Sunday Morning / 5:19 Uhr.

Das individuelle Weihnachtsgeschenk: Warum in diesem Jahr nicht mal die Band Tanker? © Kai von Kröcher, 2013/2022

 

Somebody rattled my cage today. +++ Irgendwo hatte ich letztens gelesen, Katzen hielten uns nicht für Menschen, sondern sie hielten uns einfach für andere Katzen. Und wenn wir – stellen wir uns jetzt zum Beispiel mal vor, wir wohnten im Speckgürtel von, sagen wir mal, Wolfsburg. Wir lebten in einer bezahlbaren Einzimmerwohnung mit Blick auf das Verteilzentrum eines bundesdeutschen Logistikunternehmens. Wir hätten einen durchaus erträglichen Job in, sagen wir mal, Wolfsburg, zu dem führen wir jeden Morgen allein oder gemeinsam mit einer Kollegin im pinkfarbenen Hyundai, um abends dann gegen halb sieben wieder nach Hause zu kommen. Die Einkäufe stellten wir in der Küche ab, die Jacke hängten wir im Flur an den Haken, fütterten die Katze und setzten uns am Ende im, keine Ahnung, Wohnzimmer auf das Sofa und stießen zufrieden ein langgezogenes „Ach, ja!“ aus. +++ Die Katze würde nun denken, wir seien den ganzen Tag auf der Jagd gewesen und in diesem Moment mit der Beute zurückgekehrt. Meine Nichte neulich kam mir da mit dem (etwas spitzfindigen) Einwand: Woher will man denn eigentlich wissen, was Katzen so denken? Ich schätze mal, auch da wird es einen gegeben haben, der das untersucht hat. In diesem Falle kein Künstler, sondern vermutlich ein Wissenschaftler. Und wenn die Katze, davon haben Sie vielleicht schon gehört: Wenn die Katze Ihnen eines schönen Tages plötzlich mal eine tote oder unter Umständen auch lebende Maus als eine Art Opfergabe auf dem Silbertablett präsentiert. Dann wäre das nicht, wie landläufig bisher angenommen, als kleines Geschenk zu verstehen. Als Dankeschön, dass es uns gibt. Die Maus in diesem Fall wäre belehrend gemeint: Die Katze will uns damit zeigen, wie zum Teufel man richtig jagt.

 

Überschrift inspired by: Sunday Morning © The Velvet Underground, 1966

Überschrift also inspired by: Monday Morning 5:19 © Rialto, 1997

Lyrics: Low Blood Sugar © Moscoman, 2025

Das Feuerwerk ist aus © Katze, 2005

Als wir noch Tiere waren © Tanker, 2022

Research & Destroy / Da war so viel los.

Das individuelle Weihnachtsgeschenk: Warum in diesem Jahr nicht einmal Annika Breker? © Kai von Kröcher, 2013/2022

 

