Squared hole punched / Die Folter endet nie.

An der Schwelle zur Ewigkeit: Hackescher Markt © Kai von Kröcher, 2019

An der Schwelle zur Ewigkeit: Hackescher Markt © Kai von Kröcher, 2019

 

Now I think I know, what you tried to say to me. +++ “Der Künstler formally known as der Künstler formally unknown befindet sich auf einem Weg.” +++ Today, tomorrow: Heute Morgen beim Kaffeekochen schoss mir unvermittelt und plötzlich der Name Atomic Rooster durch den Kopf. Wir mit der Gnade der frühen Geburt – uns könnten die auf eine Art noch geläufig sein, irgendwie. +++ Okay, Sie merken schon, der Mann hat wieder nicht viel zu erzählen. +++ Der Mann hätte schon einiges zu erzählen; das wäre aber nicht für Ihre Ohren da draußen bestimmt. Dem Mann ist heute bloß ein sehr wichtiger Termin weggebrochen – und von daher nutzt er die Zeit, dieses tolle Bild im Stil Alter Meister oben zu posten. +++ Hatte Ihnen der Song (oben) von Tocotronic beim ersten Mal nebenbei Hören(s) auch so überraschend gut gefallen – und beim zweiten dann schon gar nicht mehr wirklich? +++ Komisch, oder?

 

Überschrift inspired by: Kollegeblock, gelocht und kariert 

Überschrift also inspired by: Die Folter endet nie © Tocotronic, 2010

Bildunterschrift inspired by: At Eternity’s Gate (Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit) © Julian Schnabel (Regie), USA/F 2018

Lyrics: Vincent (Starry Starry Night) © Don McLean, 1971

Monolithen / formally known as Marx-Engels.

Watching the Detectives: Hackescher Markt © Kai von Kröcher, 2019

 

Es war nicht alles so schlecht, da waren Menschen, die sich kümmerten, Menschen mit Urlaub. +++ “Der Künstler formally unknown dachte kürzlich über das Leben nach.”

 

Überschrift inspired by: Monolithen © Tom Liwa, 2000

Überschrift also inspired by: S-Bahnhof Hackescher Markt formally known as Haltestelle Börse (1882 – 1951) and Marx-Engels-Platz (1951 – 1992)

Bildunterschrift inspired by: Watching the Detectives © Elvis Costello, 1977

Lyrics: Aliens © Die Höchste Eisenbahn, 2013

Björn “the Hörn” Höcke (*1972 in Lünen), dt. Staatsmann

Watching the Detectives / Ein Fall für zwei.

Berlin-Hauptbahnhof: Hauptsache hier! © Kai von Kröcher, 2019

 

Ich steh’ auf dem Gleis und frier, verdammt kalter Winterabend. Ich weiß nicht, wo ich hier bin – na, Hauptsache hier fährt überhaupt ein Zug. +++ “Der Künstler formally unknown hatte Mitte der Neunzigerjahre einmal gedanklich das Fotoprojekt ausformuliert, heimlich den Moment zu fotografieren, da Kunden aus einem Sex-Shop zurück auf die Straße treten.” +++ Wirklich wahr, leider nie umgesetzt. Vorgestellt hatte ich mir das in etwa so, wie Matula immer, hinter dem Lenkrad versunken, durch die Windschutzscheibe heraus seine “Klienten” beschattet – so sah ich mich da schon wochenlang sitzen. Heute sind ja die Sexshops fast alle verschwunden – gibt es den in der Friedelstraße eigentlich noch? +++ Apropos “Eisenbahn”, da habe ich Anfang ’80 einmal einen gleichnamigen Song geschrieben, die erste Strophe lesen Sie oben. Inspiriert war der Text, da hatte sich einer in einer sternklaren Winternacht bei uns in der Nähe damals irgendwo vor den Zug geworfen, und zwar genau an der Stelle, wo wir oft mit dem Rad die Bahnstrecke Braunschweig – Hannover überquerten. Überall lagen Körperteile verstreut, erzählte man sich, ich habe nie welche gesehen. Der Song hatte, wenn ich mich recht erinnere, keinen Chorus, nur mehrere Strophen.

