Ich bin Toni Krahl / Last-Minute-Geschenke von Amazon.

Deep Fuck Records: Treffer Hornbach – du gehst noch mal weg (Virgin) © Kai von Kröcher, 2021

 

Wo die ganzen alten Häuser waren. Neues Graffiti an den Wänden. Und die Hortensien blühen weiter. +++ Zum Jahresende werden überall gerne Lieblingslisten gesammelt, Sie wissen es. Und mein vielleicht liebstes Lied 2021 stammt wahrscheinlich noch immer von Zweitausendzwanzig. +++ „Ich bin Toni Krahl“ – ein Satz wie ein Peitschenhieb, das hat mich bis heute nachhaltig beeindruckt: Als wäre ich heimlicher Gast damals eines verbotenen Kultes gewesen. Eine versunkene Welt – davon wollen Sie gar nichts wissen. +++ Apropos: War es in diesem Jahr, diesem Sommer – oder ist es ebenfalls schon 2020 gewesen? Im Laufe Coronas verliert man trotz Google Earth ab und dann und wann seinen Bezug zu Raum und Zeit. +++ Und wie heißt EU-Ratspräsident Michel eigentlich mit Nachnamen? +++ Jedenfalls war das in diesem oder im vorigen Frühsommer wahrscheinlich. Es war schon angenehm warm, T-Shirt-Wetter. Ich setzte mich irgendwo in die S-Bahn und fuhr, getrieben von meinem Lieblingssong. Ich fuhr bis Karlshorst. Es war gerade ein neuer Lockdown beschlossen – nach neun, zehn, elf Uhr mussten auch alle Spätis geschlossen sein. Und so sprang ich Karlshorst von der Bahn, holte an einem Döner-Kebab-Imbiss unten am Bahnhof ein Bier – und in der einsetzenden Abenddämmerung ließ ich mich die verlassene Trabrennbahn entlang mäandern. +++ Eigentlich soll man die Bilder seiner Kinder nicht in den sozialen Netzwerken verbreiten, da geh ich mit Ihnen durchaus d’accord. Der mystische Schnappschuss auf der Plattenhülle (oben) aber darf meiner Ansicht nach Ausnahme der Regel sein: Mein Sohn Otto und ich auf dem Heimweg von Kai Heimbergs Ausstellungseröffnung im Schaufenster Lobeckstraße neulich (Ihr seid solche Fucker berichtete). Ich hatte vergessen, zu fotografieren, und hier jetzt am Planufer, mein Sohn auf seinem hellblauen Puky-Laufrad vor mir fuhr gut gelaunt in die Nacht. Ein magischer Augenblick, den wollte ich der geifernden Fratze des Vergessens nicht übereignen – ich nahm die Kamera in die Hüfte und drückte kaltblütig ab.

 

Überschrift inspired by: Toni Krahl (* 3. Oktober 1949 in Berlin), dt. Musiker

Überschrift also inspired by: Last-Minute-Geschenke von Amazon © Amazon, 2021

Lyrics: Karlshorst © Sind, 2020

Michel (* 21. Dezember 1975 in Namur), belgischer Politiker und seit 1. Dezember 2019 Präsident des Europäischen Rates

Trevor Charles Horn (* 15. Juli 1949 in Durham), englischer Produzent, Musiker und Komponist, Träger des britischen Ritterordens

Moments in Love © The Art of Noise, 1985

November Rain / Inwazja biedronki.

Aliens incognito (No. 1936, Berlin-Hauptbahnhof): Pissing In A River © Kai von Kröcher, 2019

Aliens incognito (No. 1936, Berlin-Hauptbahnhof): Pissing In A River © Kai von Kröcher, 2019

Aliens incognito (No. 1936, Berlin-Hauptbahnhof): Pissing In A River © Kai von Kröcher, 2019

Aliens incognito (No. 1936, Berlin-Hauptbahnhof): Pissing In A River © Kai von Kröcher, 2019

 

