Sleepy Joe / Das Geburtshaus der Jenny von Westphalen.

Fiktives Vinyl: Ilse Paradies – Ei ohne Salz © Kai von Kröcher, 2006/2022

 

Wait until the shower cries for every drip breaks the ice. +++ Sagt Ihnen der Longplayer Ei ohne Salz noch etwas – von der Lichtenberger Band Ilse Paradies? Wenn mein Sohn bei mir ist und zur Schule muss, klingelt mein Wecker um 5:27 Uhr. Und wenn ich dann in der Küche stehe, Kaffee koche und Stullen schmiere, läuft im Erwachsenenradio die Rubrik Bermudadreieck. Da kann man sich Lieder wünschen, die einem persönlich auf eine Art etwas bedeuten, die sonst aber nirgends gespielt werden. Und neulich, da wollte Harry Otte aus der Grüntaler Straße im Wedding gern den Song Ei ohne Salz vom gleichnamigen Album der Gruppe Ilse Paradies hören. Politisch aufmüpfige Texte mit Blechbläsern und schrillem Gesang – einwandfrei: „Fetzig“, wie man als Musikjournalist sagen würde. Auf eine Art typisch für die Nachwendezeit: „Det könn‘ wa jetz ooch allet hier!“ +++ Das mit dem, dass man hier jetzt auch alles kann, das hab ich aus einer charmanten Geschichte von Alexander Osang. Kann mich nur nicht mehr richtig erinnern, die spielt irgendwie in der Kantine der Berliner Zeitung zu besagter Nachwendezeit: „Cappuccino, det könn‘ wa jetz ooch allet hier!“ +++ Wie auch immer, wenn man älter wird – und das wird man, ohne hier spoilern zu wollen, ganz unanfechtbar. Jedenfalls, wenn man älter wird, sitzt man, wenn alles planmäßig läuft, viel seiner verbleibenden Zeit in den einschlägigen Arztpraxen ab. Von daher möchte ich jetzt meine und die Popularität meines Blogs hier einmal nutzen, mich zu erklären und mich von aller Schuld reinzuwaschen. Warum ich kaum noch zu sehen bin im Moment. +++ Meine ständige Müdigkeit nämlich, die hat nicht allein mit dem Wecker um 5:27 Uhr zu tun: Vitamin-B12-Mangel, Schilddrüsenunterfunktion, Blutarmut, reptiloider Puls, neurologische Ungereimtheiten – den Herzkasper vom Herbst gar nicht mal mitgezählt: Zurzeit bin ich durchaus ein Wrack. +++ Was allerdings ganz ohne Quatsch das Erstaunlichste ist, und womit ich mich unverhohlen brüsten möchte: Die letzte Untersuchung ergab einen Natriummangel wie momentan in der Ostsee. Tatsächlich muss ich jetzt immer ordentlich viel Salz in mich hineinschaufeln – Otto Normalverbraucher wird ja stets gerade das Gegenteil angeraten. +++ Und abends dann gehen, is it any wonder, um neune die Lichter aus…

 

Überschrift inspired by: Joseph „Joe“ Bidens Jr. (* 20. November 1942 in Scranton, Pennsylvania), US-amerikanischer Demokrat 

Überschrift also inspired by: Jenny Marx (* 12. Februar 1814 in Salzwedel als Johanna Bertha Julie Jenny von Westphalen; † 2. Dezember 1881 in London), dt. Sozialistin und Ehefrau Karl Marx‘

Lyrics: I Don’t Wanna © Sydney Minsky Sargeant, 2025

Bermudadreieck | radioeins | Mo. – Fr. | ca. 05:38 Uhr | UKW Berlin 95,8

Alexander Osang (* 30. April 1962 in Berlin), dt. Journalist

Fame © David Bowie, 1975

Dum Dum Boys / Wunder gibt es immer wieder.

