Amoureux solitaires / Melancholie II.

Amoureux solitaires (Kottbusser Tor) © Kai von Kröcher, 2019

 

Poison is the wind that blows from the north, west, south and east. +++ Mir ist neulich vielleicht was passiert – ich weiß gar nicht, ob man das hier so erzählen darf. Otto lag schon im Bett und schlief den Schlaf des Gerechten. Ein strahlender Sommertag ging zu Ende, Mitte April. Nach vorne raus, am Kanal, saßen einige hundert wildgemischter Menschen und, ja, saßen da halt so rum. Ich meinerseits stand hinten am Küchenfenster und sah der Dämmerung zu, wie sie sich geheimnisvoll über den Nachbarhof legte. Kaum irgendwo brannte ein Licht, nur im Treppenhaus der Remise glimmte wie stets eine einsame Birne, gegen Einbrecher wahrscheinlich. Da fiel mir eine Gestalt in einer Art weißem Nachthemd auf, die sich am Eingang dort zu schaffen machte. Nach einer Weile knarrte die Tür, eine Silhouette huschte die Stufen hoch, durchs Wohnzimmer im ersten Stock tastete sich der Kegel einer Taschenlampe. Was macht man in so einem Augenblick? Ich tippte den Polizeiruf 110 in mein Handy und druckste herum, ich wisse ja auch nicht. Kurze Zeit später betraten erst drei Uniformierte vorsichtig den Hof, dann waren es fünf, dann ungefähr sieben. Taschenlampen stachen suchend ins Dunkel, aus einem Fenster rief jemand: “Vorsicht, da sind Beete!” Jetzt tauchten auch rechts in der Durchfahrt zum Nachbargrundstück behelmte Beamte auf, über den Daumen insgesamt zehn – da klingelte mein Telefon. +++ Okay, erinnern Sie sich noch an das Bild Amoureux solitaires, das unter der Autobahnauffahrt Schlangenbadener Straße damals entstanden war? Das Foto oben könnte eine Art Fortsetzung davon sein – so, wie auch die ominöse Gaststätte Melancholie II damals wahrscheinlich eine Fortsetzung von etwas war: von der Melancholie I höchstwahrscheinlich. +++ Apropos Fortsetzung: die Geschichte oben wird fortgesetzt, irgendwo muss ja der Cliffhänger sein. +++ Melancholie II ist ja nun seit eine Weile auch schon verschwunden, und ob es eine Melancholie I tatsächlich irgendwo jemals gab, kann niemand mit Sicherheit sagen.

 

Überschrift inspired by: Amoureux solitaires (Schlangenbaden) © Kai von Kröcher, 2018

Überschrift also inspired by: Melancholie II | Brückenstraße 1 | Berlin-Mitte (†)

Lyrics: Mercy Mercy Me / I Want You © Robert Palmer, 1991 (Cover)

Amoureux solitaires © Lio, 1979

Never let me down / Angel Trumpets & Devil Trombones.

Street Corners: Kreuzberg © Kai von Kröcher, 2019

 

Yes, there were japes recalling the years of lost paths. +++ “Der Künstler formally not known hat einen Einfall.” +++ Was sind eigentlich Japes? +++ Irgendeine Stimme tief in mir drin hebt warnend die, äh, Stimme: Dass das keine so gute Idee wäre, jetzt das Konzept preiszugeben, das ich momentan mühsam erarbeite. Man darf sich das sowieso keinesfalls so vorstellen, dass ich an einem Schreibtisch sitze, unter einer kalten Schreibtischlampe, und mühsam Bögen ausgebreiteten Millimeterpapiers beschreibe, das ist Quatsch. Ich habe gar keinen Schreibtisch – da fängt es ja schon mal an! +++ Angefangen, wo wir schon einmal dabei sind, angefangen hat es gestern mit dem Bild oben: Irgendwie ein ganz okayes bis gar nicht so schlechtes Bild, doch irgendwie auch nicht der Hit. Und als ich heute im goldenen Schein der Spätnachmittagssonne zu Bauhaus rüber in die Hasenheide getigert bin, einen Traps unterm Arm, und auf dem Parkplatz der Neuen Welt choreografierten sich gerade verschiedene Gruppen hauptsächlich polnischer Tänzer anscheinend auf irgendeinen Wettkampf im Huxley’s ein. Jedenfalls, da schlich ein sehr buckliger Mann an mir vorbei, der hatte den Oberkörper rechtwinklig vornüber gebeugt und kam schwer atmend kaum von der Stelle. Jemand bot ihm seine Hilfe an, doch keuchend lehnte er ab. Seit der Geburt meines Sohnes jedenfalls (“… jetzt kommt er wieder mit der Leier!”). Seit der Geburt meines Sohnes jedenfalls, ich war ja schon früher ein mehr oder minder empathischer Mensch – doch seit der Geburt meines Sohnes jedenfalls habe ich einen noch einmal ganz anderen Blick auf die Menschen bekommen. +++ Eigentlich wollte ich ja jetzt einen Dichtungsring in der Dusche auswechseln und nebenbei die Sportschau im Ersten laufen lassen – doch bin ich nun gerade im Flow: Einen anderen Blick jedenfalls, blablabla – und da stelle ich mir jetzt immer die Gestrandeten vor, die zu kurz und unter die Räder Gekommenen, die einen an jeder Straßenecke Anbettelnden, die den Mülleimer Durchsuchenden, die ihrer Drogen- und Alkoholsucht Erlegenen, die Missgestalteten, die abgrundtief Hässlichen, die einfach verrückt Gewordenen. Die stelle ich mir unweigerlich als kleines Kind vor, als Säugling kurz nach der Geburt im Arm ihrer Mutter. +++ Im Geiste bezeichne ich mein kreatives Tief derzeit als meine Never Let Me Down-Phase, aber das versteht jetzt wieder fast keiner. +++ Frohe Ostern allen da draußen an den Empfangsgeräten – bleiben Sie sauber!!!

