Was macht der Hund auf dem Sofa / The Emperor’s New Clothes.

Only happy when it rains: Panoramablick aus dem Konsumtempel am Alex © Kai von Kröcher, 2020

 

Rainy days never say goodbye to desire when we are together. +++ Der Meister der Panoramafotografie ist zurück! +++ Vor ein paar Tagen habe ich mir im Fernsehen ein Fußballspiel angeschaut, die Idee fand ich gut. Nach all den Jahren mal wieder ein Länderspiel auf dem Sofa. Vom Feeling her das letzte Spiel hatte ich mit der Werdenden damals in so einem Selbstbedienungsrestaurant aus Holz in der Nürnberger Innenstadt irgendwo gesehen: Toni Kroos schoss in letzter Sekunde den Ausgleich durch einen angezirkelten Freistoß gegen Schweden. +++ Ich weiß nicht einmal mehr, gegen wen die jetzt neulich gespielt haben. Nations League jedenfalls – ich glaube, verloren. +++ “Nations League”, nie von gehört. Überhaupt kam ich mir vor wie dieser merkwürdige Typ Sandokan damals im Fernsehen, der da meinte, er sei nicht tot, er habe nur fünfhundert Jahre geschlafen: Von den Spielern kannte ich keinen mehr – ich glaube, nicht mal den Torwart. Nur Jogi saß immer noch auf der Bank, aber auch er war um fünfhundert Jahre gealtert.

 

Überschrift inspired by: Was macht der Hund auf dem Sofa © Nighttrain, 1978

Überschrift also inspired by: The Emperor’s New Clothes © Sinéad O’Connor, 1990

Bildunterschrift inspired by: Only Happy When It Rains © Garbage, 1995

Lyrics: I Like Chopin © Gazebo, 1983

Sandokan – Der Tiger von Malaysia (Fernsehserie) © I/D/F 1976

Der geeinte Himmel / Mein lieber Herr Gesangsverein.

Panoramademie: Der geeinte Himmel über Berlin © Kai von Kröcher, 2020 (Handyfoto)

 

I don’t care what people say, just don’t come home too soon. +++ Aus Anlass des 30sten Jahrestages der Einheit neulich hatte ich mit dem Handy das Bild oben kreiert. Über das kollektive Bangen um den US-Präsidenten und seine Gemahlin Carola war es in meinem Kopf dann allerdings in Vergessenheit geraten. +++ Erinnern Sie sich zufällig noch an das Fischrestaurant Gastmahl des Meeres in der Nähe des Alexandersplatzes? Was ist eigentlich aus den Fenstern geworden; was haben die Wessi-Banausen der Imbisskette Nordsee damals damit gemacht? +++ Wegen des 21. Schöneberger Kürbisfests war am Wochenende die Akazienstraße gesperrt.

 

Der geteilte Himmel (Roman) © Christa Wolf, 1963

Berlin, Berlin © John F. & die Gropiuslerchen, 1987

Bildunterschrift inspired by: Der Himmel über Berlin © Wim Wenders (Regie), D 1987

Lyrics: Don’t Come Home Too Soon © Del Amitri, 1998

‘Menschen und Meer’ | 178,55 m² großes Glasbetonkunstwerk von Hans Vent, Dieter Gantz, Rolf Lindemann | HO-Fischrestaurant ‘Gastmahl des Meeres’ | Spandauer Ecke Karl-Liebknecht-Straße 

 

Shadows of a man, a face through a window / All I want is a room with a view.

Nollendorfplatz: Ihr Herz, das war einmal ein off’nes Haus, die schönen Menschen gingen ein und aus © Kai von Kröcher, 2018/2020

 

A possum Jackson Polluck is painted on the tar, sometimes I think a single sneeze could be the end of us. +++ Mein Beitrag zum Monat der Fotografie (EMOP Berlin): Das Bild, könnte man meinen, drückt zugleich Zuversicht  aus – als auch Aufbruch und Isolation. Menschen, einsam im Suizid: deutliche Handschrift des Punk. Der eingestreute Songtext* erinnert an verlorene Zeit, zerbrochene Freundschaft. +++ Vergänglichkeit im Speziellen und im Abstrakten.

