Spanish Stroll / Die Ballade vom traurigen Café.

Tempelhofer Feld am Sonntag © Kai von Kröcher, 2019

 

Die Stadt selbst ist trostlos; da ist nicht viel außer der Baumwollspinnerei, den zweiräumigen Hütten für die Arbeiter, ein paar Pfirsichbäumen, einer Kirche mit zwei bunten Glasfenstern und einer schäbigen Hauptstraße von knapp hundert Metern Länge. +++ War das Lenin, der das damals gesagt hat? Das mit der Bahnsteigkarte und der Revolution? +++ Mal googeln… +++ Da sind Ihnen Zweifel gekommen, bei der Geschichte mit Stairway to Heaven, das ist mir schon klar.

 

Überschrift inspired by: Spanish Stroll © Mink deVille, 1977

Überschrift also inspired by/Textauszug aus: Die Ballade vom traurigen Café (The Ballad of the Sad Café, Novelle) © Carson McCullers, 1943

Im Reiche des Schwarzen Goldes / Fathers for Future.

Wassertorghetto © Kai von Kröcher, 2019

 

I’m not touched but I’m aching to be. +++ “Der Künstler formally not known blickt nicht hinter die Fenster; die Sicht auf die Leben derer darin bleibt teilnahmslos distanziert.” +++ Zum ersten Mal seit der Festplatten-Kernschmelze (Ihr seid solche Fucker berichtete) war ich gestern unterwegs mit dem Fotoapparat: “Okay”, werden Sie sagen, “aber das Bild ist irgendwie schief.” +++ Ich will Ihnen mal eine Geschichte erzählen, ein Blick durch die Augen des Spießbürgers in Punker-Anziehsachen. “Seit wann”, werden Sie fragen: “Seit wann trägt der denn jetzt Punker-Anziehsachen?”, aber das ist hier egal. +++ Die Geschichte ist eigentlich aber nur lustig, wenn man Im Reiche des schwarzen Goldes kennt, eines der unzähligen Abenteuer des pfiffigen Reporters Tim mit seinem treuen Gefährten Struppi, dem Hund. +++ Okay, jedenfalls begegnet mir neuerdings am Kanal eine junge Frau mit dem wohl absurdesten Haarschnitt, den ich in meinem Leben gesehen hab. Sonntag bin ich der Frau sogar unauffällig gefolgt – ich wollte die Reaktionen beobachten all derer, die ihr entgegen kamen. Jedenfalls hat sie so eine Frisur wie Schultze und Schulze in besagtem Band oben, nur dass man bei den Schultzens noch ein ganz bisschen vom Gesicht sieht. Also, die Haare sind rabenschwarz jedenfalls und einen (ungefähr) halben Meter nach oben toupiert. Vom Look her sieht das in etwa so aus wie bei diesen Wachsoldaten der englischen Queen mit ihren komischen Mützen. Bei der Frau am Kanal bloß fallen die Haare auch ins Gesicht und dann runter bis zu den Hüften. Falls Sie also zufällig gerade den Comic-Band zur Hand haben, schauen Sie mal kurz rein. Die Spaziergänger am Sonntag jedenfalls taten alle so auffällig unbeteiligt, so als wäre an dieser Frise absolut nichts aus der Norm Gefallenes – als kämen sie alle in Wahrheit nicht etwa aus einer Kleinstadt in Baden-Württemberg, sondern wohnten seit ihrer Geburt in dieser verrückten Großstadt. +++ Jetzt werden hier also verklemmte Schenkelklopfer auf Kosten bizarrer Frisuren gemacht, soso! +++ Liebe Geburtstagsgrüße heute an die Frau W. bei Amnesty International!

 

Überschrift inspired by: Tintin au Pays de l’or noir (Comic) © Hergé, 1939

Überschrift also inspired by: Fridays for Future (FFF, globale Schüler- und Studierendenbewegung für Klimaschutz, Initiatorin: Greta Thunberg)

Lyrics: Walk this World © Heather Nova, 1994