 

Überschrift inspired by: Ein Fall für zwei (Krimiserie mit Claus Theo Gärtner als “Matula”) © ZDF, D 1981 – 2013

Überschrift also inspired by: Watching the Detectives © Elvis Costello, 1977

Lyrics: Eisenbahn © Regenmantel, 1980

Künstlerische Intelligenz / A Crown for the Wonderful.

Bahnhof Friedrichstraße: The family formally unkown © Kai von Kröcher, 2019

The secret is too high, silence / secret is to forget the violence. +++ “Der Künstler formally unknown gießt bundesdeutsche Durchschnittsfamilien in Kunstharz und anonymisiert sie anschließend mit einem schwarzen Balken.” +++ Das ist ja erstmal nicht schlecht. +++ Frage an die Experten: Wo bekommt man diese professionellen Balken eigentlich her und wie heißen die – also, wie ist die offizielle Bezeichnung? +++ Alles Gute allen Geburtstagskindern heute am 3. Mai!!!

 

Überschrift inspired by: KI

Überschrift also inspired by: A Crown For The Wonderboy © Phillip Boa & the Voodooclub, 2018

Lyrics: Caronte © Apparat, 2019

La famille Leroc

Intimissimi / Leben in der Großstadt.

Menschen im öffentlichen Raum © Kai von Kröcher, 2019

 

Alle wollen was, das wollen alle, alle wollen Freiraum. Neue Hauskäufer kaufen Häuser ein für ein neues Kaufhaus. Stadtplaner planen ohne Plan, Stadtplaner ohne Stadtplan. Leben in der Großstadt findet in Büros statt, findet nicht mehr groß statt. +++ “Auf einer atemberaubenden Achterbahnfahrt reflektiert der Künstler formally unknown die Wahrnehmung des Menschen im öffentlichen Raum.” +++ Ist morgen nicht 1. Mai? +++ Ihr seid solche Fucker grüßt Stalag und Weedmann!

 

Überschrift inspired by: Intimissimi (Unterwäsche für Frauen und Männer des Unternehmens Calzedonia aus Verona/Italien)

Überschrift also inspired by/Lyrics: Leben in der Großstadt © Albrecht Schrader, 2016

Conversations with Ghosts / I used to be Seventeen.

Leider nur Kunst: Berlin-Ostbahnhof © Kai von Kröcher, 2019

 

Scheiß drauf, wir geh’n rein. +++ “Der Künstler formally not known stellt Alltagssituationen mit überlebensgroßen Figuren aus Fake-Harz nach.” +++ Die Fortsetzung: Im Tatort oder bei Bernd Begemann oder auch sonst wo gehen sie manchmal auch kurz mal allein rein, wenn sich ein Psycho mit einer Kettensäge verschanzt. Hier aber, unten im Hof und auf dem Nachbargrundstück, bot sich ein Bild wie bei der Geiselnahme von Gladbeck. Vom Feeling her und auch in real drückten sich zwanzig Beamte im Dunkeln herum. Was ich neulich vergessen hatte zu erzählen: Während ich mit der 110 telefonierte, schlich im Lichte des Treppenhauses ein Schatten mit etwas durch die Remise, was aussah wie die Silhouette eines Staubsaugers. Was nicht zu meiner Vorstellung eines Wohnungseinbruchs passte. Und was ich als Info dann auch lieber unter den Tisch fallen ließ. +++ Okay, mehr fällt mir jetzt gerade dazu nicht ein, geht mir heute auch mehr so ums Bild (oben): ein bescheidenes Meisterwerk. +++ Was ist eigentlich aus Ostbahn-Kurti geworden, hat da mal einer was von gehört?

 

Überschrift inspired by: Conversations With Ghosts © Bear’s Den, 2019

Überschrift also inspired by: Seventeen © Sharon Van Etten, 2019

Lyrics: Unoptimiert © Bernd Begemann und die Befreiung, 2015

 

Amoureux solitaires / Melancholie II.

