Ferry Cross The Mersey / We had a hedge back home in the suburb.

Fiktive Postkarten: Berlin-Oberschöneweide © Kai von Kröcher, 2026

 

Warum, das bleibt für dich ungeklärt, doch Billy weiß genau, wo er hingehört. +++ Apropos: Die Schwäne letztens sind laut Friedrich-Löffler-Institut nun ganz offiziell an der Vogelgrippe verendet. Stand bei Facebook irgendwo in der Zeitung, und natürlich kamen sofort Kommentare, es habe gar keine toten Schwäne gegeben – wir würden doch nur noch verarscht. Mit dem Packeis sind auch die Schwankadaver mittlerweile tatsächlich verschwunden, doch heute immerhin trieb noch ein Kormoran als Nachzügler tot im Landwehrkanal. +++ Die Geschichte zu dem Foto (oben) – da würde ich gerne etwas länger ausholen: An diesen ersten Frühlingstagen gerade möchte man nicht in der Wohnung bleiben und sich fühlen wie einer, der sein Leben verpasst. Also nahm ich die Kamera, ließ mich Bruce-Springsteen-mäßig treiben im M41er Bus. Später die Fähre von Baumschulenweg rüber nach Wilhelmstrand (Oberschöneweide). Über Oberschöneweide kann man sich dieses und jenes erzählen, aber ein Szenebezirk ist es nicht. +++ Da will ich ehrlich mit Ihnen sein. +++ Überall waren Menschen in ihren Gärten, niemand schien sich an mir zu stören. Auch ich fühlte mich nicht durch die Menschen gestört. Unter der Minna-Todenhagen-Brücke fühlt man sich kurz wie im nächsten Moment überfallen und ausgeraubt, rein so vom Feeling her – doch außer der Frau mit dem Kindersitz auf dem Rad sah ich dort niemanden, der mich im Ernst hätte ausrauben können. Die Minna-Todenhagen-Straße selbst ist dann eine Art „Cut“, sie trennt die Kleingartenanlage Am Freibad von der Kleingartenanlage Grüne Aue. In der Kleingartenanlage Grüne Aue habe ich das Postkartenmotiv oben aufgenommen. Und plötzlich fühlte sich doch jemand gestört. Was ich denn fremde Gärten fotografiere und so. Ich sagte, ich fände das gut: die Gärten, die Bäume, die Stromtrasse. Er aber war völlig außer sich und ließ sich gar nicht beruhigen: „Mir ist das unbegreiflich!“ Ich wollte gerade noch denken, ich verstünde manche Sachen ja auch nicht, aber da hatte er sich schon umgedreht, hatte noch einmal „Mir unbegreiflich!“ geflucht – dann war er hinter der Hecke verschwunden.

 

Überschrift inspired by: Ferry Cross The Mersey © Gerry And The Pacemakers, 1964

Überschrift also inspired by: Lost in the Supermarket © The Clash, 1979

Lyrics: So © Keimzeit, 1988/1990

Hungry Heart © Bruce Springsteen, 1980

Dream Therapy / Cygnet Committee.

Kleinwalsertal: Riezlern © Kai von Kröcher, 2026

Kleinwalsertal: Parsennlift © Kai von Kröcher, 2026

Kleinwalsertal: Parsenn © Kai von Kröcher, 2026

Kleinwalsertal: Bundesstraße L 201 © Kai von Kröcher, 2026

 

Die Sopran-Vokalistin mit den riesigen Brüsten hatte es dem Meister angetan – doch sie liebte einen Herrn vom Ballett, der war sehr nett, der tanzte immer den sterbenden Schwan. +++ Von der fixen Idee einmal abgesehen, die einst von mir Besitz ergriffen hatte – dass ich in Brandenburgs Wäldern irgendwann mit der Stimme von Stevie Nicks hatte schlafen wollen (club49 Blogspot berichtete). Ansonsten jedenfalls bin ich doch eher leidenschaftslos, wenn es um Fleetwood Mac geht. Ein paar Songs mag ich sehr gern, der Rest ist mir unbekannt oder egal. +++ Wie das halt immer so ist. +++ Breaking News: Auch John Lennon stand nachweislich in engem Kontakt zu Brian Epstein! +++ Krass übrigens auch das Phänomen des Schwansterbens aktuell bei uns vor der Haustür: Neulich hatten Otto und ich sogar einer jungen Frau noch geholfen, einen Schwan auf dem Eis mit Biscoteria Double Choc-Keksen vom Netto-Markendiscout aufzupäppeln. Der bäumte sich allerdings nur kurz einmal auf wie der schlaffe Harry (oder Harro?) in Zur Sache, Schätzchen damals mit Uschi Glas. Dessen Anthrazitpullover derart im Nacken kratzt, dass er kurz mal den Kopf hebt, dann aber gleich wieder von seiner Lethargie übermannt wird. Unser Schwan drehte, wie einst im Rinderwahn, plötzlich ein paar beängstigend-irre Volten, dann brach er entkräftet an einem Wasserloch zusammen. +++ Mittlerweile wurden jetzt einige Schwanleichen angeschwemmt, die haben sich im Urbanhafen zwischen Sperrmüll und Weihnachtsbäumen verfangen. +++ Genau: Heute früh, kurz vor dem Aufwachen, da wohnte ich in einem meiner Träume einem besonderen Moment der Musikgeschichte bei. Nämlich war ich stiller Beobachter, wie Stevie Nicks, damals noch vollkommen unbekannt, gemeinsam mit ihrer Schwester in einer Art Heuschuppen in Zehlendorf sitzt, und sie (Stevie Nicks/Anm.d.Red.) ist relativ aus dem Häuschen – hat sie kurz vorher doch das Angebot bekommen, bei einer noch unbekannten Band namens Fleetwood Mac vorzusingen. Spontan schreibt sie den schönen Song Gypsy – der schwirrt jetzt als Ohrwurm noch immer durch meinen Kopf.

