Burning Love / Mit der Moral eines Tieres.

Deep Fuck Records: Ebony Hartnagel – Mit der Moral eines Tieres (Polydor) © Kai von Kröcher, 2022

 

Keep the meter running, take every street if you wanna, just outrun these demons. +++ Fast ein Ding der Unmöglichkeit, einen Bandnamen oder ein Pseudonym zu etablieren, den oder das die Welt noch nicht irgendwo schon einmal gesehen hat: Johnny Mitchell, Schrapnell, Ebony Jones oder einfach St. Luzifer – mit so welchen Namen findest du dich bald in einem Dings wieder, einem Urheberrechtsstreit. +++ Und verlierst. +++ Auf einen höchst ungewöhnlichen Satz stieß ich durch Zufall auf der Wikipedia-Seite des Berliner Schauspielers Ernst-Georg Schwill: „Seinen Berufswunsch als Autoschlosser gab Schwill zugunsten einer Laufbahn beim Film auf.“ Er wurde dann laut Wikipedia übrigens aber nicht direkt Schauspieler, Schwill absolvierte zunächst eine Ausbildung als Filmfotograf, um Kameramann werden zu können. +++ Apropos: Das Coverfoto (oben) entstand gestern irgendwo um die Abenddämmerung herum im südlichen Ortsteil Rudow nahe der Stadtgrenze – mein Herz mochte die Lichtmasten, hier und dort lag ein beißender Hauch Müllverbrennungsanlage auf der Luft.

 

Überschrift inspired by: Burning Love © Elvis Presley, 1972

Überschrift also inspired by: Mit der Moral eines Tieres © Ebony Hartnagel, 2022

Lyrics: Bad Religion © Cat Power, 2021

Ernst-Georg Schwill (* 30. März 1939 in Berlin; † 9. April 2020 ebenda), dt. Schauspieler

Cindy Incidentswert / Home again across the sea.

Deep Fuck Records: Cindy Incidentswert – Self-titled (Ariola) © Kai von Kröcher, 2014/2022

 

He blew his mind out in a car, he didn’t notice that the lights had changed. +++ Neues Jahr, neues Vinyl: Cindy Incidentswert melden sich lautstark zurück. +++ Ein rhetorischer Kniff allerfeinster Güte übrigens, sein Nachfolgealbum Self-titled zu nennen! +++ 😉 +++ Seit letztem Sommer spiele ich mit dem Gedanken, Ihnen von einer verzwickten Lose-lose-Situation eines Spätgebärenden im modernen Straßenverkehr zu erzählen. +++ Rod Stewart ist mittlerweile ein erfolgreicher Solokünstler. (Wikipedia)

 

Überschrift inspired by: Cindy Incidentially © Faces, 1973

Überschrift also inspired by: Sailing © Rod Stewart, 1975 (Cover)

Lyrics: A Day in the Life © The Beatles, 1967

Mit dir leben © Costa Cordalis, 1976 (Sailing, dt. Cover)

Der Traum der Elektra / Man sieht sich im Leben nur einmal.

Fiktives Vinyl: Traum der Elektra – Man sieht sich im Leben nur ein Mal © Kai von Kröcher, 2014/2022

 

Did you ever want to be alone, be all white in decent snow. +++ Wie habe ich sie geliebt, meine einsamen Fahrten durch Brandenburg. +++ Ist das auch wieder so ein Begriff, Decent Snow, den man erst einmal falsch übersetzt? Vielleicht einem Muttersprachler einfach mal kurz auf den Zahn fühlen! +++ Schöne Schallplatte, nicht wahr.

 

Überschrift inspired by/Überschrift also inspired by: Man sieht sich im Leben nur 1x © Traum der Elektra, 2022

Lyrics: Decent Snow © Super700, 2012

 

Audrey Hepburn / In den Schuhen von Hawaii.

