Go for it, Baby / Eine rundum burleske und sympathische Geschichte.

Fiktives Vinyl: Hotel 3 Jahreszeiten – Mit dir ist alles nicht schön © Kai von Kröcher, 2022

 

Well, David, what shall I do? They wait for me in the hallway. +++ Irgendwann im Jahre ’84 ungefähr hatten wir uns bei meinem Kumpel, dem Russen, getroffen. Die Eltern lebten am Stadtrand und hatten einen Videorekorder. Wir grillten im Garten, verschiedene Leute diverser Geschlechter. Zum Einbruch der Dämmerung wollten wir einen Film gucken, irgendwas Spitzenmäßiges. Wie wir in der Videothek allerdings feststellten, gab es dabei ein Problem: Der Videorekorder der Eltern war kein landläufiger VHS, sondern – das traf uns vollkommen unvorbereitet – ein fucking Beta. Für Beta gab es fast keine Filme. So stießen wir schließlich auf einen Streifen mit dem, wie sagt man das halbwegs treffend, spießig-frivolen Titel Zur Sache, Schätzchen. In unseren Ohren klang das wie, da will ich offen sein, Unterm Dirndl wird gejodelt. +++ Erinnern Sie sich an den Song Postcard der Braunschweiger Band Blue Bamboo? Die spielten ja seinerzeit etwa auf Augenhöhe. Das Stück kam mir gerade in den Sinn, ich habe es damals geliebt. Wäre vielleicht eine Art Soundtrack zu meiner Postkartenserie. Hat das von Ihnen noch zufällig jemand auf Kassette? Mal für die Rubrik Bermudadreieck auf radioeins vorschlagen, muss man früh aufstehen. +++ Okay, wir haben den Film dann also mit dem Plan mitgenommen, uns intellektuell darüber zu erheben und lustig zu machen. Wie man halt damals so drauf war, ich sage nur: Uschi Glas! +++ Um die Sache hier abzukürzen, stand ich neulich auf dem Rückweg von meiner Streaming-Bücherei in der U-Bahn am Halleschen Toooooor. Ich wollte jetzt doch endlich mal wissen, ob der Typ in Zur Sache, Schätzchen tatsächlich „der schlaffe Harry“ hieß oder nicht. Und was das für ein Pullover war, den der immer anhatte. Der so dermaßen kratzte, dass er kurz seinen Kopf anhebt – dann aber sofort wieder so schlapp wird, dass er in sich zusammensinkt. +++ Okay. +++ Im Augenwinkel fiel mein Blick auf den Bildschirm – Berliner Fenster nennt sich das offiziell, eine Art Kurzmeldungs- und Werbeplattform. Jedenfalls, ich dachte, ich fasse es nicht. Wissen Sie, welches Buch sie in diesem Moment da gerade „besprachen“, das Cover erinnerte auf den ersten Blick an Emil und die Detektive von Erich Kästner? Der Roman hieß ganz ohne Quatsch Hotel 3 Jahreszeiten von – da müsste ich kurz mal googeln: Hotel Drei Jahreszeiten von Stefan Gärtner im Droschl-Verlag. Dreht sich anscheinend um eine Buchhändlerin und spielt in Hannover. +++ Um nochmal darauf zurückzukommen: Zur Sache, Schätzchen hat uns damals alle vom Hocker gehauen, intellektuell haben wir aus der Wäsche geschaut – Top 10 der irgendwie größten unerwarteten Überraschungen unseres noch jungen Lebens!

