Alpina Weiß / Schau in den Lauf, Hase.

Fiktives Vinyl: Eloise Golodkowski – Ich habe so vieles geahnt © Kai von Kröcher, 2013/2022

 

Ein kleines Zeichen auf deinem Handgelenk, dein neues Tattoo: Bitte sag mir, dass da nicht Carpe Diem steht. +++ Ich könnte jetzt googeln, aber es gibt doch, wenn man da unten von Karlsbad reinkommt. Thüringen oder Sachsen. Da gibt es doch einen Ort, der ist nach dem Kosmonauten Jähn benannt, Sigmund Jähn – war das nicht Jänschwalde? +++ Und wo wir gerade schon dabei sind: Was ist eigentlich aus meiner Anregung geworden, Bolsonaro einen Lauf in den Rachen zu drücken? Man sollte das Thema nicht auf die lange Bank schieben, ich sag es ja nur. +++ Zur Sicherheit habe ich die Sache jetzt mal gegoogelt, ich muss da wohl etwas durcheinandergebracht haben: Zwar gibt es (natürlich) einen Ort, in dem Sigmund Jähn zur Welt gekommen ist – aber anscheinend doch keinen, der nach ihm benannt ist. In einigen Gemeinden ist Jähn wenigstens Ehrenbürger; Straßen, Schulen und sogar Schiffe sind nach ihm benannt. Es war in der DDR damals übrigens von den Medien nicht darüber berichtet worden, dass Jähn kurz vor dem Start seines Raumfluges ein Enkel geboren war: Die Großvaterrolle habe nicht zu dem Image des verwegenen Weltraumhelden gepasst, heißt es bei Wikipedia. +++ Wahrscheinlich ist es für Sie jetzt ein Schock, aber die Musikgruppen und Stars auf den fiktiven Schallplattenhüllen sind alle ausgedacht, das heißt, es gibt sie in Wirklichkeit nicht. Deshalb trägt die Serie den Titel Fiktives Vinyl – „fiktiv“ nämlich in etwa bedeutet so viel wie „das stimmt nicht“.

 

Überschrift inspired by/Lyrics: Alpina Weiß © SIND, 2017

Überschrift also inspired by: Schau in den Lauf, Hase © Die Höchste Eisenbahn, 2013

Sigmund Jähn (* 13. Februar 1937 in Morgenröthe-Rautenkranz; † 21. Septemberg 2019 in Strausberg), erster Deutscher im Weltall

Eloise © Barry Ryan, 1968

Karlovy Vary (deutsch: Karlsbad), Kurort im Westen der Tschechoslowakei

Jair Messias Bolsonaro (* 21. März 1955 in Glicério/São Paulo), Präsident Brasiliens

Alltagshysterie / Verwunschene Orte.

Fiktives Vinyl: Ilse Paradies – Alltagshysterie © Kai von Kröcher, 2013/2022

 

Torn between two lovers, feeling like a fool – loving both of you is breaking all the rules. +++ Falls Sie, wie mein Sohn. +++ Falls es Ihnen also auch unter den Nägeln brennt, in welcher Region genau sich das Café Miami versteckt hält, dieser verwunschene Ort aus dem gleichnamigen SIND-Song: Die Gaststätte finden Sie in Otterwisch in Sachsen, einem Nachbardorf von Hainichen. Näher dran also an Leipzig als an Dresden, auf eine Art aber irgendwie auch dazwischen. +++ Wie in dem Song von Mary MacGregor vielleicht (oben), den würde ich gerne mal wieder hören: Muss so die Zeit erster Verliebtheiten gewesen sein – siebte Klasse damals, lief sicherlich auf den Schulparties. +++ Apropöchen ‚Verwunschene Orte‘: Die Hülle des neuen Albums von Ilse Paradies ziert nichts Geringeres als eine Ortschaft im Wolfsburger Land, der Name allerdings darf aus Datenschutzgründen hier nicht genannt werden. +++ Das Beste zum Schluss: Fürs Wochenende ist eine weitere Veröffentlichung Jürgen Stalins angekündigt – wegen der russischen Spezialoperation hatte der Termin sich mehrfach verschoben.

