Schlangenbaden / Amoureux solitaires dans une ville morte.

SCHLANGENBADEN © KAI VON KRÖCHER, 2018

We’re running out of time, breath and steam; we’re running down. +++ Okay. +++ So wahnsinnig viele neue Posts “passieren” zurzeit nicht, jedenfalls nicht hier. +++ Das wird Ihnen schon aufgefallen sein, oder es ist Ihnen egal. Dieses Foto, ich kann es ja sagen. Oder, um es mit Udo Lindenberg auszudrücken: “Der Banddoktor sagt, das ist ja ‘n Marathonlauf – und er macht seinen Koffer auf.” Und so weiter, er gibt einem die Sachen, die einen munter machen. Und so weiter, und so fort. +++ Soll heißen, dieses Foto heute hier, da war ich spontan mit der U-Bahn neulich zum Breitenbachplatz runtergefahren. Kann sein, da war vorher im Fernsehen abends irgendwo mal zufällig Kamikaze 1989 gelaufen, so als Inspiration. Wenn ich nicht stärkstens irre, spielte der in einer eher fiktiven Stadt, zusammengebastelt aus Bildern aus Köln und Berlin. Oder auch Düsseldorf. Da hatte ich davor gesessen und mich am Kopf gekratzt. Heribert Faßbender gehört durchaus zu denen, da muss ich stets aufpassen, den elenden Faden nicht zu verlieren. Ein Schloß am Wörthersee ist mir eigentlich lieber, ganz ohne Quatsch. +++ Snakebathing. +++ Jedenfalls wurde ich eingeladen, im November an einer Gruppenausstellung teilzunehmen, das freut mich natürlich. Und da frage ich so, gibt es ein Thema, irgendwie? Und dann heißt es, ja, Porträts und Menschen, im weitesten Sinne. Oh shit, denke ich, wie soll denn das funktionieren, bei meiner schrecklichen Menschenscheu? Und da fällt mir dann dieses Bild (oben) ein, ein Schnappschuss vom Breitenbachplatz. Da wollte ich nämlich rüberspazieren “zur Schlange”, diesem brutalistischen Wohnklotz über der Stadtautobahn. Das Haus nämlich sieht man auch in dem Fassbinder-Film in seiner Gigantomanie von oben und innen, obwohl – im Internet habe ich gerade gegoogelt, der ist gar nicht von old Fassbinder himself – old Fassbinder himself spielt darin nur die Hauptrolle. +++ “Nur” ist gut, sage ich Ihnen!

Überschrift inspired by: Schlangenbad, Gemeinde und Heilbad im Rheingau-Taunus-Kreis, Hessen

Überschrift also inspired by: Autobahnüberbauung Schlangenbadener Straße, Wohnkomplex mit 1064 Einheiten und 118 Hobbyräumen, Baubeginn 1970/71

Überschrift desweiteren inspired by: Amoureux solitaires © Lio, 1980

Lyrics: New Dark Age © The Sound, 1981

Honky Tonky Show © Udo Lindenberg & das Panikorchester, 1974

Kamikaze 1989 © Wolf Gremm (Drehbuch, Regie) Rainer Werner Fassbinder (Hauptrolle), D 1982

Heribert Faßbender, deutscher Sportjournalist und -moderator (“n’abend, allerseits”), *1941 in Ratingen

Ein Schloß am Wörthersee, 34teilige Fernsehserie mit Roy Black, D/A 1990 – 1992

“Wenn der Teufel dieser Stadt etwas Böses antun will, lässt er noch einmal so etwas wie ‘die Schlange’ bauen.” (Richard von Weizsäcker, Regierender von (West-)Berlin, 1981 – 84)

Menschen am Sonntag / Cinemascopisierung des Alltags.

