Meet El Presidente / Interhotel.

Schönste Plätze Europas: das hat doch mit Rock ‘n’ Roll nichts mehr zu tun © Kai von Kröcher, 2020

 

Da wo die Stadt aufhört, zwischen Porta, Kik und Pizza – auf einer Fahne stand dein Name. +++ Hängt Ihnen das Kantinenessen auch so zum Halse raus? +++ Aus der Quarantäne Reichenberg heute wieder ein gutes Video: Interhotel mit ihrem hypnotisierenden Maxi Maniac (anklicken) – ein Chanson, aus dessen Parolen ich das Wort ‘Pissoir’ herauszuhören beliebe, kann das sein? +++ Interhotel war eine am 1. Januar 1965 gegründete Hotelkette in der DDR: Interhotels waren Hotels der gehobenen Klasse, in denen bevorzugt Gäste aus dem sozialistischen Ausland (SW), den nichtsozialistischen Wirtschaftsgebieten (NSW) und des FDGB der DDR beherbergt wurden. +++ (Wikipedia) +++ Ich finde es – ehrlich gesagt – beschämend, wie respektlos jetzt mit dem Präsidenten Trump umgesprungen wird.

 

Überschrift inspired by: Maxi Maniac © Interhotel, 2020

Überschrift also inspired by: Meet El Presidente © Duran Duran, 1987

Lyrics: Louise © Die Höchste Eisenbahn, 2019

Der doppelte Admiral: Skulptur im Schnittpunkt der Admiral- und der Kohlfurter Straße von der Bildhauerin Ludmilla Seefried-Matejkova, 1985

One More Second / Günter Mittags 52ster Geburtstag.

Die Zeit steht still und es wird Herbst: Kottbusser Tor © Kai von Kröcher, 2020

 

Like when the earth shakes then the silence that follows. +++ “Erstaunlich!”, wie der Grüffelo es ausdrücken würde. +++ Erstaunlich, wie schnell die Menschen einen vergessen haben… +++ “Person, Man, Woman, Camera, TV!”

 

Überschrift inspired by: One More Second © Matt Berninger, 2020

Überschrift also inspired by: Günter Mittag (* 8. Oktober 1926 in Stettin; † 18. März 1994 in Berlin), von 1966 bis zum Herbst 1989 Mitglied des Politbüros des Zentralkommitees der SED

Bildunterschrift also inspired by: Seemann © Rammstein, 1995

Lyrics: Caves © Gregory Alan Isakov, 2018

Der Grüffelo (The Gruffalo, Kinderbuch) © Julia Donaldson/Axel Scheffler, 1998

Wie einst Real Madrid / Wir warten aufs Christkind.

Mittelpunk der Welt: Kreuzigung vor der Baerwaldbrücke © Kai von Kröcher, 2020

 

You’ve just gotta be strong if you’re one of the sixteens. +++ Damals, bei Hillary Clinton, bild’ ich mir irgendwie ein, da bin ich am Wahlabend abends im Kaffee Burger gewesen, Tamie hatte da einen Auftritt gehabt. Der Taxifahrer zurück hatte noch merkwürdige Thesen ans Holz genagelt, ins eine Ohr rein, durchs andere wieder raus. Als ich am Morgen das Radio anmachte, war Trumpi-Boy Präsident – da musste ich lachen, keine Ahnung, warum.

 

Überschrift inspired by: Wie einst Real Madrid © Sportfreunde Stiller, 2000

Überschrift also inspired by: Wir warten aufs Christkind (Kindersendung) © ARD, D 1960 bis 2005

Bildunterschrift inspired by: Mittelpunkt der Welt © Element of Crime, 2005

Lyrics: The Six Teens © Sweet, 1974

Little Bombardier / Was Sie immer schon über Drago Stepanović.

Des Kaisers neue Kleider: Rewe am Kottbusser Tor © Kai von Kröcher, 2020

 