And you may ask yourself, where is that large automobile, and you may tell yourself, this is not my beautiful house. +++ Das einzige polnische Wort, das ich aus dem Kopf aufsagen kann. Wenn man mich morgens um sechs an der Bushaltestelle von der Seite anspricht. Der einzige, wie nennt man das, Ausdruck, von ‚Guten Tag‘ vielleicht einmal abgesehen. Von ‚danke‘, ‚Glen Danzig‘ und ‚tschüs‘, ‚Żywiec‘ und ‚Lukas Podolski‘. Das einzige Wort dürfte ‚Biedronka‘ sein, das hört sich ganz lustig nach Schnapsdrossel an. +++ One Way Or Another, das Youtube-Video hatte ich neulich noch auf dem Bildschirm. Als von hinten mein Sohn herangeschlurft kam, auf Debbie Harry zeigte und verblüfft feststellte: „Mama!“ Das hört sich jetzt an, als sei er ein Baby, aber in diesem Moment sagte er tatsächlich einfach nur „Mama!“ Otto schaut grundsätzlich kein Fernsehen, sieht keine Videos. Ausnahmsweise lasse ich gelegentlich This Here Island von Dekker laufen, das findet er super. Das erste Musikvideo seines Lebens war mal ein Song von Graf Tati & Les Alles, ich weiß nicht mehr welcher, das hatte ihn seinerzeit fasziniert. Nun also Blondie: eine pädagogische Herausforderung, ihm dieses merkwürdige Endsiebziger-Getanze zu erklären – aber er fand es gut. +++ Der dicke Brummer neulich da auf dem Bürgersteig im strömenden Regen, das hatte mich lange Zeit nicht mehr losgelassen: Ist zum Beispiel der Brummer eigentlich der Mann, sozusagen, der Stubenfliege? Oder eine eigene Gattung? Ist das dann Art oder Gattung? Und kann man mit knapp achtundfünfzig noch damit rechnen, dass mittags das Telefon klingelt und man denkt, was ist denn das jetzt für ein Arschloch! Und am anderen Ende der Leitung ist Hansi Flick? Was will man vom Leben und was darf man von ihm noch erwarten? +++ Jedenfalls, Biedronka ist nicht nur eine polnische Supermarkt-Kette. Bekannt geworden übrigens dadurch – ich hoffe, das ist jetzt keine Verleumdung, die Behauptung habe ich nicht noch einmal gegengecheckt. +++ Ich fordere übrigens ein Radioverbot für die Berliner Band Die Ärzte. +++ Wenn ich mich richtig erinnere, war das seinerzeit jedenfalls mal ein mittlerer Skandal: für das Verkaufspersonal bei Biedronka galt damals nämlich die Auflage, während der Arbeit Windeln zu tragen. Aber das gibt es in Deutschland auch, ohne Namen nennen zu wollen. +++ In letzter Zeit jedenfalls versuchen Marienkäfer in Massen immer und immer wieder. Die kommen und wollen ins Fenster, Asyl für mein Schlafzimmer beantragen, der rettende Strohhalm vor dem aufziehenden Herbst des Lebens. Ich musste dabei an, wie hieß die doch gleich – ich will immer Petra Kelly sagen. Petra Kelly war ja eher eine von den Guten, eine mit Charisma, die Lady Di des Bonner Bundestages sozusagen. Aber wie hieß denn die Frau von der AfD, Frauke Petry – die an den Grenzen auf Kinder schießen wollte? Warum jedenfalls hat man keine Skrupel, eine Wespe aus dem Fenster zu werfen, sie hinabzustoßen in den Abgrund des Schicksals – beim Marienkäfer aber schaltet sich sofort das schlechte Gewissen ein? Sogar bei Wikipedia steht ausdrücklich geschrieben, Marienkäfer seien bei der Bevölkerung beliebt wie Thomas Gottschalk. Und so lässt man die putzigen Tiere in der Fensterbank sitzen und schaut ihnen beim Abkratzen zu.