KOTTBUSSER TOR | WARSCHAUER STRAßE © KAI VON KRÖCHER; 2017

Like a bridge over troubled water I will lay me down. +++ Mein Medien-Berater wird latent seine Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Wegen des Panoramaformats heute, das kommt auf dem Smartphone nicht besonders gut rüber – lässt sich in diesem Fall allerdings nicht umgehen. +++ Dieses Bild nämlich – es gehörte zu den wenigen nichtverkauften Werken der vorletzten Ausstellung. Wie Blei lag es im sprichwörtlichen Regal – was nicht nur egal ist, sondern auch super: Jetzt hängt es bei der Gewordenen an der neuen Wand; da sieht es großartig aus, wenn man das sagen darf. +++ Neulich hatte irgendein nicht zu ortender Nachbar seine Anlage auf Anschlag gedreht und lauthals Simon & Garfunkel mitgeschmettert. Seitdem singe ich unserem Nachwuchs Bridge Over Troubled Water vor, wenn er mal nicht zu beruhigen ist. Manchmal hilft das sogar, da muss ich mir jetzt nur noch den Text endlich mal vollständig “draufschaffen”, wie man so sagt. +++ Sonst schlafen wir irgendwann beide ein! +++ Vielleicht sollte ich aus dem regimekritischen Fuckerblog hier eine Art Vater/Sohn-Forum machen – und reicher werden als Carsten Wascheimer – die Witze kommen immerhin schon ganz gut! +++ Aber mal ohne Quatsch, was mich wirklich berührt: der Sohn entdeckt mit seinen zwei Wochen. Oder besser gesagt: Alles, was er im Moment sieht, entdeckt er zum allerersten Mal! Neulich war er nicht zu beruhigen, da habe ich ihn in eine Decke gehüllt, und auf dem Arm nahm ich ihn mit runter an den Kanal. Die Dämmerung setzte ein, es herrschte eine Art biblischer Sille. Und als er erstmals den endlosen Himmel über sich sah, war er augenblicklich ganz fasziniert. Ich stellte mir das vor wie den Blick in die Ewigkeit. +++ Okay, aber worauf will ich hinaus? Bei der Gewordenen hängt also der Ladenhüter (oben) zu Hause. Kommt übrigens sehr gut in dem Format, es ist zwei Meter mal 50 Zentimenter. Und beinahe jedes Mal, wenn wir mit Otto vor dem Bild stehen, dann sieht er es sich ganz gebannt staunend an, als würde ihn nichts auf der Welt mehr beeindrucken als dieses Meisterwerk. Und das lässt mich mich auf eine Art sehr geehrt fühlen. +++ Apropos: Heute läuft ja anscheinend Babylon Berlin im Ersten Programm an, und, wenn ich nicht irre – die Ausstattungsabteilung der Produktion damals hatte ihr Abschlussfest in keiner Geringeren gefeiert als in der Gaststätte der Herzen. Das hatte mir auch irgendwie etwas geschmeichelt, das gebe ich zu. In diesem Sinne Gruß an K1!

 

Menschen am Sonntag © Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer (Regie) und Billy Wilder (Regie), D 1930

Cinemascope © geschützte Marke der Twentieth Century Fox

Lyrics: Bridge Over Troubled Water © Simon & Garfunkel, 1970

Babylon Berlin © Tom Tykwer, Achim von Borries, Henk Handloegten (Regie) D 2017

Zu Asche, zu Staub © Nikko Weidemann und Mario Kamien, Tom Tykwer (Komposition), 2017

 

Whatever happened to / Alfred Dürer.

WINTERLANDSCHAFT © KAI VON KRÖCHER, 2018

L’obscurité dans les yeux, je reste fleur bleu. +++ ‘Nun’, denken Sie sich, ‘jetzt fällt ihm überhaupt nichts mehr ein!’ +++ Dabei ist das Quatsch – das Gegenteil ist der Fall: Seit Tagen grüble ich beispielsweise an einem guten Scherz herum, einem Oli Verwelke für Arme. +++ (Und Beine.) +++ Der kam schon mal gut! +++ Warum nun aber heute das Bild – das hatten wir vor ein paar Tagen schon einmal?! +++ “Winterlandschaft”, das ist doch ein Fake! Der Backofen ist es, der der Gewordenen. Aber spüren Sie die Magie? Ich hatte ihn neulich mit Backofenspray eingesprüht, uns der Bratenspritzer zu entledigen seiner Vormieter. Herausgekommen dabei ist ein fast original Alfred Dürer, das war der ältere Bruder. +++ Heute ist es hier echt originell!

 

Überschrift wohlweislich inspiriert durch: No More Heroes © The Stranglers, 1977

Lyrics: Romy Schneider © Graf Tati & Les Alles, 2018

Albrecht Dürer (*1471 Nürnberg, †1528 Nürnberg)

Miles & more / Slaughter on 10th Avenue.

