Red Army Blues 2.0 / Dystopien statt Klimawahn.

Sons of the Silent Age: Oktapolaris, Jannowitzbrücke (Demoversion) © Kai von Kröcher, 2021

 

Baby, baby, baby, I will never let you go, all I see is all I know, let’s take another way down. +++ Haben Sie eigentlich gewusst, dass es die Rote Armee gar nicht mehr gibt? Das nennt sich jetzt “Russische Streitkräfte”. +++ Da war er also wieder, im vorigen Post: dieser messerscharfe politische Witz – der die da oben das Fürchten lehrt! +++ Heute wieder ein älteres Bild vom Frühjahr: Vorm Krieg sah die Brücke übrigens wesentlich großartiger aus – falls Sie vorhaben, am Sonntag die Nazis zu wählen… +++ Das stimmt übrigens nicht ganz, dass es hier nie eine Reaktion gibt: Als ich diesen Typen zum Beispiel gepostet hatte, der da in Rostock-Lichtenhagen damals im Deutschlandtrikot den Hitlergruß machte. Da habe ich ohne Quatsch – jetzt vielleicht nicht gleich körbeweise, so aber doch immerhin einige Emails bekommen: Wer genau der Typ war, Hintergründe und so, was aus ihm geworden ist. Und warum er einen so gigantischen Pissfleck in der Hose hatte. Da haben sich viele gemeldet per Mail – sehr schönes Feedback! +++ Viele von denen, von denen ich seit Jahren nichts mehr gehört hatte. +++ (For further information please click here!)

 

Überschrift inspired by: Red Army Blues © The Waterboys, 1984

Überschrift also inspired by: Renate Storch (AfD), 2020/2021

Bildunterschrift inspired by / Lyrics: Sons of the Silent Age © David Bowie, 1977

Parents for Future: Klimastreik vor dem Bundestag | Reichstag | Platz der Republik | Freitag, 24. September 2021 | 12:00 Uhr

Femme Fatale / Die Russen stehen vor Königsberg.

El Caminos in the West: Wissen Sie, wo das ist? (Oktapolaris) © Kai von Kröcher, 2021

 

From El Caminos in the west all collapsed and futureless, I’ll paint the words a simple wish. +++ Vielleicht ist das Paralleluniversum ja mein wahres Zuhause. Jedenfalls saß ich da in dieser dämmrigen Traktoria popolare (kleiner Scherz) und brauchte zum Leben für den Moment nicht mehr als dieses restliche Stück Pizza vor mir. +++ Sie müssen sich vorstellen, Sie haben Karten für ein Champions-League-Viertelfinalspiel, der ruhmreiche FC Bayern gegen Paris Saint-Germain. Wenn Fußball Sie nur mäßig interessiert: ein Lounge-Konzert zum Beispiel mit den Travelling Wilburys den Flaming Lips. +++ Und Sie gehen da hin, und plötzlich sind Sie der einzige da, ansonsten nur noch der Tontechniker hinter dem Mischpult und vielleicht noch die Garderobiere und halt einer, der Bier zapft. +++ So saß ich dann also da im Casolare: Ganz allein, außer mir nur noch die drei oder vier Kellner*innen, die da geschäftig taten. Und später am Nachbartisch noch einer mit einer Frau, ich konnte die zwei nicht erkennen. +++ Die Geschichte der Popmusik muss nun doch noch umgeschrieben werden: Gerade im Radio hörte ich einen Titel von einer wohl just erschienenen Tribut-Platte für Velvet Underground, Sharon Van Ettens Version von Femme Fatale nämlich. Da wurde mir plötzlich nur allzu deutlich klar, wo John Lennon für Imagine damals seine Inspiration gefunden hat. +++ Natürlich möchten Sie dem feinen Herrn Lennon einen so niederträchtigen Diebstahl nicht unterstellen – aber mir diese Sache mit Hockney noch immer schön sauer aufs Brot schmieren! +++ Das Lieblingsbrot meines Sohnes und mir ist ja übrigens das Weizen-Vollkorn mit ganzen Körnern aus der dänischen Bäckerei hier am Planufer. +++ Das Bild heute lasse ich mal so als Rätsel stehen – erkennen Sie die Melodie? +++ Ich versuche die ganze Zeit heute schon, hier noch eine witzige, kluge Analogie zum Klima zu finden: Irgendwas mit den Russen zum Beispiel, dass die Rote Armee einen Angriffskrieg plant. Geheimdienstinformation. Und Olaf und Alfred und Christian sagen im Wahlkampf: Wir versprechen Ihnen, wir kümmern uns 2038 darum! +++ Das wäre sehr hintersinnig, das könnte die Menschen zum Umdenken zwingen. Dass die am Sonntag jedenfalls keine Scheiße wählen, das wäre ich meinem Sohn vom Feeling her schuldig. +++ Ansonsten wär’s mir egal.