 

Überschrift inspired by: Never Let Me Down © David Bowie, 1987

Überschrift also inspired by: From Chaos to Harmony © Ian Brown, 2019

Lyrics: No One’s Easy to Love © Sharon Van Etten, 2019

THF / No One’s Easy to Love.

Standing on a Street Corner: Tempelhof © Kai von Kröcher, 2019

 

Can’t you fuckin’ hear, what’s wrong with you. +++ “Der Künstler formally not known ist auf der Suche nach dem inspiratorischen Ich: lapidar bildet er ab, was er unpolitisch als Street Corners bezeichnet.” +++ Frohe Ostern allen an den Empfangsgeräten da draußen – Freitagabend Swing-Tanzen verboten!!!

Überschrift inspired by: Flughafen Berlin-Tempelhof – nahm 1923 den Linienverkehr auf, stillgelegt seit 2008 unter dem Namen “Tempelhofer Freiheit”

Überschrift also inspired by: No One’s Easy to Love © Sharon Van Etten, 2019

Bildunterschrift inspired by/Lyrics: Sweet Jane © Lou Reed, 1978 (live)

Take No Prisoners © Lou Reed, 1978

 

Super Sad Generation / Hate it when you leave.

Kreuzberg, Hochbahn © Kai von Kröcher, 2019

 

»Hallo, ich bin Kai – bist du mein Blind Date?« »Äh, ja … – aber auf den Fotos sahst du so gut aus?!« +++ Seit meinem Abschied von der Politbühne damals fühlt sich das Leben auf einmal ganz unbeschwert an. Und ich ganz allein könnte die Welt jetzt eh nicht mehr retten, da beißt wohl die Maus nicht den Faden ab. +++ Was macht eigentlich Hans Meyer? +++ Wer war Hans Meyer jetzt nochmal? +++ Wussten Sie beispielsweise, dass es kein Mumps mehr gibt? Das war mir vollkommen neu! +++ Das Foto heute ist noch einmal ein Still Life aus meiner Hochbahn-Phase – passt irgendwie super zu Ostern. +++ Ostern ist doch jetzt bald?

 

 

Überschrift inspired by: Super Sad Generation © Arlo Parks, 2019

Überschrift also inspired by: Hate It When You Leave © Keith Richards, 1992

Zitat: Radiowerbung (feat. Hua-Ai Weiwei) © Deutsche Telekom, 2019

Hans Meyer (*1942 in Briesen bei Bilin, Reichsgau Sudetenland)

Urban Spring / Life’s what you make it.

Hochbahntrasse, Gitschiner Straße © Kai von Kröcher, 2019

Hochbahntrasse, Wassertorghetto © Kai von Kröcher, 2019

Under the Bridge © Kai von Kröcher, 2019

 