 

Überschrift inspired by: Mandy © Barry Manilow, 1974 (Cover)

Überschrift also inspired by: Picture This © Blondie, 1978

Bildunterschrift inspired by: Lilly sagt © Max Prosa & Francesco Wilking, 2020

Lyrics: Dead Fox © Courtney Barnett, 2015

Europäischer Monat der Fotografie Berlin | 1. bis 31. Oktober 2020

* Songtext im Bild: The Streets of Laredo © Prefab Sprout, 2001

 

Okay, Tokyo / Ain’t No Mountain High Enough.

Je ne suis pas ton chien: Schritte im Schatten des Kreuzberger Zentrums © Kai von Kröcher, 2018

 

Whenever I hear goodbyes. +++ Frage ich Otto zum Beispiel: “Sag mal, ist dir nicht kalt?”, antwortet er: “Ja”. Dann heißt es kurz nachdenken, denn Otto (be)nutzt Sprache nach dem Prinzip der Logik: Ja – ihm ist nicht kalt. +++ Person, Man, Woman, Camera, TV. +++ Ich frage Otto also, ob ihm nicht kalt ist. Hätte ich ihn dagegen gefragt, ob ihm kalt sei, wäre die Antwort gewesen: Nein! +++ Verstehen Sie nicht. +++ Zwischen den Aufnahmen heute, die sind vom 16. März vor zwei Jahren. Sie wurden im Abstand von drei Minuten aufgenommen, oder besser gesagt: Das obere Lichtbild trat exakt um 13 Uhr 24 und 54 Millisekunden durch die Linse meines Kameragehäuses, der Schnappschuss ganz unten bereits um 13:21:03 Uhr. +++ Sagt man das eigentlich so: ‘Linse meines Kameragehäuses?’ +++ Gestern fand ich eine alte Notiz vom 26. Juli, da hatte Otto wohl das erste Mal in seinem Leben einen Song aus dem Radio mitgesungen: Ain’t No Mountain High Enough von Ike & Tina Turner. Das hatte ich damals schon durcheinandergebracht: Ike und Tina waren das mit River Deep – Mountain High. +++ Ain’t No Mountain High Enough wurde geschrieben, das wusste ich nicht, von Ashford and Simpson – die kenne ich nur durch ihren Achtzigerjahre-Hit Solid – wobei man sie da gerne mit Womack & Womack verwechselte. +++ Am 26. Juli 2020 übrigens feierte irgendwo auf der Welt Mick Jagger seinen siebenundsiebzigsten Geburtstag, der nicht nur die internationale Meeresschutzorganisation Sea Shepherd unterstützt, sondern auch die Soil Association, die sich für ökologischen Landbau im Vereinigten Königreich einsetzt. Ferner sang Jagger nicht nur eines der meist gehassten Duette der Musikgeschichte, Dancing in the Street nämlich mit David Bowie – beim Live Aid 1985 in Philadelphia trat er zudem gemeinsam mit Tina Turner auf, und damit schließt sich (endlich!) der Kreis…

 

Überschrift inspired by: Dancing In The Street © Mick Jagger & David Bowie, 1985

Überschrift also inspired by: Ain’t No Mountain High Enough © Diana Ross, 1970

Bildunterschrift inspired by: I’n Not Your Dog © Baxter Dury, 2020

Lyrics: Teardrops © Womack & Womack, 1988

River Deep – Mountain High © Ike & Tina Turner, 1966

Solid © Ashford & Simpson, 1984

Jefferson Aerosolplane / Mein Leben in Handyfotostrips

The B-Sides of Architecture: Urban am Sonntag © Kai von Kröcher, 2020

 