 

Überschrift inspired by: Femme Fatale © Sharon Van Etten w/ Angel Olsen, 2021 (Cover)

Überschrift also inspired by: In 15 Minuten sind die Russen auf dem Kurfürstendamm © Udo Lindenberg, 1984 

Bildunterschrift inspired by / Lyrics: El Caminos in the West © Grandaddy, 2003

Il Casolare | Cucina Casalinga Popolare | Grimmstraße 30 | Berlin-Kreuzberg

Do You Realize © The Flaming Lips, 2002

Femme Fatale © The Velvet Underground, 1967

I’ll Be Your Mirror: A Tribute To The Velvet Underground & Nico © Various, 2021

Imagine © John Lennon, 1971

Pearblossom Hwy., 11 – 18th April #2 © David Hockney, 1986

Erkennen Sie die Melodie? (Quizsendung mit Ernst Stankovski u.a.) © ZDF und ORF, BRD 1969 – 1985

die Brodstätte | Planufer 92D | 10967 Berlin

 

Junge, komm bald wieder / Auf ewig Dein.

Wer einen Pelz hat, trägt ihn, wer keinen hat, trägt keinen: Berlin, Alexanderplatz (Oktapolaris, remastered) © Kai von Kröcher, 2020

 

Meine einzige Geliebte ist jetzt das Morphium. Sie ist böse, sie quält mich unermesslich, aber sie belohnt mich auch über jedes Begreifen hinaus. +++ Das war vermutlich das letzte Bild vom letzten Jahr: Silvesternachmittag, mehr als 300 Einzelaufnahmen (oben). +++ Nächstes Jahr, 1929, wirds noch kälter. +++ Habe ich Ihnen eigentlich schon einmal von meinem Sohn erzählt? +++ Telefonieren tue ich bekanntlich nur ungern und äußerst selten. Früher, zu Zeiten der Szenegaststätte der Herzen, war das einzige Telefonat in der Woche das mit dem Getränkelieferanten, das ließ sich unmöglich umgehen. +++ Okay, ich hatte vor einer Weile mal eine Geschichte. Angefangen, irgendetwas mit Casolare. Und wo ich noch immer mit Männergrippe im Bett liege, vielleicht erzähle ich die nun einfach endlich zu Ende. +++ Es begab sich in den ersten Monaten nach Ottos Geburt, und für einen spätgebärenden Jungvater ohne Vorahnung ist das vor allem eine herausfordernde, anstrengende Zeit. Es wird ein Spätwintertag gewesen sein, ich kam von meinem eingeborenen Sohn, die nächsten Stunden hatte ich ‘frei’. An der Admiralbrücke entschloss ich mich ganz spontan zu einer Belohnung, einer Pizza im Il Casolare. Das war lange vor Coronita, und mehr noch als die meistgehasste Pizza der Stadt mochte ich diese geschäftige Stimmung dort drinnen am Nachmittag, die noch nicht in das abendliche Gekreische übergegangen war. Immer schon knapp davor, dass man keinen Tisch mehr bekam, dennoch kontemplativ irgendwie. +++ Ich trat also ein – und was ich noch nie erlebt hatte: der Laden war leer. Fünf, sechs Leute vom Personal drückten sich vorne am Tresen herum und schauten mich an. Manch eine*n von denen kennt man ja seit – keine Ahnung, seit mindestens zwanzig Jahren. Stutzend verunsichert blieb ich zaghaft im Eingang stehen: “Ist geschlossen?” +++ Jetzt muss ich den Bogen kriegen: sie meinten, ich könne mir irgendeinen Tisch suchen, ich nahm einen kleinen am Fenster. Draußen der schmucklose Spätwintertag, drinnen die herzerwärmende Wärme des Steinofens. +++ Meine Pizza war schon gekommen, noch immer saß ich alleine da. Ich kam mir vor wie in einer dieser Folgen im Fernsehen über unerklärliche Phänomene mit dem Typen der aussieht wie Freddy Quinn und stümperhaft synchronisiert ist. +++ Genüßlich aß ich von meiner Pizza, ich glaube, es war eine Philadelphia mit Pilzen. Irgendwann traten zwei Gäste ein und setzten sich an den Tisch direkt neben mir. Sie saßen in meinem Rücken, ich konnte mich nicht nach ihnen umdrehen. Er oder sie meinte, er oder sie habe kein Bargeld dabei*, der oder die andere meinte: “kein Problem!” +++ Vielleicht lasse ich einfach das Bild oben wirken und trinke entspannt eine Tasse Kaffee.