In a world of fading sadness, an emerald ring, a photograph. +++ Ich meine, mit Trump ist es im Prinzip wie bei Didi & Stulle und Kiss damals: Wir kennen Trump voll, aber der kennt uns eben voll nicht. +++ Aber vier Jahre ertrage ich das nicht noch einmal, da will ich ganz ehrlich sein. +++ Was bei diesem ganzen “Wir-befragen-den-DJ-Kröch-jetzt-mal-nach-seinen-Prognosen-zur-laufenden-US-Wahl” ein bisschen hinten vom Teller gefallen ist: Gerd Müller feierte irgendwie gestern oder vorgestern gerade seinen 75sten Geburtstag, wobei “feiern” beim Bomber der Nation mittlerweile leider das falsche Wort ist. +++ Was mir jetzt aber einfiel, das ist ja immerhin nicht ganz unlegendär: Ich habe nämlich, und das könnte 1993 vor dem DFB-Pokalfinale Hertha-Amateure gegen Bayer Leverkusen gewesen sein. Als ich beim Privatradio arbeitete, damals. Im Vorfeld dazu jedenfalls habe ich Gerd Müller einmal interviewt. Gerd Müller, Franz Beckenbauer – und wenn ich mich recht erinnere, hing Steppi Stepanović auch in dem Zimmer mit rum. +++ Das Ding nämlich ist, ich kann mich nur noch äußerst vage erinnern, als hätt’ ich das alles nur geträumt, Nouvelle Vage. +++ Das muss sich einer mal vorstellen, da interviewt man die größten Fußballer der Bundesrepublik Deutschland, die Helden der Kindheit – und hinterher kann man sich nicht mehr erinnern. +++ Und Sie fragen nach meiner Einschätzung zur US-Wahl 2020, Sie haben vielleicht Humor. +++ Den Raum damals, das muss ja irgendein höher klassiges Berliner Hotel gewesen sein. Den habe ich jedenfalls echt ziemlich klein vor Augen, ein durchschnittliches Wohnzimmer vielleicht. Und Gerd Müller sitzt am entgegengesetzten Ende zur Tür hinten am Tisch und trinkt eine Tasse Filterkaffee, hatte ja eine schwierige Phase hinter sich. +++ Alles, was ich heute noch weiß: einer von beiden, also der Kaiser oder der Bomber. Hat mir erzählt, dass das immer sehr schön ist, zum Pokal nach Berlin, die Atmosphäre und so – muss ein investigatives Interview gewesen sein. +++ Das Bild oben muss ich wohl bei schlechtem Wetter noch mal neu machen – ist ja zum Glück gerade November.

 

Überschrift inspired by: Little Bombardier © David Bowie, 1967

Überschrift also inspired by: Dragoslav Stepanović (* 30. August 1948 in Rekovac), ehem. serbischer Fußballspieler und -trainer, DFB-Pokalsieger 1993 als Trainer mit Bayer 04 Leverkusen

Überschrift also inspired by: Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten (Everything You Always Wanted to Know About Sex * But Were Afraid to Ask) © Woody Allen (Drehbuch, Regie), USA 1972

Lyrics: Reason Or Rhyme (Babylon Berlin Edition) © Bryan Ferry Orchestra, 2017

Didi & Stulle – Einen drin (Comic Band Nr. 1) © Fil, 1998 (Reprodukt)

Gerd Müller (* 3. November 1945 in Nördlingen), ehemaliger deutscher Fußballnationalspieler, Welt- und Europameister

Franz Beckenbauer (* 11. September 1945 in München), ehem. dt. Fußballnationalspieler, Europameister, Weltmeister als Spieler wie auch als Trainer

Marmor, Stein und Eisen bricht / Love Reign o’er Me.

Schillingbrücke, aus dem 140er heraus fotografiert: Was he pushed or was he lead © Kai von Kröcher, 2020

 

Little do they know about the monkeys in my head. +++ Neulich machte ich mit meinem Sohn einen Schlenker. So würde Martenstein seine Kolumne auch anfangen, der Idiot. Den ich sonntags beim Brötchenholen immer treffe (Ihr seid solche Fucker berichtete). Wobei ‘treffen’ nicht das richtige Wort ist. Das ist ein bisschen wie Didi & Stulle beim Kiss-Konzert damals. Sie erinnern sich: Didi & Stulle stehen beim Open-Air in der Menge, und irgendwann müssen sie geerdet feststellen, dass sie Kiss beide zwar voll kennen, Kiss sie selber aber voll nicht. +++ Jedenfalls war es am Nieseln, ich sagte zu meinem Sohn: “Wenn du magst, können wir hier heute mal durchlaufen.” Eine beruhigte Wohngegend im Schatten der Urbanstraße. Ohne Sohn würde man diese Welten niemals betreten, aber letztens hatte er einen Aufstand gemacht, weil ich keine Lust auf Ghetto gehabt hatte. Sechzigerjahre vielleicht, ziemlich verwinkelt, düstere Durchgänge zum Gespenstergeheul machen. In einer Sackgasse ein Spielplatz. Weit und breit keine Seele, das Tageslicht kurz davor, vom Grauen ins Blaue zu kippen. +++ Düttmann-Siedlung, wusste ich auch nicht, nie gehört: benannt nach Werner Düttmann, der hat unter anderem die Verkehrskanzel Ku’damm Ecke Joachimsthaler Straße gebaut oder entworfen. Hinter Gardinen RTL2, ein verdammtes Klischee. In einer sogenannten Nestschaukel raste Otto durch Raum und Zeit, die Luft schmeckte nach Herbst. An einem der Fenster jedenfalls mit dem Rücken zum Hof ein blasser junger Mann mit kurzgeschorenen Haaren. Erinnerte mich von hinten spontan an den Jimmy aus Quadrophenia, bloß dass er keinen Parka anhatte, sondern dass er nackt war und sich gerade entspannt einen schrubbte. +++ Drafi Deutscher kam mir spontan in den Sinn, da war doch mal was: Ich nahm mir vor, ihn bei Gelegenheit zu googeln. +++ Eigentlich wollte ich heute nur dieses schöne Bild posten…