And it’s getting me so, it’s getting me so. +++ Sie kennen sicher die Episode, wo Mister Spock einer dieser spooky-mäßigen Weltraumgestalten diese so extrem knifflige Frage stellt, und der platzt beim Grübeln darüber schließlich der Kopf. Mir sagt diese legendäre Szene eigentlich gar nichts, sie wurde nur irgendwo mal nacherzählt. In irgendeinem Buch, das ich gelesen und wahrscheinlich gemocht haben muss. Auf jeden Fall geht es da um eine unauflösbare Geschichte, ich kann mich nicht richtig erinnern. In etwa wie die Bilder von Escher, nur eben in einer Folge von Raumschiff Enterprise. Irgendwas von wegen, Spock sagt, dass er nie lügt oder so. Oder andersrum, dass er nur lügt. Passt irgendwie auch wieder nicht. Irgendwas sagt er jedenfalls, und seine Behauptung bedeutet irgendwie immer das genaue Gegenteil von dem, was er eigentlich gerade gesagt hat. Und das lässt sich nicht auflösen, und beim Verbeißen in diese Finte platzt dem anderen Typen der Kopf. +++ Auf jeden Fall stellt mich mein werter Herr Erstgeborener neuerdings auch immer vor linguistische Herausforderungen. Otto nämlich pflegt eine derart reine Form des Antwortens, dass wir Erwachsenen mit unserem abgeschliffen-unpräzisen Umgang mit Wörtern erst einmal Karussell fahren im Kopf – und dann meist genau falsch reagieren. Irgendetwas mit doppelter Verneinung oder so in der Art. Und jetzt – Lampenfieber – fällt mir kein Beispiel ein, aber das musste ich endlich mal loswerden. +++ Da muss ich jetzt eben an einen Sonntagnachmittag in Zeiten der Ölkrise ungefähr denken. Hat damit eigentlich gar nichts zu tun, aber mein Vater und ich sitzen im Wohnzimmer, und es geht darum, ob wir uns irgendetwas im Fernsehen ansehen. Ich werfe einen Blick auf die drei Programme in unserer Programmzeitung, einer schmalbrüstigen Beilage der Braunschweiger Zeitung: “Jumbo in der Werkstatt” läuft gleich im Ersten. Als Kind bin ich kindlich begeistert, stelle mir den Unfug eines Elefanten in einer Kfz-Schrauberbude oder so vor – letztlich ist es die fünfundvierzigminütige Dokumention über die Wartung von Flugzeugen.

 

Überschrift inspired by: White Rabbit © Jefferson Airplane, 1967

Überschrift also inspired by: My Life in the Bush of Ghosts © Brian Eno/David Byrne, 1981

Lyrics: Airport © The Motors, 1978

Bildunterschrift inspired by: The B-Sides of Architecture (Facebook-Gruppe)

Raumschiff Enterprise (Star Trek) – Science-Fiction-Fernsehserie © NBC, USA 1966 – 1969

M. C. Escher (* 17. Juni 1898 in Leuwaarden, Provinz Friesland; † 27. März 1972 in Hilversum, Provinz Nordholland), niederländischer Künstler und Grafiker

Peaches and Herbst / Die Zukunft der Zukunft according to Lesser Ury.

Zukunft der Handyfotografie: Die Tage werden verschärft wieder kürzer © Kai von Kröcher, 2020

 

And I want to believe in the madness that calls ‘Now’. +++ Ist das ein Handyfoto von Lesser Ury? +++ Kann Zukunft an sich überhaupt eine Zukunft haben? Gegenwart eine Vergangenheit? Richtiges Leben ein falsches? +++ Ist das hier heute ein neuer Post? +++ Das Bild jedenfalls ist nur ansatzweise bearbeitet, klassische Handyfotografie halt. +++ Er jetzt immer mit seiner “Handyfotografie”…

 

Überschrift inspired by: God Save This World © Peaches & Herb, 1971

Überschrift also inspired by: Lesser Ury (* 7. November 1861 in Birnbaum/Provinz Posen; † 18. Oktober 1931 in Berlin), deutscher Maler der Berliner Secession

Lyrics: Cygnet Committee © David Bowie, 1969

Safety Dance / Die Zukunft der Handyfotografie liegt in der Handyfotografie.

Many Rivers to Cross: S-Bhf. Friedrichstraße am Sonntag © Kai von Kröcher, 2020 (Handyfotografie)

 