Fiktive Postkarten: Berlin-Friedrichshain © Kai von Kröcher, 2024

 

Dann hab ich angefang‘, ihm vorzulesen. +++ Vielleicht haben Sie innerlich den Kopf geschüttelt und kurz gedacht, was hat er denn jetzt schon wieder?! Was regt er sich denn so auf, der sollte langsam mal wieder runterkommen! +++ Die Sache mit Litti, das hatte mich echt richtig geärgert – wie ein Abschreiber, ein Scharlatan stand ich da! Dabei hatte ich sogar noch fünf Minuten vor denen auf Facebook gepostet. Aber jetzt wollen wir uns alle mal wieder beruhigen, ist ja nur Social Media! +++ „Nur“ ist gut. +++ Der Song oben von Betterov, seit der draußen ist: Jedesmal denke ich, diesmal nicht. Diesmal kriege ich keinen Kloß im Hals, diesmal habe ich nicht nah am Wasser gebaut. Und dann habe ich doch wieder nah am Wasser gebaut und einen amtlichen Kloß im Hals. Ich weiß nicht. Irgendeiner hatte bei Youtube kommentiert, der Song sei erbärmlicher Mist, er selbst (der Kommentarschreiber/Anm.d.Red.) sei, ich hab es vergessen. Er selbst lese ja nur Flaubert oder so. Oder Proust, was weiß ich. +++ Übrigens, wissen Sie eigentlich, warum Katja Ebstein Katja Ebstein heißt? Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges war sie in Niederschlesien als Karin Ilse Überall geboren worden, genau genommen am 9. März 1945. Da möchte ich, ehrlich gesagt, aber nicht mit den Eltern getauscht haben. Aufgewachsen ist sie dann im Berliner Bezirk Reinickendorf in der Epensteinstraße, jetzt müsste es klingeln. Mit dem US-amerikanischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat das alles also überhaupt nichts zu tun. Kein Grund also, dass ich hier flapsige, hirnlose Witze reiße – das überlassen wir lieber den Dummen!

 

Überschrift inspired by: Dum Dum Boys © Iggy Pop, 1977

Überschrift also inspired by: Wunder gibt es immer wieder © Katja Ebstein, 1970

Lyrics: Papa fuhr immer einen großen LKW © Betterov, 2025

Limelight / Elf Freunde müsst ihr sein.

Fiktive Postkarten: The Best Windy Pouches In Town © Kai von Kröcher, 2026

 

Theater, Theater, der Vorhang geht auf, dann wird die Bühne zur Welt. +++ Das darf doch wohl alles nicht wahr sein – mir unbegreiflich: Kaum hatte ich gestern meine investigative Hintergrundgeschichte zu „Litti“ auf Facebook verlinkt, da posteten auch schon 11FREUNDE eine Meldung auf Facebook zu ihm. Ehrlich gesagt, war ich regelrecht etwas geschockt. Als hätte ich bei 11FREUNDE abgeschrieben, das mag ich nicht auf mir sitzen lassen. +++ Ganz davon ab: Was wusste Katja Ebstein – und was wusste sie nicht? +++ Ich habe dann schnell mal nachgeschaut: Bei meinem Facebook-Post hieß es da „vor 40 min“, bei den 11 Freunden „vor 35 min“. Wenn man also noch meine ausführliche Recherche zugrunde legt, ich war nämlich einen Tag zuvor zufällig schon auf Littbarski gestoßen. Und wenn sich meine Texte vielleicht auch anhören wie kurz einmal ausgerotzt, so steckt doch akribische Arbeit darin. +++ Das nur zu meiner Erklärung, weil – dieser Schock hatte mich doch extrem frustriert. +++ Als hätte man gerade einen Impfstoff entwickelt gegen, sagen wir mal, Covid-19, genau. Und dann tritt da so ein Experte ans Podium und sagt, trinken Sie doch einfach Sagrotan! +++ So sieht’s mal aus. +++ Bevor ich’s vergesse: Die Meldung zu Litti gestern besagt, in Köln wird es wohl ein Theaterstück über Littbarskis Leben geben, in dem spielt er selbst alle Rollen – ob auch den Balljungen bei DDR gegen Chile, kann ich nicht sagen.

 

Überschrift inspired by: Limelight (Rampenlicht, Melodram) © Charlie Chaplin (Drehbuch, Musik, Regie), USA 1952

Überschrift also inspired by: Elf Freunde müsst ihr sein (Jugendbuch) © Sammy Drechsel, 1955

Lyrics: Theater © Katja Ebstein, 1980

11FREUNDE – Magazin für Fußballkultur, Berlin (gegr. 2000) 

Katja Ebstein (* 9. März in Gierlachsberg, Provinz Schlesien als Karin Ilse Witkiewicz), dt. Schlagersängerin

Café Obergfell | Alt-Lichtenrade 140 | 12309 Berlin

And Time Goes By So Slowly / Nur nach Hause fahr’n wir nicht.