 

Überschrift inspired by: Alltagshysterie © Ilse Paradies, 2022

Überschrift also inspired by: Café Miami | Hauptstraße 1 | 04668 Otterwisch

Lyrics: Torn Between Two Lovers © Mary MacGregor, 1976

Café Miami © SIND, 2021

Merkwürdiges Viertel / Songs für gesetzlich Versicherte.

Fiktives Vinyl: DJ Freizeitangebot – … wie ein Hund © Kai von Kröcher, 2017/2022

 

Fiktives Vinyl: Stromsperre – Songs für gesetzlich Versicherte © Kai von Kröcher, 2020/2021/2022

 

Nach der Ebbe ging’s dir gut, hier an der Nordsee – nur, wie alle wird’s dich zieh’n: ein neues Leben in Berlin. +++ Was Sie wahrscheinlich nicht wussten: die Inspiration zu DJ Freizeitangebot liegt schon ein paar Jahre zurück, sagt man das so? 2012, ein Vorort von München: privates Gespräch über das tolle Radwegenetz im Emsland. +++ Mein Sohn fragte mich gestern, wo denn das eigentlich sei, dieses Café Miami. Hatte der Papa wohl wieder zu viel gesungen. Sachsen, sagte ich – irgendwo bei Leipzig oder Dresden, das sagte ihm aber nichts. +++ Die Plattenhülle der Band Stromsperre könnte Ihnen bekannt vorkommen – es war, da müsste ich nachschauen. +++ 2017 entstand, hart am Rande des Märkischen Viertels, das Coverfoto zum DJ-Freizeitangebot-Album … wie ein Hund.

 

Überschrift inspired by: Märkisches Viertel – Großwohnsiedlung in Berlin-Reinickendorf aus den Jahren 1963 bis 1974 (ca. 40.000 Einwohner)

Überschrift also inspired by: Songs für gesetzlich Versicherte © Stromsperre, 2022

Lyrics: Nordsee © SIND, 2022

Café Miami © SIND, 2021

From the Safest Places Come the Bravest Words / Nachtzug nach Nischni Nowgorod.

Fiktives Vinyl: Tibor Weitling – Nachtzug nach Nischni Nowgorod © Kai von Kröcher, 2007/2022

 

Jahre zieh’n wie ein Film vorüber im Café Miami. +++ Um es kurz zu machen, mein Plan war ein anderer gewesen: Wie Johnny Cash bis an sein Lebensende nur schwarze Anziehsachen trug, so hatte ich nach dem 24. Februar nichts mehr gepostet. Auch jetzt fühle ich mich nicht berufen, von meinem Sofa aus kluge Einschätzungen über einen Krieg abzugeben, den ich nicht nachempfinden kann. Weil ich ein gefühlsarmer Sack bin. Weil ich Krieg zum Glück nie aus der Nähe kennengelernt habe. Weder Osteuropa-Experte noch Militärstratege bin. Auch von Politik nur peripher eine Ahnung habe. Andererseits hätte ich es aber auch als zynisch empfunden, den Krieg einfach unkommentiert zu lassen, ihn nicht zu erwähnen und stoisch weiter meine putzigen Geschichtchen zu posten. +++ Zwischenzeitlich habe ich dann beobachtet, dass ich innerlich jeden abgeschossenen russischen Panzer zu bejubeln begann, als wäre der ganze Horror ein Fußballspiel – das fand ich dann irgendwie auch irritierend. +++ Gleichzeitig genoss ich es still und heimlich, nicht zwanghaft ständig irgendeine Sülze posten zu müssen, was mich seit Jahren eh keinen Schritt von der Stelle gebracht hatte. +++ Gestern in den unendlichen Weiten der brandenburgischen Kiefer aber, einem zwanglosen Stelldichein führender Medienvertreter, Künstler der verschiedensten Disziplinen und Jungs aus dem Showbiz. Da fiel gegen Ende – wie einst Tom Sawyer und Huckleberry Finn hatten wir längst ein paar gemeinsame Bahnen durch den Dahme-Umflutkanal gezogen. Da plötzlich fiel einem die Frage ein, warum ich denn so lange nichts mehr gepostet habe. Pipapo, sagte ich – Ukraine und so. Dieses und jenes, ich habe es Ihnen ja oben zusammengefasst. +++ Aus dem einen Dilemma ins nächste: Café Miami der guten Berliner Gruppe SIND scheint wohl eine Momentaufnahme der Corona-Zeit gewesen. Ich hatte den Song erst kennengelernt, als die Pandemie schon zu Ende war, die nächste Katastrophe längst im Gange. Sehr schönes Video, sehr schöner Song! +++ To cut a long story short: mein Bild heute stammt aus der Serie Die einhundert besten Langspielplatten der Welt und heißt Nachtzug nach Nischni Nowgorod.