I never really leave. +++ Vor ein paar Tagen am Abend, da lief im Radio der Song einer australischen Band, den kannte ich noch aus den Achtzigern. Men at Work, ratterte es mir durch den Kopf. “Without Hats“, meinte die Moderatorin. Rumpelnder Synthiepop jedenfalls, vielleicht in Zusammenhang mit Corona, keine Ahnung – und so stand ich da in der Küche und dachte: Eher kein Unglück, dass man mich über Dekaden damit verschont hat. In just diesem Augenblick schoss von hinten mein Sohn heran, reckte mir seine kleinen Hände entgegen und forderte mich erstmals in seinem Leben zum Tanzen auf. Ein ganz toller Moment – und ein Mal mehr stellte ich fest, was ich Ihnen seit Jahren wieder und wieder zu predigen versuche: Das Leben ist ambivalent. +++ Heute feiert der Bub seinen zweiten Geburtstag – herzlichen Glückwunsch, liebe Ottilie!!! +++ Neulich mailte der Uhu mir eine Seite aus einem Roman namens Oberkampf. Ist wohl letztens erschienen und scheint vielbesprochen; spielt in Paris zu Zeiten von Charlie Hebdo und dem Anschlag vom Bataclan. Lange Rede, kurzer Sinn: Mitten in dieser weltpolitisch verwobenen Literatur taucht irgendwo merkwürdigerweise eine Szenegaststätte der Herzen in Kreuzberg auf, die heißt in dem Buch club49. An einem hufeisenförmigen Tresen sitzen dort Leute und rauchen, ein Installateurmeister trinkt Hefeweizen und möchte ganz offensichtlich einfach nur seine Ruhe haben. Geschrieben hat es ein Typ von der Süddeutschen – und ich fand, das nicht mal besonders gut. +++ Men Without Hats übrigens kommen oder kamen aus Kanada – nicht, dass es hinterher wieder heißt…

 

Überschrift inspired by: The Safety Dance © Men Without Hats, 1982

Überschrift also inspired by: Handyfotografie

Bildunterschrift inspired by: Many Rivers to Cross © Joe Cocker, 1982 (Cover)

Lyrics: I Only Want You © Eagles of Death Metal, 2004

Oberkampf (Roman) © Hilmar Klute/Verlag Galiani Berlin, 2020

Charlie Hebdo (gegr. 1970), französische Satirezeitung mit Sitz in Paris: Bei einem Terroranschlag auf das Redaktionsbüro am 7. Januar 2015 wurden zwölf Menschen, darunter fünf prominente Karikaturisten aus dem Redaktionsteam der Zeitschrift, einschließlich des Herausgebers, und somit ein Großteil der Redaktion ermordet. (Quelle: Wikipedia)

Bataclan (1864 bis 1865 errichtet), Vergnügungsetablissement in Paris: Am 13. November 2015 wurden im Zuge einer dschihadistischen Terroranschlagserie in Paris hunderte Konzertbesucher während des Auftritts der Band Eagles of Death Metal im Konzertsaal des Bataclan von drei schwer bewaffneten Terroristen als Geiseln genommen. Die Terroristen feuerten mit Kalaschnikow-Sturmgewehren in das Publikum und warfen Handgranaten in die Menge. Einige der Geiseln meldeten Hinrichtungen und baten die Polizei um Erstürmung des Theaters. Insgesamt wurden im Bataclan-Theater 89 Menschen ermordet, 39 weitere starben bei Angriffen ihrer Komplizen auf Cafés und Restaurants in der Nachbarschaft. (Quelle: Wikipedia)

Otto (* 15. September 2018 in Berlin), dufter Typ

club49 | Ohlauer Straße 31 | 10999 Berlin

 

 

What’s her name / Virginia Plain.

Heaven up here: Wolkenfantasie über dem Urban © Kai von Kröcher, 2020

 