 

Überschrift inspired by: Junge, komm bald wieder © Freddy Quinn, 1962

Überschrift also inspired by: Tatort – Auf ewig Dein (Fernsehkrimi, mit u.a. Florian Bartholomäi) © ARD, D 2014

Bildunterschrift inspired by: Berlin Alexanderplatz – die Geschichte vom Franz Biberkopf (Roman) © Alfred Döblin, 1929

Textauszug aus: Der Trinker (Graphic Novel nach Motiven u.a. aus Hans Falladas gleichnamigen Roman) © Jakob Hinrichs, 2015

Freddy Quinn (* 27. September 1931 in Wien als Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl), östrr. Schlagersänger und Schauspieler mit Wahlheimat Hamburg

Il Casolare | Cucina Casalinga Popolare | Grimmstraße 30 | Berlin-Kreuzberg

* keine Kartenzahlung

Hockey / Ein frühherbstliches Gedicht.

Unser Haus am See, an der Havel: Heinrich-Heine-Straße (Oktapolaris, Ausschnitt) © Kai von Kröcher, 2021

 

The grand old painter died last night, his paintings on the wall – before he went he bade us well and said goodnight to us all. +++ Unter Einfluss der Männergrippe hatte ich mich gestern an die Vollendung dieses Bildes (oben) gemacht und mich dann für den Ausschnitt entschieden. +++ Erfinder der Glühbirne übrigens war immerhin auch nicht etwa Thomas Edison – die Glühbirne nämlich erblickte erstmals möglicherweise das Licht der Welt im niedersächsischen Ort Springe. +++ Die Redewendung mit dem Licht mag schief sein bei einer Glühbirne, aber mich lässt das nicht los: Warum werde ich angeklagt, nur weil ich – ohne es zu ahnen – die gleichen Ansätze verfolgt habe wie Hockney? +++ Was spielt denn das für eine Rolle? +++ Das Konzert übermorgen am Samstag mit Interhotel startet um 16:00 Uhr auf dem Heinrichplatz – außerdem treten auf: Mekanik Destrüktiw Komandöh, Huck L. Burger und Charles Lemming – allesamt bekannt aus der Gaststätte der Herzen. +++ Gastredner ist Friedrich Merz.

 

Überschrift inspired by: Hockey (Feld) © Sportfreunde Stiller, 2000

Überschrift also inspired by: Deutschland. Ein Wintermärchen (Gedichtzyklus) © Heinrich Heine, 1844

Bildunterschrift inspired by: Mira © Die Höchste Eisenbahn, 2013

Lyrics: Picassos’s Last Words (Drink to Me) © Wings, 1973

Do you remember / the Kind of September.

Mein Sohn wird größer sein als Picasso: Dieffenbachstraße, Berlin-Kreuzberg © Kai von Kröcher, 2021 (Handyfotografie)

 

 

Is it worth it, a new winter coat and shoes for the wife and a bicycle on the boy’s birthday, it’s just a rumour that was spread around town. +++ Die herzzerreißende Trompete übrigens wird gespielt von Chet Baker, das wusste ich nicht. +++ Häufig gefragt hatte ich mich außerdem: Gibt es eigentlich auch nicht Eltern, die in ihren Kindern die kommende Rita Hayworth erkennen, den künftigen Paule Breitner oder gar Ethan Hawke? Eltern, die einen Tag nach der Geburt realisieren: “Aus dem (oder der) wird ja sowieso nichts…” +++ Fotografisch heute zur Abwechslung mal wieder private Einblicke, davor wird ja immer gewarnt. Doch Otto feiert heute seinen tatsächlich bereits dritten (!) Geburtstag und überall spricht man längst schon davon, welch famoser Kerl er doch ist – menschlich als auch als Künstler und Philosoph. +++ Und der Papa liegt mit Männergrippe im Bett und leckt seine Wunden. +++ Natürlich bin ich kein Musikwissenschaftler, aber Shipbuilding ist definitiv einer der traurigsten Hunde unter den Songs dieser Welt.

