Verdens verste menneske / oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben.

Fiktives Vinyl: Kurt Debussy – „der Stählerne“ (Sinfonie in e-Moll) © Kai von Kröcher, 2016/2022

 

All those scowling faces, all those furrowed brows, all those burned-out cases, make ´em take a bow. +++ Die Arbeit an Kurts Covergestaltung damals (oben) muss wohl noch vor dem 24. Februar beendet worden sein – die Veröffentlichung wurde in der Folge dann immer wieder verschoben. +++ Spontan war ich gestern im Passage-Kino unten im Keller: Der schlimmste Mensch der Welt. Wahrscheinlich bin ich eher nicht so der Typ für norwegische Originalfassungen mit englischen Untertiteln, aber hat mir doch trotzdem recht gut gefallen. Der Film endete überraschenderweise mit einer Standfotografin, da habe ich gestaunt. +++ Sind Kubicki und Kubrick eigentlich ein und dieselbe Person? +++ Wie viele Plattencover hatten wir denn insgesamt bisher hier? Vielleicht der perfekte Moment für eine Zensur Zäsur…

 

Überschrift inspired by: Verdens verste menneske (dt. Der schlimmste Mensch der Welt, u.a. mit Renate Reinsve) © Joachim Trier (Regie, Drehbuch), N/F/S/DK, 2021

Überschrift also inspired by: Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb © Stanley Kubrick (Regie, Drehbuch), UK/USA 1964

Lyrics: Make a Picture © Andrew Bird, 2022

Claude Debussy (* 22. August 1862 in Saint-Germain-en-Laye; † 25. März 1918 in Paris), frz. Komponist

Kubicki (* 3. März 1952 in Braunschweig)

Stanley Kubrick (* 26. Juli 1928 in New York City; † 7. März 1999 im Childwickbury Manor bei London), US-amerikanischer Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Fotograf

Josef Wissarionowitsch Stalin (18. Dezember 1878 in Gori, Russisches Kaiserreich, heute Geogien; † 5. März 1953 in Kunzewo bei Moskau, UdSSR), sowjetischer Politiker 

Hochtief / Atom Heart Mother.

Fiktives Vinyl: Regina Novakovich – Vor- und Nachteil eines taktischen Atomschlags © Kai von Kröcher, 2013/2022

 

It’s gonna get fast, just keep a level head and remind to interchange past.

 

Überschrift inspired by: Lang Lang (* 14. Juni 1982 in Shenyang, Provinz Liaoning, China), Pianist

Überschrift also inspired by: Atom Heart Mother © Pink Floyd, 1970

Lyrics: Inamorato © Thus Love, 2022

Alterswohlstand / Ain’t Too Proud to Beg.

Fiktives Vinyl: Ernst Blutiger – Technokratie © Kai von Kröcher, 2015/2022

 

Wipe the pollen from the faces, make revision to a dream. +++ Wahrscheinlich der falsche Weg, öffentlich hier nach einer Anstellung zu schleimen. Nach ausgiebiger Baby-Pause aber täte ein bisschen Beschäftigung gar nicht so schlecht. Muss ja nicht gleich auf dem Bau sein. Gegen Dienstwagen mit Sitzheizung würde ich mich auch gerade nicht sträuben. Anstellung oder Ausstellung, das müsste man ebenfalls sehen: Vielleicht kennen Sie ja einen im Guggenheim in Bilbao, und der plant da zufällig etwas mit Fake-Art – klingeln Sie einfach kurz durch! +++ Über Schumann früher soll übrigens abschätzig geredet worden sein, liest man im Internet: Als Genie habe er begonnen, als Talent geendet sei er. Bei Dingenskirchen hier, dem aus dem Blade Runner. Bei dem war es eher andersherum. Harrison Ford. Der hatte wohl spät erst zur Schauspielerei gefunden. Erst muss er Zimmermann gewesen sein, genau wie Bob Dylan. Zimmermann oder Dachdecker, irgendetwas mit Holz – und später dann weltberühmt. +++ Bei mir dann doch eher wie Schumann: Als ich die Rolle des Pavel Zynklawski angenommen hatte, damals in dem Kultstreifen Waslawska – da habe ich mir auch keine Gedanken darüber gemacht, was noch für andere Filme nachfolgen sollten. +++ Ist ja nicht alles immer Lang Lang, oft ist es Hochtief. +++ Auch muss es nicht immer Bilbao sein – haben wir heute denn etwa die Braunschweig-Wochen bei C&A? Das ist doch besagter Hauptbahnhof auf dem Cover da oben: Ernst Blutiger, norddeutsche Hiphop- und Techno-Hoffnung, guter Typ…