I left my home in Georgia. +++ Vor einigen Jahren, da trat ich an einem sonnigen Nachmittag durch die offene Tür des Goldenen Hahn – wie ein gähnender Mund hatte sie offen gestanden und mich sozusagen verschluckt. Ich setzte mich an den Tresen und bestellte ein Bier, hinter mir in der Ecke saßen vier oder fünf Männer und Frauen. Am riesigen runden Holztisch unter dem Fenster ließen sie ihren Gedanken freien Lauf. In der Werbung, meinte der eine. Da zeigen sie immer nur schöne Menschen. Und dass die nur dazu da ist, den Konsum anzukurbeln. Ich trank noch ein Bier, dann ging ich wieder hinaus. +++ Die erste Woche im Kindergarten war übrigens toll. Otto blieb sogar für ein Stündchen ohne den Helikopterpapa dort. Ohne zu murren. Ein anderer Junge dagegen ist ständig am Flennen. Ich sehe ihn schon als Erwachsenen vor mir – Projektleiter in einem Großraumbüro in einem sechsundzwanzigsten Stock irgendwo herumcholerikierend in Frankfurt am Main. Der sophisticateste Name hier im Kindergarten ist Maximiliane, und zu meinem Entsetzen gibt es auch einen weiteren Otto. Der ist neun Monate alt und demnach ein Epigone. Im Prinzenbad neulich lief ebenfalls ein zweiter Otto am Kleinkinderschwimmbecken herum. Und hörte ich am Kottbusser Damm nicht gerade erst vorgestern einen Jungvater mit Buggy vor Denny-Boys Bioladen über einen ominösen “Otto” herumfabulieren? +++ Es gibt nur ein’ Rudi Völler. +++ Als ich gestern Abend rausgezogen bin, weitere Fotos vom Himmel zu machen. Da stand ich unter dem U-Bahnhof Prinzenstraße und fummelt gerade an den Einstellungen meiner Kamera herum. Da lief Markus W. von der Berliner Zeitung mit einem langen Teleobjektiv an mir vorbei, ich hatte ihn gar nicht kommen sehen. Wir fixierten uns kurz in den Augen, dann guckten wir wieder weg. Ich hätte gerne gesagt: “Hey, Markus, kennst du mich noch?!” Über der Gitschiner Straße allerdings hing eine tiefstehende Sonne, und anscheinend wollte er gerade die Autoschlangen in Zeiten des abnehmenden Abendlichts fotografieren. Ich verdrückte mich schnell rüber zur anderen Seite der Straße. +++ Hatte selber genügend zu tun. +++ Vor einigen Jahren war ich mit einer Freundin auf dem Tempelhofer Feld. Wir spazierten da rum, und irgendwo saß da im hohen Gras ein Fotograf und hatte in etwa drei Metern Entfernung irgendeinen anscheinend seltenen Vogel direkt vor der Linse. Der Vogel reglos auf einem Zweig, der Fotograf den Finger am Abzug. Und sie dann so – die Luft durch die geschlossenen Zähne einsaugend schlug ich die Hände vors innere Auge. Und sie direkt auf den zu und polternd von oben herab: “Boah, so ein großes Objektiv, da haben Sie ja bestimmt jede einzelne Feder auf dem Bild!” +++ Oder so.

 

Überschrift inspired by: Virginia Plain © Roxy Music, 1972

Bildunterschrift inspired by: Heaven Up Here © Echo and the Bunnymen, 1981

Lyrics: (Sittin’ On) The Dock Of The Bay  © Otis Redding, 1967

Zum Goldenen Hahn | Heinrichplatz | 10999 Berlin

In Zeiten des abnehmenden Lichts (Roman) © Eugen Ruge, 2011

 

 

 

Camargue Avenue / Shadows of Brilliant Things.

Café Moskau: In der Popularmusik spielte Karl Marx, soweit ich weiß, keine entscheidende Rolle © Kai von Kröcher, 2020

 

She realised she’d never ride through Paris in a sports car with the warm wind in her hair. +++ Aus politischen Banalitäten halte ich mich ja am liebsten heraus. Aber ich lag heute früh, das muss ich Ihnen erzählen. Da lag ich um 6:24 Uhr knallwach im Bett, draußen setzten die Hundstage bereits wieder zum Sprung an. Rekordverdächtig schlecht geträumt hatte ich. In meinem Alptraum war ich irgendwie Bolsonaro begegnet. Das muss so furchtbar gewesen sein, dass ich mich an nichts weiter erinnern kann – periodische Amnesie sagt man dazu. Wie gelähmt lag ich wach. Ich dachte, was für eine Lüge: Da führen wir heute den herzensreinen, lieben Otto in seine Naturkita Löwenzahn ein und gaukeln ihm eine sorglose Welt vor. THERE IS A HAPPY LAND WHERE ONLY CHILDREN LIVE, und so weiter. Und gleichzeitig schauen wir seelenruhig zu, wie ein einzelnes egomanisches Nazischwein unserer aller Lebensgrundlage und so weiter. Oder dealen mit dieser menschlichen Ratte auch noch überflüssige Handelsabkommen aus. Der Planet geht meiner Meinung nach unrettbar den Bach hinunter. In spätestens achtzig Jahren ist hier alles im Eimer, und keine Sau unternimmt heute etwas. Man muss ihn ja nicht gerade nackt an den Eiern durchs Dorf schleifen. +++ Man könnte die GSG9 schicken und ihm einfach das Hirn aus dem Kopf blasen. +++ Das wäre ernsthaft mein Vorschlag! +++ Die “Einschulung” heute war toll. Super Kita! Otto bekam zur Begrüßung zwar gleich einen aufs Maul, nein: Feuertaufe bestanden – er wurde am Anfang nur einmal zu Boden geschubst und brach vor Schreck kurz in Tränen aus. Dann aber mischte er sich unter seine neuen Kumpanen und ward eine Zeitlang nicht mehr gesehen. +++ Achtung: Karl-Marx-Straße nicht mit Allee verwechseln!

