Kraftwerk Lichterfelde, 3. Januar 2026

Klinikum Emil von Bering | Walterhöferstr. 11 | 14165 Berlin

L.Ost (Lichterfelde-Ost) © Von Wegen Lisbeth, 2021

Heizkraftwerk Lichterfelde | Ostpreußendamm 61 | 12207 Berlin

Kuckuck (Restaurant und Gaststätte) | Drakestraße 63 | 12205 Berlin

Prost, Onkel Albert © Manuela, 1971

Hart aber herzlich (Hart to Hart, Fernsehserie mit Robert Wagner, Stefanie Powers, Lionel Stander) © ABC, USA 1979 – 1984