Retrospektive / Vom Feeling her more than a Feeling.

Alexanderplatz, zwei Jährchen her © Kai von Kröcher, 2018/2020

 

Ich seh’ die Welt wie ‘n Stummfilm und schreib’ Untertitel. +++ Gesucht hatte ich nicht, aber dann fielen mir zufällig diese Fotos vom 15. April in die Hände – dem 15. April des Jahres 2018. +++ Wie viele Songs der Beatgruppe Boston könnten Sie spontan jetzt hier aufzählen? +++ Das würde mich echt interessieren. +++ Ich fand das damals übrigens vielleicht etwas kühn, auf einmal Gladbach-Fan zu sein. Vielleicht sogar etwas snobistisch. Das müssen Sie sich so vorstellen: Heute ist das ja keine Kunst mehr, da laufen die Kids bunt durcheinandergewürfelt herum – in den Trikots der unterschiedlichsten Geiervereine. Jedenfalls in Berlin: Hertha, Dortmund, Schalke, Bayern – und neuerdings zum Glück auch Union. Damals, im Braunschweiger Land allerdings, da war das noch etwas ganz anderes, da war das undenkbar. Da gab es bei uns dann nur noch den Sohn der Dorfschlachterei, der war schon ein bisschen älter: Der fuhr mit dem Auto immer nach Hamburg zum HSV – Kaltz, Kargus, Hrubesch und Magath. Ansonsten aber kam man als Fan der Braunschweiger Eintracht zur Welt, und dann war das halt so! +++ Um das hier einmal in den historischen Kontext zu stellen. +++ Das Spezielle an diesem 15. April ist ja überhaupt, da feiert eine junge Frau heute Geburtstag, die kam Anfang der Neunziger von Boston her über die Zwischenstation Barcelona ins Nachwende-Berlin. Paar Jahre später lernte ich sie in der U2 auf dem Weg ins Olympiastadion kennen: Hertha gegen Leverkusen, glaube ich, damals mit Deisler – Basti Fantasti! +++ Das ist nun schon eine Weile her – ich würde sie als eine treue Wegbegleiterin bezeichnen, wenn mir das zusteht. Der Geburtstagsgruß, liebe Karen, geht jetzt hier raus – und dann die anderthalb Kilometer gemächlich am Landwehrkanal entlang Richtung Osten. +++ Alles Gute! +++ Ganz nebenbei hier vielleicht noch ein Gruß an Martin nach Mecklenburg: ein Bildergruß, sozusagen. Der wird das wohl eher kaum mitbekommen. Und dann versteht diesen “Hint” wieder nur einmal mehr der Gentleman of the Year. +++ Und dann laufen die Leser davon. +++ Dann haben wir den Salat!

 

Überschrift inspired by/Lyrics: Erste Schritte / Retrospektive © Freundeskreis, 1999

Überschrift also inspired by: More Than A Feeling © Boston, 1976

Sebastian Deisler (* 1980 in Lörrach), ehemaliger Fußballspieler

Wege übers Land / Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Otto, Osterspaziergang: Ein Mann geht (s)einen Weg © Kai von Kröcher, 2020

 

Chico war mein main Negro, U16-Kicker. Wir wollten Profis werden: er bei Ajax, ich am Mikro. +++ Eine etwas umständlich erzählte Geschichte vielleicht, doch brennt die mir gerade sehr unter den Nägeln: In meinen E- und D-Jugendjahren – weiter bin ich, glaube ich, gar nicht gekommen. Ralf jedenfalls stand immer im Tor. Der Sepp Maier, das kann man so sagen – der Sepp Maier von Grün-Weiß Vallstedt. Obwohl er ja Gladbach-Fan war, die gleichen Torwarthandschuhe wie Kleff. Nach der Schule jedenfalls haben wir im Dorf immer zusammen irgendwo rumgekickt. +++ Wencke Myhre, das muss ich jetzt ehrlich mal zugeben: die war mir irgendwie immer zu nassforsch, die mochte ich nicht. +++ Würde ich jetzt mein erstes Fotoalbum aus einem der letzten noch unausgepackten Umzugskartons hervorholen und aufschlagen, Ralf wäre bei sämtlichen Geburtstagsfeiern der Vor-Teenagerzeit mit dabei. Und mit dem Niedersächsischen Fußballbund waren wir einmal sogar in den Ferien irgendwo in Tirol in den Bergen, da hab ich noch Fix & Foxi gelesen – fünfundvierzig Jahre ist das jetzt her. +++ Um das für weniger sentimentale Hardboiler hier jetzt ein bisschen abzukürzen: Eher durch Zufall stieß ich bei Facebook gestern auf eine Nachricht, die hatte mir schon vor Wochen einer zugeschickt – die lag da in so einem Ordner, wo man nie reinguckt: “Vorgeschlagene Nachrichten”, war mir vorher nie aufgefallen. Auf dem Profilbild ein Mann in einem Gladbachtrikot. Lässt schön aus der Heimat grüßen, schreibt er. Und ob ich mein Photoshop-Problem in den Griff bekommen habe: Das Programm einfach mal rauswerfen und neu installieren, das würde oft helfen. +++ Ich meine, ich war ja nun echt bei Pontius und Pilatus – und wie die nicht alle hießen. Selbst Carlos Santana, IT-Guru der Lausitzer Straße: Selbst Carlos Santana nämlich himself hatte den Schwanz eingezogen. +++ Ralfs Eltern zum Beispiel, denen gehörte die erste Gastwirtschaft am Platze – wenn schlechtes Wetter war, dann kickten wir nachmittags einfach dort auf dem Großen Saal. Ralfs Geburtstage feierten wir in der Gaststube, sein Vater hatte das Endspiel von ’74 auf Super8. Dazu Spezi, Pommes und Halbe Hähnchen, ein Kinderparadies – fast habe ich noch den Geruch in der Nase. +++ Seitdem haben wir uns vom Feeling her nie wieder gesehen, und ein halbes Jahrhundert später nun kommt er da mit diesem Photoshop-Tipp um die Ecke. Was soll ich Ihnen erzählen: Der Trick hat ohne Quatsch reibungslos funktioniert, alles wieder tiptop! Diese ganzen nervigen Drecksprobleme – schwupps, aus der Welt! +++ Allerherzlichsten Dank, bester Ralf! Habe mich sehr über die Nachricht gefreut! Grüße zurück in die Heimat – und halte schön immer den Kasten sauber!

 

Überschrift inspired by: Wege übers Land (mit u.a. Ursula Karusseit, Armin Mueller-Stahl, Angelica Domröse, Manfred Krug) © Deutscher Fernsehfunk, DDR 1968 

Überschrift also inspired by: Er steht im Tor © Wencke Myhre, 1969

Lyrics: Erste Schritte / Retrospektive © Freundeskreis, 1999

Wolfgang Kleff (* 1946 in Schwerte), Deutscher Meister mit Mönchengladbach 1970, ’71, ’75, ’76 und ’77, DFB-Pokalsieger 1973, UEFA-Pokalsieger 1975 und ’79.

Wencke Myhre (* 1947 als Wenche Synnøve Myhre in Oslo), norwegische Schlagersängerin

Samba pa Ti © Santana, 1970

Deutschland – Niederlande 2:1 | WM-Finale | Olympiastadion, München | 7. Juli 1974