 

Überschrift inspired by: Biedronka – polnische Lebensmittelkette mit Sitz in Kostrzyn, gegründet 1995

Überschrift also inspired by: November Rain © Guns & Roses, 1991

Bildunterschriften inspired by: Pissing In A River © Patti Smith Group, 1976

Lyrics: Once In A Lifetime © Talking Heads, 1980

Blood and Tears © Danzig, 1990

One Way Or Another © Blondie, 1978

This Here Island © Dekker, 2019

Heroin Topmodel © Graf Tati & Les Alles, 2019

Radio brennt © Die Ärzte, 1987

Petra Kelly (* 29. November 1947 in Günzburg; † 1. Oktober (vermutlich) 1992 in Bonn), dt. Politikerin

Diana Princess of Wales (* 1. Juli 1961 als Diana Frances Spencer in Sandringham, Norfolk, England; † 31. August 1997 in Paris), erste Frau von Prince Charles

Frauke Petry (* 1. Juni 1975 in Dresden), ehemalige dt. Politikerin

Thomas Gottschalk (* 18. Mai 1950 in Bamberg), dt. Entertainer

Lena Gercke (* 29. Februar 1988 in Marburg), dt. Topmodell und Ex-Freundin von Sami Khedira

Do you remember / the Kind of September.

Mein Sohn wird größer sein als Picasso: Dieffenbachstraße, Berlin-Kreuzberg © Kai von Kröcher, 2021 (Handyfotografie)

 

 

Is it worth it, a new winter coat and shoes for the wife and a bicycle on the boy’s birthday, it’s just a rumour that was spread around town. +++ Die herzzerreißende Trompete übrigens wird gespielt von Chet Baker, das wusste ich nicht. +++ Häufig gefragt hatte ich mich außerdem: Gibt es eigentlich auch nicht Eltern, die in ihren Kindern die kommende Rita Hayworth erkennen, den künftigen Paule Breitner oder gar Ethan Hawke? Eltern, die einen Tag nach der Geburt realisieren: „Aus dem (oder der) wird ja sowieso nichts…“ +++ Fotografisch heute zur Abwechslung mal wieder private Einblicke, davor wird ja immer gewarnt. Doch Otto feiert heute seinen tatsächlich bereits dritten (!) Geburtstag und überall spricht man längst schon davon, welch famoser Kerl er doch ist – menschlich als auch als Künstler und Philosoph. +++ Und der Papa liegt mit Männergrippe im Bett und leckt seine Wunden. +++ Natürlich bin ich kein Musikwissenschaftler, aber Shipbuilding ist definitiv einer der traurigsten Hunde unter den Songs dieser Welt.

 

Überschrift inspired by: Try to Remember © The Kingston Trio, 1963 (Cover)

Lyrics: Shipbuilding © Elvis Costello and the Attractions, 1983

Otto (* 15. September 2018 in Berlin)

Chet Baker (* 23. Dezember 1929 in Yale, Oklahoma; † 13. Mai 1988 in Amsterdam), US-amerikanischer Jazztrompeter

Rita Hayworth (* 17. Oktober 1918 in New York City; † 14. Mai 1987 ebenda), US-amerikanische Schauspielerin, Tänzerin und Filmproduzentin

Paul Breitner (* 5. September 1951 in Kolbermoor), ehem. dt. Fußballnationalspieler

Ethan Hawke (* 6. November 1970 in Austin, Texas), US-amerikanischer Schauspieler, Schriftsteller, Filmproduzent, Drehbuchautor

Pablo Picasso (* 25. Oktober 1881 in Málaga, Spanien; † 8. April 1973 in Mougins, Frankreich), spanischer Maler

Paris or Maybe Hell / Fahr mit im Kli-Kla-Klawitter-Bus.

Fiktives Vinyl: Deep State Revisited – „Schrei des nächtliches Pfaus“ (Elektra) © Kai von Kröcher, 2021

 

Father, I want to kill you. +++ Wie auch Jim Morrisons Vater Jim Morrison Bücher schenkte, schenkt auch Ottos Vater Otto dann und wann mal ein Buch.