 

Überschrift inspired by: Try to Remember © The Kingston Trio, 1963 (Cover)

Lyrics: Shipbuilding © Elvis Costello and the Attractions, 1983

Otto (* 15. September 2018 in Berlin)

Chet Baker (* 23. Dezember 1929 in Yale, Oklahoma; † 13. Mai 1988 in Amsterdam), US-amerikanischer Jazztrompeter

Rita Hayworth (* 17. Oktober 1918 in New York City; † 14. Mai 1987 ebenda), US-amerikanische Schauspielerin, Tänzerin und Filmproduzentin

Paul Breitner (* 5. September 1951 in Kolbermoor), ehem. dt. Fußballnationalspieler

Ethan Hawke (* 6. November 1970 in Austin, Texas), US-amerikanischer Schauspieler, Schriftsteller, Filmproduzent, Drehbuchautor

Pablo Picasso (* 25. Oktober 1881 in Málaga, Spanien; † 8. April 1973 in Mougins, Frankreich), spanischer Maler

Mein lieber Herr Gesangsverein / Cheap Trick at Budokan.

You can check out any time you like, but you can never leave: Aliens incognito © Kai von Kröcher, 2019

 

I’ve seen her picture in the news reading she’s missing. +++ Als ich beim Promiarzt gestern raus kam, oder besser gesagt: Als ich bei Liebermann gestern raus kam. Irgendwie in der S-Bahn. Da hatte ich dieses typische Glucksen in der Luft- oder Speiseröhre – das habe ich immer, wenn ich am nächsten Tag krank bin. Und so war es dann heute auch. Nicht so schlimm, aber halt etwas wackelig auf den Beinen und ein Kratzen im Hals. Und da habe ich ganz unaufgeregt ein paar ältere Bilder durchgeguckt. Kennen Sie das heute hier (oben) schon? Weiß ich nicht, ist aber ganz gut: Gehört zu der Serie Aliens incognito, die hatte eigentlich vor zwei Jahren schon ausgestellt worden sein. +++ Werden sollen. +++ Hätte Liebermann zu Lebzeiten eine Digitalkamera damals besessen, das Bild heute hätte gut auch von ihm sein können – wissen Sie, wo das ist? +++ ‘türlich. +++ Was mir vorhin gerade so durch den Sinn ging, sagt man das so? Ist das eigentlich wirklich wahr, dass es in Tokio auf eine Art keine Adressen gibt? Tokio scheint mir ja immerhin die größte Stadt dieser Erde zu sein, wie will man denn dort jemanden finden? +++ Eine andere Frage, die mich seit längerer Zeit sehr beschäftigt: Hat einer von Ihnen da draußen zufällig eine Ahnung wie es sich anfühlt, von einer Schlange gefressen zu werden? Das kann ja mit humanem Sterben nicht viel zu tun haben, wenn ich da nicht auf dem Holzweg bin: da wird man doch bei lebendigem Leibe verdaut, oder nicht? +++ Bei lebendigem Leibe verdaut, das kann einfach nicht gut sein.

 

Überschrift inspired by: Mein lieber Herr Gesangsverein (Roman) © Paul Wernherr, 2018

Überschrift also inspired by: Cheap Trick at Budokan © Cheap Trick, 1978

Bildunterschrift inspired by: Hotel California © The Eagles, 1976

Lyrics: Strange Desire © Interhotel, 2021

 

 

Désirée Desire / Ich spüre ein dunkles Verlangen.

Liebermann-Villa am Wannsee (Handyfotografien) © Kai von Kröcher, 2021

 