Meiner Mutter Hermine missfielen die Onkel-Doktor-Spiele und meine Schwäche für Whisky pur. +++ Früher, das habe ich oft erzählt: Früher habe ich Musik gemacht. War Sänger einer Band. Damals in Teilen der Welt recht erfolgreich, aber das spielt jetzt hier keine Rolle. +++ Und Musik, wenn ich das morgens so kurz nach sieben (der Sohn lacht gerade im Schlaf), wenn ich das morgens so früh schon korrekt analysieren kann: Musik kommt, so habe ich es zumindest immer verstanden. Musik kommt zunächst einmal intuitiv aus dem Bauch. Eine meiner absoluten Lieblingssinfonien, auch das habe ich schon tausendmal – nein, vermutlich habe ich das hier noch gar nicht so oft. Mein geschätzter Deutschleistungskurslehrer jedenfalls, Herr Kolkmeyer, sagte sinngemäß damals: hätte Bruckner das auch in Worten ausdrücken können, was er hat sagen wollen, dann hätte er keine Musik machen müssen. +++ Oder so ähnlich, etwas ausgefeilter vielleicht. Bruckner scheint intellektuell ein wohl eher einfach gestrickter Zeitgenosse gewesen zu sein – und in diesem Zusammenhang im Prinzip jetzt hier meine Blockade. +++ Kunst, so bilde ich mir zumindest ein zu verstehen, besteht zur Hälfte mindestens aus Gefasel. Erst kommt die schöpferische Arbeit, dann das Gefasel: In Ausstellungstexten ist der Künstler grundsätzlich immer irgendetwas am Untersuchen. Im besten und einfachsten Fall untersucht er gesellschaftliche Zusammenhänge, ungeschriebene Gesetze, Rituale. Oder was weiß ich: den Menschen an sich, seine Abgründe. +++ Okay, und an diesem Punkt meine Blockade: Ich will eben einfach nur meinen Scheiß machen – wenn der jemanden interessiert, ist es gut. Wenn er niemanden interessiert, ist es auch gut. Oder auch nicht. Eigentlich doch eher nicht. Aber zumindest will ich am Ende nicht darüber herumfaseln müssen. +++ Was ich als disziplinierter Preuße heute übrigens wirklich tun muss: Heute vormittag werde ich – und jetzt schauen Sie mal aus dem Fenster, wir schreiben Mitte November, es ist noch knapp unter fünf Grad und es regnet. Und bald werde ich mit meinem Sohn zu einem Fußballturnier am Gesundbrunnen oben im Wedding aufbrechen, wo er mit seiner Mannschaft gegen andere Kids antritt und ich ein paar Stunden draußen an einem nasskalten Sportplatz herumstehen werde. Und darauf freue ich mich, ganz ohne Quatsch. +++ Sollten Sie also an einem der Bilder interessiert sein, melden Sie sich einfach ganz unverbindlich. In meiner Serie (Fiktives Vinyl/Anm.d.Red.) setze ich mich mit den Vermarktungsmechanismen der Musikindustrie auseinander und untersuche den Einfluss der Medien auf unseren Alltag – tief im Innern aber will ich eigentlich nur meine Ruhe: meine Ruhe, rumhuren und saufen.

 

Überschrift inspired by: Search and Destroy © Iggy and the Stooges, 1973

Überschrift also inspired by/Lyrics: Da war so viel los © Udo Lindenberg und das Panikorchester, 1975

Sinfonie Nr. 9 in d-Moll © Anton Bruckner, 1887 – 1896

November Rain © Guns & Roses, 1992

Kontakt: vonkrocher@gmx.net

Mehr fiktives Vinyl finden Sie hier: https://kaivonkroecher.de/startseite/fotografie/portfolio-fake-records-fiktives-vinyl

Maximum Acceleration / Pictures of Matchstick Men.

Das individuelle Weihnachtsgeschenk: Warum in diesem Jahr nicht einfach mal DJ Permafrost? © Kai von Kröcher, 2021

 

Some of us flicked a coin and shimmered away. +++ Ich weiß nicht – mit meiner breit angelegten Werbekampagne stoße ich gerade auf eine innere Blockade, eine Art Schweinehund. +++ Weitere Bilder aus obiger Serie finden Sie unter https://kaivonkroecher.de/startseite/fotografie/portfolio-fake-records-fiktives-vinyl. Alles weitere entnehmen Sie bitte den vorangegangenen Posts, nicht wahr …

 

Überschrift inspired by/Lyrics: Maximum Acceleration © Ultravox, 1978

Überschrift also inspired by: Pictures of Matchstick Men © Status Quo, 1968

Fiktives Vinyl: Weltniveau © DJ Permafrost, 2021

Das Leben der Andrea Renftenberg / The Black Sheet of Paper.

Das individuelle Weihnachtsgeschenk: Warum in diesem Jahr nicht zur Abwechslung mal Nuttenbrosche? © Kai von Kröcher, 2020/2022

 