 

Überschrift inspired by: Aladdin Sane © David Bowie, 1973

Überschrift also inspired by: Kli-Kla-Klawitter (Fernsehserie für Kinder) © ZDF, D 1974 – ’76

Lyrics: The End © The Doors, 1967

Lewis Brian Hopkin Jones (* 28. Februar 1942 in Cheltenham, Gloucestershire; † 3. Juli 1969 in Hartfield, Sussex), englischer Musiker  

James Douglas Morrison (* 8. Dezember 1943 in Melbourne, Florida; † 3. Juli 1971 in Paris, Frankreich), US-amerikanischer Rocksänger

Rain in May / Otto ist Catweazle.

Untitled I © Kai von Kröcher, 2021

 

Untitled II © Kai von Kröcher, 2021

 

Untitled III © Kai von Kröcher, 2021

 

Untitled IV © Kai von Kröcher, 2021

 

Mutter & Sohn © Kai von Kröcher, 2021

 

Omaha Beach Revisited © Kai von Kröcher, 2021

 

Wenn Gursky Urlaub macht und auf Bildbearbeitung keinen Bock hat © Kai von Kröcher, 2021

 

 

 

In the area we now call the Atlantic Ocean, so great an area of land. +++ Beim Edeka auf Pellworm vorletzte Woche, da spielten sie noch so Hits wie oben genanntes Rain In May. Der erste Song, als ich den Laden betrat: ‚Rain in May?‘, dachte ich so. Von einem gewissen Bernie Paul, wie der Kumpel von André Heller. 1981 dürfte das wohl gewesen sein – fand ich damals okay. +++ Allerdings hieß der ganz anders, aber zumindest das Jahr war korrekt. +++ Zwei Tage Dauerregen: man spürt die Flora da draußen aufatmen, wie ich wünschte zu sagen. +++ Ein Experte gestern Abend im Fernsehen sagte, diesen Regen bräuchten wir hier* jetzt vierzehn Tage, damit das was bringt. +++ Vierzehn Tage Regen, da werden einige wieder auf die Straße rennen und die Regierung stürzen. +++ Dürre in Deutschland = Erfindung der Baerbock. +++ In der Radiowerbung heute beim Frühstück, da spitzten wir beide die Ohren: „Otto ist wieder da“, oder so. +++ Und: „Otto ist Catweazle!“ +++ Catweazle war nicht weniger immerhin als eine meiner absoluten Lieblingsserien im Fernsehen damals als Kind – neben der Partrigde Family, selbstverständlich! +++ Und in dem Waalkes-Remake dann auch noch der Song Magic von der Band Pilot – das treibt einem die sentimentalen Tränen der Gnade der frühen Geburt in die Augen. +++ Urlaub ist ja eher etwas für Spießer – gemeinsam jedoch mit dem Herrn Sohn war das schon eine unvergleichbar schöne Zeit. Das Bild mit dem Fahrradhelm allerdings erinnerte mich dann doch an die jungen G.I.s in der Normandie am D-Day bei der Erstürmung des Atlantikwalls; von denen kehrte ja kaum einer lebend zur Mutter zurück. +++ Könnte auf eine Art also mein Anti-Kriegs-Foto werden: der Robert Capa des Wattenmeers.

 

 

Überschrift inspired by: Rain In May © Max Werner, 1981

Überschrift also inspired by: Catweazle (Kino-Remake mit Otto Waalkes) © Sven Unterwaldt (Regie), D 2021

Bildunterschrift u.a. inspired by: Rhein II (Fotografie auf Acrylglas; 185,4 × 363,5 cm, ) © Andreas Gursky, 1999 (verkauft für € 3.100.00,00)

Lyrics: Atlantis © Donovan, 1968

Catweazle (mit Albert Geoffrey Bayldon, britische Fernsehserie) © London Weekend Television (LWT), GB 1970 – ’71

The Patridge Family (Familienserie mit David Cassidy und Susan Dey) © Screen Gems Television, USA 1970 – ’74

Magic © Pilot, 1974

D-Day Landing, Omaha Beach, Normandy (Gelatin Silver Print; 21,6 x 32,1 cm) © Robert Capa, 1944 (verkauft für $ 43.750,00)

Robert Capa (* 22. Oktober 1913 in Budapest, Österreich-Ungarn; † 25. Mai 1954 in Thái Bình, Vietnam), ungarisch-US-amerikanischer (Kriegs-)Fotograf

James Nachtwey (* 14. März 1948 in Syracuse, New York), US-amerikanischer Fotograf, insbesondere der Kriegsfotografie

* Berlin/Brandenburg

MS Franziska / Postcards from Italy.