Deep Fuck Records: Damien – Auf die Gier folgt die Panik (Teldec) © Kai von Kröcher, 2013/2022

 

Eins (acht), eins (acht), fünf, sieben. +++ Wissen Sie, was ich mir die Tage jetzt überlegt habe? Man könnte, weil das neue Jahr nun ja gerade angefangen hat. Man könnte den ganzen alten Scheiß doch einfach mal alten Scheiß sein lassen: Mund abputzen und weiter, auch so ’ne Redensart von mir. +++ Kennen Sie das Lied von den Schuhen von Audrey Hepburn? Die Vorstellung fand ich irgendwie immer abstoßend. Wie da so’n fleischiger Typ – wie der seine behaarten Käsequanten in die feinen Schühchen von Audrey Hepburn hineinzwängt: „Ich bin Balu, der Bär“, singt er dabei – ich hatte früher immer gedacht, das wäre die blöde Band Kettcar. Der Sänger von Erdmöbel seinerzeit hatte dabei sogar einen Debütroman geschrieben, den ich sehr schön fand, richtig schön. +++ Fiel mir bei den Zähnen von David Bowie zuletzt wieder ein. +++ Wissen Sie noch, was Momper damals gesagt hat? „Wir sind jetzt das glücklichste Volk von der Welt“ – gleich hinter Nord-Korea. +++ Ich musste auch daran denken, wie Bata Illic damals – haben Sie den auch immer verwechselt mit Costa Cordalis? Jedenfalls saß Bata Illic mal irgendwo im Fernsehen, lange vor Erfindung des Flachbild-Bildschirms. Da saß der in irgend so einer Sendung, und die Moderator:in meinte, grammatikalisch sei das falsch. Das mit dem Sand in den Schuhen. Sie hat das dann korrigiert und gesagt, soundso sei es richtig. Bata war das auf eine sympathische Art aber egal, er hat nur verlegen gekichert. +++ Wäre anders auch niemals ein Smash-Hit geworden: „Ich habe noch Sand aus Hawaii in den Schuhen.“ +++ Sand im Getriebe. +++ Oder meinte sie vielleicht mehr so den „Sand von Hawaii“ – hat jemand die Sendung gesehen? +++ Um hier mal zu spoilern, am kommenden Samstag wäre der Sänger David Bowie – wenn ich nicht irre, hätte er ohne Quatsch seinen 75. Geburtstag gefeiert. Und was mich daran jedesmal fasziniert: Nicht nur der britische Rockgigant hätte Geburtstag gehabt, auch Elvis Presley wurde an einem 8. Januar geboren – kein Geringerer als der King immerhin, das muss sich einer mal vorstellen. +++ Jetzt möchten Sie gern noch erfahren, mit wem ich gemeinsam Geburtstag habe? Lothar Matthäus und Bolsonaro. +++ Und wenn Sie heute mal ganz genau darauf achten, gibt es kein Logo der Plattenfirma mehr auf der Vorderseite (oben). Ist jetzt hinten drauf, wie bei den Echten – eine schöne Änderung der Gewohnheiten zu Jahresbeginn…

 

Überschrift inspired by: In den Schuhen von Audrey Hepburn © Erdmöbel, 2003

Überschrift also inspired by: Sand in den Schuhen aus Hawaii © Bata Illic, 1975

Lyrics: Graf Zahl © Paul Kalkbrenner, 2021

Ein langer Brief an September Nowak (Roman) © Markus Berges, 2012

„Wir Deutschen sind jetzt das glücklichste Volk von der Welt“: Walter Momper (ehem. Regierender Bürgermeister), Rathaus Schöneberg, 10. November 1989

Anita © Costa Cordalis, 1976

David Bowie (* 8. Januar 1947 in Brixton, London; † 10. Januar 2016 in New York City), britischer Sänger, Musiker, Komponist, Produzent, Schauspieler, Künstler

Elvis Presley (* 8. Januar 1935 in Tupelo, Mississippi; † 16. August 1977 in Memphis, Tennessee), US-amerikanischer Sänger und Schauspieler

Lothar Herbert Matthäus (* 21. März 1961 in Erlangen), dt. Rekordnationalspieler, Weltfußballer

Bolsonaro (* 21. März 1955 in Glicério, São Paolo), brasilianischer Staatsmann

Die Zähne von David Bowie / Eine post-stalinistische Vorhölle.

Fiktives Vinyl: Tsching Gotch-Coke – 40 Jahre im Betriebe (Factory) © Kai von Kröcher, 2021

 

But such a life I’ve never known. +++ Zwischen den Jahren möchte ich auf ein paar leicht hinkende Anatolien zurückgreifen, bestehende Sachzwänge besser sichtbar machen zu können: Das Coverfoto von Reginald Prewsters Greatest Hits neulich – das war von der Plattenfirma seinerzeit fast eins zu eins so übernommen worden, wie es aus der Kamera kam. Kaum bearbeitet, hier und da leicht an den Kontrasten gedreht. Das Foto, so wie es ist, gehört zu den einhundert besten Aufnahmen der Welt. Gleiches bei der Schallplattenhülle von Tsching Gotch-Coke heute (40 Jahre im Betrieb, Factory Records/Anm.d.Red.) – das exakte Gegenteil von aufpoliert, womit wir bei dem Vergleich mit David Bowies Zähnen wären. +++ Apropos David Bowie: Später fand Otto den Song Yassassin dann doch ganz passabel. Der Dreijährige, den ich meinen Sohn nenne, ist ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht immer nur stur auf eine einmal gefällte Einschätzung pochen muss – das kann man ihm auch als Schwäche auslegen.