 

Überschift inspired by: A New Dark Age © The Sound, 1981

Überschrift also inspired by: Nachtzug nach Nischni Nowgorod © Tibor Weitling, 2022

Lyrics: Café Miami © Sind, 2021

Sonderoperation zur Entstaatlichung der Ukraine

Tom Sawyers und Huckleberry Finns Abenteuer (Fernsehvierteiler nach Romanen von Mark Twain) © ZDF, BRD/F/RO 1968

To Cut a Long Story Short © Spandau Ballet, 1980

When Doves Cry / Recherche ist das A und O.

Deep Fuck Records: Internet – Helmut Kohl (Fiction) © Kai von Kröcher, 2021

 

Unser allererster Horizont. Der unendlich große Freiheitsdrang. Nur über Ampeln nie hinaus gekommen. +++ Immer komme ich nie auf die naheliegende Idee, das einfach mal zu überprüfen. Ob es am Ende nicht vielleicht doch eine reale Band gibt, die sich Internet nennt. Aber welche Band sollte schon Internet heißen? +++ „The Internet is an American band from Los Angeles, California. It currently consists of vocalist Syd, keyboardist Matt Martians, bassist Patrick Paige II, drummer Christopher Smith, and guitarist Steve Lacy.“ (Wikipedia) +++ Scheiße. +++ Hätte ich musikalisch mehr auf dem Kasten, ich würde zwölf gute Songs schreiben, zwei Wochen ins Studio gehen, vielleicht in der Forster Straße. Das fertige Album hieße auf jeden Fall Helmut Kohl. +++ „Susanne Blech ist eine Band des Musikers und Autors Timon Karl Kaleyta. (…) Im Juli 2013 erschien die Single Helmut Kohl, die einen Remix von Scooter beinhaltet. (…) Kritiker halten der Band bisweilen eine zu hohe bzw. zu kryptische Textdichte vor.“ (Wikipedia) +++ Danke, Merkel – ich gehe jetzt erstmal gepflegt einen abweinen! +++ P.S.: Das Foto entstand auf bzw. von der Nordseeinsel Pellworm aus, es ist gut.

 

Überschrift inspired by: When Doves Cry © Prince and the Revolution, 1984

Überschrift also inspired by: A Ecke O © Winson, 2004

Lyrics: Karlshorst © Sind, 2020

Purple Naked Ladies © The Internet, 2011

Triumph der Maschine © Susanne Blech, 2012

Helmut Kohl (* 3. April 1930 in Ludwigshafen am Rhein; † 16. Juni 1917 ebenda), dt. Politiker

Ich bin Toni Krahl / Last-Minute-Geschenke von Amazon.