Look into the night sky, check the constellations. +++ In meinem Kopf fängt Rock ’n‘ Roll Nigger schon immer und nach wie vor immer noch eindeutig und widerspruchslos mit B.B. King an: „B.B. was a black sheep, B.B. was a whore“. Leider kann ich das gerade nicht überprüfen, aber „Baby“ ergibt doch irgendwie gar keinen Sinn? +++ Okay. +++ Heute gibt es hier mal eines meiner heimlichen Lieblings-Cover: Die Band Nuttenbrosche mit der LP 1985 – ein atmosphärisch ungemein dichtes Werk. +++ Das mit dem Einstieg in den Onlinehandel hört sich vielleicht erstmal gewagt an, aber was soll da schon schief gehen? Im allerschlimmsten Fall meldet sich keine Sau und ich verkaufe kein einziges Bild – neudeutsch: so what? Als ich heute aus meinem Termin in der Nuklearmedizin kam (was sich übrigens unendlich dramatischer anhört, als es letztendlich ist) und relativ leidenschaftslos an den Weihnachtsbuden unter der Autobahnbrücke am Bierpinsel vorbei schlenderte, kam mir schlagartig die wohl erste große Enttäuschung meines Lebens seinerzeit in den Sinn: Zuckerwatte. Enttäuschender als Zuckerwatte – da kann sich mein Weihnachtsgeschäft noch so sehr ins Zeug legen, gegen Zuckerwatte kommt es nicht an. +++ Für nächstes Jahr Weihnachten, auch dieser Einfall kam mir unter der Autobahnbrücke am Bierpinsel. Im kommenden Jahr werde ich zu Weihnachten einen Kalender für 2027 anbieten. Das klingt jetzt erst einmal nicht sehr aufständlerisch – aber die Idee ist brillant. Zwischen 1985 und 2027 liegen übrigens zweiundvierzig Jahre, wenn ich mich nicht verrechnet habe. +++ Zwölf fiktive Albumcover zum Abreissen, lassen Sie das kurz auf sich wirken. +++ Bestellungen für dieses Jahr Weihnachten oder unverbindliche Anfragen bitte bis 20.11. an: vonkroecher@gmx.net

 

Überschrift inspired by: Das Leben der Anderen (Politdrama) © Florian Henckel von Donnersmarck (Drehbuch, Regie), D 2006

Überschrift also inspired by: Black Hole Sun © Soundgarden, 1994

Lyrics: Nuclear Reactions © Bill Wyman, 1982

Fiktives Vinyl: https://kaivonkroecher.de/startseite/fotografie/portfolio-fake-records-fiktives-vinyl

The Killing Moon / Baby Was A Black Sheep, Baby Was A Whore.

Das individuelle Weihnachtsgeschenk: Warum in diesem Jahr nicht einmal Torste Krubs? © Kai von Kröcher, 2022 (Fiktives Vinyl)

 

Oh, child of the moon, give me a wide-awake crescent-shaped smile. +++ Kommerz läuft der weihnachtlichen Grundidee zuwider, das ist mir durchaus bekannt. Und ich tue mich mit dem Prinzip Onlinehandel zugegebenermaßen einigermaßen schwer, sehe dieses Experiment aber als Herausforderung auf persönlicher Ebene. +++ Wie begeht Ramzan Kadyrow das christliche Fest in diesem Jahr eigentlich? Ich habe lange nichts mehr von ihm gehört. +++ Um es für den Anfang also nicht unnötig kompliziert zu machen, möchte ich die Auswahl der Bilder zunächst auf mein Fiktives Vinyl beschränken. Bei Interesse senden Sie mir doch bitte einfach einen Screenshot oder den Titel der Fotografie, für die Sie sich in der Weihnachtsedition interessieren. Siehe auch Link unten. Die Ausführung: Fotoprint auf Aludibond samt fein samtiger UV-Schutzbeschichtung, signiert und rückseitig beschriftet, mit Aufhängung. Mindestmaß 46 x 46, maximal 60 x 60 cm. +++ Vorwärts immer, rückwärts nimmer: Unverbindliche Preisanfragen bitte bis spätestens 20. November 2025 an vonkroecher@gmx.net ! +++ Zurzeit soll bei Black Week übrigens irgendwie gerade Black Deal sein – eventuell aber auch umgekehrt …

 

Überschrift inspired by: The Killing Moon © Echo & the Bunnymen, 1984

Überschrift also inspired by: Rock ’n‘ Roll Nigger © The Patti Smith Group, 1978

Lyrics: Child Of The Moon © The Rolling Stones, 1968

Fiktives Vinyl: https://kaivonkroecher.de/startseite/fotografie/portfolio-fake-records-fiktives-vinyl

Black © Pearl Jam, 1991

Child of the Moon / Too Late to Be Late Again.