 

 

Überschrift inspired by: Go for it, Baby – englischer Titel von Zur Sache, Schätzchen für den US-amerikanischen Markt

Überschrift also inspired by: „Eine rundum burleske und sympathische Geschichte“ (Evangelischer Filmbeobachter über Zur Sache, Schätzchen)

Lyrics: Teenage Wildlife © David Bowie, 1980

Zur Sache, Schätzchen (Komödie mit Werner Enke, Uschi Glas, Henry van Lyck u.a.) © May Spils (Regie), D 1968

Unterm Dirndl wird gejodelt (Softsexfilmkomödie mit Konstantin Wecker u.a.) © Alois Brummer (Drehbuch, Regie), D 1973

Postcard © Blue Bamboo, ca. 1985

Bermudadreieck | radioeins | FM 95,8 MHz (Berlin und Potsdam) | montags bis freitags | 05:40 Uhr

Hotel Drei Jahreszeiten (Roman) © Stefan Gärtner/Droschl-Verlag, 2026

Emil und die Detektive (Kinderroman mit dem Umschlagillustration von Walter Trier) © Erich Kästner, 1929

Eisack Haayes / Gentleman of the Year.

 

Fiktive Postkarten / Fiktives Vinyl: Genosse Stalin grüßt Heimberg © Kai Heimberg, 2018 (Foto) / Kai von Kröcher, 2022/2026 (Gestaltung)

 

Wenn Sie jemals in Des Moines sind – schicken Sie mir bitte keine Karte!“ +++ Okay. +++ Um es zur Abwechslung mal kurz zu machen: Wir saßen nie gemeinsam in einer U-Bahn, glaube ich. Haben dafür, unter Schweinen, eine der heißesten Tassen Kaffee dieser Welt miteinander getrunken. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Gentleman of the Year – alles Gute, Kai Heimberg! +++ Am selben Tag Geburtstag wie Marilyn Monroe – das muss man auch erstmal bringen! +++ … and if Rick Maschke is six then you are seven!

 

Überschrift inspired by: Theme From Shaft © Isaac Hayes, 1971 

Überschrift also inspired by: Gentleman of the Year © Beatsteakes, 2014

Filmzitat: Frances McDormand als Mrs. Pell in: Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses

Mississippi Burning (Südstaatendrama mit Gene Hackman, Willem Dafoe u.a.) © Alan Parker (Regie), USA 1988

Des Moines (Hauptstadt des US-amerikanischen Bundesstaates Iowa, 214.133 Einwohner)

If Then Now – Bildband mit und über künstliche(r) Intelligenz © Ulla Selmer & Kai Heimberg, 2024

Monkey Gone to Heaven © Pixies, 1989

Marilyn Monroe (* 1. Juni 1926 in Los Angeles; † 4. August 1962 in Brentwood, Los Angeles), US-amerikanische Schauspielerin, Filmproduzentin und Fotomodell 

Memento meno / Das Bildnis der Amalie Zuckerkandl.

Fiktive Postkarten: Berlin Skyline (Warschauer Brücke) © Kai von Kröcher, 2026

 

Dein Arzt hat gesagt es ist okay, aber alles tut weh. +++ Nee, das seien dann wohl die Wechseljahre, hatte die Ärztin gemeint. Mit einem Augenzwinkern, weil ich doch immer so müde bin – dann aber doch irgendwie ernst gemeint. +++ Komisch, von Bosse gibt es ja ein paar Lieder, die finde ich ziemlich gut. Und dann eine gar nicht so unerhebliche Anzahl, die sind fast schon zum Fremdschämen. +++ Denken Sie eigentlich manchmal über das Leben nach? Die Jelbi-Mobilitätsstation, zum Beispiel? Ich für mein‘ Teil denke oft an Ulf Poschardt. +++ Okay, letztes Namedropping für heute: Grüße gehen raus an den Fotografen, Kupferstecher und jungschen Hund Carsten Klindt – picture this, Carsten Klindt! +++ Die Ansichtskarte (oben) heute mal ohne den obligatorischen weißen Rand – ist legitim! Üblicherweise führt mich der Schulweg von Kreuzberg nach Friedrichshain früh morgens mit meinem Sohn immer hier über die Brücke. Vielleicht liegt die Müdigkeit einfach auch daran, dass ich jetzt immer in grauer Vorzeit aufstehen muss. +++ Demnächst übrigens werde ich mal eine Frage an die Schwarm-Intelligenz da draußen hier posten – nur, dass es Sie nicht kalt erwischt!