 

Überschrift inspired by: Marmor, Stein und Eisen bricht © Drafi Deutscher, 1965

Überschrift also inspired by: Love Reign o’er Me © The Who, 1973

Bildunterschrift inspired by: Zipperface © The Popgroup, 2016

Lyrics: Security Check © Sophie Hunger, 2020

Harald Martenstein (* 9. September 1953 in Mainz), dt. Journalist und Autor, u.a. Tagesspiegel, radioeins etc.

Didi & Stulle – einen drin (graphische Novelle, Band Nr. 1) © Fil/Reprodukt-Verlag, 1998

I Was Made For Lovin’ You © Kiss, 1979

Düttmann-Siedlung, irgendwo zwischen Urban-, Graefe-, Jahnstraße und Hasenheide

Werner Düttmann (* 6. März 1921 in Berlin; † 26. Januar 1983 ebenda), dt. Architekt, Stadtplaner und Maler

Verkehrskanzel, Berlin-Charlottenburg: kastenförmige, gläserne Kanzel auf einem einzelnen Betonpfeiler in 4,5m Höhe, errichtet 1955 von Bruno Grimmek nach Plänen von Werner Klenke und Werner Düttmann 

Quadrophenia (u.a. mit Sting, Phil Daniels, basierend auf dem gleichnamigen Konzeptalbum von The Who) © Frank Roddam (Regie und Mitarbeit am Drehbuch), GB 1979

Quadrophenia © The Who, 1973

Drafi Deutscher (* 9. Mai 1946 in Berlin; † 9. Juni 2006 in Frankfurt am Main), dt. Sänger, Komponist, Musikproduzent

Bergmann never noticed me / The Days of Pearly Spencer.

Time played a trick on everyone: Bergmann Ecke Nostitz © Kai von Kröcher, 2020

 

It’s just the wasted years so close behind. +++ Das Bild heute ist eine Art Work in Progress: Progressive Art, sozusagen. Gibt mir die ganze Zeit ein Feeling von Swinging London, die Farben vielleicht – aber wieso jetzt auch noch Spencer Tracy? +++ “Und was fotografieren Siiie so – schöne Häuser?” +++ Wo der Herbst plötzlich – oder lassen Sie mich anders beginnen: Seit gestern geht das neue Video von Ben Hamiltons Projekt My Sun “viral”, wie die Kids heutzutage gern sagen. “Online” sagten sie gestern. Gefühlt jedenfalls eine Ewigkeit her, das war während des Lockdowns. Unter Einsatz unserer Leben hatten wir beide uns aus der großen Stadt Berlin nach Süden hinausgestohlen – und, uns gegenseitig abfilmend, zwei trocken-heiße Sommertage in einem apokalyptischen, einsamen Waldstück in der Nähe Groß Köris’ verbracht. In Memoriam, so der Titel – und hier ist das Video: https://youtu.be/qL0Td4EGqpo. Die goldene Krone setzt sich mein herausragender Sohn manchmal jetzt auf, so er da sagt: “… and you will be my queen.” +++ Liegt die Wahrheit der Überschrift heute nicht irgendwo zwischen Indiana Wants Me und Bloodbuzz Ohio? +++ Und: “Weshalb Spence immer so viel gesoffen hat, habe ich nie verstanden.” (Katharine Hepburn) +++ Da fällt mir ein – witzigerweise: Ben Hamiltons Band Mitte/Ende der Neunzigerjahre hieß tatsächlicherseits Tracy – ich hatte damals immer an Tracy Chapman…