 

Überschrift inspired by: Alterswohlstand © Separatorenfleisch, 2022

Überschrift also inspired by: Ain’t Too Proud Too Beg © The Rolling Stones, 1974 (Temptations-Cover)

Lyrics: Evil © Interpol, 2005

Robert Schumann (* 8. Juni 1810 in Zwickau, Königreich Sachsen; † 29. Juni 1856 in Endenich, Rheinprovinz), Komponist, Musikkritiker; Dirigent

Waslawska (mit Alexander Laurisch, Uwe Stark, Kai von Kröcher u.a.) © Ralph Meiling (Regie), D/F 1999/2008

Lang Lang (* 14. Juni 1982 in Shenyang, Provinz Liaoning, China), Pianist

Hochtief AG: börsennotierter deutscher Baukonzern mit Sitz in Essen

Verdammt lang her / Künstler in die Produktion.

Fiktives Vinyl: Kurz Kurz spielt Schumann © Kai von Kröcher, 2021/2022

 

And it seems to me you lived your life. +++ Sagt Ihnen der Kärcher-Laden am Ende der Körtestraße etwas? Eine Art Flagship-Store für Profigeräte: Hochdruckreiniger, Kehrmaschinen, pipapo. Mein Sohn liebt diesen Laden, und oft stehen wir davor. Es ist nie jemand drin, das ist seltsam. Keine Kundschaft, kein Personal. Im Schaufenster aber sind Spielzeug-Miniaturen von Schneeräumgefährten und Kehrwagen, Hochdruckreinigern, Bohnermaschinen aufgebaut – und wäre da drinnen jemals einer zu sehen gewesen: wir hätten längst mal gefragt, ob man die Teile auch kaufen kann. +++ Ist der Joke mit Lang Lang etwas zu flach? Vielleicht wäre „Hochtief“ ein viel geilerer Künstlername gewesen – aber das Cover zumindest ist super. +++ Seit einiger Zeit suche ich die Nähe zum saudischen Königshaus – womit ich heute spontan aber in die Runde platzen möchte, ist etwas anderes. Das ist jetzt auch gar nicht ironisch gemeint oder so. Weil, und da baue ich auf die Schwarmintelligenz. Jedes Mal nämlich, wenn ich hier an meinen brillanten Texten feile, mit denen man kein einziges Kind ernährt. Da frage ich mich, ob ich meine Zeit nicht sinnvoller oder wenigstens lukrativer, falls Sie verstehen. Da ich aber mehr so der BEAR-Typ bin (Ihr seid solche Fucker berichtete), stehe ich vor diesem einen Leben wie die Kuh vorm neuen Scheunentor. +++ Soll also heißen, ich suche gerade latent eine Anstellung, kann aber vor Wald keine Bäume sehen – und vielleicht kommen an dieser Stelle ja Sie jetzt ins Spiel?! +++ Seit ein paar Wochen jedenfalls stehen Schilder im Schaufenster da in dem Kärcher-Laden: Die Spielzeuge im Fenster seien nur Deko und nicht zu verkaufen. Damit wäre die Sache nun auch endlich geklärt. Und drinnen hängt ein großer Flachbildschirm-Fernseher an der Wand, da läuft immer ein Nachrichtensender. Und vorgestern – wir stehen so auf der Straße vorm Schaufenster, drinnen flimmern lautlos die Bilder. Da berichteten sie anscheinend gerade über eine nagelneue Rex-Gildo-Verfilmung. Ben Becker mimt darin Rex‘ Liebhaber, und es wurmte mich doch schon einigermaßen, dass wir draußen nichts hörten.