Zum Kanal an Ruinen vorbei, da hinten das Büro der Partei, auf dem Gehweg Hundekot. +++ Nach etwa drei Jahren saß ich heute zum ersten Mal wieder im weltschönsten Wartezimmer beim Promiarzt drüben. Vom Stapel mit den Zeitschriften hatte ich mir blind eine Ausgabe der Geo gegriffen, bei einer Fotostrecke mit Landschaftsaufnahmen blieb ich hängen: Schwarzweiß-Fotos von Ansel Adams, der muss ja nun auch schon alt wie Methusalem sein. In harten Kontrasten zeigten die Bilder, so ungefähr hieß es, die Göttlichkeit der Natur: Rettet die Erde für eure Kinder, so der Appell Adams’ in der Überschrift. +++ Unweigerlich denken musste ich an das sogenannte “Triell – Dreikampf ums Kanzleramt”, gestern Abend im Fernsehen: Olaf verspricht einen moderaten Klimawandel, der fröhliche Armin wirbt für Vertrauen und Wachstum. +++ Dann eine doppelseitige Werbeanzeige, ich stutzte: der Opel Senator A1! +++ Soll ich den Witz für Sie jetzt vielleicht noch erklären? +++ Der Promiarzt sagte, das sei ja mal eine Überraschung, ich sagte, mir fehle nichts, der Promiarzt meinte, das höre man selten. Lediglich eine Kur gemeinsam mit meinem Sohn Otto hatte ich mir verschreiben lassen wollen – was geht Sie das überhaupt an?! +++ Noch nie was von ärztlicher Schweigepflicht gehört? +++ Zeitgleich zum Erscheinen ihres ersten Doppelalbums auf Vinyl gibt es übrigens ein neues Video von Graf Tati und Cécile Dupaquier: Interhotel – Strange Desire (anklicken) – mit moderner Wackelkamera vom Meister himself. Und kein Geringerer als Hanno Lentz soll sich hier für seine Arbeit an der Kästner-Verfilmung Fabian oder der Gang vor die Hunde inspirieren lassen haben! Live sind Interhotel übrigens zu sehen am Samstag am Heinrichplatz. +++ Lange Rede, kurzer Sinn: der Promiarzt strich mir über den Arm: “Wir machen hier gar keine hausärztliche Arbeit mehr.” +++ In welchem Paralleluniversum war ich da nun wieder gestrandet? +++ Aber tatsächlich, er und sein Bruder hatten die Praxis, wenn ich’s richtig verstanden habe. Sie waren wohl schon dabei gewesen, ihre Praxis vor Jahren aufzugeben – dann kam Corona, und seitdem helfen sie nur noch mit Impfungen oder so aus, keine Ahnung. +++ Ich bin dann stattdessen zur Liebermann-Villa am Wannsee gefahren, das war auch wie’ne Kur…

 

Überschrift inspired by: Ich spüre ein dunkles Verlangen © Désirée Desire, 2021

Lyrics: Berlin © Ideal, 1980

Ansel Easton Adams (* 20. Februar 102 in San Francisco; † 22. April 1984 in Carmel-by-the-Sea, Kalifornien), US-amerikanischer Fotograf

Opel Senator A1 © Adam Opel AG/General Motors, 1978 – 1982

Interhotel (Doppel-Vinyl) © Interhotel, 2021

Strange Desire © Interhotel, 2021 (Kamera: Kai von Kröcher)

Fabian oder der Gang vor die Hunde (Romanverfilmung nach Erich Kästner) © Dominic Graf (Regie), D 2021 (Kamera: Hanno Lentz)

Dafür (Kundgebung der Partei Die Partei) | feat. Interhotel, Mekanik Destrüktiw Komandöh, Hackelbörger | Samstagnachmittag, 18.9. | Heinrichplatz | Berlin-Kreuzberg

Die Partei | Büro: Admiralstraße 17 | Berlin-Kreuzberg

Liebermann-Villa am Wannsee | Colomierstraße 3 | 14109 Berlin-Zehlendorf

Max Liebermann (* 20 Juli 1847 in Berlin; † 8. Februar 1935 ebenda), dt. Maler und Grafiker, bedeutender Vertreter des dt. Impressionismus

The Three Shadows Part II / Charlie is my Darling.

The Three Shadows: Bastian Günther © Kai von Kröcher, 2021

 