 

Überschrift inspired by: Bloodbuzz Ohio © The National, 2014

Überschrift also inspired by: The Days of Pearly Spencer © David McWilliams, 1967

Bildunterschrift inspired by: Gift Horse © Kevin Morby, 2020

Lyrics: Sunday Morning © The Velvet Underground, 1966

Spencer Tracy (* 5. April 1900 in Milwaukee, Wisconsin; † 10. Juni 1967 in Beverly Hills, Kalifornien), US-amerikanischer Schauspieler

In Memoriam © Ben Hamilton / My Sun, 2020

“Heroes” © David Bowie, 1977

Groß Köris, Landkreis Dahme-Spreewald (Brandenburg)

Indiana Wants Me © R. Dean Taylor, 1970

Katharine Hepburn (* 12. Mai 1907 in Hartford, Connecticut; † 29. Juni 2003 in Old Saybrook, Connecticut), US-amerikanische Schauspielerin

Baby Can I Hold You © Tracy Chapman, 1988

Rocks Off / The Boy with the Thorn in his Side.

Neukölln, Weiße Siedlung: Wenn man vom Süden her von der Autobahn reinfährt © Kai von Kröcher, 2020

 

… ’cause I’m not much cop at punching other people’s dads. +++ Das Bild heute erinnert mich irgendwie die ganze Zeit schon an das Video zu Rocks Off – das ich sehr super finde, auch wenn ich den Song nur manchmal ganz gerne mag: Super-8-Material, geschossen von Robert Frank größtenteils irgendwo in New York 1971, da spränge ich ohne jede weitere Frage direkt auf die Zeitmaschine. +++ Der Junge auf dem Spielplatz am Zickenplatz gestern, und spätestens jetzt ahnen Sie schon, wohin die Reise hier heute gehen wird. +++ Ist das noch Rock ‘n’ Roll, oder ist das bereits schon der Dings – nur so ein Spruch. +++ Der Junge jedenfalls wird so ungefähr um die vier Jahre gewesen sein, er fiel mir das erste Mal auf der Rutsche auf. Optisch ein angenehm anzuschauender Junge, aber er ging mir sofort auf den Zwirn. +++ Das wird echt eine ganz schlimme Geschichte, ich habe gestern Abend nicht einschlafen können. +++ Ich lag also gestern im Bett. Erst war ich direkt eingeschlafen, doch dann hatte Otto mir im Schlaf ein paar Tritte verpasst. Und plötzlich fiel mir der Junge vom Nachmittag wieder ein, und ich dachte, ich würde keine Sekunde in meinem Leben je wieder ruhig schlafen können. +++ Ist die Geschichte wirklich so schrecklich, wie sich das anbahnt? +++ Den Link zu Rocks Off finden Sie übrigens hier, vielleicht wissen Sie ja, was ich meine – sowohl was die Zeitreise angeht, als auch das Bild und den Song. +++ Erinnert mich daran, dass Bruce Springsteens Born to Run angeblich der beste Rocksong der Rockgeschichte sein soll – ich finde, der ist einfach ein Rocksong. +++ Aber zurück zu dem Kind auf dem Spielplatz. Otto war über die Hühnerleiter allein auf die Rutsche gestiegen, oben jedoch verließ ihn etwas der Mut. Ich reichte ihm meine Hände zur Sicherheit hoch, da fand er direkt seine alte Verwegenheit wieder. Allerdings kam in dem Moment dieser Junge von unten die Rutsche herauf Otto entgegen geklettert, was mich gleich ziemlich nervte: Ich schenkte ihm diesen Blick. +++ ‘Welchen Blick’, werden Sie fragen – diesen Blick halt. +++ Später dann war ich mit Otto am Buddeln, und plötzlich bekam ich hinterrücks Sand an den Kopf geworfen. Ich drehte mich um, und schon wieder dieser Junge stand da und grinste mich an. Ich sagte irgendwas so von wegen, du provozierst gern wohl Leute. Er grinste mich an, sagte: “Was?” Ich schenkte ihm diesen Blick, das müssen wir jetzt nicht noch einmal durchkauen. Ich dachte, dass er wohl irgendwie so ‘n kleiner Teufel ist, ich sagte: “Du kommst wohl nur her, um hier alle zu ärgern?” Frech grinste er mich an, sagte: “Was?” So langsam kam ich echt auf die Palme. Ich sagte so was in der Art wie: “Wieso sagst du immerzu ‘was’, willst du mich hier auf den Arm nehmen?” Er grinste mich an, zeigte an mir vorbei, sagte: “Meine Eltern sind dahinten.” Ich verdrehte die Augen, machte eine abwinkende Handbewegung und wandte mich wieder dem herrlichen Otto zu. +++ Ein paar der Kommentare zum Rocks Off-Video sind ja der Meinung, dass es sich bei dem Song um den besten der Band oder gar um den besten der Rockmusik handelt. Ich finde, der Song macht einem unter Umständen ganz gute Laune, mehr aber auch nicht. +++ Als ich am Abend so wach vor mich hin lag, fiel mir plötzlich der Junge wieder ein. Und mein Augenmerk fiel auf etwas Merkwürdiges, was ich auf dem Spielplatz zwar registriert – wo ich eben aber auch nicht weiter darüber nachgedacht hatte: Der Junge hatte an seinem einen Ohr nämlich, fast direkt am Gehörgang. Da hatte er so eine Art Wucherung, zwei auffällige kleine Höcker wie beim Kamel. Und nun zerbrach ich mir meinen Kopf. Ob der Junge vielleicht gehörlos oder so war. Und deshalb die ganze Zeit hier alleine gespielt hatte. Und mich mit Sand bewarf, weil er jemandes Aufmerksamkeit erregen wollte. War das provokantes Gegrinse vielleicht ein unbeholfenes Lächeln? Und vielleicht wollte er mich an seine Eltern verweisen, damit sie die Situation moderierten? +++ Auf einmal kam ich mir erbärmlich und scheiße vor, bin dann aber dennoch irgendwann eingeschlafen. Am späteren Nachmittag heute wollte ich eigentlich noch einmal mit Otto dorthin, den Jungen sehen, vielleicht alles ins Lot rücken. Doch dann kam plötzlich der Wolkenbruch… +++ Den Zickenplatz übrigens werden Sie im Stadtplan nicht finden – ist das nicht auch schon wieder irgendwie unheimlich?