Fiktive Postkarten: Olympiastadion Berlin © Kai von Kröcher, 2024

 

My mother cried when President Kennedy died. +++ Wenn Sie zurückdenken an die WM ’74, vermutlich fallen Ihnen da zum Beispiel der Mann mit der Mütze, Neeskens‘ Elfmeter in der zweiten Minute, das Zeltdach von München, die Wasserschlacht Frankfurt ein. Aber erinnern Sie sich zufällig auch an den Balljungen, der beim Aufeinandertreffen DDR gegen Chile im Berliner Olympiastadion (1:1) damals am Spielfeldrand stand? Ich auch nicht – und da will ich Sie, um kurz einen Running-Gag des bekannten Diktators Pinochet zu zitieren. Da will ich Sie jetzt nicht groß auf die Folter spannen: Ganz ohne Quatsch nämlich war es Pierre Littbarski, der da bei dem Spiel einen Einsatz als Balljunge hatte. Den bringt man ja heute in erster Linie mit dem 1. FC Köln in Verbindung. Der zur Zeit der WM tatsächlich aber noch bei seinem ersten Verein, dem VfL Schöneberg, spielte. +++ Ziemlich genau, lassen Sie mich kurz überschlagen, fünfzig Jahre liegen zwischen dem Spiel und dem Foto (oben). In der Zeit ist eine Menge passiert, fürwahr: Zum Beispiel, ich weiß nicht, ob Sie das mitbekommen haben, gibt es die DDR so als Staat gar nicht mehr. Staub im Wind der Geschichte. Jürgen Sparwasser übrigens war, was ich nicht wusste, 1988 bei einem Gastspiel der Altherrenmannschaft des 1. FC Magdeburg in Saarbrücken von, laut Nachrichtendienst ADN, sportfeindlichen Kräften zum Verbleib in der BRD abgeworben worden. +++ Und apropos ‚Zeit‘: Bei meinem Streaming-Dienst Amerika-Gedenk-Bibliothek hatte ich mir neulich Die Zeitmaschine ausgeliehen. Mir macht das totalen Spaß, das ist so unbelievable-mäßig analog. Fast aus der Zeit gefallen, wie man so sagt. Manche würden sogar behaupten: Zeitverschwendung. Ich aber habe mir sogar schon im Kulturzentrum Marzahn etwas ausgeliehen, häufiger auch in der Stadtteilbücherei Steglitz. Die Zeitmaschine ist toll, wenn man auf liebenswert angestaubte Effekte steht. Gewundert hatte mich allerdings, dass der Streifen in Farbe ist. Das letzte Mal, dass ich ihn wohl im Fernsehen sah, muss demnach noch auf unserem Schwarzweiß-Gerät von Nordmende gewesen sein. Ich hatte auch gar nicht nachgesehen, von wann genau der eigentlich ist – und als die Hauptfigur George im Jahr 1966 halt macht, und man hört im Hintergrund so ein ohrenbetäubendes Kreischen, da dachte ich: ach so, die Beatles! War dann aber nur ein Atomkrieg…

 

 

Überschrift inspired by: Unchained Melody © The Righteous Brothers, 1965 (Cover)

Überschrift also inspired by: Nur nach Hause (Fußball-Hymne, Hertha BSC) © Frank Zander, 1993 (zur Melodie von Sailing)

Lyrics: Born in the 50s © The Police, 1978

Johannes Jacobus „Johan“ Neeskens (* 15. September 1951 in Heemstede, Nordholland; † 6. Oktober 2024 in Algerien), niederl. Fußballnationalspieler

Chile – DDR (1:1) | WM ’74 | 18. Juni 1974 | Berliner Olympiastadion | Zuschauer: 20.000

Augusto José Ramón Pinochet Ugarte (* 25. November 1915 in Valparaíso, Chile; † 10. Dezember 2006 in Santiago de Chile), chilenischer General und Diktator

Pierre Littbarski (* 16. April 1960 in West-Berlin), dt. Fußballspieler und Weltmeister

Jürgen Sparwasser (* 4. Juni 1948 in Halberstadt), dt. Fußballnationalspieler

Die Zeitmaschine (The Time Machine – Science-Fiction-Film mit Rod Taylor) © George Pal (Regie), USA 1960

 

Cut Grass, long the Death / Der Konrad Lorenz des Berliner Undergrounds.