 

Überschrift inspired by: David Bowie (* 8. Januar 1947 in London; † 10. Januar 2016 in New York City), britischer Rockmusiker, Produzent, Schauspieler, Maler

Überschrift also inspired by: Nestor Burma – Blei in den Knochen (Graphic Novel nach einem Roman von Leo Malet) © Jacques Tardi, ca. 1989

Lyrics: Yassassin © David Bowie, 1979

Chingachgook, Romanfigur © James Fenimore Cooper, 1826

James Fenimore Cooper (* 15. September 1789 in Burlington, New Jersey; † 14. September 1851 in Cooperstown, New York), amerikanischer Schriftsteller

Dead Sun Rising / Reginald Bewster.

Deep Fuck Records: Reginald Prewster – Greatest Hits (Sire) © Kai von Kröcher, 2021

 

Auf der Playlist die eins, das warst du immer – wir sind nicht mehr da, doch bleiben deine Kinder. +++ Manche Leute halten mich ja für einen Blitzmerker, aber da täuschen sie sich: Diese ganzen Shitstürme im Netz hatten mich neulich wahnsinnig müde gemacht. Abends las ich meinem Sohn eine Gute-Nacht-Geschichte vor, löschte das Licht – und schlief dann gleich neben ihm ein. Um dreiundzwanzig Uhr ungefähr allerdings war ich plötzlich hellwach und konnte nicht mehr einschlafen. Meine Gedanken kreisten um Baerbock, wie immer. Und um das Vorstellungsgespräch damals bei Fritz! Und erstmals wurde mir siedend heiß klar, dass, hätte es nicht ausgerechnet zu jener Zeit diese Ost/West-Quote gegeben, dass mein Leben vermutlich ganz anders verlaufen wär‘. Wahrscheinlich wäre jetzt ich mit Kathrin Thüring verheiratet, und nicht Tommy Wosch – das raubte mir förmlich den Schlaf. +++ Erinnert da draußen sich einer an Reginald Prewster? +++ Was haben Griechischer Wein (Udo Jürgens) und Bowies Yassassin gemeinsam? +++ Beides Gastarbeiterhommagen, die ich beide sehr liebe. +++ Neulich baute Otto sein Xylophon auf, und als Basisdemokrat fragte er mich: „Welches Lied soll ich spielen?“ Da hatte ich eine Idee, legte besagte Gastarbeiterhommage des britischen Rockgiganten (Bowie/Anm.d.Red.) auf – und Otto schlug dazu auf sein Holzinstrument ein, frag nicht nach Sonnenschein. +++ Sie werden lachen, aber Ottos Mutter hatte ich, als sie etwa zwischen dem sechsten und achten Monat mit ihm schwanger war. Da hatte ich ihr Schlagzeugunterricht bei Space Chaser-Drummer Matze S. geschenkt. Mit der Hebamme abgesprochen, übrigens: für so ’n Ungeborenes scheint Trommeln okay. Auf jeden Fall hat Otto ein auffallend geschultes Rhythmus- und Taktgefühl, anders als zum Beispiel der Papa. +++ Beim Zubettgehen abends jedenfalls fragte ich ihn: „Wie fandest du eigentlich das Lied vorhin, zu dem du auf dem Xylophon gespielt hast?“ Nach kurzer Bedenkzeit meinte er trocken: „Gar nicht unendlich schön.“ Keine Ahnung, wo er diese snobistische Umschreibung her hat. „Nee?“ (Pause) „Nee.“ (Pause) „Ich fand das unendlich blöd.“ +++ Apropos: So blöd das damals vielleicht auch gelaufen ist bei Fritz! – ich hätte vermutlich jetzt nicht diesen hervorragenden Sohn, neben den man sich einfach kurz mal zum Einschlafen legen kann, wenn einen der ganze andere Mist da draußen wieder mal unendlich ermüdet.