Das individuelle Weihnachtsgeschenk: Warum nicht zum Beispiel mal Florence Przybylski unter dem Baum? © Kai von Kröcher, 2015/2022

 

It’s been a long, long time, yeah, since I got you on my mind. +++ Vor einer Weile habe ich meine Arbeitssituation, wie man so sagt, grundlegend verändert. Bis dahin saß ich im dämmerigen Zimmer zum Hof immer mit dem Gesicht vor der Wand, jetzt steht mein Laptop am Fenster nach vorne raus, mit Blick auf den Parkplatz des Urbankrankenhauses. Aktuell schaue ich auf einen herbstlich verfärbten Japanischen Schnurbaum aus der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler, heute früh schlawinerte ein majestätischer Fuchs an der Schranke der Einfahrt vorbei. Normalerweise sieht man eher dort Wanderratten vorbeihuschen. Gelegentlich auch leicht Derangierte aus Station III oder IV, nicht despektierlich gemeint. Ich liebe den November da draußen, Hochnebel und Sprühregen. Durchaus auch Sonne statt Reagan, in Frieden leben. By the way: dürfte „November“ nicht in jeder Region dieser Erde eine andere Gemütslage bedeuten? +++ Wie Sie wissen, mache ich mir hin und wieder Gedanken: Neulich zum Beispiel war mir aufgefallen, dass was im Deutschen die Welt ist, auf Französisch merkwürdigerweise „le Monde“ heißt – der Mond! +++ Im Radio erzählten sie mal, Walking On the Moon habe Sting einst nachts in einem Hotelzimmer in München geschrieben. Und Child of the Moon war einer der wohl ganz ersten Songs der Rolling Stones, die ich in meinem jungen Leben damals gehört habe. Das Video dazu ist übrigens großartig, das hatte ich kürzlich erst entdeckt: die Band steht da unmotiviert auf einem Feldweg, der so britisch aussieht, wie ein Feldweg eben nur aussehen kann. Möglicherweise hatten sie kurz zuvor Drogen genommen. Keith Richards springt irgendwann ungelenk von einem Baum, und jederzeit könnten Emma Peel und John Steed durchs Bild gefahren kommen. In einem offenen englischen Sportwagen, mit leichtem Wind in ihrem Haar. Brian Jones war zu dem Dreh gar nicht erst erschienen, von dem haben sie nachträglich eine Einstellung hineingeschnitten: „Brian, stell dich mal hinter den Baum da. Okay, komm mal einen Schritt vor. Und jetzt wieder einen Schritt zurück – danke, aus!“ +++ Super. +++ Was ich aber eigentlich erzählen wollte, und damit kommen wir jetzt zum eigentlichen Punkt der Affäre: Gestern Abend stellte ich mich an die Bushaltestelle, der M41er machte seinem Namen alle Ehre und kam nicht. Da schoss mir ein revolutionärer Geistesblitz durch den Kopf: Warum nicht einfach mal auf den Zug mit dem Weihnachtsgeschäft aufspringen? Halte ich persönlich zwar für verwerflich, macht aber jeder. Und wenn man so bahnbrechende Ideen hat, sieht die Welt gleich schon ganz anders aus, das ist Fakt: Statt mich über den ausbleibenden Bus zu ärgern, verliebte ich mich stattdessen anschließend bei Karstadt direkt in die junge Verkäuferin in der Buchabteilung, obwohl ich eigentlich nur Sahne mit höherem Fettanteil in der Lebensmittelabteilung im Keller kaufen wollte. Mit meinem Sohn stelle neuerdings nämlich selbst Eis her, ganz klassisch Fürst Pückler – das ist relativ simpel und macht irgendwie glücklich. Der perfekten, um nicht zu sagen: der tödlichen Rezeptur sind wir bereits ganz dicht auf der Spur! +++ Das exakte Weihnachtsbestellszenario müsste man jetzt natürlich noch ein bisschen ausarbeiten, mit dem Internet stehe ich latent ja auf Kriegsfuß: Bis dann und dann dieses oder jenes Bild bestellen, … und es am Vierundzwanzigsten feierlich dann unter den Baum legen – besser ist doch kaum möglich!