Deep Fuck Records: Treffer Hornbach – du gehst noch mal weg (Virgin) © Kai von Kröcher, 2021

 

Wo die ganzen alten Häuser waren. Neues Graffiti an den Wänden. Und die Hortensien blühen weiter. +++ Zum Jahresende werden überall gerne Lieblingslisten gesammelt, Sie wissen es. Und mein vielleicht liebstes Lied 2021 stammt wahrscheinlich noch immer von Zweitausendzwanzig. +++ „Ich bin Toni Krahl“ – ein Satz wie ein Peitschenhieb, das hat mich bis heute nachhaltig beeindruckt: Als wäre ich heimlicher Gast damals eines verbotenen Kultes gewesen. Eine versunkene Welt – davon wollen Sie gar nichts wissen. +++ Apropos: War es in diesem Jahr, diesem Sommer – oder ist es ebenfalls schon 2020 gewesen? Im Laufe Coronas verliert man trotz Google Earth ab und dann und wann seinen Bezug zu Raum und Zeit. +++ Und wie heißt EU-Ratspräsident Michel eigentlich mit Nachnamen? +++ Jedenfalls war das in diesem oder im vorigen Frühsommer wahrscheinlich. Es war schon angenehm warm, T-Shirt-Wetter. Ich setzte mich irgendwo in die S-Bahn und fuhr, getrieben von meinem Lieblingssong. Ich fuhr bis Karlshorst. Es war gerade ein neuer Lockdown beschlossen – nach neun, zehn, elf Uhr mussten auch alle Spätis geschlossen sein. Und so sprang ich Karlshorst von der Bahn, holte an einem Döner-Kebab-Imbiss unten am Bahnhof ein Bier – und in der einsetzenden Abenddämmerung ließ ich mich die verlassene Trabrennbahn entlang mäandern. +++ Eigentlich soll man die Bilder seiner Kinder nicht in den sozialen Netzwerken verbreiten, da geh ich mit Ihnen durchaus d’accord. Der mystische Schnappschuss auf der Plattenhülle (oben) aber darf meiner Ansicht nach Ausnahme der Regel sein: Mein Sohn Otto und ich auf dem Heimweg von Kai Heimbergs Ausstellungseröffnung im Schaufenster Lobeckstraße neulich (Ihr seid solche Fucker berichtete). Ich hatte vergessen, zu fotografieren, und hier jetzt am Planufer, mein Sohn auf seinem hellblauen Puky-Laufrad vor mir fuhr gut gelaunt in die Nacht. Ein magischer Augenblick, den wollte ich der geifernden Fratze des Vergessens nicht übereignen – ich nahm die Kamera in die Hüfte und drückte kaltblütig ab.

 

Überschrift inspired by: Toni Krahl (* 3. Oktober 1949 in Berlin), dt. Musiker

Überschrift also inspired by: Last-Minute-Geschenke von Amazon © Amazon, 2021

Lyrics: Karlshorst © Sind, 2020

Michel (* 21. Dezember 1975 in Namur), belgischer Politiker und seit 1. Dezember 2019 Präsident des Europäischen Rates

Trevor Charles Horn (* 15. Juli 1949 in Durham), englischer Produzent, Musiker und Komponist, Träger des britischen Ritterordens

Moments in Love © The Art of Noise, 1985

Am Fenster / Olaf hat Husten.

Fiktives Vinyl: Elektrizität Vol. 1 (Mercury) © Kai von Kröcher, 2015/2021

 