 

Überschrift inspired by: Dead Sun Rising © Space Chaser, 2016

Überschrift also inspired by: Percy Stuart (Fernseh-Serie mit Claus Wilcke – und u.a. Horst Keitel als Rechtsanwalt Reginald Prewster) © ZDF, D 1969 – 1972

Lyrics: Karlshorst © Sind, 2020

Fritz!: Jugendsender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), gegr. 1. März 1993

Griechischer Wein © Udo Jürgens, 1975

Yassassin © David Bowie, 1979

Königsmord / Yaşasin, I’m not a moody guy.

Fiktives Vinyl: Assassination – X (4AD) © Kai von Kröcher, 2015/2021

 

We came from the farmlands to live in this city, we walked proud and lustful. +++ Meine Frau Baerbock jetzt mal hin oder her – was ist eigentlich aus meinem Denkanstoß geworden, sich einmal mit der Idee einer Tötung des brasilianischen Quasidiktators Bolsonaro intensiv anzufreunden? Das BKA hat sich auch immer noch nicht gemeldet, man nimmt mich anscheinend nicht ernst. +++ Der britische Rockmusiker David Bowie, und das wissen Sie: Bowie hatte 1979 das finale Album seiner sogenannten Berlin-Trilogie herausgebracht, Lodger nämlich, da wohnte er schon am Genfersee irgendwo. Spielt aber auch keine Rolle, den Song Yassassin jedenfalls hatte er noch in Berlin über die dortigen türkischen Gastarbeiter geschrieben. Okay, sagt man nicht mehr – aber den Titel (Yassassin/Anm.d.Red.) soll er der Legende nach jedenfalls ständig auf irgendwelche Hauswände geschmiert gesehen haben. +++ David Bowie – ein Begriff?! +++ Auf jeden Fall hatte damals direkt irgendein Spitzfindiger festgestellt, ‚Yassassin‘ schreibe man nur mit einfachen Essen. Also nicht mit zwei Doppel-S, meine ich. Der britische Rockmusiker war da anscheinend aber ein bisschen so drauf wie Adenauer einst – er meinte nur, was kümmere ihn sein Geschwätz von gestern. +++ Auf dem Cover von Lodger irgendwo findet sich auch der handgeschriebene (?) Hinweis, Yassassin heiße auf Türkisch so viel wie ‚Long Life‘. +++ ‚Long Kowie‘ fände ich auch gut – kleiner Insider-Joke! +++ Yaşasin jedenfalls habe ich jetzt einfach mal in den Google Translator eingetippt – und sehen Sie selbst! +++ Auf den englischen Ausdruck ‚Assassination‘ übrigens war ich zufällig im Internet gestoßen, ging um das Attentat auf Reinhard Heydrich: Assassination bedeutet anscheinend in etwa so viel wie die Ermordung Prominenter, prominenter Politiker, Staatsoberhäupter und so in der Art – ham wa im Deutschen nich, oder lüjick? +++ Falls Sie Google Translate und generell Google völlig zu Recht boykotieren: die Übersetzung von Yaşasin hier wäre ‚Daumen hoch!‘

 

Überschrift inspired by: Assassination – X (4AD) © Kai von Kröcher, 2015/2021

Überschrift also inspired by / Lyrics : Yassassin © David Bowie, 1979

Jair Messias Bolsonaro (* 21. März 1955 in Braunschweig), rechtsextremer, frauenfeindlicher, homophober, korrupter, rassistischer, antiwissenschaftlicher, klimazerstörender Präsident Brasiliens

Konrad Hermann Joseph Adenauer (*. 5. Januar 1876 in Köln am Rhein; † 19. April 1967 in Rhöndorf), dt. Bundeskanzler

Reinhard Tristan Eugen Heydrich (* 7. März 1904 in Halle an der Saale; † 4. Juni 1942 in Prag), SS-Obergruppenführer und neben u.a. Hauptorganisator des Holocausts

Jimmy Naked / Sorry seems to be.