 

Überschrift inspired by: Child Of The Moon © The Rolling Stones, 1968

Überschrift also inspired by: Station to Station © David Bowie, 1976

Lyrics: Stir It Up © Bob Marley & the Wailers, 1967

Fiktives Vinyl: Maschinentod © Florence Przybylski, 2022

Rattus Norvegicus © The Stranglers, 1977

Sonne statt Reagan © Joseph Beuys, 1982

Walking on the Moon © The Police, 1979

Child Of The Moon (Musikvideo feat. u.a. Dame Eileen June Atkins): Michael Lindsay-Hogg (Regie), Anthony B Richmond (Kamera)

The Ballad of Lucy Jordan © Marianne Faithful, 1979

 

Atlantic City / Sometimes I find myself sitting back and reminiscing.

Landsberger Allee im Schienenersatzverkehr auf Höhe von Krorr-Bremse © Kai von Kröcher, 2025 (Handyfoto)

 

Ich weiß noch, als du da rein kamst – in unsern Rock ’n‘ Roll Club. +++ Gerade habe ich von dem Kaufhaus Karstadt geträumt. Einer dieser Träume, da ist man irgendwo unterwegs, und auf einmal sieht alles so anders aus. Und plötzlich kam ich bei Karstadt am Hermannplatz vorbei, die waren gerade am Schließen. Nicht so am Feierabendmachen einfach nur, die machten komplett die Filiale dicht. Ich fragte, ob ich noch schnell einmal rein könnte, und drinnen war alles schon ausgeräumt. Ich bin dann über menschenleere Räume und Treppenhäuser bis ganz nach oben. Dort in dem leerstehenden Bistro traf ich Rick G., der Anfang des Jahres die Ausstellung im Bethanien by the Wall kuratiert hatte. Er schlug mir vor, am letzten Abend bei Karstadt noch einmal auszustellen. Ich dachte: ‚Super – ich habe eh schon kein Geld, und dann lasse ich wieder einen Haufen Prints anfertigen, und am Ende kann ich das alles wieder mit nach Hause schleppen!‘ So Kleingeistgedanken halt – und so zeigte ich die Bilder einfach in einer Art Diashow. +++ Den Begriff „Dystopie“ ehrlich gesagt hatte ich erstmals 2016 gehört, und heute kommt sich schon der allerletzte hinterwäldlerische Biedermann vor wie in einem Bruce-Springsteen-Song. Ich kenne gar nicht so viele Bruce-Springsteen-Songs, aber das ist das, was man sich so erzählt: In einem Bruce-Springsteen-Song habe man genau zwei Möglichkeiten – entweder man haut ab und verbrennt, oder man bleibt da und versauert. Und überall schließen die Fabriken, und dann steht man da, hat gerade das Mädchen aus seiner Klasse geschwängert, und irgendwie sieht alles gar nicht so allzu toll aus. +++ Sie erinnern sich an meinen Barmann Ben aus Manchester, drüben in der Szenegaststätte der Herzen. Ich weiß noch, wie der eines Tages sein Rad vor dem Club parkte. Mir fielen als erstes seine posh-mäßigen Halbschuhe auf, so was trug niemand in Kreuzberg. Während er sein Fahrrad abschloss, blickte er kurz zur Tür und kam dann entschlossen rein. Ob ich nicht einen Barmann brauchte, er sei aus Manchester und so, und ich brauchte tatsächlich zufällig gerade einen. Am Ende ist Ben dann mit dem Fahrrad von Berlin zurück bis nach London gefahren, und ich denke, er wird seinen Weg wohl gegangen sein. Er wollte da so was studieren, wo man später dann Anwalt wird. +++ Jedenfalls, als ich aufwachte, dachte ich so, in was für dystopischen Zeiten wir heute doch leben. Und da fiel mir Ben wieder ein, dessen Nachnamen man in etwa „Dügen“ ausspricht. Er selbst sprach ja lupenreines Deutsch annähernd. Und dann ließ er auf einmal den Begriff Dystopie fallen, und da muss ich ihn irgendwie angeschaut haben. Und er meinte, Dystopie sei das Gegenteil im Prinzip von Utopie ungefähr. +++ Den vorigen Post übrigens hatte ich nicht geschrieben, Sie zu beunruhigen: Eigentlich hatte ich nur das Handyfoto mit dem tollen Ausblick aus dem Urbankrankenhaus posten wollen, ich muss jetzt mal ganz verdammt schnell los…

 

Überschrift inspired by: Atlantic City © Bruce Springsteen, 1982

Überschrift also inspired by: Littlest Things © Lily Allen, 2006 

Lyrics: Meine erste Liebe © Udo Lindenberg & das Panikorchester, 1976

Goodbye Horses / Manuel Neuer doing Neuer things.