 

Überschrift inspired by: Verdamp lang her © BAP, 1981

Überschrift also inspired by: Künstler in die Produktion

Lyrics: Candle in the Wind © Elton John, 1973

Lang Lang (* 14. Juni 1982 in Shenyang, Provinz Liaoning, China), Pianist

Robert Schumann (* 8. Juni 1810 in Zwickau, Königreich Sachsen; † 29. Juni 1856 in Endenich, Rheinprovinz), Komponist, Musikkritiker; Dirigent

Kärcher: Hersteller von Reinigungsgeräten und -systemen mit Hauptsitz in Winnenden, Baden-Württemberg

Russian Lips / Zeiten ändern dich.

Fiktives Vinyl: Kehle – Du hängst jetzt immer mit Filmtypen ab © Kai von Kröcher, 2015/2022

 

And when she said she’d be a movie queen nobody laughed. +++ Die Stadt verändert sich schnell. +++ Ich hatte Otto zur Kita gebracht – und weil der Herbst so wunderbar leuchtete, haben wir urstens getrödelt. Ich nutzte den Augenblick und gab ihm noch etwas Weisheit mit auf den Weg. Ich sagte: „Herbst ist nur jetzt, Stress aber kannst du später im Leben noch oft genug haben.“ Er meinte, d’accord! Und wie zum Beweis meiner These kam er dann doch gerade noch rechtzeitig zum Frühstück. +++ Nanü?! +++ Frühstücke bekommt er immer zweie am Morgen: Ein erstes bei mir mit dem Papst, ein zweites dann bei den Früchten. „Früchte“, so heißt seine Gruppe da in der Kita. Und natürlich hatte ich „Paps“ schreiben wollen, nicht Papst – aber Papst ist schon recht lustig! +++ Um hier nicht so viel rumzufaseln, hatte der Post heute folgendermaßen anfangen sollen: ‚Die Stadt verändert sich schnell, rasend schnell – wer wüsste das besser als die Band Kehle?‘ +++ Wie finden Sie das? Auf dem Rückweg von der Kita nämlich hatte ich mich vor das neue Café da gesetzt, im Schatten des Grand Hotel Urban. Wobei „Schatten“ natürlich im übertragenen Sinne: Man hat dort den besten Sonnenschein der Stadt. Und wenn man sich rechtzeitig hinsetzt, da kann man dann Otto und mich auf dem Wege zur Kita beobachten. So Stalker mäßig, wenn man will. +++ Muss aber nicht sein. +++ Jetzt hatte ich mich also alleine draußen da hingesetzt: Cappuccino, Croissant, Tagesspiegel. Plötzlich kamen die Frauen, das dürfte kein Zufall sein. Setzten sich links an den Tisch und an den Tisch hinter mir – von der Straße, also von Osten aus gesehen. An jedem Tisch zwei. Die hinter mir sprachen Englisch, irgendwas so von wegen, schön, dass die Sonne scheint. An dem anderen Tisch sagte die eine zur anderen: „Die Stadt verändert sich schnell.“ +++ Wer wüsste das besser als die Band Kehle? Das Album hatte ursprünglich Wohlstandsverlust heißen sollen, die Plattenfirma aber sofort ein striktes Veto eingelegt und gesagt: dann sprängen die AfD-Wähler ab, man müsse auch an die Verkaufszahlen denken. Stattdessen hatte sie Russian Lips vorgeschlagen, da hatte die Band aber sich quergestellt. Du hängst jetzt immer mit Filmtypen ab war dabei letztlich ein Kompromiss, das sieht man der Platte auch an. +++ Falls Sie sich wundern – das Cover wurde einst in der Löwenstadt Braunschweig fotografiert: Außerhalb des linken Bildrandes sieht oder sieht man eben auch nicht den Hauptbahnhof mit der schönen Empfangshalle, die hoffentlich unter Denkmalschutz steht. Im Rücken hatte der Fotograf wahrscheinlich in etwa die Stadthalle. Halb rechts geradeaus, das dürfte das Atrium-Hotel sein – dort haben vor vielen Jahren Hot Chocolate mal geschlafen…

 

Überschrift inspired by: Russian Lips © Kehle, 2022 (unofficial)

Überschrift also inspired by: Zeiten ändern dich (Bushido-Film-Biografie) © Bernd Eichinger (Drehbuch), Uli Edel (Regie), D 2010

Lyrics: Emma © Hot Chocolate, 1974

Anämische Boomer / Warum, in Gottes Namen, denn nicht.