Fiktive Postkarten: Vom Feeling her Frühlingsgefühle (Berlin-Buckow) © Kai von Kröcher, 2026

 

and when she said she’d be a movie queen nobody laughed. +++ Mir unbegreiflich. +++ Der ganz heiße Scheiß im Moment sind Frühlingsspaziergänge – alles andere macht einen nur unnötig fertig …

 

Überschrift inspired by: Cut Grass © Arya Zappa, 2019

Überschrift also inspired by: Konrad Lorenz (* 7. November 1903 in Wien; † 27. Februar 1989 ebenda), österr. Zoologe, Medizin-Nobelpreisträger, Verhaltensforscher

Lyrics: Emma © Hot Chocolate, 1974

Collagenpullover / Wundermittel oder Abzocke.

Fiktive Postkarten: Frühlingsgrüße aus Lichtenberg © Kai von Kröcher, 2026

 

I have lost the feeling that I thought I’d never lose. +++ Mir unbegreiflich. +++ Sie erinnern sich an meine schockierenden Fotos letztens vom Sternschwaben am Urban (Ihr seid solche Fucker berichtete). Der junge Kollege auf meinen Bildern dort ist nun möglicherweise doch nicht an der Vogelgrippe verendet. Es sind damals ja so einige Schwäne und auch ein Kormoran tot im Wasser getrieben. +++ Wie stehen Sie eigentlich zu der Technik der Collage, vertraut vielleicht noch von seinerzeit her aus dem Kunstunterricht? +++ Den Schwan von den Fotos jedenfalls habe ich gestern vom Feeling her wiedergesehen. Dead or alive – er war jetzt ein erwachsener Schwan geworden, strahlend weiß wie im Märchen. Nur, dass er tatsächlich ganz offensichtlich an einer übelst mysteriösen Behinderung leidet: Der Hals scheint aus Gummi, den Kopf kann er nicht anheben wie ein handelsüblicher Schwan, der liegt verquer auf dem Rücken. Sein Gang erinnert an Toulouse-Lautrec, der hat sich am Ende zu Tode gesoffen. Oder den Glöckner von Notre-Dame, die anderen Schwäne hänseln ihn sicherlich ständig mit „Quasimodo“. +++ Was treibt denn der Potus eigentlich so, ich habe heute noch gar keine Nachrichten gehört?! +++ Gestern beobachtete ich das Aufeinanderprallen zweier Frauen am Ufer: die eine, inmitten einer Schwanschar, hatte eine große Plastiktüte mit alten Brötchen dabei, die andere stand im Abstand an einem Baum. Man Behind Tree, you remember. Die Frau an dem Baum rief der Frau mit den Brötchen bestimmerisch zu: „Lassen Sie den (Schwan mit der mysteriösen Erkrankung/Anm.d.Red.) nicht ins Wasser – der kann nicht schwimmen, der ertrinkt!“ Woraufhin die Frau mit den Brötchen zurückpöbelte: „Der kann aber schwimmen, ich hab’s doch geseh’n!“

 

Überschrift inspired by: Die 4 besten Kollagen-Pulver 2026 im Vergleich © Gesundheit-Wissen/Anna-Lena (Redaktion), 2026 

Fiktive Postkarte inspired by: Paris au Printemps © Public Image Ltd, 1980

Lyrics: Barbaric © Blur, 2023

Wanted Dead or Alive © Bon Jovi, 1986

Henri Marie Raymond de Toulouse-Lautrec-Montfa (* 24. November 1864 in Albi; † 9. September 1901 auf Schloss Malromé, Gironde), frz. Maler

Otto © Man Behind Tree, 2015

Ferry Cross The Mersey / We had a hedge back home in the suburb.