Now, Halloween Jack is a real cool cat, he lives on top of Manhattan Chase © Kai von Kröcher, 2025 (Handyfoto)

 

I’ve seen the sky just begin to fall and you say, All things pass into the night. +++ „Kai von Kröcher doing Kröcher things“, wie man im Internet neuerdings gerne schreibt. Sind Sie Facebook? Dann wissen Sie, was ich meine. Eingeführt worden ist das dem Anschein nach aus Hochachtung vor und Bewunderung für Weltklasseausnahmetorhüter Manuel Neuer, mit dem ich mich hier durchaus nicht messen möchte. +++ Jedenfalls machte ich neulich mal wieder sogenannte Kröcher things, hatte zweimal kurz nacheinander Vollpension gebucht im Grand Hotel Viktor Urbán, da war noch ein Zimmer frei – Station 73 und 72, mit dem weithin bekannt atemberaubenden Blick auf die Skyline. Vermutlich gehören Sie zu den Menschen, die das nicht verstehen, aber ich liebe das Grand Hotel Viktor Urbán. +++ Zu meiner Entlassung machte ich mit dem Handy ein Abschiedsfoto mit meiner vorerst letzten Tasse Kaffee dort, ein Moment wie aus Marmor (oben). +++ Seither bin ich im Auflademodus, mir geht doch schnell mal der Saft aus. +++ Okay. +++ Jedenfalls tat ich gestern dann aber etwas doch gar nicht so Kai von Kröcher doing Kröcher things mäßiges. Nämlich dachte ich, hm, vielleicht kann man sich im Internet ja nicht nur Manuel Neuer ansehen, sondern auch Das Schweigen der Lämmer – diesen Film, Sie wissen es, vor dem ich immer eine solche Höllenangst gehabt hatte. Weil explizite Szenen mit unschuldigen jungen Schafen vermutet. +++ Um es vorweg zu nehmen, fand ich den Film gar nicht so erwartet verstörend – um nicht zu sagen: beinahe harmlos. Hannibal Lecter anfangs sah komischerweise aus wie Ulrich Mühe in Das Leben der Anderen, ein vertrauter Charakter. Clarice Starling mit ihrer Frisur und ihrer ganzen Erscheinung schien eins zu eins eine Blaupause meiner Freundin damals Mitte der Neunziger. +++ Aber irgendwas war doch mal mit dem Song Goodbye Horses, erinnern Sie sich? Ich komme leider nicht drauf, hier sind die Akkus schon fast wieder alle…

 

Überschrift inspired by/Lyrics: Goodbye Horses © Q Lazzarus, 1988

Überschrift also inspired by: Manuel Neuer doing Manuel Neuer things © Internet, 2025

Bildunterschrift inspired by: Diamond Dogs © David Bowie, 1974

Das Schweigen der Lämmer (The Silence of the Lambs, Thriller mit Anthony Hopkins, Jodie Foster) © Jonathan Demme (Regie), USA 1991

Das Leben der Anderen (Politthriller mit Ulrich Mühe u.a.) © Florian Henckel von Donnersmarck (Drehbuch/Regie), D 2006

 

Manic Street Preachers / Über glühende Kohlen gehen.

Berlin-Hasenheide/Neue Welt: Thinking of Hans Baluschek © Kai von Kröcher, 2007

 