Fiktives Vinyl: Soldaten – „Mike“ © Kai von Kröcher, 2008/2022

 

Now, Halloween Jack is a real cool cat, he lives on top of Manhattan Chase. +++ Das Internet vergisst und vergibt nicht – hier deshalb ein weiteres Geständnis. Der Tag war geprägt gestern von spontaneren Eingebungen. So bin ich am Nachmittag zum Beispiel ins Kino. Einen dieser Filme von der Liste abarbeiten, auf der sie alle sich türmen: Die Streifen, die jeder gesehen haben muss und natürlich auch hat. Die ständig einer irgendwo mal zitiert. Meine Achillesferse, der verschämte Blick auf den Boden. +++ Draußen schien noch die Sonne, drinnen im Babylon Mitte aber drängte die Menge in den Saal mit der Orgel. Dem Kartenabreißer hielt ich freundlich die Karte hin. Schmaler Typ mit schmalem Oberlippenbart oder so, Mitte zwanzig vielleicht, prüfender Blick: „Sie wollen sich auch Blade Runner ansehen?“ +++ Den ganzen Film über musste ich irgendwie an diesen Halloween Jack denken, der da auf dem Dach der Chase-Manhattan-Bank lebt – und weil der Fahrstuhl kaputt ist, lässt er sich die hundertzwanzig Stockwerke immer an einem Seil hinab. Ich fragte mich, was der Kartenabreißer gemeint hatte, als er da sagte: „Sie wollen sich auch Blade Runner ansehen?“ +++ Zurück auf der Straße, saßen wir schon mitten in der Blauen Stunde gefangen. Ich war froh, wenigstens goss es nicht in wie aus Eimern. +++ Das Album „Mike“ der Gruppe Soldaten ist ein dystopisches Brett – hätte den perfekten Soundtrack abgegeben zum Blade Runner!

 

Überschrift inspired by: Anämische Boomer (Schlagzeile) © Anna Mayr/Die Zeit, 26.09.2022

Überschrift also inspired by: Babylon | Rosa-Luxemburg-Str. 30 | Berlin-Mitte

Lyrics: Diamond Dogs © David Bowie, 1974

Blade Runner (mit Harrison Ford) © Ridley Scott (Regie), USA/HK 1982

Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen / Welcher Gehirnhälften-Typ sind Sie.

Fiktives Vinyl: Andy Morricone – Angekommen im System © Kai von Kröcher, 2008/2022

 

Fresh-faced imbeciles laughing at me, I’ve been laughing myself. +++ Verstehen Sie mich nicht falsch: Braunschweig hatte gewiss seine Besonderheiten – als Braunschweiger zum Beispiel ging man gern „auf die Gurke“, das lässt sich nicht übersetzen. Auf der Tourismusbörse Berlin aber, und wir nähern uns langsam nun endlich dem Showdown! Auf der Tourismusbörse lief ich in eine Aufzeichnung fürs Fernsehen, das war eine andere Welt. Und während der Stargast in gewienerten Lederschuhen bereits auf das Scheinwerferlicht zusteuerte – da erhob die Moderatorin dramatisch die Stimme und kündigte an: „Und hier ist er nun, meine Damen und Herren, Sie kennen ihn alle – Roy Black!“ Und am Bühnenrand stand, jetzt wird es spannend – in seiner Verbeugung jäh unterbrochen, im schwarzen Zwirn: Rex Gildo. Er lachte verlegen, dann alles wieder auf Anfang: „Und hier ist er nun, meine Damen und Herren, Sie kennen ihn alle – Roy Black!“ Und wieder im Scheinwerferkegel, wie eben schon einmal: Rex Gildo. +++ Das ging dann noch einige Male so, ganz ohne Quatsch – und ehrlich gesagt habe ich mittlerweile vergessen, was ich mit der Geschichte erzählen wollte. +++ Heute früh bin ich leider wieder in einen gar nicht so uninformativen Prokrastinationsstrudel geraten: „Das könnte dich auch interessieren – welcher Gehirnhälften-Typ bist du?“ Okay, ich scheine der BEAR-Typ zu sein. Optimale Karrieremöglichkeiten bieten sich mir in folgenden Bereichen: Künstler, Tänzer, Sportler, Musiker, Fotograf, Modedesigner, Kinderbetreuer, Krankenschwester, Tierpfleger, Ministerium, Verkehrsbetrieb, Bauarbeiter, Landwirt, Lehrer, Kleinunternehmer.