Fiktive Postkarten: Berlin-Oberschöneweide © Kai von Kröcher, 2026

 

Warum, das bleibt für dich ungeklärt, doch Billy weiß genau, wo er hingehört. +++ Apropos: Die Schwäne letztens sind laut Friedrich-Löffler-Institut nun ganz offiziell an der Vogelgrippe verendet. Stand bei Facebook irgendwo in der Zeitung, und natürlich kamen sofort Kommentare, es habe gar keine toten Schwäne gegeben – wir würden doch nur noch verarscht. Mit dem Packeis sind auch die Schwankadaver mittlerweile tatsächlich verschwunden, doch heute immerhin trieb noch ein Kormoran als Nachzügler tot im Landwehrkanal. +++ Die Geschichte zu dem Foto (oben) – da würde ich gerne etwas länger ausholen: An diesen ersten Frühlingstagen gerade möchte man nicht in der Wohnung bleiben und sich fühlen wie einer, der sein Leben verpasst. Also nahm ich die Kamera, ließ mich Bruce-Springsteen-mäßig treiben im M41er Bus. Später die Fähre von Baumschulenweg rüber nach Wilhelmstrand (Oberschöneweide). Über Oberschöneweide kann man sich dieses und jenes erzählen, aber ein Szenebezirk ist es nicht. +++ Da will ich ehrlich mit Ihnen sein. +++ Überall waren Menschen in ihren Gärten, niemand schien sich an mir zu stören. Auch ich fühlte mich nicht durch die Menschen gestört. Unter der Minna-Todenhagen-Brücke fühlt man sich kurz wie im nächsten Moment überfallen und ausgeraubt, rein so vom Feeling her – doch außer der Frau mit dem Kindersitz auf dem Rad sah ich dort niemanden, der mich im Ernst hätte ausrauben können. Die Minna-Todenhagen-Straße selbst ist dann eine Art „Cut“, sie trennt die Kleingartenanlage Am Freibad von der Kleingartenanlage Grüne Aue. In der Kleingartenanlage Grüne Aue habe ich das Postkartenmotiv oben aufgenommen. Und plötzlich fühlte sich doch jemand gestört. Was ich denn fremde Gärten fotografiere und so. Ich sagte, ich fände das gut: die Gärten, die Bäume, die Stromtrasse. Er aber war völlig außer sich und ließ sich gar nicht beruhigen: „Mir ist das unbegreiflich!“ Ich wollte gerade noch denken, ich verstünde manche Sachen ja auch nicht, aber da hatte er sich schon umgedreht, hatte noch einmal „Mir unbegreiflich!“ geflucht – dann war er hinter der Hecke verschwunden.

 

Überschrift inspired by: Ferry Cross The Mersey © Gerry And The Pacemakers, 1964

Überschrift also inspired by: Lost in the Supermarket © The Clash, 1979

Lyrics: So © Keimzeit, 1988/1990

Hungry Heart © Bruce Springsteen, 1980

Like the sun through a curtain / Take a photo with your mind before it’s gone in time.

Frühlingseinbruch in Berlin: Sportforum Hohenschönhausen (Sporthotel) © Kai von Kröcher, 2026

 

And time paints a picture now, the world will eclipse you now and when you fall you get back up and run. +++ Ich weiß, es ist Wochenende, Sie möchten den Morgen im Kreise Ihrer Liebsten verbringen, vielleicht zum authentischen Markt in der Altstadt schlendern, ein paar mediterrane Köstlichkeiten einkaufen für ein besinnliches Frühstück mit dem verlockenden Duft frisch aufgebrühten Kaffees im goldenen Schein eines mäandernden Sonnenstrahls in Ihrem Fenster. Und dennoch habe ich eine Frage, nämlich ob sich zufällig heute hier unter den Lesern ein paar Muttersprachler befinden. Einer würde schon reichen. Ich kann beim besten Willen nämlich nicht zweifelsfrei heraushören, wie die erste Zeile dieses Songs da oben in der Überschrift lautet: Voices are coming and going like the sun through a curtain? Oder doch eher boys coming and going? Ergibt das Sinn? Muss es denn Sinn ergeben und für wen? +++ Was ich aber eigentlich erzählen wollte: Neulich hatte ich irgendwie geschrieben, ich wolle gerne ein Möchtegern sein, wenn ich groß bin. Was natürlich völliger Quatsch ist, das war ja nur Spaß. Und zufälligerweise trage ich mich zurzeit mit einer Idee herum. Einer Idee, die durchaus auch mit meiner eigenen Zukunft zu tun hätte. Wahrscheinlich nichts hammerhart Lukratives, das entspräche nicht meiner Natur. Sonst würde ich den Pfeifen in China technologieoffene Verbrennermotoren verkaufen. +++ Sorry, der politische Witz – messerscharf mit einem Augenzwinkern. +++ Seit einiger Zeit pflege ich ja einen eher autistischen Lebensstil, aber vielleicht sollte ich mal mit jemandem darüber reden. Über die Idee, ich würde es nicht gleich Geschäftsmodell nennen wollen. +++ Das Foto habe ich vorgestern früh aufgenommen, nachdem der Sohn in die Schule gebracht war. Mich spontan in die Straßenbahnlinie M13 gesetzt und dann Bruce-Springsteen-mäßig einfach immer der Nase nach: Toll, wie einen der Frühling in jedem Jahr wieder aufs Neue unvorbereitet treffen kann!