I’m trying to keep my newspaper dry, I hear myself say ‘My boat’s leaving now’, so we shake hands and cry now, I don’t want to cry again. +++ Jedenfalls kam der so angefahren, da oben auf der Fußgängerbrücke, und statt einfach mal kurz einen Schlenker zu machen und um uns herumzufahren – Platz war ja da ohne Ende – jedenfalls “paulte” er mich da an auf seinem Businessfahrrad von wegen, ob ich nicht Platz machen kann. +++ Die Geschichte hatte ich im letzten Post schon erzählt, ich weiß. Aber diese ewige Rechthaberei geht mir so was von – ist ja jetzt auch egal. +++ Für die Spürnasen unter Ihnen, für Detektive: Gibt es an dem Bild oben eine Veränderung, oder warum zeige ich es heute nochmal? Oder will ich es einfach nur zum Kauf anbieten, sagen wir: kleine Auflage, großes Format, fairer Preis? Ich muss meine Verkaufsstrategie ändern, sagen die Leute, wenn ich jemals auf einen grünen Zweig kommen will. Filmfreunde können es haben (und meinetwegen auch Otto-Normalverbraucher, haha, da bin ich ganz ehrlich). Die können es haben für, sagen wir mal, großzügig kalkulierte 85.000 € VB bei einer Größe von ziemlich genau 2,54m x 1 Meter fünfzig kaschiert. +++ Wirkt ein wenig runder, ohne die kaputten Schatten da unten am Rand, meinen Sie nicht vielleicht auch? +++ Jetzt ist schon wieder jemand gegangen: Als neulich die Nachricht von Charlie Watts’ Tod im Radio kam, konnte ich mir das gar nicht vorstellen: eine Welt ohne Charlie Watts. Gestern nun gerade Danilo Popivoda, ich kann mich noch an die Schlagzeile erinnnern in der Bild-Zeitung damals: “Popi nie da” – dass der jetzt gestorben ist! Da muss man sich nun langsam auch mal mit der Möglichkeit einer eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen, das kann doch nicht wahr sein. +++ Der letzte Wagen ist immer ein Kombi, was wollen Sie sich an diese lästigen 85.000 € klammern?! +++ Charlie is my Darling kann ich als Konzertfilm übrigens nur empfehlen: dreht sich um die zweite Irland-Tour der Rolling Stones Anfang September 1965. Sicher werden Sie wieder sagen, Hi-Hi-Hilfe von den Beatles ist besser, aber darum geht es doch gar nicht – Habeck zum Beispiel ist ja auch besser als der fröhliche Armin, doch was hat das jetzt alles mit mir zu tun?

 

Überschrift inspired by: The Three Shadows Part II © Bauhaus, 1982

Überschrift also inspired by: Charlie is my Darling (Tourfilm) © Peter Whitebread, UK 1966

Lyrics: Manhattan Skyline © A-ha, 1986

Charlie Watts (* 2. Juni 1941 in Bloomsbury; † 24. August 2021 in London), britischer Schlagzeuger

Данило Попивода (* 1. Mai 1947 in Lóvcenac, SGR Jugoslawien; † 9. September 2021 in Montenegro), jugoslawischer Fußball-Nationalspieler, von 1975 – 1981 Rechtsaußen bei Eintracht Braunschweig

One of these Days (Filmdrama) © Bastian Günther (Drehbuch, Regie), D 2020

Der letzte Wagen ist immer ein Kombi © Gunter Gabriel, 1994

Help (Musikfilm) © Richard Lester (Regie), GM 1965

Robert Habeck (* 2. September 1969 in Lübeck), dt. Politiker

Armin Laschet (* 18. Februar 1961 im Aachener Ortsteil Burscheid), dt. Politiker

 

One of these Days / I’ve Got Dreams to Remember.

Hotter than July: One of these Days (Oktapolaris, Rohfassung) © Kai von Kröcher, 2021

 