Amoureux solitaires (Kottbusser Tor) © Kai von Kröcher, 2019

 

Poison is the wind that blows from the north, west, south and east. +++ Mir ist neulich vielleicht was passiert – ich weiß gar nicht, ob man das hier so erzählen darf. Otto lag schon im Bett und schlief den Schlaf des Gerechten. Ein strahlender Sommertag ging zu Ende, Mitte April. Nach vorne raus, am Kanal, saßen einige hundert wildgemischter Menschen und, ja, saßen da halt so rum. Ich meinerseits stand hinten am Küchenfenster und sah der Dämmerung zu, wie sie sich geheimnisvoll über den Nachbarhof legte. Kaum irgendwo brannte ein Licht, nur im Treppenhaus der Remise glimmte wie stets eine einsame Birne, gegen Einbrecher wahrscheinlich. Da fiel mir eine Gestalt in einer Art weißem Nachthemd auf, die sich am Eingang dort zu schaffen machte. Nach einer Weile knarrte die Tür, eine Silhouette huschte die Stufen hoch, durchs Wohnzimmer im ersten Stock tastete sich der Kegel einer Taschenlampe. Was macht man in so einem Augenblick? Ich tippte den Polizeiruf 110 in mein Handy und druckste herum, ich wisse ja auch nicht. Kurze Zeit später betraten erst drei Uniformierte vorsichtig den Hof, dann waren es fünf, dann ungefähr sieben. Taschenlampen stachen suchend ins Dunkel, aus einem Fenster rief jemand: “Vorsicht, da sind Beete!” Jetzt tauchten auch rechts in der Durchfahrt zum Nachbargrundstück behelmte Beamte auf, über den Daumen insgesamt zehn – da klingelte mein Telefon. +++ Okay, erinnern Sie sich noch an das Bild Amoureux solitaires, das unter der Autobahnauffahrt Schlangenbadener Straße damals entstanden war? Das Foto oben könnte eine Art Fortsetzung davon sein – so, wie auch die ominöse Gaststätte Melancholie II damals wahrscheinlich eine Fortsetzung von etwas war: von der Melancholie I höchstwahrscheinlich. +++ Apropos Fortsetzung: die Geschichte oben wird fortgesetzt, irgendwo muss ja der Cliffhänger sein. +++ Melancholie II ist ja nun seit eine Weile auch schon verschwunden, und ob es eine Melancholie I tatsächlich irgendwo jemals gab, kann niemand mit Sicherheit sagen.

 

Überschrift inspired by: Amoureux solitaires (Schlangenbaden) © Kai von Kröcher, 2018

Überschrift also inspired by: Melancholie II | Brückenstraße 1 | Berlin-Mitte (†)

Lyrics: Mercy Mercy Me / I Want You © Robert Palmer, 1991 (Cover)

Amoureux solitaires © Lio, 1979

Never let me down / Angel Trumpets & Devil Trombones.

Street Corners: Kreuzberg © Kai von Kröcher, 2019

 