 

Überschrift inspired by: Rocks Off © The Rolling Stones, 1972

Überschrift also inspired by: The Boy with the Thorn in his Side © The Smiths, 1985

Lyrics: Kooks © Davids Bowie, 1971

Future Legend © David Bowie, 1974

Born to Run © Bruce Springsteen, 1975

The Suburbs of Mercy / Seit heute ist es endlich wieder Herbst.

Abenddämmerung, gestern: Weit aus dem Fenster gelehnt © Kai von Kröcher, 2019 (Distortion-Version)

Abenddämmerung, gestern: Weit aus dem Fenster gelehnt © Kai von Kröcher, 2019

Es ist doch nur ein Traum, das bloße Haschen nach dem Wind.

 

 

Überschrift inspired by: The Suburbs of Mercy © Kai von Kröcher, 2019

Überschrift also inspired by: Brückengeländer © Niels Frevert, 2019

Lyrics: Zu Asche, zu Staub © Severija, 2017 (written by Nikko Weidemann, Mario Kamien, Tom Tykwer)

Yesterday’s Papers / Ein Klavier, ein Klavier.

Viktoria-Bad © Kai von Kröcher, 2019

Reminiszenz an Godard: Viktoria-Bad (s/w) © Kai von Kröcher, 2019

 

Als der Mensch jung war, wusste er nicht, dass er nicht alt war. +++ Kinder, wie doch die Zeit vergeht – hier ein paar Veranstaltungshinweise für vergangene Woche: da wäre gestern zum Beispiel die Live-Kinobegleitung, wenn Sie verstehen, was ich meine. Ulf Theenhausen spielt seine hypnotisch verstärkte Gitarre zum Jack-Arnold-Klassiker The Incredible Shrinking Man letzten Samstag im Sputnik am Südstern. +++ Als ich nach Berlin kam, damals, habe ich immerzu Außer Atem dort gesehen, im Original mit Untertiteln – mein Französisch hat das nicht spürbar nach vorne gebracht, doch war ich sprichwörtlich süchtig danach. +++ Wo wir heute in Erinnerungen schwelgen und mit verpassten Gelegenheiten kokettieren. Da passt das Foto wie die Faust ins Gesicht: das türkische Bad am Kottbusser Damm, wenn ich nicht irre, nachmittags, irgendwann dieses Jahr im April. +++ Freitagabend legte die Supernova nach langer Zeit wieder Platten auf – im club49 zu Ehren K1′. +++ Ebenfalls Freitag stellte die Münchnerin Deniz Hasenöhrl in der Skalitzer Straße aus, da hätte ich gerne vorbeigeschaut. +++ Ebenfalls letzte Woche: Graf Tati mailte die Frage, ob Pferde Musik erschnuppern können. +++ Bringt Sie der Post heute weiter – in philosophischer Hinsicht?