Ich sage zu Montag: “Sie müssen sich einen heißen Sommertag vorstellen, August oder Juli, alles stöhnt unter der Hitze, und zwar einen Sonntag.” +++ Sie kommen eines Tages also da irgendwo raus aus dem Übungsraum, Tonstudio; nicht nur ein paar neue Demo-Tapes haben Sie aufgenommen, auch etwas bahnbrechend Neues erfunden in dieser Nacht: Musik komplett ohne Gitarre und auch ohne Schlagzeug, ohne menschliche Stimme – alles nur Synthesizer und Drum-Computer, der Gesang vom Vocoder verfremdet, durch den Phaser gejagt. Sie sind sich nicht sicher, irgendwie klingt es ganz gut, interessant. Also arbeiten Sie weiter an dieser Idee. Und dann kommt dieser eine da an, der kennt sich ein bisschen aus mit Musik. Und der sagt: “Hör dir mal die Schallplatte Autobahn an!” +++ Unwissenheit schützt halt vor Strafe nicht. +++ An einem schneidend heißen Tag Anfang Juli hatten wir uns an dieser Holzüberführung (oben) getroffen. Bastian war gerade aus den Staaten zurück, wie Sie gerne manchmal noch sagen. Sieben Wochen waren geplant, 16 Monate daraus geworden. Corona, Lockdown und Präsident Trump. Ich hatte gefragt, ob er so ‘ne Art Kulturschock bekommen hat, als er hier wieder ankam. Und dabei den Schauspieler Peter Simonischek zitiert: In einem Interview irgendwo hatte der Österreicher gesagt, Berlin sei die Abwesenheit jeglichen Charmes, oder so ähnlich. Den spüre ich hier ehrlich gesagt auch nur noch selten. Darüber sprachen wir, als wir die Treppe zum Steg hinaufwandelten. +++ Epischer Traum, letzte Nacht. Schlafforscher reden ja immer davon, Träume seien in echt nur ganz kurz: Minuten, Sekunden, Trilliardenbruchteile. Meiner dauerte von 04:16 bis 06:09 Uhr in der Früh, ohne Quatsch – ziemlich verrücktes Zeug! +++ Über die Holzbrücke (Foto) bin ich schon tausende Male in der U1 oder U3 oben hinweg geschwebt, unter ihr mit dem Auto hindurch. In Zeiten der autogerechten Stadt. Manchmal auch auf dem Ausflugsdampfer vorbeimäandert. Auf dem Steg selbst aber bin ich niemals gewesen, auf den hatte mich erst vor kurzem mein werter Sohn Otto stoßen müssen – toller Ort, lassen Sie Ihren scheiß Müll bitte nicht liegen! +++ Jedenfalls, als wir fertig waren mit Fotografieren, da standen wir noch ein bisschen am Brückengeländer und plauderten. Bastian am Geländer, ich etwa einen Meter vom Geländer weg. Es war da oben kaum etwas los, die Hitze, selten kam einer vorbei. Ahnt man ja schon auf dem Foto. Wir sprachen über Amerika: Ich hatte immer gedacht, Austin in etwa sei von der Größe Peines, nur eben in Texas – dabei hat es fast eine Million. +++ Wir stehen da also und reden, vom Ende des Stegs her kommt langsam ein Radfahrer angerollt – gekleidet in grauen Anzug, Sonnenbrille und Sturzhelm. Kommt straight auf mich zu. Ich denke, gleich hält er an, gleich wird er sagen, “Ey, sag mal, Alter – bist du nicht?!” Er kommt immer näher, nur noch knapp eine Handbreit. Bremst aber nicht, reißt im letzten Moment seinen Lenker herum, schnauzt mich an, ob ich nicht Platz machen kann. +++ So viel nun zu Peter Simonischek, die Brücke ist vier oder fünf Meter breit. +++ Dafür gibt es in Texas andere Merkwürdigkeiten, den Hand-auf-der-Motorhaube-Wettbewerb beispielsweise. Darüber hat Bastian einen Spielfilm gedreht: One of these Days. Bei den Berliner Filmfestspielen 2020 hatte der schon Premiere. Sollte letztes Jahr schon ins Kino kommen, muss man mal abwarten wegen Corona – nominiert für den Deutschen Filmkunstpreis 2021. +++ Bastian Günther hat heute Geburtstag.

 

Überschrift inspired by: One of these Days (Filmdrama, Musik: The Notwist) © Bastian Günther (Drehbuch, Regie), D 2020

Überschrift also inspired by: I’ve Got Dreams to Remember © Otis Redding, 1968

Bildunterschrift inspired by: Hotter than July © Stevie Wonder, 1980

Textauszug: Irreführung der Behörden (Roman) © Jurek Becker, 1973 VEB Hinstorff Verlag Rostock

Autobahn © Kraftwerk, 1974

Peter Maria Simonischek (* 6. August 1946 in Graz), österreichischer Schauspieler, zuletzt u.a. Toni Erdmann 

Rudi © Herwig Mitteregger, 1983

Heavenly Arms / Mitgefühl und Statistik.

Deep Fuck Records: “Zitrôn – fahr mit mir nach St. Tropez!” (Reprise Rec.) © Kai von Kröcher, 2021

 

 

Sometimes I swear it feels like this worry is my only friend.

 

Überschrift inspired by: Heavenly Arms © Lou Reed, 1981

Überschrift also inspired by: Mitgefühl und Statistik © Kai von Kröcher, 2021

Lyrics: Trouble © Ray LaMontagne, 2005