 

 

Überschrift inspired by: Never Left Me © Natalie Jane Hill, 2025

Lyrics: Javelin © Kevin Morby, 2026

Hungry Heart © Bruce Springsteen, 1980

Auferstanden aus Ruinen (Nationalhymne der DDR) © Johannes R. Becher (Text) / Hanns Eisler (Musik), 1949

Container Love / The Lady From Another Grinning Soul.

Double Exposure: Berlin-Alexanderplatz © Kai von Kröcher, 2017

 

All I see are sad men grinning, brown suits, streets of Shoreditch. +++ Haben Sie am 31. Dezember 1969 die Sendung Was bin ich? mit Robert Lembke im Fernsehen gesehen? Im Studio damals waren unter anderem der selbstständige Einsiedler Karl Kurz und, was vielen heute gar nicht mehr bekannt ist, die französische Chansonsängerin Françoise Hardy zu Gast. +++ Oft lese ich meine Blogeinträge hinterher noch einmal durch. Klingen die teilweise nicht übergebürlich spöttisch? Meistens sind sie aber gar so gemeint. Das Skirennen aus meinem Post gestern zum Beispiel. Das hatte ja totalen Spaß gemacht. Die Musik war, um es neutral auszudrücken, für Leute wie Sie und mich vielleicht ziemlich bescheuert. Ansonsten aber war alles großartig: die Skilehrer und -lehrerinnen waren herzlich und engagiert; die Kinder erlebten, und darauf kommt es doch an, größtmögliche Spannung und Freude – und am Ende, wie Gary Lineker es ausdrücken würde, gewinnt immer Otto! +++ Und dann kommt also einer daher, vom Alexanderplatz oder so. Und da fließen dann also Milch und Honig und alles ist asterbohne und supi: „Ja, eh!“, wie der Österreicher sagt. +++ Das Bild (oben) hatte ich neulich zusammengesetzt, die beiden Fotos stammen von 2017 – tolle Zeit damals, kommt alles nicht wieder …

 

 

Überschrift inspired by: Container Love © Phillip Boa, 1989

Überschrift also inspired by: Lady Grinning Soul © David Bowie, 1973

Lyrics: Mr W4 © Baxter Dury, 2025

Shoreditch: Ortsteil des Londoner Bezirks Hackney

Was bin ich? – Das heitere Beruferaten: Quizsendung im Ersten Deutschen Fernsehen (1955 bis 1958 und von 1961 bis 1989) nach dem US-amerikanischen Vorbild What’s my line?

Robert Lembke (* 17. September 1913 in München; † 14. Januar 1989 ebenda), dt. Journalist und Fernsehmoderator

Françoise Hardy (* 17. Januar 1944 in Paris; † 11. Juni 2024 ebenda), frz. Sängerin, Komponistin und Texterin

Gary Lineker (* 30. November 1960 in Leicester), engl. Fußballspieler

Walk Like a Flamingo / Der Schnee, auf dem wir alle talwärts fahr’n.

