Aufstieg durch Leistung / Sauberkeit ist die Ästhetik der Unterdrückung.

Fiktive Postkarten: Landsberger Allee © Kai von Kröcher, 2026

Fiktive Postkarten: Alt-Friedrichsfelde Ecke Rhinstraße © Kai von Kröcher, 2026

Fiktive Postkarten: Landsberger Allee Ecke Weißenseer Weg © Kai von Kröcher, 2026

Fiktive Postkarten: U-Bhf. Prinzenstraße, Haus Gitschiner Straße 79 © Kai von Kröcher, 2026

 

Der Puppenspieler von Mexiko war einmal traurig und einmal froh. +++ Okay. +++ Geht es Ihnen tendenziell in etwa auch wie dem Puppenspieler von Mexiko? Manchmal traurig, manchmal froh? Ich zum Beispiel war äußerst früh heute wach – da habe ich mich in den Bus gesetzt und bin nach Friedrichsfelde gefahren. Zu dieser Unterführung da, in der Nähe des Tierparks. Wenn Sie fragen müssen, werden Sie es nie versteh’n – gibt es da nicht ein Lied mit diesen zwei Zeilen, was war das noch mal? +++ Tom Liwa, kann das sein? +++ Auf meinem Ausflug nach Friedrichsfelde zogen Plakate von Oliver Igel vorbei, dem Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, da musste ich innerlich schmunzeln. Anneliese Dummer von der AfD hatten wir neulich hier schon, das ist etwas flach. Eine Kandidatin der Grünen irgendwo in der Stadt hieß mit Nachnamen Billig, auch etwas flach. Das ultimative „Icing on the Cake“ jedenfalls, wie man so schön sagt, das war ein riesiges Plakat mit dem Treptower Spitzenkandidaten der CDU, Dustin Hoffmann. +++ Dustin Hoffmann, welche Eltern nennen ihr Kind Dustin Hoffmann?!

 

Überschrift inspired by: Aufstieg durch Leistung – Wahlslogan der FDP, 2026

Überschrift also inspired by: „Sauberkeit ist die estetik der Unterdrückung“ – Graffito unten am Haus Gitschiner Straße 79, U-Bhf. Prinzenstraße

Lyrics: Der Puppenspieler von Mexiko © Roberto Blanco, 1972

 

Zucker im Kaffee / Und Zitrone oder Sahne in den Tee.

Fiktive Postkarten: Mehrower Allee Ecke Ella-Hasse-Straße © Kai von Kröcher, 2026

 

Für fünf Minuten hatte ich keine Angst vor gar nichts. +++ Ich freue mich auf den Winter, da kann man sich auf den Frühling freuen. +++ Worüber ich mich ebenfalls freue: Es sind tatsächlich keine falschen Einsendungen eingegangen zu der gesuchten Person neulich im letzten Post. Keine einzige falsche Antwort – ich hätte jetzt mit Buddy Holly oder Elvis Costello oder so gerechnet. Mit Heinz Erhardt vielleicht – wobei die natürlich allesamt nicht aus dem Münsterland sind, glaube ich. +++ Nein, richtige Einsendungen kamen zugegebenermaßen auch keine hereingeflattert – keine Sau hat das wieder interessiert! Was möglicherweise daran liegt, dass politische Satire nicht zu meinen Kernkompetenzen zählt. Von daher heute auch keine platten Namens-Witze zu dem Wahlplakat oben, auch wenn es dem ein oder anderen unter den Nägeln brennen würde. +++ Puh, vorgestern habe ich mir morgens einen Tee gekocht. Weil ich den Tag davor mehrmals aus der U-Bahn hatte aussteigen müssen, um mich im Freien oben zu übergeben. Mein Sohn hatte das gleiche ein paar Tage vorher, ein Virus anscheinend. Normalerweise trinke ich morgens Kaffee, ungesüßt und rabenschwarz. Vorgestern nun aber Tee. Und für den Magen mit Zucker und Salz. Den Tee, und Sie ahnen es eventuell schon. Die externe Festplatte mit meinen gesammelten künstlerischen Arbeiten drauf, die hatte ich mir schon auf die Schreibplatte am Fenster gelegt. Den Becher Tee schön darüber aufs Fensterbrett gestellt. Mich gebückt und aus Versehen das geöffnete Fenster dabei zugeschlagen und den Tee – raten Sie mal. Schön kochend heiß mit Zucker und Salz über die Festplatte. Tja, und jetzt warten wir einfach mal ab. +++ U-Bahnfahren jedenfalls, wenn man immer eine Handbreit vom Sich-übergeben-müssen entfernt ist, ist kein echtes Vergnügen – ich sag es Ihnen, wie es ist.

