Eine Rennbahn halb im Schlamm versunken / An einem Sonntag im April.

Trabrennbahn Karlshorst © Kai von Kröcher, 2019

 

Eine Rennbahn halb im Schlamm versunken, ein alter Hase vom Verlier’n betrunken, ein blödes Wort von der Seite, ein Gesicht, das davon treibt im Gewühl. Ein Sprecher, der den falschen Sieg verkündet, ein alter Hase der im Bau verschwindet, ein Wiederseh’n mit einem Freund, der einen Spruch und deine Schulter klopfen will. +++ An einem Sonntag im April. +++ Ein Favorit will seinen Sturz begreifen, ein alter Hase lässt die Blicke schweifen. Ein blödes Wort von der Seite, ein Gesicht, das wieder auftaucht im Gewühl. +++ An einem Sonntag im April. +++ Ein Wind, der immer neuen Regen brachte, ein alter Hase, der verlegen lachte. Und ein Gefühl der Befreiung, als ich dir hoffnungslos verfiel. +++ Ist ja noch gar nicht April, aber den Text hätte ich trotzdem gerne selber geschrieben. Wenn Sie verstehen, wie ich das meine. Statt Bridge Over Troubled Water vielleicht. Auch meine Uhren hatte ich schon letzten Sonntag umgestellt, keine Ahnung, warum. +++ Übrigens habe ich gerade die Kommentarfunktion entdeckt und aktiviert, auf vielfachen Wunsch. Mal gucken, ob’s funktioniert – aber bitte keinen Blödsinn posten!

 

Überschrift inspired by/Lyrics: An einem Sonntag im April © Element of Crime, 1994

Bridge Over Troubled Water © Simon & Garfunkel, 1970

Die Geschichte von den drei Ottos / Mit siebzehn hat man noch Träume.

Weiße Siedlung © Kai von Kröcher, 2019

 

In flesh of ash and silent movies I walked that boulevard again. +++ Beim Kinderwagen Walk gestern am Kottbusser Damm lief ich mit Otto vor Denny-Boys Biomarkt in die italienische Singer und Songwriterin Laura Guidi. Vor längerer Zeit schon hatte sie einmal angedroht, Otto aufessen zu wollen – Otto guckte dementsprechend skeptisch, er war auf der Hut. +++ Jedenfalls fragte die Guidi, ob mir eine Geschichte was sagt, die hieße Die Geschichte von den drei Ottos (oder so ähnlich?), ich solle mal googeln. Es sei gerade mein Internet freier Tag, meinte ich, nicht ohne auf ein erstauntes Gesicht zu spekulieren – ich würde es dann aber auf jeden Fall irgendwann später einmal versuchen. +++ Beim Namen der Geschichte allerdings muss sich ein Zahlendreher eingeschlichen haben, jedenfalls bieten einem die Suchmaschinen nur entweder “Otto III. (HRR) – Wikipedia” (Google) oder “Otto Group: Die Geschichte der Otto Group” (Ecosia) beziehungsweise “Kennenlernen frauen – er ist auf unserer Webseite | web.de” (Yahoo) +++ Wie auch immer, das mit dem Off the Line Thursday ist gar nicht so mühelos durchzuziehen, gilt das Verbot doch nicht nur fürs Internet allein, sondern auch für das Laptop im Allgemeinen: Photoshop, Online-Banking oder “ich checke mal kurz meine Mails” – alles donnerstags nicht mehr erlaubt! +++ Kein Wort aber bitte zu Patrick Lindner, der macht mich sonst “rund”. +++ Jetzt wollte ich noch was zu den Träumen mit Siebzehn in der Überschrift oben schreiben, aber mir laufen doch eh schon die Leser davon. +++ Sex!

 

Überschrift inspired by: Die Geschichte von den drei Ottos © (mir im Moment noch) unbekannt

Überschrift also inspired by: Mit 17 hat man noch Träume © Peggy March, 1965

Lyrics: I Want to be a Machine © Ultravox, 1977

Patrick Wolfgang “Christian” Lindner (*1979 in Wuppertal)

Love is a Truck / Come to where the Flavor is.

Marlboro Country, Sonnenallee © Kai von Kröcher, 2019

 

My name is Luka, I live on the second floor. +++ Morgen wieder konsumkritischer Off the Line Thursday!!!