Die Stadt sah damals genauso wie heute aus, nur waren erst zwei Läden vorhanden anstatt der drei, und die Pfirsichbäume am Straßenrand waren noch kleiner und verkümmerter als heute. +++ “Der Künstler formally not known hält sich gern in der Nähe der Hochbahn auf.” +++ Wenn Sie sich genau erinnern, bin ich damals von verschiedener Seite niederpolemisiert worden. Ich hatte so etwas gesagt, so von wegen, ich fände dieses elitäre Gehabe der Demonstranten gegen den Abriss von Teilen der East Side Gallery ziemlich albern und intolerant. Die nämlich hatten sich echauffiert, dass auch Old Hasselhoff nach Berlin kommen wollte und mitdemonstrieren. +++ Ich finde den Post von damals leider nicht mehr – aber ich schwöre Ihnen, so war’s. +++ Damals jedenfalls hatten, soweit ich mich richtig erinnere, da hatten auch Teile der Leserschaft hier Position gegen Hasselhoff bezogen und ihm ein Recht abgesprochen, sich gegen den Abriss der Mauersequenz einzusetzen. +++ Und jetzt lese ich neulich, Old Hasselhoff habe in einer Sendung des Schleimers Lanz. Da habe er meinem Lieblingspolitiker Patrick Lindner (FDP) öffentlich mal gesagt, dass dieser ein selbstgefälliger Schwätzer sei. So ungefähr jedenfalls – und ich sage Ihnen, der Hasselhoff ist okay! +++ Das wäre jetzt tatsächlich ein sehr guter Zeitpunkt, mich aus der Politik zurückzuziehen. Die also den Profis überlassen – da fiele mir an herausragender Stelle die schöne Julibert Klöckner ein – oder Björn the Hörn Höcke. Oder eben besagter Patrick Lindner, der in Wirklichkeit gar nicht Patrick heißt, sondern Petrick. +++ Beatrix vom Storch ist auch gut – und Peter Alteimer nicht schlecht. +++ Vielleicht aber bevorzugen Sie doch eher Andreas Nahles, der ist auch super. +++ Und ich meinerseits könnte den Sommer entspannt unter der Hochbahn verbringen – mein zurzeit liebster Ort…

 

Überschrift inspired by: Urban Spring © Kai von Kröcher, 2019

Überschrift also inspired by: Life’s What You Make It © Talk Talk, 1985

Textauszug aus: Die Ballade vom traurigen Café (Roman) © Carson McCullers, 1943

Under the Bridge © Red Hot Chili Peppers, 1991

Die Mauer muss weg / Set Adrift on Memory Bliss.

Wassertorghetto, vorletzte Woche © Kai von Kröcher, 2019

 

I’ve been looking for freedom, I’ve been looking so long. +++ Okay, erinnern Sie sich noch an die Sache an der Berliner Mauer damals, wo auch David Hasselhoff nach Berlin kommen wollte? +++ Aber das führt jetzt zu weit.

Überschrift inspired by:  Berlin, Berlin (… dein Herz kennt keine Mauern …) © John F. und die Gropiuslerchen, 1987

Überschrift also inspired by: Set Adrift on Memory Bliss © P.M. Dawn, 1991

Lyrics: Looking for Freedom © David Hasselhoff, 1989 (Cover)

Spanish Stroll / Die Ballade vom traurigen Café.

Tempelhofer Feld am Sonntag © Kai von Kröcher, 2019

 

Die Stadt selbst ist trostlos; da ist nicht viel außer der Baumwollspinnerei, den zweiräumigen Hütten für die Arbeiter, ein paar Pfirsichbäumen, einer Kirche mit zwei bunten Glasfenstern und einer schäbigen Hauptstraße von knapp hundert Metern Länge. +++ War das Lenin, der das damals gesagt hat? Das mit der Bahnsteigkarte und der Revolution? +++ Mal googeln… +++ Da sind Ihnen Zweifel gekommen, bei der Geschichte mit Stairway to Heaven, das ist mir schon klar.

 

Überschrift inspired by: Spanish Stroll © Mink deVille, 1977

Überschrift also inspired by/Textauszug aus: Die Ballade vom traurigen Café (The Ballad of the Sad Café, Novelle) © Carson McCullers, 1943

Im Hotel daheim / My Ever Changing Moods.

Du hast Angst vorm Hermannplatz I © Kai von Kröcher, 2019

Du hast Angst vorm Hermannplatz II © Kai von Kröcher, 2019

Du hast Angst vorm Hermannplatz III © Kai von Kröcher, 2019

Du hast Angst vorm Hermannplatz IV © Kai von Kröcher, 2019

Du hast Angst vorm Hermannplatz V © Kai von Kröcher, 2019

Du hast Angst vorm Hermannplatz VI © Kai von Kröcher, 2019

Du hast Angst vorm Hermannplatz VII © Kai von Kröcher, 2019

Du hast Angst vorm Hermannplatz VIII © Kai von Kröcher, 2019

Du hast Angst vorm Hermannplatz IX © Kai von Kröcher, 2019

 

Look at all those things that we could have had. +++ Das Bild mit dem U-Bahnwaggon erinnert mich ein bisschen an Peter Altmaier, obwohl es doch aussieht wie Lassie Singers. +++ Dass ich auch den Text zu Stairway to Heaven geschrieben habe, ist Ihnen neu: das muss Anfang der 2. Klasse gewesen sein.