Auf Robbenjagd im Wattenmeer: MS Nordfriesland © Kai von Kröcher, 2021 (Oktapolaris, Rohschnitt)

 

1990 gab es einen Sänger, jedes Kind und jeder alte Mann kannte seine Songs. +++ Manche Quellen führen mich bereits als Wegbereiter der oktapolaren Fotografie, das ehrt mich natürlich. +++ Auf der Nordseeinsel dort oben hatte ich ständig irgendwelche längst vergessenen Textfetzen aus Udo-Lindenberg-Songs auf den Lippen – einmal beim Frühstück zitierte ich gedankenverloren und unverhofft von der LP Votan Wahnwitz: „Ich mach‘ einen Zirkus auf.“ Mein Sohn starrte mich fassungslos an: Duuuuu?!! +++ Irgendwie hätte ich immer schwören können, auf der MS Franziska habe neben Paul Dahlke Marianne Hoppe in der Hauptrolle gestanden. Sagt man das so? Von der Hoppe allerdings nicht die geringste Spur. +++ Kubismus muss Luxus sein!

 

Überschrift inspired by: MS Franziska (achtteilige Familienserie über die Rheinschifffahrt) © Südwestfunk/Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft, D 1977

Überschrift also inspired by: Postcards from Italy © Beirut, 2006

Lyrics: Gene Galaxo – 1990 © Udo Lindenberg & das Panikorchester, 1976

Da war so viel los © Udo Lindenberg & das Panikorchester, 1975

Glücklich mit der Bachmann © Graf Tati, 2007

Marianne Stefanie Paula Henni Gertrud Hoppe (* 26. April 1909 in Rostock; † 23. Oktober 2002 in Siegsdorf/Oberbayern), dt. Schauspielerin

Schuhe aus dem Darknet / Nildelta-Blues.

Fiktives Vinyl: Froh ist, wer jetzt ein Zuhause hat (Alexanderplatz) © Kai von Kröcher, 2020/2021

 

How was she to know just how much he cared. +++ Bis vor kurzem noch sagte so mancher Früh- bis Mittelfrühgeborene zu meinem Sohn, „Mensch, du siehst ja aus wie Brian Connolly!“ (Brian Connolly: Sänger der Sweet, Träger der Brian-Connolly-Frisur/Anm.d.Red.). +++ Mittlerweile aber tragen wir beide, Otto und ich – wir tragen jetzt beide stolz und zufrieden den auch in dieser Saison wieder modernen und flotten Lockdown-halb-über-die-Ohren-Haarschnitt: Auch bei mir ist am Sonntag die Altersmatte endgültig gefallen. +++ Mein Korrekturprogramm übrigens streicht „Brian Connolly“ nicht an – im Gegensatz zum Beispiel zu „Martenstein“. +++ Vorgestern Abend, besagter Sonntag. Nach Einbruch der Dunkelheit führte ich meine Lockdownfrisur eine Runde durch den literarisch gesprochen kniehohen Schnee, an solchen Tagen kann man nicht einfach zu Hause herumsitzen. Auf dem Heimweg zurück vom Admiralbrückenspäti, relativ betrachtet waren fast keine Menschen unterwegs: Am Planufer kam mir die Silhouette eines Mannes entgegen, in einiger Entfernung folgte ein Hund. Der sich bei näherer Betrachtung allerdings als ein Wolf ein Fuchs entpuppte; entspannt und gelassen trottete er in Streichelnähe (Mindestabstand nach der virologischen A-H-A-Regel) unbeeindruckt an mir vorüber. Zweihundert Jahre früher hätte ich ihn erlegt wegen des kostbaren Pelzes, den er trug. +++ Wie war doch gleich nochmal der Running Gag von mir immer zu meinem Sohn? „Man kann über den Papa sagen, was man will – aber ein Schwein ist er nicht!“ +++ Bei der Begegnung mit dem Fuchs jedenfalls – ich weiß ja nicht, ob man im Nildelta „den Blog“ regelmäßig liest, aber ganz liebe Grüße!