 

Überschrift inspired by: Love is the Drug © Roxy Music, 1975

Überschrift also inspired by: Come to where the Flavor is (Slogan) © Philip Morris International, 1969

Lyrics: Luka © Suzanne Vega, 1987

Patrick Wolfgang “Christian” Lindner (*1979 in Wuppertal)

Im Reiche des Schwarzen Goldes / Fathers for Future.

Wassertorghetto © Kai von Kröcher, 2019

 

I’m not touched but I’m aching to be. +++ “Der Künstler formally not known blickt nicht hinter die Fenster; die Sicht auf die Leben derer darin bleibt teilnahmslos distanziert.” +++ Zum ersten Mal seit der Festplatten-Kernschmelze (Ihr seid solche Fucker berichtete) war ich gestern unterwegs mit dem Fotoapparat: “Okay”, werden Sie sagen, “aber das Bild ist irgendwie schief.” +++ Ich will Ihnen mal eine Geschichte erzählen, ein Blick durch die Augen des Spießbürgers in Punker-Anziehsachen. “Seit wann”, werden Sie fragen: “Seit wann trägt der denn jetzt Punker-Anziehsachen?”, aber das ist hier egal. +++ Die Geschichte ist eigentlich aber nur lustig, wenn man Im Reiche des schwarzen Goldes kennt, eines der unzähligen Abenteuer des pfiffigen Reporters Tim mit seinem treuen Gefährten Struppi, dem Hund. +++ Okay, jedenfalls begegnet mir neuerdings am Kanal eine junge Frau mit dem wohl absurdesten Haarschnitt, den ich in meinem Leben gesehen hab. Sonntag bin ich der Frau sogar unauffällig gefolgt – ich wollte die Reaktionen beobachten all derer, die ihr entgegen kamen. Jedenfalls hat sie so eine Frisur wie Schultze und Schulze in besagtem Band oben, nur dass man bei den Schultzens noch ein ganz bisschen vom Gesicht sieht. Also, die Haare sind rabenschwarz jedenfalls und einen (ungefähr) halben Meter nach oben toupiert. Vom Look her sieht das in etwa so aus wie bei diesen Wachsoldaten der englischen Queen mit ihren komischen Mützen. Bei der Frau am Kanal bloß fallen die Haare auch ins Gesicht und dann runter bis zu den Hüften. Falls Sie also zufällig gerade den Comic-Band zur Hand haben, schauen Sie mal kurz rein. Die Spaziergänger am Sonntag jedenfalls taten alle so auffällig unbeteiligt, so als wäre an dieser Frise absolut nichts aus der Norm Gefallenes – als kämen sie alle in Wahrheit nicht etwa aus einer Kleinstadt in Baden-Württemberg, sondern wohnten seit ihrer Geburt in dieser verrückten Großstadt. +++ Jetzt werden hier also verklemmte Schenkelklopfer auf Kosten bizarrer Frisuren gemacht, soso! +++ Liebe Geburtstagsgrüße heute an die Frau W. bei Amnesty International!

 

Überschrift inspired by: Tintin au Pays de l’or noir (Comic) © Hergé, 1939

Überschrift also inspired by: Fridays for Future (FFF, globale Schüler- und Studierendenbewegung für Klimaschutz, Initiatorin: Greta Thunberg)

Lyrics: Walk this World © Heather Nova, 1994

 

ACBDC / Ballaststoffe abwerfen.

Jannowitz © Kai von Kröcher, 2019

When tears are in your eyes, I’ll dry them all. +++ Okay, also nochmal zu dem Internet freien Tag, der war super: Fridays for Future & offline on Thursday!!! +++ Das Bild oben, das lag ebenfalls noch “auf meinem Schreibtisch”, das fand ich schon die ganze Zeit irgendwie gut. +++ Neulich hatte ich mir dieses neue Naturheilwunder geholt: Cannabis-Öl (CBD), aber ehrlich gesagt haben die 70 Euro in meinen Augen nichts gebracht. +++ “Sie sollen es sich ja auch nicht ins Auge träufeln”, hahaha!!!

 

Überschrift inspired by: CANNACBD, 10ml (10% Cannabidiol), 70 €

 Überschrift also inspired by:

Lyrics: Bridge Over Troubled Water © Simon & Garfunkel, 1970

Der Profi / Holidays in the Sun.

