Vita

Kai von Kröcher (*1964), Fotograf in Berlin

Den überwiegenden Teil der Achtzigerjahre sang ich in einer lokal sehr populären New-Wave-Band in Braunschweig. Unser Name war La Petite Mort, nicht ganz unbegründet liebäugelten wir mit Durchbruch und internationalem Erfolg – als wir uns Anfang ’89 auflösten, ging ich nach West-Berlin. Studierte ein paar Semester Kommunikationswissenschaften an der FU in Lankwitz, bekam einen Job als Redakteur beim Privatradio, später beim Fernsehen. Latent davon wenig befriedigt, stieg ich die Karriereleiter 1995 freiwillig wieder hinab und wurde erst einmal Schuhverkäufer auf der Kreuzberger Oranienstraße. Viele Al-Bundy-Witze musste ich über mich ergehen lassen – in dieser Phase allerdings entstand auch meine erste ernsthafte fotografische Arbeit: „Kreuzberg – zwischen den Zeiten (1995 – 97)“. Über die Jahre folgten weitere Serien – die Website zeichnet in Ansätzen diese Entwicklung bis heute nach.

 

Was habe ich sonst noch getan in all diesen Jahren: Viele Fotos beim Film – als Stand- und Setfotograf bei einigen Kino- und wenigen Studenten- und No-Budget-Filmen. Selber eine der Hauptrollen gespielt in dem tragisch-komischen Dokuspielfilm Waslawska von Ralph Meiling, den wir 1999 während der Filmfestspiele in Cannes drehten, und der ein fiktives Fernsehteam eines fiktiven staatlichen Senders aus einer fiktiven, übriggeblieben Ostblockrepublik bei ihrer mühsamen Arbeit zeigt, Zugang zum Glamour der westlichen Welt zu bekommen. Von 2005 bis 2017 war ich Besitzer einer kleinen Bar in Kreuzberg. Seit 2018 bin ich Vater eines großartigen Sohnes: Otto.

 

Kai von Kröcher © Kai Heimberg, 2014