 

Überschrift inspired by: Intro © Jan Delay, 2021

Überschrift also inspired by: Robert Leroy Johnson (* 8. Mai 1911 als Robert Leroy Dodds in Hazlehurst, Mississippi; † 16. August 1938 in Greenwood, Mississippi), König des Delta Blues‘

Lyrics: Alexander Graham Bell © The Sweet, 1971

Bohemian Rhapsody © Queen, 1975

Berechtigungsschwein / All you’ve got to do is win.

Fiktives Vinyl: God Morning / Warum bist du so hart zu dir selbst © Kai von Kröcher, 2019/2021 (Weiße Siedlung)

 

Und jeden Mittwoch die Zwölferpackung Eis, hat für uns drei grad so gereicht – unsere Welt schien hier ewig zu sein. +++ Da hatte der Lektor beim letzten Post wohl geschlafen: Sehen Sie sich mal die Überschrift an, die ergibt keinen Sinn. +++ Als gestern die Post kam, ein Brief ohne Absender. Wie immer die kurz aufflackernde Hoffnung, ein Schreiben von der Gesellschaft zur Aufspürung verkannter Genies: Einzelausstellung in den Deichtorhallen – und ich soll mir hunderttausend Euro abholen, Deutsche Post Filiale Kottbusser Damm bis achtzehn Uhr morgen Abend. Dann im Briefkopf aber das deutsche Hoheitssymbol, sagt man das so? Bundesadler, Schwarz, Rot, Gold. Jetzt haben Sie mich dran wegen meines Aufrufs zum Mord am brasilianischen Präsidenten letztens – ich dachte schon, der verhallt ungehört. Aber auch das nicht: Stattdessen 2×6 Gutscheine für „Masken mit hoher Schutzwirkung“ – ich gehöre jetzt zu den Privilegierten. +++ Wissen Sie, woher das Wort „Backfisch“ kommt? Habe ich neulich irgendwo gehört oder gelesen. Der Ausdruck, wie nennt man das eigentlich, wenn ein Begriff eine zweite Bedeutung bekommt, die mit der ersten im Prinzip nichts zu tun hat? Obwohl genau das nun auch wieder nicht stimmt. Aber in diesem Fall nämlich doch: Was hat denn ein junges Mädchen mit einem, sagen wir mal, Schlemmerfilet à la Bordelaise zu tun? Sehen Sie? Nun aber die erstaunliche wie auch befreiende Erklärung: Das Synonym nämlich stammt nicht aus dem Deutschen, sondern „Back Fish“ ist im Englischen ein Fisch, den man zurück ins Wasser wirft, weil er noch nichts auf den Rippen hat – und somit also zu jung zum Vernaschen ist. +++ Die Überschrift gestern, das mit dem Waldorf-Typ. Bezog sich darauf, dass Otto jetzt abends schon immer sagt, morgen schauen wir wieder Dekker. Dekker ist Ottos erstes mediale Idol, „das ist ein Tüüüüp!!!“ Und nicht etwa auf dem Laptop – für Dekker muss es schon der Zehntausend-Zoll-Flachbildfernseher sein, darunter läuft nichts. Tatsächlich das aller-, aller-, allererste Mal, dass ich zusammen mit meinem Sohn an der Glotze klebe, wie man früher gesagt hat, im Pantoffelkino sozusagen. +++ Hat man nicht einmal früher gesagt.