 

Überschrift inspired by: Don’t Fear the Reaper © Blue Oyster Cult, 1976

Überschrift also inspired by: Bildnis der Amalie Zuckerkandl (Gemälde, unvollendet) © Gustav Klimt, ca. 1914

Lyrics: 3 Millionen © Bosse, 2009

Warschau, die Stadt © Fee Reega, 2014

Ulf Poschardt (* 25. März 1967 in Nürnberg), dt. Punk und Journalist

Picture This © Blondie, 1978

 

Brutal Youth / This Monkey’s Gone to Heaven.

Fiktive Postkarten: Grüße aus Lichterfelde © Kai vo Kröcher, 2026

Fiktive Postkarten: Grüße aus Lichterfelde © Kai vo Kröcher, 2026

 

Back in town all by myself I should go dancing. +++ Was für ein schöner Ausflug am Sonntag. Man sollte die Vormittage nicht allzu lange verdaddeln, aber haben Sie sich schon mal über die Wörter unheimlich und heimlich Gedanken gemacht? Ist unheimlich nicht eigentlich das eigentlich Heimliche? +++ Den so genannten Mäusebunker hatte ich all die Jahre nie wirklich entdecken können für mich, ein mystischer Ort. Im Prinzip liegt er offen für jedermann da, ein paar Schritte entfernt von der Bushaltestelle – und doch versteckt wie ein Maya-Tempel aus einer versunkenen Welt: das Gelände ist abgesperrt, überwacht wie ein Atommüll-End- oder Zwischenlager. +++ Wäre es, apropos, jetzt nicht an der Zeit, technologieoffen und konsequent auf Atomkraft zu setzen? +++ Tja, und schon haben wir wieder Montag …

 

Überschrift inspired by: Brutal Youth © Elvis Costello, 1994

Überschrift also inspired by: Monkey Gone to Heaven © Pixies, 1989

Lyrics: Javelin © Kevin Morby, 2026

Forschungseinrichtung für experimentelle Medizin der Charité, ehemals Zentrale Tierlaboratorien der Freien Universität Berlin

Begierde / Rock gegen Timmy.

Fiktive Postkarten: Nordsee (Wiederseh’n macht Freude) © Kai von Kröcher, 2021/2026

 

Vielleicht war’n wir ja zu langsam – wer bringt mich jetzt zu den Ander’n. +++ Wie Sie ja wissen, streame ich seit nun doch schon einiger Zeit. Nicht nur, dass ich mir in der Bücherei Filme ausleihe. Neulich setzte ich mich abends sogar mit dem Laptop ins Bett und sah mir einen Krimi in der ARD-Mediathek an: Kommissarin Louise Bonì – Jäger in der Nacht. Bei dem Titel nämlich hatte etwas geklingelt. Die Episode spielt in Aachen, glaube ich. Worum es geht, habe ich vergessen. Weil ich zurzeit immer so müde bin, schlief ich direkt mittendrin ein. Aber jetzt kommt der Clou! Die Hauptfigur, Kommissarin Louise Bonì, ist trockene Trinkerin – eine Problematik, in Filmen nicht unbekannt. Auf jeden Fall sitzt sie irgendwann in einer Kneipe und trinkt einen Kaffee. Ein Namenloser sitzt ihr gegenüber am Tresen und trinkt Klaren und Bier. Und wenn Sie gut aufgepasst haben, wissen Sie, Kommissarin Bonì ermittelt in Aachen. Und da fährt sie nachts irgendwo durch den Wald und telefoniert mit einem Rainer, der aber legt auf. Und jetzt trinkt sie also allein in einer Kneipe Kaffee. +++ Was soll denn daran besonders sein? Sie sitzt nicht irgendwo und trinkt Kaffee – sie sitzt im club49 und trinkt einen Kaffee! Szene-Gaststätte der Herzen, Ohlauer Straße. Wer sich erinnert, war nicht dabei. Die Szene dauert insgesamt anderthalb Minuten. Sie ist, könnte man sagen, unspektakulär. +++ Ich erinnere mich, den Kaffee damals hatte höchstpersönlich ich ihr gemacht und dann hingestellt. Sternstunden der Filmgeschichte. Der Barmann im Bild allerdings ist ein anderer, ein Komparse, mein Double. Im wahren Leben hätte ich den auch gleich wieder rausgeworfen, wie der schon das Bier da hinstellt! Die Schauspielerin sagte mir seinerzeit auch nichts – aber es ist die, die in dem herausragenden, neuen Tatort aus Frankfurt die Ermittlerin spielt. Wo die im Keller sitzen: Dunkelheit hieß der, richtiger Knaller. +++ Der club49 im Film übrigens sieht ohne Quatsch ganz schön öde aus, der Barmann allein schon! Vielleicht, wie man sich Aachen vorstellt. Falls Sie sich Aachen immer schon einmal vorstellen wollten. Arbeitstitel damals: Begierde – Jäger in der Nacht. Das war mir ein bisschen peinlich, als mein Vermieter wissen wollte, was da bei mir im Laden gedreht wird.