Abstraktion © Kai von Kröcher, 2019

 

Sensurround sound in a two inch-wall, well, I was waiting for the communist call. +++ Voller Tatendrang stieg ich gestern die Stufen zur Praxis vom Promiarzt hoch. Vom Feeling her eine Ewigkeit nicht mehr dort gewesen; da klingelte das Handy, und der Typ vom dubiosen Computerrettungsdienst auf der Karl-Marx-Straße war dran. Kurz hielt ich den Atem an, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zum Schluss: “Die Elektronik ist kaputt.” Gott sei Dank, nur die Elektronik! “Ich kann da nichts machen, da muss eine Spezialwerkstatt ran – lohnt sich aber nur bei wichtigen Daten, das kostet so um die zweitausend Euro.” +++ Der Promiarzt freute sich sichtlich: “Wir haben uns ja eine Ewigkeit nicht gesehen!” Ich erzählte ein bisschen von Otto; ansonsten hatte ich nichts, brauchte nur ein Rezept. +++ In den nächsten Tagen, jedes Jahr um den Frühlingsbeginn. Ich habe die Tage mal wieder Geburtstag, und diesmal erreiche ich den errechneten Scheitelpunkt meines Lebens. Und da mache ich es in Zukunft so wie Patrick Lindner von der FDP mit seinem jährlichen Klimatag, der alte Ökofaschist. Jedenfalls werde ich einen Internet freien Tag pro Woche bei mir einführen: super Idee, finde ich – morgen geht’s los. +++ Die geschredderte Festplatte leg’ ich erstmal auf Eis, und wenn ich die Kohle zusammen hab, sehen wir weiter. +++ Einziger Wermutstropfen: Fast sämtliche Bilder von Otto – vom ersten Tag nach der Geburt bis heute, unzählige Bilder ohne ein Back-up sind drauf, das ist wohl wahrscheinlich sehr ärgerlich. +++ Dieses Bild heute, das fand sich noch auf dem “Schreibtisch”: ein eher abstraktes Werk, von daher auch Datenschutz mäßig unbedenklich, hoffe ich mal…

 

Überschrift inspired by: Patrick Wolfgang “Christian” Lindner (*1979 in Wuppertal)

Überschrift also inspired by/Lyrics: Holidays In The Sun © The Sex Pistols, 1977

Gelbwesten / The World is my Oyster, hahahahaha.

Thimo Sander, Auster-Club © Kai von Kröcher, 2019

Thimo Sander, Auster-Club © Kai von Kröcher, 2019

 

The curtains flew and then he appeared. +++ Thimo Sander gestern Abend gab ein geheimes Test-Konzert unter der Markthalle, auf der Bühne allein mit seiner Akustischen. +++ Auch ein ganz schöner Freudscher Verhörer gestern im Radio: der Bericht über den “Protest der Weltbesten” auf den Champs-Élysées in Paris. +++ Heute früh am Kanal kam mir eine Gruppe nachpubertärer Mädchen entgegen, alle ganz fleißig am Nordic Walken.

 

Überschrift inspired by: Christopher Walken (*1943 in New York City)

Überschrift also inspired by: The World Is My Oyster © Frankie Goes to Hollywood, 1984

Lyrics: (Don’t Fear) The Reaper © Blue Oyster Cult, 1976

Julia Klöckner (*1972 in Bad Kreuznach)

Auster-Club | Pücklerstraße 34 | 10997 Berlin

Stark / Sexualität um jeden Preis.

Die Zeit “Literatur” (No. 12/19) © Kai von Kröcher, 2019

 

Die Zeit, die trennt nicht nur für immer Sohn und Vater / die Zeit, die trennt auch eines Tages dich und mich. +++ Der zweite Teil der Überschrift heute, das war so eine Art Freudscher Verhörer gestern im Radio: Ich schnappte einen falschen Gesprächsfetzen auf und dachte, das schreibst du dir auf! +++ Okay, dann bezieht sich der erste Teil wahrscheinlich auf Niklas Stark, Defensivmann bei Hertha BSC – der ist neulich gerade erst von Jogi Löw für die Nationalelf nominiert worden, oder so. +++ Ein sehr umständlicher, sperriger Scherz, der nicht so recht zünden will – denn: In der Literaturbeilage der Zeit diese Woche wird der ehemaligen CLUB49-Barfrau und Bombshell Marlene Stark gehuldigt, die hat gerade einen pornografischen Roman veröffentlicht – geschrieben gemeinsam mit einer gewissen Anna Gien, die kenne ich nicht. +++ Ich finde das jedenfalls ziemlich “cool”, wie wir Literaturkritiker gerne zu sagen pflegen: Marlene war für mich immer eine der attraktivsten und klügsten Vertreterinnen einer selbstbewussten Generation junger Frauen, das klingt jetzt nach Altmännergefasel. +++ Oh, übrigens: Vorgestern ist mir eine externe Festplatte mit ungefähr einer Million Bildern abgeschmiert. Ohne ein Back-up, das nennt man “natürliche Selektion”. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt – auf Empfehlung trug ich die Festplatte zu einem dubiosen Computerladen auf der Karl-Marx-Straße: der Chef hatte sich gerade mit einem Kunden in der Wolle, dem er sein nagelneues MacBook versaut haben soll – doch Schwamm drüber!