URBANKRANKENHAUS © KAI VON KRÖCHER, 2018

Mögen hätten wir schon wollen, aber trauen haben wir uns nicht dürfen. +++ Leben heißt Veränderung – getreu dem alten Slogan der Immobiliengentrifizierungsbranche heute mal etwas ganz Raffiniertes: das Urbankrankenhaus, neu interpretiert! +++ Naja. +++ Ist einem im Prinzip auch gar nicht so richtig bewusst: Karl Valentin, wenn ich’s recht in Erinnerung habe. Brüstet man sich auch nicht so mit. Karl Valentin jedenfalls, berühmter Sohn der Stadt München – nach dem Krieg irgendwie in Vergessenheit geraten und dann elendig verrecken lassen worden. +++ Könnte man googeln mit Ecosia: das sind die, die für soundsoviele Suchanfragen jeweils neu irgendwo einen Baum pflanzen. Andere holzen Bäume ja lieber ab, aber Schwamm drüber. Ecosia hat angeblich schon über eine Million neuer Bäume gepflanzt. +++ Find ich nicht schlecht, ehrlich gesagt – ich würde mir zwar lieber noch einen zweiten SUV kaufen, aber Bäumepflanzen ist auch gut. +++ Haben Sie auch den Verdacht, mir fällt heute nichts ein? Wir haben hier eine Haushaltshilfe für die ersten Wochen – zahlt alles der Staat, die blöde Sau. Die Haushaltshilfe geht jedenfalls einkaufen, kocht und macht sauber. Und nebenbei unterhält sie sich gerne mit einem. Und ich himself als alter Eigenbrötler schau dann nervös auf meine Akkuanzeige, weil ich das Ladegerät nicht dabei habe. Jedenfalls lenkt das ein bisschen ab, aber Leben heißt schließlich Veränderung – und nun hab’ ich vergessen, was ich im Innersten eigentlich sagen wollte. +++ Zum Glück fällt es mir gerade doch noch ein – in sprichwörtlich letzter Minute: Der große Moment ist gekommen, und Laura Guidi hat ihr Album fertiggestellt – viele Flugmeilen irgendwo zwischen Berlin und London sind dafür verbraucht worden: The Point – morgen Abend im Monster Ronson’s ist Record Release. Halb neun geht es los. Otto sagt, der Papa hat Ausgang! Ich freue mich schon…

 

Slaughter On 10th Avenue © Mick Ronson, 1974

Lyrics: Mögen hätten wir schon wollen © Karl Valentin, (?)

The Point © Laura Guidi, 2018

Monster Ronson’s | Warschauer Straße 34 | Berlin-Friedrichshain

Walk out to Winter / Drink to me, drink to my Health.

WINTERLANDSCHAFT © Kai von Kröcher, 2018

The grand old painter died last night, his paintings on the wall. +++ Der Sommer ist vorbei.

 

Überschrift einmal mehr inspiriert durch: Walk Out To Winter © Aztec Camera, 1983

Überschrift außerdem wieder einmal inspiriert durch: Picasso’s Last Words © Wings, 1973

Lyrics: Picasso’s Last Words © Wings, 1973

Der Sommer ist noch lang © Bosse, 2009

Dream it, don’t be it / The Art of Pretending to Swim.

A ROOM WITH A VIEW © Kai von Kröcher, 2018

Kann nichts sagen, Angst / Deutschland total kaputt / Kindheit: Vatter Pils, Mutter Putzen. +++ Oder so, keine Ahnung. +++ Das Bild heute – weil, ich habe mir ja vorgenommen, hier keine Babyfotos mehr posten zu wollen. +++ “Mögen hätten wir schon wollen, aber trauen haben wir uns nicht dürfen”: in den 70ern hing das als Poster aus dem Musäum in München in meinem Zimmer. +++ Wie auch immer – jedenfalls ist das heute hier endlich mal wieder ein Blick aus dem Urbankrankenhaus, Geburtenabteilung: Ottos Zimmer, damals vor einer Woche. +++ Mähr wollte ich gar nicht sagen.

 

Überschrift in diesem Fall inspiriert durch: Rose Tint My World © Richard O’Brien/Rocky Horror, 1974

Überschrift außerdem inspiriert durch: The Art of Pretending to Swim © Villagers, 2018

Bildunterschrift: A Room With a View © James Ivory (Regie), UK 1985

Lyrics: Grönemeyer kann nicht tanzen © Wiglaf Droste & Bela B., 1989

Mögen hätten wir schon wollen, aber trauen haben wir uns nicht dürfen © Karl Valentin

Valentin-Karlstadt-Musäum | Im Tal 50 | 80331 München

Children of an Exibition / RWEg mit dem Deutschen Wald.