 

Überschrift inspired by: Kommissarin Louise Bonì – Jäger in der Nacht (Fernsehkrimi mit Melika Foroutan) © ARD/Brigitte Maria Bertele (Regie), D 2016

Überschrift also inspired by: Timmy (* unbekannt), dt. Walfisch

Lyrics: Wer bringt mich jetzt zu den Anderen © Die Höchste Eisenbahn, 2016

club49 | Ohlauer Straße 31 | 10999 Berlin

Tatort – Dunkelheit (Fernsehkrimi mit Melika Foroutan und Edin Hasanović) © ARD/Stefan Schaller (Regie), D 2025

Timmy © Die Höchste Eisenbahn, 2016

On the Front Page a Black and White Picture of / Manhattan’s Skyline.

Fiktive Postkarten: Berlin Skyline (Teufelsberg – A View To A Thrill) © Kai von Kröcher, 2026

 

The web of wicked ways is worse than all of us. +++ Kann man so sagen. +++ Mich jedenfalls belastet dieser im Raum stehende Rassismusvorwurf gar nicht mal unerheblich. Denn natürlich liegt es nicht an der Nationalität: ein deutsches Kind würde ganz sicher genauso poltern. Na gut, mein Sohn vielleicht nicht, eine rühmliche Ausnahme – aber grundsätzlich schon. +++ Ich würde den Fall gerne noch einmal für Sie rekonstruieren. Ich befand mich also auf einem spontanen Spaziergang zum Teufelsberg. Ein wunderbarer Samstagvormittag, und als ich die Teufelsseestraße hinunterschlenderte, lag Stille über der Gegend. Ich fragte mich allen Ernstes, was ich wohl anstellen müsste, in einer der Villen dort am Rande des Waldes zu wohnen: Ob ich mir von meinen bescheidenen Postkarten einen solchen Luxus jemals würde leisten können? +++ Irgendwann stand ich dann also oben auf jenem mystischen Teufelsberg. Die Sonne schien diffus durch einen milde stimmenden Wolkenschleier. Außer mir auf dem Hügel nur noch ein unauffälliger Typ mit einem Modellflieger. Regelrecht überwältigt war ich vom Ausblick und von der Ruhe dort oben. +++ Fairerweise muss ich gestehen, ich bin mir gar nicht ganz sicher, ob es sich tatsächlich um den Teufelsberg handelte, auf den ich gestiegen war: Die verfallenden Abhöranlagen der US-Streitkräfte waren sprichwörtlich zum Greifen nahe – lagen dann aber trotzdem doch eher auf der benachbarten Bergkuppe. +++ Es war jedenfalls toll, einwandfrei. Unter mir ringsum ein nicht enden wollendes Meer aus grünem Grunewald. Nach Osten hin der Anblick der Stadt mit ihren signifikanten Türmen. Weit hinten am südöstlichen Horizont glitzerten startende Flugzeuge des BER in der Sonne. Alles, was hier zu hören war, waren tatsächlich die Glocken im Tal. +++ Und an dieser Stelle kommen die Ceaușescus ins Spiel. Genau genommen eine unheilvolle Erinnerung an meinen alten Freund Trampel-Joe. Eine Art Panikattacke stellte sich ein – ich wollte plötzlich beim Leben von Wolfgang Kubicki nie mehr in mein Zuhause nach Kreuzberg zurück. +++ Wie unser Sozialkundelehrer, Herr Mazzega, früher scherzhaft zu fragen pflegte: „Alle Klarheiten beseitigt?!“ +++ Oder war es Paul Maul? Oder Fau Pohl? Vielleicht werde ich langsam verrückt …