 

Überschrift inspired by: Back in the USSR © The Beatles, 1968

Überschrift also inspired by: Welcher Gehirnhälften-Typ bist du – Prokrastinationsfalle im Internet

Lyrics: The Best Years of Our Lives © Steve Harley & Cockney Rebel, 1975

Abends in der Hong-Kong-Bar / Vulnerable Person.

Fiktives Vinyl: Vulnerable Person – Abends in der Hong-Kong-Bar © Kai von Kröcher, 2020/2022

 

You’re such a wonderful person but you got problems. +++ Um noch einmal auf Rex Gildo und das Ding mit der ITB zurückzukommen, der Internationalen Tourismusbörse in West-Berlin: 1988 hatten wir in Braunschweig kein Fernsehen und auch keine Stars. Natürlich hatten wir Fernsehapparate, so meine ich das nicht – bloß gab es kein Fernsehen in dem Sinne, dass da irgendwo mal etwas gedreht worden ist, was man dann abends in Leute heute oder so in der „Glotze“ sehen konnte. Dass da ein Fernsehteam über den Bohlweg oder den Kohlmarkt gelaufen ist und einen befragt hat: Was halten Sie von der Gasumlage. Leute heute gab es damals natürlich noch nicht, aber das ist ja jetzt ganz egal. +++ Interessant an der Band Vulnerable Person übrigens ist gar nicht zuletzt, dass man den Namen gleich ob in Deutsch oder in Englisch aussprechen kann, wenn ich nicht irre – probieren Sie’s einfach mal aus! +++ Jedenfalls hatten wir kein Fernsehen, und Stars gab es in Braunschweig nur in dem Rahmen, wie ich höchstselbst einer war: Außerhalb der Grenzen der Löwenstadt, zum Beispiel in Gifhorn. Da erkannte einen niemand mehr auf der Straße, und unbehelligt konnte man sein an Ereignissen gar nicht so armes Dasein fristen. +++ Und jetzt war ich da mit dem Reisebüro Schmidt aus Wolfenbüttel also auf der ITB in Berlin, als Begleiter auf Schnupperkurs, sozusagen. Und eigentlich hatte mir niemand eine Aufgabe gegeben – außer, auf der Transitstrecke die Mitfahrenden durchzuzählen. Ziellos schlenderte ich über das Messegelände, und als dann da plötzlich an einer Ecke ein bisschen Trubel war und Scheinwerfer und so aufgebaut waren, da blieb ich ganz einfach stehen: So etwas hatte ich noch nicht gesehen, das übertraf alles, was ich bisher, äh, okay. +++ An dieser Stelle hier sollte jetzt wieder der Cliffhänger auftauchen, ich fände das gut!

 

Überschrift inspired by: Abends in der Hong-Kong-Bar © Vulnerable Person, 2022

Lyrics: Breaking Glass © David Bowie, 1977

Ob-La-Di, Ob-La-Da / Trotzkistische Liebschaft.

Fiktives Vinyl: Eloise Golodkowski – Toxische Leidenschaft © Kai von Kröcher, 2013/2022

 

All we are is dust in the wind. +++ Nach meinem Post mit der Beerdigung neulich scheint nun ein Wettbewerb ausgerufen: Wer spielt die beste Begräbnismusik. Man sollte den Tod allerdings nicht zu verkrampft nehmen, man macht sich das Leben unnötig schwer. Wie zum Beispiel wäre es mit Ob-La-Di, Ob-La-Da zu Ihrer persönlichen Abschiedszeremonie? +++ Erinnern Sie sich an Eloise Golodkowski? Die möchte sich dieser Thematik noch lange Zeit fernhalten, was eine lebensbejahende Einstellung voraussetzt. Das Artwork zu ihrer neuesten Platte (oben), da zeichnet der Typ für verantwortlich, der damals fast hätte das Sergeant Pepper-Cover gestalten sollen – auf den letzten Metern dann aber ausgebremst worden ist. +++ Das Foto dazu wurde vor Jahren im Nordwesten Polens aufgenommen, in Kołobrzeg möglicherweise. +++ „Put on your red schoes and dance the blues“, sage ich immer!