Babykunst

OTTO AT URBAN – STATION 62 © Kai Heimberg (Foto © Kai von Kröcher), 2018

Last thing I remember, I was running for the door. +++ Toni Schumacher jetzt mal hin oder her – ich will heute einmal etwas anderes erzählen: Am Abend der Ausstellung nämlich, wir standen im Flagship Store und redeten über Kunst. Das Telefon klingelt, man ruft mich direkt in den Kreißsaal. Zwölf Stunden später dann war ich gebackener Vater, die Werdende eine Gewordene. +++ Dabei wollte ich eigentlich nur sagen, auch weil mich die Sache so aufregt: Als Frischgebackener meint man ja, man müsse überall seinen Mostrich zu abgeben. Wegen unserer Zukunft und so. Jedenfalls, ich wollte nur sagen: Ich finde es wichtig und gut, dass diesen weltfremden Ökospinnern in ihren Baumhäusern da oben nun endlich einmal ihre Grenzen aufgezeigt werden. Und wie man da öffentlich über den Schmitz denkt: das finde ich einfach empörend! +++ Eigentlich aber bin ich ein Hardboiler – nicht so der Typ, der Babyfotos postet. Wahrscheinlich finden das Babies eh nicht so supersupi, wenn sie dann irgendwann größer sind: das Netz vergisst nichts, sagt man ja immer. +++ Doch wenn das Netz mit seiner Schwarmintelligenz wirklich so weise und klug ist, jetzt mal im Ernst: Jeder weiß doch, dass diese Aktion mit dem Hambacher Forst, ich will Sie nicht nerven. Aber jedem halbwegs noch bei-Verstand-mäßigen Mensch müsste doch vollkommen klar sein. +++ Okay, mit Vernunft kommt man der Sache nicht auf die Spur. +++ Schöner ist es sowieso, ausnahmsweise einmal Babyfotos zu posten: Unser Sohn Otto – ein feinsinniger, feingliedriger junger Mann, auf dem Bild gerade einmal 25 einhalb Stunden alt. Das Foto himself nahm ich letzten Sonntag im Urban auf – der Künstler und Fotograf Kai Heimberg schuf nach dem Vorbild eines alten Meisters daraus ein herzerwärmendes Werk. +++ Und das soll dann auch erstmal das letzte Babyfoto hier sein. +++ Und sollten Sie Ihren Strom zufällig von dem Geierverein RWE beziehen, wechseln Sie bitte den Anbieter – heutzutage ein Kinderspiel…

 

Pictures at an Exibition © Emerson, Lake & Palmer, 1971

Rolf Martin Schmitz (*1957 in Mönchengladbach)

Lyrics: Hotel California © The Eagles, 1976

Jefferson Flagship / Für usszeschnigge.