 

 

Überschrift inspired by: Manhattan Skyline © a-ha, 1986

Bildunterschrift inspired by: A View To A Kill © Duran Duran, 1985

Lyrics: Web of Wicked Ways © The Sound, 1987

The Return of la Bestia Negra / À l’aéroport d’Amsterdam.

Fiktive Postkarten: Tempodrom am Anhalter Bahnhof © Kai von Kröcher, 2026

 

Walking in nature, look around you, shut down your phone. +++ Ist das denn überhaupt noch interessant, was die Postkarte gestern mit Amsterdam zu tun hatte? Tatsächlich hatte das Foto nur bedingt etwas mit Amsterdam zu tun: Vorletzte Woche irgendwann war ich auf dem Weg zum Flughafen BER, mein Fleisch & Blut in Empfang zu nehmen. Der aber saß in Amsterdam fest, seine Mutter schickte mir eine Eilmeldung aufs Handy. Irgendwie hatte der Flieger den Anschluss nach Berlin verpasst, und nun mussten sie eben eine Nacht in Amsterdam dranhängen. In dem Augenblick saß ich gerade schon in der U7 nach Rudow. Ich stieg also aus und nahm halt den 171er Bus zurück Richtung Hermannplatz – interessiert Sie das eigentlich wirklich? +++ Ich persönlich finde die Geschichte ein bisschen öde. +++ Bei Gelegenheit aber könnte ich Ihnen erzählen, wie ich mich am Tag drauf wieder zum Berlin-Brandenburg International „Willy Brandt“ aufmachte und, weil ich etwas früh dran war, mir an der HEM-Tankstelle in Schönefeld an der Stadtgrenze zu Berlin ein Kinder Bueno kaufte. Das hört sich erstmal auch nicht besonders knisternd an, aber warten Sie ab! +++ Die Tankstelle können Sie sich ansehen, wenn Sie auf diesen Satz hier klicken. +++ Wo waren wir stehengeblieben? Ich stand also an der Kasse und wollte gerade mein Kinder Bueno bezahlen, als ein Autofahrer herein kam und meinte, die Zapfsäule mit dem Super Plus ginge nicht. Die Kassiererin erklärte ihm, ihnen sei das Super Plus ausgegangen, sie müsse da mal ein Schild dran machen. +++ Wahrscheinlich denken Sie immer noch, die Geschichte sei total fad. +++ Ich zahlte also mein Kinder Bueno, fuhr zum Flughafen und schloss meinen Sohn in die Arme. Das mit dem Super Plus hatte ich da längst wieder vergessen. Und nun raten Sie aber mal, was die Agenturen – und das stimmt wirklich, das ist Wort für Wort wahr! Am nächsten Tag nämlich brachten die Nachrichtenagenturen die Meldung, der HEM-Tankstelle in Schönefeld an der Waltersdorfer Chaussee sei am gestrigen Tage das Super Plus ausgegangen!

