Michael Platini / Die Synchronizität der Ereignisse.

Fiktives Vinyl: Ronnie – You’ll Dream Me in the End © Kai von Kröcher, 2014/2022

 

I don’t want to be adored, don’t want to be first in line. +++ „Ein Luftreiniger also“, werden Sie sagen: „Wein predigen und Wasser trinken – den Laubbläser will er uns schlechtreden, selbst aber den Luftreiniger AC 0820/10 von Philips!“ +++ Bevor Sie jetzt mehr zu meinen Beweggründen erfahren, kurz noch was anderes: Gestern war ein ausgesprochen produktiver Sonntag in der Historie des fiktiven Vinyls. Nicht nur, dass Michael Platini sein Debütalbum („Das Verlangen“, VÖ voraussichtlich noch diesen Monat). Dass nicht nur Platini seine erste Platte also angekündigt hat; vor allem die Nachfolge-LP von Ronnie hatte es mir angetan: You’ll Dream Me in the End, allein schon das Cover – in meinen Augen ein Meisterwerk, sensationell! Diese verträumte Melodie der Melancholie – das erinnert natürlich an Hopper. +++ Ich hatte die Schallplattenhülle von Ronnie also gerade fertig – da kam über einen privaten Messangerdienst die persönliche Nachricht vom Gentleman of the Year: Ronnie Hellström gestorben, zweifellos einer meiner Torhüterhelden der WM ’74! Hellström, Maier, Tomaszewski – und jetzt tot. Die Farben der Schweden damals wie heute blaugelb – wie die von Brasilien natürlich, der Ukraine, dem Braunschweiger Turn- und Sportverein Eintracht e.V. +++ Meinen Sie, es gibt Krieg? Könnte man als Künstler, ernsthafte Frage. Könnte man sagen, lassen Sie mich in Ruhe mit Ihrem Krieg? +++ Der eigentliche Fußball-Schock in diesem Jahr allerdings – Fußball interessiert mich prinzipiell ja nur noch zutiefst peripher. Der eigentliche Schock für mich aber war, das gebe ich zu: der vollkommen unerwartete Wechsel von Kruse nach Wolfsburg. Das kam auch an einem Sonntag letztens, kurz vor dem Tatort, in der Tagesschau abends. Als Romantiker hatte ich bis dahin gedacht: beinah schon märchenhaft, wie das da passt in der Wuhlheide – die sympathischen Underdogs und der Kruse! Als Profifußballer aber hat man mit Märchen natürlich wenig am Hut. Ich kenne Max Kruse ja nicht, also jetzt nicht persönlich. Aber vielleicht gefällt ihm Wolfsburg ganz einfach besser. So als Stadt, meine ich, das könnte man ja verstehen: Die Shoppingmöglichkeiten, die Infrastruktur, das Freizeitangebot, der Italiener in der Fußgängerzone, das Zentrum, der Altersaufbau der Bevölkerung, die Jahreswagen von VW – vielleicht sagt er sich, die City ist einfach geil. +++ Und seiner Frau gefällt es auch besser in Wolfsburg als im verfickten Berlin.

 

 

Überschrift inspired by: Das Verlangen © Michael Platini, 2022

Überschrift also inspired by: Carl Gustav Jung (* 26. Juli 1875 in Kesswil, Schweiz; † 6. Juni 1961 in Küsnacht, Kanton Zürich), Begründer der analytischen Psychologie

Lyrics: Hamburg Song © Keane, 2006

Edward Hopper (* 22. Juli 1882 in Nyack, New York; † 15. Mai 1967 in New York City), US-amerikanischer Maler

Folke „Ronnie“ Wallentin Hellström (* 21. Februar 1949 in Malmö; † 6. Februar 2022 in Beddingestrand), schwedischer Nationaltorhüter

Josef Dieter „Sepp“ Maier (* 28. Februar 1944 in Metten, Niederbayern), dt. Nationaltorhüter

Jan Tomaszewski (* 9. Januar 1948 in Breslau), polnischer Nationaltorhüter, Politiker

Max Bennet Kruse (* 19. März 1988), dt. Fußball- und Nationalspieler

Der Maulwurf / Das Kaninchen bin ich.

Fiktives Vinyl: Ronnie – Gestern Nacht (Polydor) © Kai von Kröcher, 2017/2021

Deep Fuck Records: Leben am Limit (Sampler, Fiction) © Kai von Kröcher, 2021

 

Shivering came without a warning, shivering running down my spine. +++ Okay, weil’s so abgedroschen war (und außerdem auch noch geklaut), habe ich das Internet-Album (Helmut Kohl/Anm.d.Red.) noch einmal überarbeitet: Leben am Limit, vermutlich ein Sampler. Darüber (oben) heute die Scheibe von Ronnie (Gestern Nacht, Polydor), solide Saufmucke mit einfachen Texten – wem’s gefällt, sage ich immer. +++ Otto hatte neulich Viren aus der Kita mit nach Hause gebracht, irgendeine konventionelle Seuche. Kinder stecken das meistens gut weg, unsereiner liegt seit Tagen auf die Matratze gepresst. +++ Wieso eigentlich nennt sich ein Song ‚Helmut Kohl‘, wer kommt auf so etwas? Und eine Band sich ‚Internet‘? Ich hatte dann sogar noch mit ‚Iggy Metall‘ durchstarten wollen, aber auch den gab es schon, was mich ärgerlich machte. +++ Wenn man so mehrere Tage lang einfach nur rumliegt, dann kann, wenn der Schüttelfrost weg ist. Da kann man sich dann irgendwann mal im Bett aufsetzen und zum Beispiel Fotos durchsehen, für die man bisher nie Zeit hatte. +++ Oder man schaut einen einem unbekannten DEFA-Spielfilm in Schwarzweiß, auch das kann überraschend und großartig sein. Blöderweise blieb ich kurz vor dem Einschlafen dann abschließend noch in den Kommentarspalten des Tagesspiegel hängen, das war förmlich erschreckend: Die Antrittsbesuche der neuen Außenministerin, der Pöbel hat das Schreiben erlernt – Respekt, was für ein Hass…

 

Überschrift inspired by: Der Maulwurf (Krteček) – Zeichentrickserie von Zdeněk Miler © Československá televize, ČSSR/ČSR 1957 – 2002

Überschrift also inspired by: Das Kaninchen bin ich (mit Angelika Waller u.a.) © DEFA/Kurt Maetzig (Drehbuch/Regie), DDR 1965

Lyrics: Shivering © Haerts, 2021