 

Überschrift inspired by: Im Hotel daheim © Hotel Daheim © Lassie Singers, 1996

Überschrift also inspired by: The Style Council, 1984

Lyrics: Take Me to the River © Talking Heads, 1978 (Cover)

Peter Altmaier (*1958 in Ensdorf, Saar), Visionär

Stairway to Heaven © Led Zeppelin, 1971

 

Eine Rennbahn halb im Schlamm versunken / An einem Sonntag im April.

Trabrennbahn Karlshorst © Kai von Kröcher, 2019

 

Eine Rennbahn halb im Schlamm versunken, ein alter Hase vom Verlier’n betrunken, ein blödes Wort von der Seite, ein Gesicht, das davon treibt im Gewühl. Ein Sprecher, der den falschen Sieg verkündet, ein alter Hase der im Bau verschwindet, ein Wiederseh’n mit einem Freund, der einen Spruch und deine Schulter klopfen will. +++ An einem Sonntag im April. +++ Ein Favorit will seinen Sturz begreifen, ein alter Hase lässt die Blicke schweifen. Ein blödes Wort von der Seite, ein Gesicht, das wieder auftaucht im Gewühl. +++ An einem Sonntag im April. +++ Ein Wind, der immer neuen Regen brachte, ein alter Hase, der verlegen lachte. Und ein Gefühl der Befreiung, als ich dir hoffnungslos verfiel. +++ Ist ja noch gar nicht April, aber den Text hätte ich trotzdem gerne selber geschrieben. Wenn Sie verstehen, wie ich das meine. Statt Bridge Over Troubled Water vielleicht. Auch meine Uhren hatte ich schon letzten Sonntag umgestellt, keine Ahnung, warum. +++ Übrigens habe ich gerade die Kommentarfunktion entdeckt und aktiviert, auf vielfachen Wunsch. Mal gucken, ob’s funktioniert – aber bitte keinen Blödsinn posten!

 

Überschrift inspired by/Lyrics: An einem Sonntag im April © Element of Crime, 1994

Bridge Over Troubled Water © Simon & Garfunkel, 1970

Die Geschichte von den drei Ottos / Mit siebzehn hat man noch Träume.

Weiße Siedlung © Kai von Kröcher, 2019

 

In flesh of ash and silent movies I walked that boulevard again. +++ Beim Kinderwagen Walk gestern am Kottbusser Damm lief ich mit Otto vor Denny-Boys Biomarkt in die italienische Singer und Songwriterin Laura Guidi. Vor längerer Zeit schon hatte sie einmal angedroht, Otto aufessen zu wollen – Otto guckte dementsprechend skeptisch, er war auf der Hut. +++ Jedenfalls fragte die Guidi, ob mir eine Geschichte was sagt, die hieße Die Geschichte von den drei Ottos (oder so ähnlich?), ich solle mal googeln. Es sei gerade mein Internet freier Tag, meinte ich, nicht ohne auf ein erstauntes Gesicht zu spekulieren – ich würde es dann aber auf jeden Fall irgendwann später einmal versuchen. +++ Beim Namen der Geschichte allerdings muss sich ein Zahlendreher eingeschlichen haben, jedenfalls bieten einem die Suchmaschinen nur entweder “Otto III. (HRR) – Wikipedia” (Google) oder “Otto Group: Die Geschichte der Otto Group” (Ecosia) beziehungsweise “Kennenlernen frauen – er ist auf unserer Webseite | web.de” (Yahoo) +++ Wie auch immer, das mit dem Off the Line Thursday ist gar nicht so mühelos durchzuziehen, gilt das Verbot doch nicht nur fürs Internet allein, sondern auch für das Laptop im Allgemeinen: Photoshop, Online-Banking oder “ich checke mal kurz meine Mails” – alles donnerstags nicht mehr erlaubt! +++ Kein Wort aber bitte zu Patrick Lindner, der macht mich sonst “rund”. +++ Jetzt wollte ich noch was zu den Träumen mit Siebzehn in der Überschrift oben schreiben, aber mir laufen doch eh schon die Leser davon. +++ Sex!

 

Überschrift inspired by: Die Geschichte von den drei Ottos © (mir im Moment noch) unbekannt

Überschrift also inspired by: Mit 17 hat man noch Träume © Peggy March, 1965

Lyrics: I Want to be a Machine © Ultravox, 1977

Patrick Wolfgang “Christian” Lindner (*1979 in Wuppertal)