 

Überschrift inspired by: FC Bayern München – Real Madrid 4:3 (Champions League, Viertelfinalrückspiel)

Überschrift also inspired by: Amsterdam © Jacques Brel, 1964

Lyrics: Let It Transform You © Yael Naim, 2025

Jeder Mensch ist Ausländer, fast überall / Die Nachrichten.

Fiktive Postkarten: Berlin (Zeitungsviertel) © Kai von Kröcher, 2024

 

Down on the street those men are all the same. +++ Was siedendheiß gegen Mittag mir heute ins Auge stach, ich saß gerade in der S-Bahn zur Storkower Straße: Irgendwo hatte ich geschrieben, Katja Ebstein sei als Karin Ilse Überall zur Welt gekommen. Natürlich entspricht das so aber gar nicht den Fakten. Geboren worden ist Katja Ebstein vielmehr als Karin Ilse Witkiewicz – der spätere Nachname stammt von dem Regisseur Klaus Überall, den sie im Jahr 1979 heiraten sollte. Und was mir dann ebenfalls heute erst aufgefallen ist: Ilse Paradies / Karin Ilse Überall: das kann doch kein Zufall sein?! +++ Wo die Fäden der internationalen Lügenpresse zusammenlaufen (siehe Postkarte, oben): Wie letztens erwähnt, bin ich vom Feeling her einem Schwarm Tsetsefliegen zum Opfer gefallen. Eine der wenigen Einladungen, die ich in letzter Zeit wahrgenommen habe – das trug sich genau hier zu, im alten Zeitungsviertel Berlins. Wo tatsächlich im wahrsten Sinne die Nachrichten herkommen. To cut a long story short, setzte sich später an diesem Abend eine Washington-Korrespondentin kurz an unseren Tisch, die war extra aus Anlass der Feier aus „den Staaten“, wie ich gern sage, nach Berlin rübergeflogen. Und der wir als offensichtliche Nichtjournalisten exotisch vorgekommen sein müssen. Natürlich wollten wir von ihr wissen, ob sie Zugang zum Oval Office habe, und ob das wirklich so klein sei, wie immer behauptet. Ja, das sei wirklich so klein. Und dann meinte sie, der Donald Trump (amtierender Präsident der Vereinigten Staaten/Anm.d.Red.) sei in natura ebenfalls gar nicht so, wie er im Fernsehen landläufig rüberkommt. An dieser Stelle geriet ich in Panik: Sollte er in Wirklichkeit etwa ein total dufter Typ sein, mit dem man sich gern mal gemeinsam Wer weiß denn sowas? mit Kai Pflaume und dem Typ mit der Glatze angucken würde? Diesem Typen, der grundsätzlich sofort auf dem Bildschirm erscheint, sobald man den Fernseher einschaltet? Und von dem Teile der Bevölkerung wahrscheinlich dennoch nicht wissen, wie er eigentlich heißt? +++ Aber ich schweife ab. +++ Bernhard Hoecker heißt der: einsneunundfünfzig groß, aber nicht auf den Kopf gefallen – und vor allem nicht verwandt mit dem rechtsextremen Politiker Björn Höcke. +++ Nein, mit Donald Trump zusammen würde man sich keinesfalls gern Wer weiß denn sowas? ansehen wollen. Sie (die US-Korrespondentin/Anm.d.Red.) meinte eigentlich nur, Trump sehe im Fernsehen wesentlich fitter aus, als er in echt wirklich ist. In Wirklichkeit sei er ein alter Mann, der allein nicht mal vernünftig auf seinen Hocker hinter dem Schreibtisch kommt. +++ „Stümperig“ – mit spppitz’m Stein und hinten „ich“, wie man in meiner Hometown BS sagen würde. +++ [stümperich].

