Papa was a Rodeo / Baader kommt ganz groß in Mode.

MÜLLERSTRAßE © KAI VON KRÖCHER, 2018

I like your questioning eyebrows, you’ve made it pretty clear what you like. +++ Neulich, da hatte das Science-Magazin eine Studie veröffentlicht, ich kriege das nicht mehr zusammen. Es gab dazu ein Interview mit irgendwem irgendwo. Ich habe das Thema also sehr gründlich recherchiert, aber egal. Die Quintessenz jedenfalls ungefähr: “Von einer halben Million untersuchter Künstler sind insgesamt nur 240 spät entdeckt worden”, das heißt in etwa so viel wie, als Spätgebärender kannst du den ganzen Quatsch genau so gut sein lassen. Vielleicht besser gleich einen anständigen Beruf annehmen, davon gibt es ja heutzutage ausnehmend viele. +++ Oder, um es mit Old Billy Wilder zu sagen: “Die Lage ist hoffnungslos aber nicht ernst.” +++ Okay. +++ Aber eigentlich wollte ich die wenige Zeit heute mal nutzen, ein bisschen Werbung in uneigennütziger Sache zu machen. Im Club der anständigen Herzen lautet das Motto nämlich am Abend: Plattendrehen mit Yoko Mono aus Hamburg. +++ Und wissen Sie was? Nächste Woche kommen dann sogar auch noch Spit & Sawdust, das sind ja nun auch Long lost alte Bekannte! +++ Ach, so: Die Fernsehwerbung des Versandhauses Bader war mir neulich so unvermittelt im Kopf umhergeschwirrt, an die erinnert sich wohlweislich kaum niemand. Die Gnade der frühen Geburt. Weit hergeholt jedenfalls auch wieder so ‘ne Form der Duplizität der Ereignisse. Weil, a) fotografiere ich heute Abend den Terroristen Dellwo, und b) konnte unser Sohn Otto, und das ist kein Quatsch. Unser sehr junger und sehr supimäßiger Sohn Otto jedenfalls konnte bereits einen Endorsementvertag mit dem Otto-Versand Hamburg unterzeichnen, genau genommen per mündlicher Absprache – unter Edelleuten zählt noch immer das Wort! +++ Gibt es Bader eigentlich noch – oder auch Quelle?  +++ Ist ja egal, in fünf Jahren geht hier eh langsam das Licht aus.

Überschrift inspired by/Lyrics: Papa Was A Rodeo © The Magnetic Fields, 1999

Überschrift also inspired by: Bernd Andreas Baader (*1943 in München, †1977 in Stammheim), deutscher Terrorist

“Bader kommt ganz groß in Mode”, Werbeslogan des Versandhauses Bader

Eins, Zwei, Drei (mit Horst Buchholz, James Cagney, Liselotte Pulver u.a.) © Billy Wilder (Regie), USA 1961

Karl-Heinz Dellwo (*1952 in Opladen), ehemaliger deutscher Terrorist

Five Years © David Bowie, 1972

CLUB49 | Ohlauer Straße 31 | Berlin

No Country for Old Men / Isch mach disch Futter.

OLYMPIASTADION MÜNCHEN | BUNDESSTRAßE B19, KLEINWALSERTAL © KAI VON KRÖCHER, 2014/2008

Nein, das ist nicht das Ende der Welt, gestrandet an Leben und Kunst. +++ Haben Sie neulich Bryan Ferry in Berlin Babylon erkannt (Folge 10, glaube ich)? +++ Muss es nicht richtigerweise Babylon Berlin heißen, oder lühjick? +++ Wenn ich wochenends zufällig Brötchen holen geh, treffe ich auf der Straße manchmal, jetzt habe ich den Namen vergessen. Berliner Kolumnist, aber nicht Osang – sondern mit “M”. Martenstein. Treffen Sie auch manchmal Martenstein? Martenstein muss da irgendwo wohnen, er läuft hier oft mit dem Hund. Natürlich hat er nicht die geringste Ahnung, wer ich bin, und da denke ich im Stillen dann immer ganz süffisant: “Aufmarsch der Giganten – zwei der großen Kolumnisten unserer Tage, Showdown morgens beim Gassigehen!” +++ Dabei habe ich gar keinen Hund – jetzt aber trotzdem den Vornamen vergessen: Harald? +++ Die Barfrau im Club früher, die argentinische Elektro-Ikone Yasmin Gate. Die jedenfalls hatte, jetzt mal als Beispiel, die hatte auch Rattelschneck immer “Harald” genannt. Rattelschneck fand das, glaube ich, ganz gut. +++ Was wollt’ ich jetzt eigentlich erzählen? Naja, man könnte sagen, Martenstein wird auch immer reaktionärer, aber das will ich jetzt gar nicht bewerten. Allerdings, wie auch ich, ist er Spätgebährender – und schreibt manchmal darüber in seiner Kolumne. Und genau das werde ich jetzt auch immer tun! +++ Neulich nämlich, aber darauf war ich längst vorbereitet, das prallt an mir ab. Neulich jedenfalls, da war irgend so eine Frau da, wegen irgendwelcher Anträge. Behördenkram, pipapo, ich stehe da drauf! Die kam vorbei und setzte sich bei uns ins, äh, Wohnzimmer. Und wir sitzen da so – Vater, Mutter, Kind. Und sie so, blablabla. Dann sieht sie mich an und meint: “Darf ich mal fragen,” (und zeigt auf Mutter mit Kind) “in welcher Beziehung Sie zu den beiden stehen?” Und ich so: “Ich bin der Vater.” (kurze Pause) “Äh, von dem Jungen … – nicht von der Mutter!” +++ Was wollte ich sagen? Ach so, wegen Dresden. Wegen dem Centrum Warenhaus. Das sie abgerissen haben und dort eine “Shopping-Mall” hingestellt. Mit einer wabenartigen Fassade, die an die alte erinnern soll. “Das alte Fassadenthema aufnehmen”, wie man als Architekt dann immer so sagt. Als täte man das Olympiastadion in München für eine Multifunktionsarena einstampfen. Und dann das “historische Dachthema wieder aufnehmen” – was da dann wohl los wäre, im Freistaate Bayern… +++ Soso, das wird wohl die Gesellschaftskritik zum Wochen endlich bei Lidl gewesen sein. +++ Toll. +++ Übrigens: Das Bildpaar hier heute (oben) soll das verdeutlichen, was ich auf der Webseite so umständlich versucht habe, zu umschreiben. Wen das genauer interessiert, der klickt das jetzt hier an: https://kaivonkroecher.de