 

Überschrift inspired by: Dream Therapy © Oscar Farrell feat. Sampha, 2025

Überschrift also inspired by: Cygnet Committee © David Bowie, 1969

Lyrics: Votan Wahnwitz © Udo Lindenberg und das Panikorchester, 1975

Brian Epstein (* 19. September 1934 in Liverpool, England; † 27. August 1967 in London), brit. Musikmanager

Zur Sache, Schätzchen (Filmkomödie mit Werner Enke, Uschi Glas u.a.) © May Spils (Regie), D 1968

Gypsy © Fleetwood Mac, 1982

Micha, und ich geh / Ein „Ich-bin-ja-mehr-so-der-Waldorf-Typ“-Typ knickt ein.

Deep Fuck Records: Kelly Peters Trio (No. 1 in Holland) © Kai von Kröcher, 2019/2021

 

Liebe wird verboten, denn Liebe bringt Gefahr für den neuen Staat. +++ Vom Feeling her so vor ungefähr dreißig Jahren. Oder einunddreißig, besser gesagt. So unmittelbar nach der Wende, da gab es die East Side Mall an der Warschauer Brücke noch nicht. War ’ne schaue Zeit damals. Obwohl, die East Side Mall ist bestimmt auch super, ich war noch nicht drin. +++ Die Frage ist ja immer, ob den Leser so was interessiert. +++ Eigentlich ist es mein unausgesprochenes Dogma, dass mir Sachen intuitiv gefallen müssen, bevor ich sie zeige. Aber die Plattenhülle heute ist so dermaßen scheiße, dass ich tatsächlich ratlos bin. +++ ‚Vielleicht‘, dachte ich eben beim Aufwachen: ‚Vielleicht muss man sich auch im Fußball am Erfolg messen lassen‘, dachte ich jedenfalls. Wegen Preetz, ich habe mich gestern gefragt, ob der jetzt schlecht drauf ist. Wie man ja selber genauso schlecht drauf ist, wenn’s mal nicht läuft. Und draußen dann vielleicht auch noch Schneeregen. Der Unterschied zwischen Preetz und einem selber ist wahrscheinlich die Kohle – man sagt ja, die macht’s einem leichter. Obwohl ich nicht weiß, ob das stimmt. +++ Vom Feeling her so vor einunddreißig Jahren jedenfalls, da kam ich morgens aus Köpenick-Wilhelmshagen. Als Zugereister aus dem Zonenrandgebiet damals wusste man gar nicht, dass es das gab – und sowieso nicht, wo das liegt. Schöne Zeit damals gewesen, aber auch das wusste man nicht. Ein ganz toller Frühlingsmorgen, Bornholmer Straße mit dem Polo Fox zurück über die Grenze. Und worauf ich hinaus will, im Radio jedenfalls lief ein Stück der Lightning Seeds, das ist mir gestern irgendwie wieder eingefallen. Die sagten im Radio, ein Stück von den Lightning Seeds und so weiter. ‚Waaaaas, echt?‘, dachte ich: ‚Das soll Blixa Bargeld sein?!‘ +++ Wenn man, dachte ich gerade. Wenn man Gemütszustände in Plattencovern ausdrücken könnte, einfach mal so auf den ersten Blick: Dann wäre das Cover heute Michael Preetz, wie er sich eben beim Frühstück fühlt – nur so’n Gedanke.

 

Überschrift inspired by: Du hast den Farbfilm vergessen © Nina Hagen und Gruppe Automobil, 1974

Überschrift also inspired by: Ein Waldorf-Typ knickt ein © Kai von Kröcher, 2021

Lyrics: Liebe wird verboten © Peter Maffay, 1980

East Side Mall | Einkaufszenrum an der Warschauer Brücke | Tamara-Danz-Straße | Berlin-Friedrichshain (Bauzeit: 2016 – 2018, Baukosten: 200.000.000 €)

Michael Preetz (* 17. August 1967 in Düsseldorf)

The Good Son © Nick Cave & the Bad Seeds, 1990