 

Überschrift inspired by: Alle Menschen sind Ausländer, fast überall – antirassistischer Slogan (Deutschland, 1990er Jahre) 

Überschrift also inspired by: Die Nachrichten (Roman) © Alexander Osang, 2002

Lyrics: Candy © der Itschie-Bob feat. Kate Pierson, 1990

Klaus Überall (* 23. November 1924 in Osnabrück; † 29. Oktober 2008 in Bad Wiessee), dt. Regisseur

Deutsche Presse Agentur (dpa) | Markgrafenstraße 20 | 10969 Berlin

To Cut a Long Story Short © Spandau Ballet, 1980

Wer weiß denn sowas? (Quizsendung im Vorabendprogramm, Moderation: Kai Pflaume) © ZDF, D seit 2025

[stümperich] – kernostfälisch für altersschwach, klapperig (Region: Hannover / Hildesheim / Braunschweig)

Limelight / Elf Freunde müsst ihr sein.

Fiktive Postkarten: The Best Windy Pouches In Town © Kai von Kröcher, 2026

 

Theater, Theater, der Vorhang geht auf, dann wird die Bühne zur Welt. +++ Das darf doch wohl alles nicht wahr sein – mir unbegreiflich: Kaum hatte ich gestern meine investigative Hintergrundgeschichte zu „Litti“ auf Facebook verlinkt, da posteten auch schon 11FREUNDE eine Meldung auf Facebook zu ihm. Ehrlich gesagt, war ich regelrecht etwas geschockt. Als hätte ich bei 11FREUNDE abgeschrieben, das mag ich nicht auf mir sitzen lassen. +++ Ganz davon ab: Was wusste Katja Ebstein – und was wusste sie nicht? +++ Ich habe dann schnell mal nachgeschaut: Bei meinem Facebook-Post hieß es da „vor 40 min“, bei den 11 Freunden „vor 35 min“. Wenn man also noch meine ausführliche Recherche zugrunde legt, ich war nämlich einen Tag zuvor zufällig schon auf Littbarski gestoßen. Und wenn sich meine Texte vielleicht auch anhören wie kurz einmal ausgerotzt, so steckt doch akribische Arbeit darin. +++ Das nur zu meiner Erklärung, weil – dieser Schock hatte mich doch extrem frustriert. +++ Als hätte man gerade einen Impfstoff entwickelt gegen, sagen wir mal, Covid-19, genau. Und dann tritt da so ein Experte ans Podium und sagt, trinken Sie doch einfach Sagrotan! +++ So sieht’s mal aus. +++ Bevor ich’s vergesse: Die Meldung zu Litti gestern besagt, in Köln wird es wohl ein Theaterstück über Littbarskis Leben geben, in dem spielt er selbst alle Rollen – ob auch den Balljungen bei DDR gegen Chile, kann ich nicht sagen.

 

Überschrift inspired by: Limelight (Rampenlicht, Melodram) © Charlie Chaplin (Drehbuch, Musik, Regie), USA 1952

Überschrift also inspired by: Elf Freunde müsst ihr sein (Jugendbuch) © Sammy Drechsel, 1955

Lyrics: Theater © Katja Ebstein, 1980

11FREUNDE – Magazin für Fußballkultur, Berlin (gegr. 2000) 

Katja Ebstein (* 9. März in Gierlachsberg, Provinz Schlesien als Karin Ilse Witkiewicz), dt. Schlagersängerin

Café Obergfell | Alt-Lichtenrade 140 | 12309 Berlin

Cut Grass, long the Death / Der Konrad Lorenz des Berliner Undergrounds.

Fiktive Postkarten: Vom Feeling her Frühlingsgefühle (Berlin-Buckow) © Kai von Kröcher, 2026

 

and when she said she’d be a movie queen nobody laughed. +++ Mir unbegreiflich. +++ Der ganz heiße Scheiß im Moment sind Frühlingsspaziergänge – alles andere macht einen nur unnötig fertig …

 

Überschrift inspired by: Cut Grass © Arya Zappa, 2019

Überschrift also inspired by: Konrad Lorenz (* 7. November 1903 in Wien; † 27. Februar 1989 ebenda), österr. Zoologe, Medizin-Nobelpreisträger, Verhaltensforscher

Lyrics: Emma © Hot Chocolate, 1974