Und jeden Mittwoch die 12er-Packung Eis – hat für uns drei grad so gereicht, unsere Welt schien hier ewig zu sein. +++ Anfang der Nullerjahre habe ich in Oberwiesenthal, glaube ich. Da sah ich die Band City, live vor dem Bergpanorama und so, das fand ich ganz gut. Als Wessi kannte ich natürlich nur ihren Smash-Hit Am Fenster, ihre Namen sagten mir gar nichts. +++ Ich glaube, so langsam bin ich wirklich verärgert. Dass ich ständig so bahnbrechende Einfälle habe. Und am Ende stellen die sich doch immer nur als unfreiwillig kopiert heraus. Erinnern Sie sich an den Fall Hockney? Richard Prince, gerade gestern? Stellen Sie sich vor, morgens werden Sie wach. Sie haben den Text, die Akkorde im Kopf für ein Lied namens Stairway to Heaven, schreiben das alles auf. Vielleicht werden Sie denken, was für ein abgedroschener Schmuh: „There’s a Lady who’s shure“, dieser triefende Quatsch – lassen den Song aber auf Platte pressen und werden verklagt. +++ Ich erinnere mich jedenfalls (fast) noch genau, da steht der Sänger von City vorne am Mikrofon – und sagt: „Ich bin Toni Krahl.“ Den Namen habe ich seitdem nicht mehr vergessen: „Ich bin Toni Krahl!“ Und jetzt fragen Sie sich, was hat das alles mit der Platte oben zu tun. +++ Im Radio hinten wird Olaf Schulz gerade zum Bundeskanzler vereidigt, ich bin mal gespannt. +++ Toni Krahl sagte dann noch irgendwas so von wegen, das habe ich nicht ganz kapiert: D-Mark plus Elektrizität sei = Kommunismus, oder so in der Art. Viele um mich herum prusteten ostentativ – ein verdrehtes Bonmot vom Väterchen Stalin vielleicht. +++ Von daher heute Back to the Roots: Deep Fuck Records, einzige Fotoserie mit Zukunft! +++ Ostentativ übrigens ist ein Ausdruck der Bildungssprache: irgendein Joke wird nur im Osten verstanden.

 

Überschrift inspired by: Am Fenster © City, 1974/1977

Überschrift also inspired by: Olaf hat Husten – Fernsehwerbung für Wick Formel 44 extra stark Hustenlöser © Wick/Procter & Gamble, ca. 1973

Lyrics: Karlshorst © Sind, 2020

Toni Krahl (* 3. Oktober 1949 in Berlin), dt. Musiker

Heaven © Led Zeppelin, 1971

Olaf Schulz (* 18. Juni 1958 in Osnabrück), dt. Bundeskanzler

Farbfernseher | Skalitzer Str. 114 | 10999 Berlin-Kreuzberg

Neun / Take me with you.

Deep Fuck Records: Fett – Überlebensschuld-Syndrom (Neu-Hohenschönhausen) © Kai von Kröcher, 2004/2021

 

In diesen ewigen Ruinen sangen sie Lieder, die sie lieben, von einem gottverlass’nen Männerchor. +++ Seit wann gibt es eigentlich diese Redensart, dass man jemanden irgendwohin mitnimmt? Die Bevölkerung, vorzugsweise. Sagen „sie“ zurzeit ständig. Hat sich unbemerkt durch die Hintertür eingeschlichen, ist aber nicht schlecht. +++ Doch kurz mal was anderes: Was halten Sie persönlich denn so von EDV – ist das das Ding der Zukunft? +++ Wussten Sie, dass dieser Aufkleber da bei der Gruppe Fett – dass dieser Warnhinweis „in den Staaten“ damals für Darling Nikki von Prince eingeführt wurde? War mir bis eben auch neu. Beziehungsweise war mir bis eben unbekannt, neu ist’s mir erst jetzt. +++ Darling Nikki haben „wir“ damals gar nicht so als „versaut“ wahrgenommen, glaube ich. Allerdings haben wir eh immer nicht richtig zugehört – und wenn, exziplit dann nur Bahnhof verstanden. +++ Im Club gab es – wesentlich später – da hatte es echt einen gegeben, der sagte ernsthaft immer noch „Amiland“, ohne Quatsch.

