Kein Gott, keine Uhr und kein gutes Buch / This train terminates here (Part one).

Those were the days, my friend – we thought they’d never end © Otto G., 2025
Jede Nacht eine neue Reise bis ans Ende der Welt und weiter – über die Wolken, unter die Gleise. +++ Aber haben Sie sich in den vergangenen Jahren mal bewusst die U-Bahnhöfe angesehen? An vielen Stationen sind die großflächigen Werbetafeln lange schon überlebensgroßen Fotografien gewichen, müssen Sie mal drauf achten. +++ Gestern kam hier ein neues Objektiv ins Haus geflattert. Ein gebrauchtes Telezoom aus dem Jahre 1987 in etwa. Das hatte ich mindestens dreimal vorher schon besessen gehabt. Mit dem einen hatte ich mich im Winter vor einigen Jahren im vereisten Hinterhof auf die Klappe gelegt. Kamera lässig über der Schulter, Hände in den Manteltaschen, und zack – ausgerutscht, Objektiv futsch: das war jetzt ziemlich verzogen und ließ sich nicht mehr vernünftig fokussieren. Die gleichen Objektive zuvor oder danach ähnliche Schicksale. +++ Mein intuitiv favorisierter Untergrundbahnhof dürfte wohl Jannowitzbrücke sein, rein von den historischen Bildern her. Oben haben wir heute ein Foto, das hatte mein Sohn vorigen Herbst dort von mir geschossen: Da stehe ich vor einer Aufnahme der Brücke über die Spree, die dem U-Bahnhof einst seinen Namen gab: Jannowitzbrücke. +++ Komischerweise hatte ich immer gedacht, Those Were the Days von Mary Hopkin wäre ein Song, den Paul McCartney geschrieben hat. Damit hätte ich bei jeder Quizshow im Fernsehen zu punkten geglaubt. Und völlig daneben gelegen: Paul McCartney produzierte den Song zwar seinerzeit in den Abbey Road Studios. Ursprünglich geschrieben hatte ihn aber ein Russe, Boris Fomin nämlich: Дорогой длинною (Entlang der langen Straße), mit einem Text von Konstantin Podrevsky. Ein findiger (bis möglicherweise auch windiger) Amerikaner namens Eugene Raskin hat dem Lied dann einen englischen Text verpasst und gilt seither landläufig als dessen Komponist. +++ Kulturelle Aneignung par exellence, Sergei Lawrow soll ziemlich erbost darüber gewesen sein. +++ Jedenfalls stehe ich auf dem Foto (oben) unten im U-Bhf. Jannowitzbrücke und scheine mit einer Fernbedienung herumzufuchteln. Durch die raffinierte Kameraperspektive werde ich auf der Aufnahme zurück ins Jahr etwa um 1935 katapultiert, da müsste ich nachschauen. Von der Nazizeit einmal abgesehen, sah die Brücke selbst seinerzeit wesentlich sinnlicher aus als heute. +++ Um aber noch einmal auf die ursprüngliche Story zurückzukommen: Bei einem Fotojob vor zweieinhalb Jahren – da muss ich mein Tele, begünstigt durch welche Torheit auch immer, tatsächlich verbummelt haben. Fünfundzwanzig Zentimeter lang und knapp zwei Kilo schwer – irgendwann war es einfach nicht mehr da, und das habe ich ohne Quatsch Monate später erst festgestellt. +++ Dieser Post muss demnächst fortgesetzt werden, sonst wird er zu lang. Darin gibt es dann einiges über das Leben zu erfahren – Psychologie und Alltag …
Überschrift inspired by: Wir brauchen nichts © Tele, 2007
Überschrift also inspired by: Get the Fuck Out of Here (Bandansage) © BVG, ca. seit 2020
Lyrics: Mario © Tele, 2007
Those Were the Days © Mary Hopkin, 1968 (Cover)
Sergei Lawrow (* 21. März 1950 in Moskau), mutmaßlich verschollener russischer Außenminister