PAULE BREITNER © Kai von Kröcher, 2018

Theirs is to win if it kills them, they’re just humans with wives and children. +++ Fußball war zu der Zeit ziemlich out, zumindest in unseren Kreisen. Junge Männer, die öffentlich vor der Pizzeria Stresa skandierten, sie führen nach Berlin, die schienen so wirken zu wollen, trotz Mitte zwanzig – die wollten so wirken wie Ende vierzig, und das taten sie letztlich dann auch. Sie trugen Schnauzbärte und arbeiteten in der MIAG. Keine Ahnung, was das genau eigentlich war, “die MIAG”. Fußball war bei uns nicht so das Thema. Gab zwar auch an der Schule Leute, die mal ins Stadion gingen, am nächsten Morgen aber dann war die Sache in zwei bis drei Sätzen abgehakt. +++ Vielleicht sollte ich überhaupt erstmal erklären, wer Toni Schumacher ist oder war: Toni Schumacher war Torwart beim 1. FC Köln, und als deutscher Nationaltorhüter wurde er zum Inbegriff des “hässlichen Deutschen”, als er, ich glaube bei der WM ’82 in Spanien, als er dem einen Franzosen die Zähne austrat, sich nicht dafür entschuldigte – und hinterher spottete, er könne ja gern dessen Jacketkronen bezahlen. Was immer das ist. Toni Schumacher sah aus wie Uli Stein. Nicht der Zeichner, sondern der Keeper beim HSV. +++ Morgen Ausstellung, kommen Sie alle – außer Nazimobschweine, das wäre mir lieb! +++ Auch Jürgen Nestlé besser nicht – und gerne auch nicht Rüdiger Glyphosat! +++ Okay. +++ Batiston hieß der, glaube ich, dieser französische Nationalspieler, ich google jetzt nicht die Rechtschreibung. +++ Wenn Sie nun aber sagen, “was soll ich auf dieser Ausstellung, da morgen?” Wenn Sie sagen, “die Bilder sind doch sowieso alle scheiße – der hat doch schon lange nichts Vernünftiges mehr auf die Beine gestellt.” +++ Wissen Sie was? +++ Wir machen heute mal etwas noch nie zuvor Dagewesenes, ein Experiment, sensationell: Ich poste hier heute ein Foto, das belasse ich in einer etwas besseren Auflösung. Das können Sie sich herunterladen, und wenn Sie dann immer noch Bock haben, können Sie sich ein Kaleidoskop draus zusammenschustern – mal sehen, ob Sie dann immer noch sagen, “der Typ hat nichts drauf.” +++ Wow, das ist ja echt eine super Idee: Da könnte man eine Verlosung draus machen – die schönste Einsendung gewinnt! +++ Den Tresen morgen Abend “macht” eine alte Kiezgröße, da wird es das ein oder andere Hallo geben. +++ Aber zurück jetzt nochmal zu Toni Schumacher, da habe ich nämlich noch Jahre später drüber nachgedacht. Ich kann mich in etwa noch dran erinnern. War noch gar nicht so spät am Abend, eigentlich ging man immer erst gegen zwölf los. Vom Feeling her war es im Nachhinein damals aber erst so irgendwas zwischen zehn und elf. Ich kam also in unsere New-Wave-Diskothek, da war ja alles eher ziemlich hell. Und gleich kurz hinter dem Eingang – eigentlich gingen wir immer direkt weiter nach hinten durch, Richtung Tanzfläche. Jedenfalls, gleich am ersten Stück Tresen steht Toni Schumacher. Der 1. FC Köln hatte am Nachmittag – 15:30 Uhr, wie sich das damals so schließlich gehörte – da hatte der 1. FC Köln also in Braunschweig gespielt. Und, wie gesagt, ich glaube, ich bin selber im Stadion gewesen. Himself, sozusagen. Und dann, das ist die Frage, auf die es immer wieder hinausläuft: Warum?! +++ Es könnte übrigens zu einem veritablen Wettlauf kommen zwischen der Ausstellung und dem kleinen Otto – denn so wird er heißen, der Bub: Gestern Abend setzten die ersten “Probewehen” ein, berichtet die Werdende. Jetzt werden Sie denken: “Das ist aber ein abgeklärter Hund – den bringt ja nichts aus der Ruhe.” Mitnichten! Ich bin nur geistig damit überfordert: Ich kann mir das alles noch immer nicht vorstellen. Das ist vielleicht von der Natur so eingerichtet, wer weiß – dass man auf der Zielgeraden nicht noch die Nerven verliert und sich aus dem Staub macht… +++ Der Itchie-Bob kommt morgen auch, heißt es. +++ Also zurück zu Toni Schumacher: Der steht da allein in Braunschweig in einer New-Wave-Diskothek. In einem ordentlichen Pulli am Tresen. Hat der nach dem Spiel, als sie vom Duschen aus der Kabine kamen. Hat er da beim Einsteigen in den Mannschaftsbus gesagt: “So, Leute, fahrt mal alleine zurück nach Köln, ich bleibe heut’ Abend in Braunschweig – ich gehe ins Leukoplast.” +++ Das hat er wirklich gesagt?!!

 

Überschrift inspired by: White Rabbit © Jefferson Airplane, 1967

Überschrift außerdem inspiriert durch: Für usszeschigge! © BAP, 1981

Lyrics: Race for the Prize © Flaming Lips, 1999

Kargar & Kröcher | Malerei & Fotografie | Kovac Flagship Store | Ohlauer Str. 31 | 10999 Berlin | morgen, 19:00 Uhr

Mitropa / taz lügt.