Yes, there were japes recalling the years of lost paths. +++ “Der Künstler formally not known hat einen Einfall.” +++ Was sind eigentlich Japes? +++ Irgendeine Stimme tief in mir drin hebt warnend die, äh, Stimme: Dass das keine so gute Idee wäre, jetzt das Konzept preiszugeben, das ich momentan mühsam erarbeite. Man darf sich das sowieso keinesfalls so vorstellen, dass ich an einem Schreibtisch sitze, unter einer kalten Schreibtischlampe, und mühsam Bögen ausgebreiteten Millimeterpapiers beschreibe, das ist Quatsch. Ich habe gar keinen Schreibtisch – da fängt es ja schon mal an! +++ Angefangen, wo wir schon einmal dabei sind, angefangen hat es gestern mit dem Bild oben: Irgendwie ein ganz okayes bis gar nicht so schlechtes Bild, doch irgendwie auch nicht der Hit. Und als ich heute im goldenen Schein der Spätnachmittagssonne zu Bauhaus rüber in die Hasenheide getigert bin, einen Traps unterm Arm, und auf dem Parkplatz der Neuen Welt choreografierten sich gerade verschiedene Gruppen hauptsächlich polnischer Tänzer anscheinend auf irgendeinen Wettkampf im Huxley’s ein. Jedenfalls, da schlich ein sehr buckliger Mann an mir vorbei, der hatte den Oberkörper rechtwinklig vornüber gebeugt und kam schwer atmend kaum von der Stelle. Jemand bot ihm seine Hilfe an, doch keuchend lehnte er ab. Seit der Geburt meines Sohnes jedenfalls (“… jetzt kommt er wieder mit der Leier!”). Seit der Geburt meines Sohnes jedenfalls, ich war ja schon früher ein mehr oder minder empathischer Mensch – doch seit der Geburt meines Sohnes jedenfalls habe ich einen noch einmal ganz anderen Blick auf die Menschen bekommen. +++ Eigentlich wollte ich ja jetzt einen Dichtungsring in der Dusche auswechseln und nebenbei die Sportschau im Ersten laufen lassen – doch bin ich nun gerade im Flow: Einen anderen Blick jedenfalls, blablabla – und da stelle ich mir jetzt immer die Gestrandeten vor, die zu kurz und unter die Räder Gekommenen, die einen an jeder Straßenecke Anbettelnden, die den Mülleimer Durchsuchenden, die ihrer Drogen- und Alkoholsucht Erlegenen, die Missgestalteten, die abgrundtief Hässlichen, die einfach verrückt Gewordenen. Die stelle ich mir unweigerlich als kleines Kind vor, als Säugling kurz nach der Geburt im Arm ihrer Mutter. +++ Im Geiste bezeichne ich mein kreatives Tief derzeit als meine Never Let Me Down-Phase, aber das versteht jetzt wieder fast keiner. +++ Frohe Ostern allen da draußen an den Empfangsgeräten – bleiben Sie sauber!!!

 

Überschrift inspired by: Never Let Me Down © David Bowie, 1987

Überschrift also inspired by: From Chaos to Harmony © Ian Brown, 2019

Lyrics: No One’s Easy to Love © Sharon Van Etten, 2019

THF / No One’s Easy to Love.

Standing on a Street Corner: Tempelhof © Kai von Kröcher, 2019

 

Can’t you fuckin’ hear, what’s wrong with you. +++ “Der Künstler formally not known ist auf der Suche nach dem inspiratorischen Ich: lapidar bildet er ab, was er unpolitisch als Street Corners bezeichnet.” +++ Frohe Ostern allen an den Empfangsgeräten da draußen – Freitagabend Swing-Tanzen verboten!!!

Überschrift inspired by: Flughafen Berlin-Tempelhof – nahm 1923 den Linienverkehr auf, stillgelegt seit 2008 unter dem Namen “Tempelhofer Freiheit”

Überschrift also inspired by: No One’s Easy to Love © Sharon Van Etten, 2019

Bildunterschrift inspired by/Lyrics: Sweet Jane © Lou Reed, 1978 (live)

Take No Prisoners © Lou Reed, 1978

 

Super Sad Generation / Hate it when you leave.

Kreuzberg, Hochbahn © Kai von Kröcher, 2019

 

»Hallo, ich bin Kai – bist du mein Blind Date?« »Äh, ja … – aber auf den Fotos sahst du so gut aus?!« +++ Seit meinem Abschied von der Politbühne damals fühlt sich das Leben auf einmal ganz unbeschwert an. Und ich ganz allein könnte die Welt jetzt eh nicht mehr retten, da beißt wohl die Maus nicht den Faden ab. +++ Was macht eigentlich Hans Meyer? +++ Wer war Hans Meyer jetzt nochmal? +++ Wussten Sie beispielsweise, dass es kein Mumps mehr gibt? Das war mir vollkommen neu! +++ Das Foto heute ist noch einmal ein Still Life aus meiner Hochbahn-Phase – passt irgendwie super zu Ostern. +++ Ostern ist doch jetzt bald?

 

 

Überschrift inspired by: Super Sad Generation © Arlo Parks, 2019

Überschrift also inspired by: Hate It When You Leave © Keith Richards, 1992

Zitat: Radiowerbung (feat. Hua-Ai Weiwei) © Deutsche Telekom, 2019

Hans Meyer (*1942 in Briesen bei Bilin, Reichsgau Sudetenland)