 

Überschrift inspired by: Graf Zahl © Paul Kalkbrenner, 2021

Überschrift also inspired by: Take Me With U © Prince and the Revolution, 1984

Lyrics: Karlshorst © Sind, 2020

Darling Nikki © Prince and the Revolution, 1984

Berechtigungsschwein / All you’ve got to do is win.

Fiktives Vinyl: God Morning / Warum bist du so hart zu dir selbst © Kai von Kröcher, 2019/2021 (Weiße Siedlung)

 

Und jeden Mittwoch die Zwölferpackung Eis, hat für uns drei grad so gereicht – unsere Welt schien hier ewig zu sein. +++ Da hatte der Lektor beim letzten Post wohl geschlafen: Sehen Sie sich mal die Überschrift an, die ergibt keinen Sinn. +++ Als gestern die Post kam, ein Brief ohne Absender. Wie immer die kurz aufflackernde Hoffnung, ein Schreiben von der Gesellschaft zur Aufspürung verkannter Genies: Einzelausstellung in den Deichtorhallen – und ich soll mir hunderttausend Euro abholen, Deutsche Post Filiale Kottbusser Damm bis achtzehn Uhr morgen Abend. Dann im Briefkopf aber das deutsche Hoheitssymbol, sagt man das so? Bundesadler, Schwarz, Rot, Gold. Jetzt haben Sie mich dran wegen meines Aufrufs zum Mord am brasilianischen Präsidenten letztens – ich dachte schon, der verhallt ungehört. Aber auch das nicht: Stattdessen 2×6 Gutscheine für „Masken mit hoher Schutzwirkung“ – ich gehöre jetzt zu den Privilegierten. +++ Wissen Sie, woher das Wort „Backfisch“ kommt? Habe ich neulich irgendwo gehört oder gelesen. Der Ausdruck, wie nennt man das eigentlich, wenn ein Begriff eine zweite Bedeutung bekommt, die mit der ersten im Prinzip nichts zu tun hat? Obwohl genau das nun auch wieder nicht stimmt. Aber in diesem Fall nämlich doch: Was hat denn ein junges Mädchen mit einem, sagen wir mal, Schlemmerfilet à la Bordelaise zu tun? Sehen Sie? Nun aber die erstaunliche wie auch befreiende Erklärung: Das Synonym nämlich stammt nicht aus dem Deutschen, sondern „Back Fish“ ist im Englischen ein Fisch, den man zurück ins Wasser wirft, weil er noch nichts auf den Rippen hat – und somit also zu jung zum Vernaschen ist. +++ Die Überschrift gestern, das mit dem Waldorf-Typ. Bezog sich darauf, dass Otto jetzt abends schon immer sagt, morgen schauen wir wieder Dekker. Dekker ist Ottos erstes mediale Idol, „das ist ein Tüüüüp!!!“ Und nicht etwa auf dem Laptop – für Dekker muss es schon der Zehntausend-Zoll-Flachbildfernseher sein, darunter läuft nichts. Tatsächlich das aller-, aller-, allererste Mal, dass ich zusammen mit meinem Sohn an der Glotze klebe, wie man früher gesagt hat, im Pantoffelkino sozusagen. +++ Hat man nicht einmal früher gesagt.

 

Überschrift inspired by: Berechtigungsschein 1 / Berechtigungsschein 2 (für je 6 Schutzmasken) © die Bundesregierung, 2021

Überschrift also inspired by: Win © David Bowie, 1975

Lyrics: Karlshorst © Sind, 2020

Weiße Siedlung | Dammweg/Sonnenallee | Berlin-Neukölln

Deichtorhallen | Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst und Fotografie | Deichtorstraße 1 – 2 | 20095 Hamburg

Deutsche Post Berlin | Filiale Yildirim & Yildirim | Kottbusser Damm 13 | 10967 Berlin

Vielleicht ist es anders als du denkst © Sind, 2020

This Here Island © Dekker, 2019

Deep Fuck Records © Kai von Kröcher, 2021