Slalom der Kids: Otto auf dem Weg zum Gold von Riezlern © Kai von Kröcher, 2026

 

If you’re fond of sad dudes and salty hair. +++ In den kommenden Wochen vermutlich werde ich mit der Arbeit an meinem Erstlingswerk beginnen, der Einstiegssatz in etwa soll lauten: Wenn ich erwachsen bin, würde ich gerne ein Möchtegern sein. Verstehen Sie? Philosophie meets Gesellschaftskritik. Über den Plot bin ich mir mit mir noch nicht einig, doch könnte es sich um einen Coming-of-Age-Roman handeln. +++ Apropos. +++ Ich bin Ihnen noch ein paar Antworten schuldig. In der Sache mit Pete Townshend zumindest muss ich Sie noch etwas vertrösten. Was meinen Sohn beim Skifahren allerdings angeht: Es war ein diesiger Morgen nach all diesen Tagen mit strahlendem Sonnenschein. In Höhenlagen mit Schnee muss man da eh vorsichtig sein. Doch jetzt war der Himmel bedeckt, quenchige Nebelschwaden hingen über den Hängen. Ein anderes Wort liegt mir gerade nicht auf der Zunge: „Quenchig“, im Sinne von vollgesogen, saftig. +++ Kennen Sie Skifahrermusik? Ich meine jetzt natürlich nicht Heide Rosendahl, keine Profis. Après-Ski eher. Ich war ja noch nie beim Après-Ski, ich kenne nur „après vous“ – eine Form des Anstands und der Bescheidenheit, der neue Trend in der Politik. +++ Leute, die sich im Skisport besser auskennen, sollten sich an den jungen Alberto Tomba erinnert fühlen. Ich selbst war laienhaft-emotional äußerst angefasst. Kloß im Hals und beinah ganz nah am Wasser gebaut. Nach einer Woche Kinder-Anfänger-Skikurs war an diesem Freitagmorgen ein Abschlussrennen angesetzt, da wurde richtig was auf die Beine gestellt. Große Lautsprecher standen am Zieleinlauf, aus denen so Lieder pumpten wie: „Ich tanz auf einem Bein wie ein Flamingo“. Meine Nichte glücklicherweise hat ein Handy-Video von der Abfahrt gemacht, auf solche Ideen kommt man selber ja nicht. Leute mit Kuhglocken standen am Ende der Piste und drehten jedesmal frenetisch durch, wenn einer der Pfarrer den Abhang hinab raste. +++ „Fahrer“ natürlich, kleiner Scherz! +++ Eines Abends hatte ich meine Nichte gefragt, was das denn für ein Schuppen da sei, am Fuße der Kanzelwandbahn, mit diesem sternförmigen Neonröhren-Konstrukt unter der Decke. Das sei so’ne Après-Ski-Pinte, meinte sie, immer gerappelt voll. Da schössen die Leute sich zu so Liedern wie „Ich hab ’ne Zwiebel auf dem Kopf, ich bin ein Döner“ die Lichter weg. +++ Otto jedenfalls ging als Vorletzter an den Start. Er sei nicht nervös gewesen, sagte er später – und getreu dem Motto, die Vorletzten werden die Ersten sein, meisterte er den Slalomparcours souverän und in perfekter Haltung in 21,88 Sekunden, und damit stieg er aufs Siegerpodest!!! +++ Haben Sie den Fehler im Text oben gefunden? Korrekt müsste es heißen: Natürlich nicht Rosi Mittermeier, keine Profis!

 

 

Überschrift inspired by: Walk Like an Egyptian © The Bangels, 1986

Überschrift also inspired by: Flamingo © Fäaschtbänkler, 2022

Überschrift also inspired by: Der Kommissar © Falco, 1981

Lyrics inspired by: At the River © Groove Armada, 1997

Heide Rosendahl (* 14. Februar 1947 in Hückeswagen), dt. Leichtathletin

Alberto Tomba (* 19. Dezember 1966 in Bologna), ital. Skifahrer

Ich bin ein Döner © Tim Toupet, 2008

Gold © Spandau Ballet, 1983

Rosi Mittermeier (* 5. August 1950; † 4. Januar 2013 in Garmisch-Partenkirchen), dt. Skifahrerin

Slalom der Männer | XXV. Olympische Winterspiele | Bormio Stelvio | 13:30 Uhr (ZDF)