 

Überschrift inspired by: Berechtigungsschein 1 / Berechtigungsschein 2 (für je 6 Schutzmasken) © die Bundesregierung, 2021

Überschrift also inspired by: Win © David Bowie, 1975

Lyrics: Karlshorst © Sind, 2020

Weiße Siedlung | Dammweg/Sonnenallee | Berlin-Neukölln

Deichtorhallen | Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst und Fotografie | Deichtorstraße 1 – 2 | 20095 Hamburg

Deutsche Post Berlin | Filiale Yildirim & Yildirim | Kottbusser Damm 13 | 10967 Berlin

Vielleicht ist es anders als du denkst © Sind, 2020

This Here Island © Dekker, 2019

Deep Fuck Records © Kai von Kröcher, 2021

 

 

Islands in the Stream / Wissenschaft und Hedonismus.

Deep Fuck Records: Wissenschaft und Hedonismus © Kai von Kröcher, 2020/2021

 

How can we ever be the way we were. +++ Mein Sohn ist jetzt Dekker-Fan, wer auch immer das ganz genau sein mag, der Dekker. Denn auch wenn ich doch eher der Waldorf-Typ bin, wir mussten das Video uns gestern noch einige hundert Male gemeinsam reinpfeifen, um es mal flapsig zu sagen. Otto jedesmal ganz begeistert: „Da kommt er wieder – das ist vielleicht ein Tüüüüp!!!“ +++ Hier zum Reinschnuppern das Video: This Here Island (anklicken). +++ Hatte ich mal erwähnt, was ich bei Islands In the Stream Anfang der Achtziger immer verstanden hab? Eyeless industries, that is what you are. „Ah“, dachte ich damals: „Dolly Parton und Kenny Rogers klagen an!“ +++ Übrigens aus der Feder der Bee Gees, das wusste ich auch nicht – B-Seite „in den Staaten“: I Will Always Love You

 

Überschrift inspired by: Islands in the Steam © Kenny Rogers & Dolly Parton, 1983

Überschrift also inspired by: Wissenschaft und Hedonismus © Frischfleisch, 2021

Lyrics: This Here Island © Dekker, 2019

Deep Fuck Records / Someone told me not to cry.

Fiktives Cover: Ludmilla und Bernhardt („Interdisziplinär“) © Kai von Kröcher, 2020/2021

 

Wie soll ich dir das beschreiben, ich kann nicht tanzen, ich warte nur. +++ Die Idee mit den Covern ist sicher nicht neu. Wie eine Nacht sich im Kaufhaus einschließen lassen – die sind ja zurzeit eh alle dicht. +++ Ludmilla und Bernhardt – ein Duo aus Bregenz/Vorarlberg. Ludmilla war bis Corona längere Jahre in einer Beziehung mit Diether Nur, nicht zu verwechseln mit dem Satiriker. Bernhardt ist dabei der Nachname des Keyboarders und Drummers Lutz Bernhardt. +++ Mein Sohn schnappt jetzt neuerdings Wörter aus dem Radio auf. Vor Weihnachten sprach er plötzlich „Weihnachtsmann“ aus einer Discounter-Werbung nach und strahlte übers ganze Gesicht. Gestern sagte er, während er spielte: „Ich warte nur“ – eine Zeile von Thomas Brasch aus dem Song Geister von Masha Qrella. +++ Die Platte (oben) hätte, wenn man’s sich jetzt mal kurz überlegt: So hätte die Platte nämlich genauso gut heißen können: „Ich warte nu(h)r, Dieter“ – das wäre ein kryptischer Name gewesen, auf die Verkaufszahlen gezielt. +++ Oder „Deep Fuck“, das Cover zeigt ein Hochhausghetto, über das man in Wuhan sicherlich schmunzeln würde: Zu sehen ist die Weiße Siedlung (Neukölln) am Silvesternachmittag vergangenen Jahres – der Fotograf mit der S-Bahn ohne Ziel unterwegs zum Einkaufszentrum Berlin-Schöneweide, im Volksmund nicht zu unrecht „Schweineöde“ genannt.

 

Überschrift inspired by: Fiktive Platten © Kai von Kröcher, 2021

Überschrift also inspired by: Wake Up © Arkade Fire, 2005

Lyrics: Geister © Masha Qrella, 2020 (Text: Thomas Brasch/Suhrkamp)