40 YEARS JUST FOR ONE DAY © Henrik Drescher, 2018

Ich sehe dich nicht in dieser Welt, hier spuckst du kein Feuer aus, hier gehörst du nicht hin – hör’ auf damit und sei wo ich bin. +++ Kurz vor dem Aufstehen heute hatte ich einen Traum, das kennt man ja schon: Jemand hatte mir einen Job zugeschanzt, einen Artikel sollte ich schreiben für die taz. Das Café M feierte irgendein Jubiläum, und mich hielten sie aus irgendeinem Grund für den richtigen Mann. Ausgerechnet. Dabei, und das ging mir schon während des Schlafens durch den Kopf. Jedenfalls gehörte ich ja noch nicht einmal – ich kam ja so spät nach Berlin. Ich konnte den Laden ja noch nicht einmal “Mitropa” nennen wie die richtigen Insider. Ich wäre mir regelrecht blöd dabei vorgekommen. Und so saß ich im Traum an einem Tisch voller Leute – überall Bierfützen, dass der Kugelschreiber kaum noch schrieb. Ich kratzte Sätze ins feuchte Papier. +++ “Ironie ist die Wahrheit der Gehemmten”, dachte ich neulich still vor mich hin – kann aber auch Unfug sein. Weil, im letzten Post wusste man zum Schluss gar nicht mehr, was war nun ernstgemeint und was nicht. +++ Das Foto im letzten Post fand ich echt nicht so gut. +++ Vielleicht sollten Sie einfach zu unserer Ausstellung kommen am Freitag: Wenn Sie gute Bilder sehen wollen, sind Sie dort genau richtig. Danke an Henrik Drescher für die Gestaltung der Einladungskarte! +++ Jedenfalls saß ich da an diesem Tisch, und das M war echt proppenvoll. Sah allerdings eher aus wie eine urige Bauernpinte. Mir fielen echt gute Sätze ein. Und weil ich kein Insider der frühen Stunde war, musste ich bluffen: Zum Beispiel schrieb ich dann, und das habe ich mir nicht einmal ausgedacht. Weder jetzt noch im Traum. Doppelt wahr, sozusagen. Ich schrieb, dass in meiner Stammdiskothek in Braunschweig früher, und ich kann nicht mal mehr sagen, wie wir das nannten: “Diskothek” haben wir ganz bestimmt nicht gesagt, darauf verwette ich meinen Arm. Aber “Club” gab es ja im Prinzip damals auch noch nicht. Ein Ort ohne Bezeichnung. Jedenfalls hatte es da mal einen Abend gegeben, da stand einer neben mir, der sah aus wie Toni Schumacher. Und das Ding war, dass an dem Tag ohne Quatsch Eintracht Braunschweig gegen den 1. FC Köln gespielt hatte. Ich glaube, ich war da sogar im Stadion gewesen, das war, glaube ich, damals null zu null ausgegangen. Und dann stehe ich da später in meinem coolen Stammladen in Braunschweig und Toni Schumacher steht neben mir und nuckelt an seinem Bier, ganz allein. +++ Aber warum?

 

Überschrift inspiriert durch: Café M | Goltzstraße | Schöneberg

Überschrift ferner inspiriert durch: taz | Rudi-Dutschke-Straße | Kreuzberg

Lyrics: Kamchatka © Fee Reega, 2014

40 Years – Just For One Day | Kargar & Kröcher | Ausstellung | Kovac Flagship | Ohlauer Str. 31 | Freitag, 19:00 Uhr

VoRWEggehen / Chew up your Love then swallow.

NEUE CITY WEST © Kai von Kröcher, 2018

I looked at the skies running my hands over my eyes. +++ Neulich ist etwas Merkwürdiges geschehen  – da lief Jamiroquai im Radio, oder wie der heißt. +++ Angesichts der bedrohlichen Waldbrände, die wir südlich von Berlin letztens hatten – wird das jetzt schon wieder so ein Schlaumeier-Post? +++ Nee, aber jedenfalls finde ich das gut, dass RWE jetzt Verantwortung übernimmt und vorsorglich den Hambacher Forst roden lässt. +++ Der Witz ist zum Gähnen durchschaubar. +++ Nee, aber insgesamt finde ich das alles wirklich ganz gut, was auf der Welt so passiert – da fragt man sich endlich nicht mehr, ob man den Leuten eigentlich irgendwie in den Kopf geschissen hat. +++ Vielleicht sollte ich besser lieber mal meine neue Website promoten, statt hier den Angry Young Hutbürger zu spielen? Oder die Ausstellung am kommenden Freitag bewerben – man sagt, sie wird Meilenstein-mäßig gut. +++ Wie, beispielsweise, finden Sie das Bild heute hier – “Neue City West”? +++ Ich finde es irgendwie scheiße…

 

Überschrift inspiriet durch: gesunder Menschenverstand, RWE

Überschrift auch inspiriert durch: Chew Up Your Love Then Swallow © All Them Witches, 2015

Lyrics: I Started A Joke © The Bee Gees, 1968