 

Überschrift inspired by: Franz Marc (* 8. Februar 1880 in München; † 4. März 1916 gefallen bei Verdun)

Überschrift also inspired by: Hunter and the Hunted © Simple Minds, 1982

Lyrics: The Ballad of Lucy Jordan © Marianne Faithful, 1979

There Is A Happy Land © David Bowie, 1967

The Bad Touch / Kleine Fische werden groß.

Breitscheidplatz: Volkstümlichkeit und Moderne © Kai von Kröcher, 2020

 

Jesus, this is Iggy. +++ Morgen kommt Otto in die Kita, da habe ich prophylaktisch schon jetzt einen Hals hinten im Kloß. Die Merkel-Diktatur hatte mir ursprünglich einen Strich durch die Rechnung machen und nur ein Elternteil zu der Zeremonie zulassen wollen. Heute aber kam die Nachricht, Vati darf auch mit!!! +++ Frage kurz an die Schwarmintelligenz, wo ich doch jetzt auch so’n halbstolzer Besitzer eines Smartphones bin: Was eigentlich ist eine App – und was in Gottes Namen stellt man damit an? +++ Apropos ‘Gott’: Nach der Seniorenfitness am Ernst-Reuter-Platz heute wollte ich gegen Mittag spontan kurz in der Gedächtniskirche vorbeispringen, wenn Sie verstehen. Zählt ja eh schon zu meinen liebsten Kirchen. Jetzt zu Corona aber haben sie die Stuhlreihen radikal ausgedünnt und auf Abstand getrimmt – sieht super aus, und direkt bekommt man eine Ahnung, wie Old Eiermann sich die Sache einst mit der Nachkriegsmoderne so gedacht hatte. +++ Lange Rede, kurzer Sinn: Als ich die Stufen zur Domplatte hochstapfte, wunderte ich mich erst einmal kurz über den Pastor, der sich vor der Eingangstür auf einem Stuhl herumfläzte und mit einem Typen in einem “Hygiene-Manager”-T-Shirt plauderte. Dann sah ich Flatterbänder und überall so ‘ne Art Bühnenarbeiter herumwuseln, und langsam begriff ich: da waren Dreharbeiten am Laufen – und für den Mann von der Straße war die Kirche gesperrt. +++ Wo ich doch ausgerechnet heute auf die Idee mit den Handyfotos gekommen war. Sehen zwar irgendwie nicht ganz unkacke aus, haben andererseits aber doch auch wieder einen ganz eigenen Charme. +++ Im Hintergrund läuft gerade das Radio – ein ekelerregender Song, der längst schon verboten gehörte. Jedenfalls muss ich da an die Geschichte denken, eine langjährige Barkeeperlegende vom Club damals ist uns auf dem Kneipentransfermarkt abgeworben worden und fing als Geschäftsführerin bei so’nem neu aufgemachten Mexikaner mit Streetcredibility auf der Oranienstraße an. So mit offener Küche direkt im Gastraum, wenn ich mich recht erinnere, wo hinter dem Herd dann immer so Typen einen auf Latino oder so machten. Und nun lief halt eben der Song da im Radio, zum Davonlaufen, und da fiel mir das wieder ein: Jedenfalls habe ich meine damals dann also schon Ex-Barkeeperlegende mal gefragt, wie der Laden so läuft und so weiter. Und sie meinte dann, die Bloodhound Gang käme zum Beispiel immer zum Essen. +++ Alter, die Bloodhound Gang!!!

 

Überschrift inspired by: The Bad Touch © Bloodhound Gang, 1999

Überschrift also inspired by: Kleine Fische werden groß © Vader Abraham, (?)

Lyrics: Turn Blue © der Itschie-Bob, 1977