Dependent on above, searching for the Dead Sea scrolls. +++ Heute wurde ich wach. Es war dunkel, der Sohn neben mir lachte im Schlaf kurz auf, was ich zunächst für ein Schluchzen hielt. Die Wanduhr im anderen Zimmer würde bald viermal schlagen – da lag ich nun also im Dunkel der Nacht und grübelte spontan über Christoph Daum nach. Ob er seine Spieler seinerzeit tatsächlich über glühende Kohlen hat laufen lassen, und ob ich das auch machen würde – über glühende Kohlen laufen. +++ Das Bild heute, ich hatte es gestern beim Erstellen einer Sicherungskopie entdeckt. Ich mag diese alten Bilder, fast keine Bearbeitung mit Photoshop. Analog aufgenommen, glaube ich, mit der Rollei 6×6 auf Mittelformat-Diafilm, anschließend gecrossed. Kam mir damals irgendwie schräg vor. Im Sinne von schief, nicht im Sinne von abgefahren: stürzende Linien, die Autos nicht perfekt in der Symmetrie. +++ Ich bin Ihnen noch eine Geschichte schuldig mit dem Kraftwerk Gottes und Aperol Spritz. +++ Man schmeckt auf dem Bild förmlich den Morgentau. Anfang März 2007 auf dem Parkplatz der Neuen Welt – einstmals berühmt als Vergnügungsschankgarten, heute Bauhaus, Bowling, Denny-Boys Biomarkt. +++ Gestern war ich mit dem Sohn in Friedenau durch die Ceciliengärten geschlendert, am Rande sprachen wir über Hans Baluschek. Der hatte zeitweilig eine Ehrenwohnung dort bewohnt, bevor der Faschismus ihm als entarteten marxistischen Künstler jegliche Ehren absprechen sollte. Mein Bild mit den zwei Autos erinnerte mich später am Abend an ihn. +++ Jetzt will ich Sie aber nicht länger auf die Folter spannen: Das Kraftwerk Gottes, die Kirche am Hohenzollernplatz in Wilmersdorf nämlich – auf dem Wege zur U-Bahn letztens hatten besagter Sohn und ich kurz davor innegehalten. Eine Tafel klärte uns über die Neue Sachlichkeit und die Ähnlichkeit auf zur Architektur des Kraftwerkes Klingenberg. Da hörten wir in der Ferne eine Rollstuhlfahrerin hysterisch herumschreien. Sie kam uns langsam entgegengerollt, das Gesicht zu einer Fratze verzerrt. Wortlos schauten wir uns mit diesem Die-hat-doch-auch-einen-an-der-Klatsche-Blick an: „Tod den Grünen, Tod den Grünen, Tod den Grünen!!!“, brüllte sie, dabei besessen mit dem Oberkörper auf- und abwippend. Sie hatte uns längst ins Visier genommen – und als sie an uns vorüberzog, funkelte sie mich linkisch von unten an: „Du bist doch ganz bestimmt auch gespritzt!“

 

Überschrift inspired by/Lyrics: So Why So Sad © Manic Street Preachers, 2001

Überschrift also inspired by: Christoph Daum (* 24. Oktober 1953 in Zwickau; † 24. August 2024 in Köln), dt. Fußballtrainer

Hans Baluschek (* 9. Mai 1870 in Breslau; † 28. September 1935 in Berlin), dt. Maler, Grafiker und Schriftsteller, gehörte der Berliner Secession an

Kirche am Hohenzollernplatz, Berlin-Wilmersdorf – genannt „das Kraftwerk Gottes“

Aperol Spritz / Das Kraftwerk Gottes.

Familienfotos an Orten: Hotel Wagner, Riezlern/Vorarlberg (Österreich) © Kai von Kröcher, 2025

 

We decided that we would have a soda. +++ Als Internet-Influenzerin melde ich mich heute zurück, meiner Nichte in ihrer Bergwelt dort unten in Vorarlberg zum Geburtstag zu gratulieren. Der Has-o-mat und ich hatten neulich ein paar wunderbare Tage bei ihr verbracht, da haben wir unter anderem auch diese Probeaufnahme für meine in Vorbereitung befindliche Serie Familienfotos an Orten (Arbeitstitel) inszeniert. +++ Die Überschrift oben wirkt etwas zusammenhangslos in diesem Zusammenhang. Das kommt möglicherweise daher, dass sie eigentlich für eine andere Geschichte gedacht war. Die hatte ich in diesem Zusammenhang heute hier einfügen wollen. Bis sie mir aber viel zu lang erschienen war, und ich sie nun in einem anderen, einem neuen Kontext vielleicht irgendwann anders hier veröffentlichen werde – sie ist super.

 

Überschrift inspired by: Aperol spritz – ital. Mixgetränk aus Weißwein und/oder Prosecco mit Soda und Aperol

Überschrift also inspired by: Kirche am Hohenzollernplatz, Berlin (1930 – ’34 erbaut im Stile der Neuen Sachlichkeit nach Entwürfen von Ossip Klarwein)

Lyrics: You Can’t Always Get What You Want © The Rolling Stones, 1969