Deep Fuck Records: Jimmy Naked – Babylon (Rough Trade) © Kai von Kröcher, 2015/2021

 

Sometimes we sway, couldn’t have it any other way. +++ Von dem Ort auf dem Cover (oben) hatte ich schon erzählt – einige Jahre ist das jetzt her, dass ich davon erzählte. +++ Im Internet vorhin bin ich durch Zufall über den englischen Ausdruck ‚Assassination‘ gestolpert – im Internet findet man eh immer viel. Aber kann es sein, dass es im Deutschen dafür kein, äh, keine Entsprechung gibt? +++ In aller Form muss bzw. möchte ich mich heute beim Tagesspiegel entschuldigen, war mir doch gleich merkwürdig erschienen: Natürlich haben auch die (Der Tagesspiegel/Anm.d.Red.) Vollhirne unter ihrer Leserschaft, aber dieser geballte Hass da neulich kurz vor dem Einschlafen. Ich hatte dann übrigens tatsächlich davon geträumt, ich zähle mich selbst ja zu den Hochsensiblen. Alles was ich davon allerdings noch vor Augen habe, ich sitze im Auto, alles wirkt sehr Amerikanisch: die Straße, die Bordsteine, die Farben, das Cockpit. Und ich ringe mit der Entscheidung, ob ich nicht auch einen Leserbrief schreiben soll: Dass die Baerbock nämlich keinem deutschen Autofahrer den Schwanz abschneiden und ihn auf ein Lastenfahrrad zwingen wird. Warum auch sollte sie das tun? Als Außenministerin – noch im Traum entschied ich mich dann doch gegen den Leserbrief. +++ Soll ich die Geschichte noch einmal erzählen, wie ich die Einladung zum Vorstellungsgespräch da oben hatte – ’93 wird das gewesen sein. Sie werden jetzt vielleicht sagen, na, da sieht’s vielleicht aus – da würde ich nicht mal für vierunddreißigfünfzig die Stunde arbeiten. Aber zu der Zeit war das da oben der Radiosender Fritz!, die saßen eine zeitlang, bevor sie nach Babelsberg umzogen. Da saßen sie Funkhaus Nalepastraße, drüben in Oberschöneweide. Die ganze Gegend hinter dem Kohlekraftwerk tatsächlich eine veritable Oberschweineöde, wie man so sagt, eine post-stalinistische Vorhölle. Ein verregneter Herbsttag, doch bei der Verabschiedung hatte Helmut Lehnert mir noch halb hinterhergerufen, bis bald, oder so. Helmut Lehnert, Sie wissen es, Chefredakteur, oder was der damals da war. +++ Jedenfalls, weshalb ich mich beim Tagesspiegel entschuldigen muss (oder will): Diese 182 übelsten Hass-Kommentare, die waren nicht direkt in der Zeitung abgedruckt – die hatten bei Facebook unter dem betreffenden Tagesspiegel-Artikel gestanden, mir hatte das ohne Quatsch Angst gemacht. +++ Links, schräg im Rücken des Fotografen (außerhalb des Bildes, wenn Sie verstehen) sind ja heute noch private Tonstudios drin, zu der Zeit war dort die Kantine. Meine damalige Freundin hatte da auf mich gewartet. Als ich zurück kam, werde ich so was gesagt haben wie: „Ich glaube, das haut hin!“ +++ Wahrscheinlich fragen Sie sich, was hat er denn immer mit seiner Frau Baerbock. Also, erstens ist das nicht meine Frau Baerbock. Und zweitens weiß ich auch nicht, ob sie ihren Job gut machen wird oder halt schlecht. Vielleicht wird sie sogar böse scheitern, von Putin nackt über den Dorfplatz gezerrt. Vielleicht aber auch nicht, wozu also der Hass? So etwas habe ich – korrigieren Sie mich –, so etwas habe ich als derart geballte Hetze noch bei keinem Politiker, keiner Politikerin erlebt – nicht mal bei Merkel! +++ Höchstens vielleicht „drüben“, zu besten Trumpzeiten. +++ Lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwann, Tage später, Wochen, wahrscheinlich. Kam ein Anruf, damals noch auf dem Festnetz. Täte ihnen sehr leid, die Sache mit uns würde nun doch erstmal nicht klappen, sie hätten da jetzt so eine Ost/West-Quote eingeführt, und erst einmal seien jetzt die aus dem Osten dran. Ich hab mich natürlich geärgert, wahrscheinlich war ich enttäuscht. Aber ich habe das große Ganze gesehen, und das sollten Sie ganz entspannt auch immer tun – und schreiben Sie keine Leserbriefe!

 

Überschrift inspired by: Babylon © Jimmy Naked, 2021

Überschrift also inspired by: Sorry Seems to Be the Hardest Word © Elton John, 1976

Lyrics: Garden © Dinosaur Jr., 2021

Funkhaus Nalepastraße: Gebäudekomplex in Köpenick-Treptow, von 1956 – 1990 Sitz des Rundfunks der DDR

Fritz: Jugendsender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), gegr. 1. März 1993

 

Der Maulwurf / Das Kaninchen bin ich.