Überschrift inspired by: No Country for Old Men © Ethan und Joel Coen (Drehbuch, Regie), USA 2007

Überschrift also inspired by: Isch mach disch Futter © K.v.K., 2018

Lyrics: Bitter Sweet © Roxy Music, 1974

Darf man um seine Katze trauern, wenn Deutschland Weltmeister wird © Alexander Osang, Ch. Links Verlag, 2018

Harald Martenstein (*1954 in Mainz), Journalist und Autor

Da geht der Punk ab © Yasmin Gate, 2014

CLUß49 | Ohlauer Straße 31 | 10999 Berlin

Centrum Warenhaus, Dresden – checken Sie’s aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Centrum_Warenhaus_%28Prager_Stra%C3%9Fe%29  

Menschen am Sonntag / Cinemascopisierung des Alltags.

KOTTBUSSER TOR | WARSCHAUER STRAßE © KAI VON KRÖCHER; 2017

Like a bridge over troubled water I will lay me down. +++ Mein Medien-Berater wird latent seine Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Wegen des Panoramaformats heute, das kommt auf dem Smartphone nicht besonders gut rüber – lässt sich in diesem Fall allerdings nicht umgehen. +++ Dieses Bild nämlich – es gehörte zu den wenigen nichtverkauften Werken der vorletzten Ausstellung. Wie Blei lag es im sprichwörtlichen Regal – was nicht nur egal ist, sondern auch super: Jetzt hängt es bei der Gewordenen an der neuen Wand; da sieht es großartig aus, wenn man das sagen darf. +++ Neulich hatte irgendein nicht zu ortender Nachbar seine Anlage auf Anschlag gedreht und lauthals Simon & Garfunkel mitgeschmettert. Seitdem singe ich unserem Nachwuchs Bridge Over Troubled Water vor, wenn er mal nicht zu beruhigen ist. Manchmal hilft das sogar, da muss ich mir jetzt nur noch den Text endlich mal vollständig “draufschaffen”, wie man so sagt. +++ Sonst schlafen wir irgendwann beide ein! +++ Vielleicht sollte ich aus dem regimekritischen Fuckerblog hier eine Art Vater/Sohn-Forum machen – und reicher werden als Carsten Wascheimer – die Witze kommen immerhin schon ganz gut! +++ Aber mal ohne Quatsch, was mich wirklich berührt: der Sohn entdeckt mit seinen zwei Wochen. Oder besser gesagt: Alles, was er im Moment sieht, entdeckt er zum allerersten Mal! Neulich war er nicht zu beruhigen, da habe ich ihn in eine Decke gehüllt, und auf dem Arm nahm ich ihn mit runter an den Kanal. Die Dämmerung setzte ein, es herrschte eine Art biblischer Sille. Und als er erstmals den endlosen Himmel über sich sah, war er augenblicklich ganz fasziniert. Ich stellte mir das vor wie den Blick in die Ewigkeit. +++ Okay, aber worauf will ich hinaus? Bei der Gewordenen hängt also der Ladenhüter (oben) zu Hause. Kommt übrigens sehr gut in dem Format, es ist zwei Meter mal 50 Zentimenter. Und beinahe jedes Mal, wenn wir mit Otto vor dem Bild stehen, dann sieht er es sich ganz gebannt staunend an, als würde ihn nichts auf der Welt mehr beeindrucken als dieses Meisterwerk. Und das lässt mich mich auf eine Art sehr geehrt fühlen. +++ Apropos: Heute läuft ja anscheinend Babylon Berlin im Ersten Programm an, und, wenn ich nicht irre – die Ausstattungsabteilung der Produktion damals hatte ihr Abschlussfest in keiner Geringeren gefeiert als in der Gaststätte der Herzen. Das hatte mir auch irgendwie etwas geschmeichelt, das gebe ich zu. In diesem Sinne Gruß an K1!

 

Menschen am Sonntag © Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer (Regie) und Billy Wilder (Regie), D 1930

Cinemascope © geschützte Marke der Twentieth Century Fox

Lyrics: Bridge Over Troubled Water © Simon & Garfunkel, 1970

Babylon Berlin © Tom Tykwer, Achim von Borries, Henk Handloegten (Regie) D 2017

Zu Asche, zu Staub © Nikko Weidemann und Mario Kamien, Tom Tykwer (Komposition), 2017