 

Überschrift inspired by: Ob-La-Di, Ob-La-Da © The Beatles, 1968

Überschrift also inspired by: Leo Trotzki (* 26. Oktober 1879 in Janowka, Gouvernement Cherson; † 21. August 1940 in Coyoacán, Mexiko), russischer Revolutionär

Lyrics: Dust in the Wind © Kansas, 1977

Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band © The Beatles, 1967

Let’s Dance © David Bowie, 1983

It’s not unusual / You fuckin‘ die.

Fiktives Vinyl: DJ Tiernahrung – You Fuckin‘ Die © Kai von Kröcher, 2022

 

I was thinking surviving with my sister in New Jersey, she told me it’s a good life there. +++ Wenn Sie übrigens gern ein gekochtes Ei essen und dabei Strom sparen möchten – ich habe mir eine mutmaßlich gute Methode zusammengefranst: Warmes bis heißes Wasser aus dem Hahn ungefähr fingerhoch in den Topf. Wo schon die Eier drin sind. Herd volle Pulle, bis erste Blasen aufsteigen: Wenn Wasser erhitzt wird, bilden sich ab einer bestimmten Temperatur, das nennt man den Siedepunkt. Fängt es also an zu blubbern, Herd ausschalten und Eier – je nach Geschmack und individueller Vorliebe – noch viereinhalb Minuten weiterbrodeln lassen. Abschrecken. Funktioniert wunderbar auf dem Elektroherd, an Gas klebt eh Blut. +++ Im Internet gestern bin ich übrigens noch auf etwas sehr – also, zumindest mir war das völlig neu: Dass David Bowie nämlich, bevor er sich David Bowie nannte. Da weiß man ja dieses und jenes. Dass er sich zwischenzeitlich aber, bevor es dann richtig losging. Er hatte ja nun auch einige Anläufe gebraucht, bis überhaupt irgendwer endlich Notiz von ihm nahm – vom kommerziellen Erfolg ganz zu schweigen. Jedenfalls hatte er sich. Sein richtiger Name war David Robert Jones – Lehrplan erstes Jahr Bowie-Vorschule. Okay. Jedenfalls nannte er sich zwischendurch auch mal Tom Jones – bis kurze Zeit später der „echte“ Tom Jones plötzlich auf der Bildfläche erschien mit seinem ersten Hit. +++ Falls Sie das nicht interessiert, können Sie gerne stattdessen auch Micky Maus lesen, aber der Knaller hier kommt gleich noch. +++ Mit dem Wasser von den Eiern könnte man theoretisch sich Kaffee kochen, das müsste man ausprobieren. Ein paar Jahre lang hatte ich übrigens gar keine Eier mehr gegessen. Aus Mitgefühl mit den geschundenen Biestern. Die in ein Leben hineingeboren werden, naja. Heute ist mir das alles scheißegal – geht sowieso alles den Bach runter. Die Menschen sind stumpf, die Welt ist im Arsch. Klima, Kriege, Tierquälerei – Hauptsache drei Wochen Urlaub im Jahr. Mitleid habe ich nur noch mit Schweinen. Also, den Tieren gleichen Namens. Le Putin, Erdogan, Orban – die meine ich alle nicht. Bolso, George Doubleyou, Trumpi, Le Penis – man kann sie gar nicht mehr alle aufzählen: Mitgefühl habe ich nur noch mit echten Schweinen. +++ Eine Weile, bevor er sein erstes Solo-Album herausbrachte, nannte Bowie sich ohne Quatsch jedenfalls David Cassidy – und damit schließt sich der Kreis.

 

Überschrift inspired by: It’s Not Unusual © Tom Jones, 1964

Überschrift also inspired by/Lyrics: Vamos © Pixies, 1988

Micky Maus (engl. Mickey Mouse): Comicfigur © Walt Disney (Miterfinder), 1928

How Can I Be Sure © David Cassidy, 1972