Fiktives Vinyl: Ronnie – Gestern Nacht (Polydor) © Kai von Kröcher, 2017/2021

Deep Fuck Records: Leben am Limit (Sampler, Fiction) © Kai von Kröcher, 2021

 

Shivering came without a warning, shivering running down my spine. +++ Okay, weil’s so abgedroschen war (und außerdem auch noch geklaut), habe ich das Internet-Album (Helmut Kohl/Anm.d.Red.) noch einmal überarbeitet: Leben am Limit, vermutlich ein Sampler. Darüber (oben) heute die Scheibe von Ronnie (Gestern Nacht, Polydor), solide Saufmucke mit einfachen Texten – wem’s gefällt, sage ich immer. +++ Otto hatte neulich Viren aus der Kita mit nach Hause gebracht, irgendeine konventionelle Seuche. Kinder stecken das meistens gut weg, unsereiner liegt seit Tagen auf die Matratze gepresst. +++ Wieso eigentlich nennt sich ein Song ‚Helmut Kohl‘, wer kommt auf so etwas? Und eine Band sich ‚Internet‘? Ich hatte dann sogar noch mit ‚Iggy Metall‘ durchstarten wollen, aber auch den gab es schon, was mich ärgerlich machte. +++ Wenn man so mehrere Tage lang einfach nur rumliegt, dann kann, wenn der Schüttelfrost weg ist. Da kann man sich dann irgendwann mal im Bett aufsetzen und zum Beispiel Fotos durchsehen, für die man bisher nie Zeit hatte. +++ Oder man schaut einen einem unbekannten DEFA-Spielfilm in Schwarzweiß, auch das kann überraschend und großartig sein. Blöderweise blieb ich kurz vor dem Einschlafen dann abschließend noch in den Kommentarspalten des Tagesspiegel hängen, das war förmlich erschreckend: Die Antrittsbesuche der neuen Außenministerin, der Pöbel hat das Schreiben erlernt – Respekt, was für ein Hass…

 

Überschrift inspired by: Der Maulwurf (Krteček) – Zeichentrickserie von Zdeněk Miler © Československá televize, ČSSR/ČSR 1957 – 2002

Überschrift also inspired by: Das Kaninchen bin ich (mit Angelika Waller u.a.) © DEFA/Kurt Maetzig (Drehbuch/Regie), DDR 1965

Lyrics: Shivering © Haerts, 2021

When Doves Cry / Recherche ist das A und O.

Deep Fuck Records: Internet – Helmut Kohl (Fiction) © Kai von Kröcher, 2021

 

Unser allererster Horizont. Der unendlich große Freiheitsdrang. Nur über Ampeln nie hinaus gekommen. +++ Immer komme ich nie auf die naheliegende Idee, das einfach mal zu überprüfen. Ob es am Ende nicht vielleicht doch eine reale Band gibt, die sich Internet nennt. Aber welche Band sollte schon Internet heißen? +++ „The Internet is an American band from Los Angeles, California. It currently consists of vocalist Syd, keyboardist Matt Martians, bassist Patrick Paige II, drummer Christopher Smith, and guitarist Steve Lacy.“ (Wikipedia) +++ Scheiße. +++ Hätte ich musikalisch mehr auf dem Kasten, ich würde zwölf gute Songs schreiben, zwei Wochen ins Studio gehen, vielleicht in der Forster Straße. Das fertige Album hieße auf jeden Fall Helmut Kohl. +++ „Susanne Blech ist eine Band des Musikers und Autors Timon Karl Kaleyta. (…) Im Juli 2013 erschien die Single Helmut Kohl, die einen Remix von Scooter beinhaltet. (…) Kritiker halten der Band bisweilen eine zu hohe bzw. zu kryptische Textdichte vor.“ (Wikipedia) +++ Danke, Merkel – ich gehe jetzt erstmal gepflegt einen abweinen! +++ P.S.: Das Foto entstand auf bzw. von der Nordseeinsel Pellworm aus, es ist gut.

 

Überschrift inspired by: When Doves Cry © Prince and the Revolution, 1984

Überschrift also inspired by: A Ecke O © Winson, 2004

Lyrics: Karlshorst © Sind, 2020

Purple Naked Ladies © The Internet, 2011

Triumph der Maschine © Susanne Blech, 2012

Helmut Kohl (* 3. April 1930 in Ludwigshafen am Rhein; † 16. Juni 1917 ebenda), dt. Politiker