 

Überschrift inspired by: M (Roman) © Anna Gien/Marlene Stark, 2019

Überschrift also inspired by: Sigmund Freud (*1856 in Freiberg/Mähren; †1939 in London)

Lyrics: Zeit macht nur vor dem Teufel halt © Barry Ryan, 1972

Niklas Stark (*1995 in Neustadt an der Aisch)

Beware of the Enkeltrick / Ich schäme mich Gedanken zu haben, die andere Menschen in ihrer Würde verletzen.

Krausenstraße (Repetition) © Kai von Kröcher, 2019

In Wahrheit beuge ich mich über die Brüstung, um in die Wohnung der Familie Wessely hineinzusehen, wo es Eheunglück in allen Facetten zu betrachten gibt. +++ “Der Künstler formally not known arbeitet mit Repetitionen, aber das hatten wir schon.” +++ Okay, das Foto hier heute hatten wir neulich schon einmal in anderer Form. +++ Beim Kinderwagen Walk heute früh starrte an einer Fußgängerampel ein älterer Mitbürger neugierig in Ottos Wagen: “Mein Enkel”, wollte ich sagen, aber er schwieg. +++ Was meinte ich gestern damit, Marzahn sei nicht bürgerlich, obwohl dort mein Patenkind wohnt? +++ Wenn ich so Sätze lese wie den in der Überschrift oben – dann komm’ ich mir endlos banal vor.

Überschrift inspired by: Enkeltrick, der

Überschrift also inspired by: Ich schäme mich Gedanken zu haben die andere Menschen in ihrer Würde verletzen © Mutter, 1990

Textauszug aus: Südbalkon (Roman) © Isabella Straub, 2013

Südbalkon / Amadeus, Amadeus.

Marzahn-Springpfuhl © Kai von Kröcher, 2019

Gonna get me a little oblivion, baby. +++ “Der Künstler formally not known begibt sich in bürgerliches Umfeld und kommt darin um.” +++ Mal ganz ohne Quatsch: Kinderwagen Walks ist doch sicher wieder kein richtiges Englisch, das kam mir doch gleich so verdächtig vor. +++ Von daher die gleiche Ansicht heute noch einmal – bloß ohne den Kinderwagen: Mit Photoshop lässt sich der nämlich “kinderleicht” rausretouchieren, den Unterschied werden Sie gar nicht bemerken! +++ Okay, Marzahn ist jetzt vielleicht nicht wirklich bürgerlich, aber, obwohl: Mein Patenkind zum Beispiel wohnt auch in Marzahn, was immer ich damit belegen will. Sie wohnt dort im Ortsteil Biesdorf, und was Sie vielleicht bisher nicht wussten: Biesdorf gemeinsam mit Kaulsdorf und Mahlsdorf bildet die immerhin größte zusammenhängende Ein- und Zweifamilienhaus-Siedlung der BRD! +++ Ein- und Zweifamilienhaus-Siedlungen stehe ich ambivalent gegenüber, wie man so schön sagt. In Ein- und Zweifamilienhaus-Siedlungen herumzulaufen und zu fotografieren, liebe ich auf der einen Seite wie mein eigenes, elendes Leben. Andererseits aber kann ich die Unmengen an Ein- und Zweifamilienhaus-Siedlungen in der zeitgenössischen Fotografie längst nicht mehr sehen, da überkommt mich sogleich eine bleierne Müdigkeit. +++ Auf meiner Webseite habe ich auch ein Bild zu dem Thema veröffentlicht, und zwar bei den Triptychonscha: https://kaivonkroecher.de/startseite/uncategorized/triptychen-2018

Überschrift inspired by: Südbalkon (Roman) © Isabella Straub, 2013

Überschrift also inspired by: Rock Me Amadeus © Falco, 1985

Lyrics: Perfect Blue Buildings © Counting Crows, 1993