 

Überschrift inspired by: Yesterday’s Papers © The Rolling Stones, 1967

Überschrift also inspired by: Mutters Klavier (Heim-TV) © Loriot (Drehbuch/Regie), D 1978

Text-Text inspired by: Lied vom Kindsein von Peter Handke für Wim Wenders Himmel über Berlin (D 1987) – Variation: Kai von Kröcher, 2019

The Incredible Shrinking Man © Jack Arnold (Drehbuch/Regie), USA 1957

Außer Atem (À bout de souffle) © Jean-Luc Godard (Drehbuch/Regie), F 1960

Never let me down / Angel Trumpets & Devil Trombones.

Street Corners: Kreuzberg © Kai von Kröcher, 2019

 

Yes, there were japes recalling the years of lost paths. +++ “Der Künstler formally not known hat einen Einfall.” +++ Was sind eigentlich Japes? +++ Irgendeine Stimme tief in mir drin hebt warnend die, äh, Stimme: Dass das keine so gute Idee wäre, jetzt das Konzept preiszugeben, das ich momentan mühsam erarbeite. Man darf sich das sowieso keinesfalls so vorstellen, dass ich an einem Schreibtisch sitze, unter einer kalten Schreibtischlampe, und mühsam Bögen ausgebreiteten Millimeterpapiers beschreibe, das ist Quatsch. Ich habe gar keinen Schreibtisch – da fängt es ja schon mal an! +++ Angefangen, wo wir schon einmal dabei sind, angefangen hat es gestern mit dem Bild oben: Irgendwie ein ganz okayes bis gar nicht so schlechtes Bild, doch irgendwie auch nicht der Hit. Und als ich heute im goldenen Schein der Spätnachmittagssonne zu Bauhaus rüber in die Hasenheide getigert bin, einen Traps unterm Arm, und auf dem Parkplatz der Neuen Welt choreografierten sich gerade verschiedene Gruppen hauptsächlich polnischer Tänzer anscheinend auf irgendeinen Wettkampf im Huxley’s ein. Jedenfalls, da schlich ein sehr buckliger Mann an mir vorbei, der hatte den Oberkörper rechtwinklig vornüber gebeugt und kam schwer atmend kaum von der Stelle. Jemand bot ihm seine Hilfe an, doch keuchend lehnte er ab. Seit der Geburt meines Sohnes jedenfalls (“… jetzt kommt er wieder mit der Leier!”). Seit der Geburt meines Sohnes jedenfalls, ich war ja schon früher ein mehr oder minder empathischer Mensch – doch seit der Geburt meines Sohnes jedenfalls habe ich einen noch einmal ganz anderen Blick auf die Menschen bekommen. +++ Eigentlich wollte ich ja jetzt einen Dichtungsring in der Dusche auswechseln und nebenbei die Sportschau im Ersten laufen lassen – doch bin ich nun gerade im Flow: Einen anderen Blick jedenfalls, blablabla – und da stelle ich mir jetzt immer die Gestrandeten vor, die zu kurz und unter die Räder Gekommenen, die einen an jeder Straßenecke Anbettelnden, die den Mülleimer Durchsuchenden, die ihrer Drogen- und Alkoholsucht Erlegenen, die Missgestalteten, die abgrundtief Hässlichen, die einfach verrückt Gewordenen. Die stelle ich mir unweigerlich als kleines Kind vor, als Säugling kurz nach der Geburt im Arm ihrer Mutter. +++ Im Geiste bezeichne ich mein kreatives Tief derzeit als meine Never Let Me Down-Phase, aber das versteht jetzt wieder fast keiner. +++ Frohe Ostern allen da draußen an den Empfangsgeräten – bleiben Sie sauber!!!

 

Überschrift inspired by: Never Let Me Down © David Bowie, 1987

Überschrift also inspired by: From Chaos to Harmony © Ian Brown, 2019

Lyrics: No One’s Easy to Love © Sharon Van Etten, 2019