 

Überschrift inspired by: Zucker im Kaffee © Erik Silvester, 1969

Überschrift also inspired by: Zucker im Kaffee © Erik Silvester, 1969

Bildunterschrift inspired by: Once Upon a Time in the West (Spiel mir da Lied vom Tod, Italowestern mit Charles Bronson u.a.) © Sergio Leone (Regie), IT/USA 1968

Lyrics: Für fünf Minuten © Maike Rosa Vogel, 2012

Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin © Element of Crime, 2018

Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin (Filmdoku über und mit Element of Crime) © Charly Hübner (Regie), D 2024

Russian Lips / Zeiten ändern dich.

Fiktives Vinyl: Kehle – Du hängst jetzt immer mit Filmtypen ab © Kai von Kröcher, 2015/2022

 

And when she said she’d be a movie queen nobody laughed. +++ Die Stadt verändert sich schnell. +++ Ich hatte Otto zur Kita gebracht – und weil der Herbst so wunderbar leuchtete, haben wir urstens getrödelt. Ich nutzte den Augenblick und gab ihm noch etwas Weisheit mit auf den Weg. Ich sagte: „Herbst ist nur jetzt, Stress aber kannst du später im Leben noch oft genug haben.“ Er meinte, d’accord! Und wie zum Beweis meiner These kam er dann doch gerade noch rechtzeitig zum Frühstück. +++ Nanü?! +++ Frühstücke bekommt er immer zweie am Morgen: Ein erstes bei mir mit dem Papst, ein zweites dann bei den Früchten. „Früchte“, so heißt seine Gruppe da in der Kita. Und natürlich hatte ich „Paps“ schreiben wollen, nicht Papst – aber Papst ist schon recht lustig! +++ Um hier nicht so viel rumzufaseln, hatte der Post heute folgendermaßen anfangen sollen: ‚Die Stadt verändert sich schnell, rasend schnell – wer wüsste das besser als die Band Kehle?‘ +++ Wie finden Sie das? Auf dem Rückweg von der Kita nämlich hatte ich mich vor das neue Café da gesetzt, im Schatten des Grand Hotel Urban. Wobei „Schatten“ natürlich im übertragenen Sinne: Man hat dort den besten Sonnenschein der Stadt. Und wenn man sich rechtzeitig hinsetzt, da kann man dann Otto und mich auf dem Wege zur Kita beobachten. So Stalker mäßig, wenn man will. +++ Muss aber nicht sein. +++ Jetzt hatte ich mich also alleine draußen da hingesetzt: Cappuccino, Croissant, Tagesspiegel. Plötzlich kamen die Frauen, das dürfte kein Zufall sein. Setzten sich links an den Tisch und an den Tisch hinter mir – von der Straße, also von Osten aus gesehen. An jedem Tisch zwei. Die hinter mir sprachen Englisch, irgendwas so von wegen, schön, dass die Sonne scheint. An dem anderen Tisch sagte die eine zur anderen: „Die Stadt verändert sich schnell.“ +++ Wer wüsste das besser als die Band Kehle? Das Album hatte ursprünglich Wohlstandsverlust heißen sollen, die Plattenfirma aber sofort ein striktes Veto eingelegt und gesagt: dann sprängen die AfD-Wähler ab, man müsse auch an die Verkaufszahlen denken. Stattdessen hatte sie Russian Lips vorgeschlagen, da hatte die Band aber sich quergestellt. Du hängst jetzt immer mit Filmtypen ab war dabei letztlich ein Kompromiss, das sieht man der Platte auch an. +++ Falls Sie sich wundern – das Cover wurde einst in der Löwenstadt Braunschweig fotografiert: Außerhalb des linken Bildrandes sieht oder sieht man eben auch nicht den Hauptbahnhof mit der schönen Empfangshalle, die hoffentlich unter Denkmalschutz steht. Im Rücken hatte der Fotograf wahrscheinlich in etwa die Stadthalle. Halb rechts geradeaus, das dürfte das Atrium-Hotel sein – dort haben vor vielen Jahren Hot Chocolate mal geschlafen…

 

Überschrift inspired by: Russian Lips © Kehle, 2022 (unofficial)

Überschrift also inspired by: Zeiten ändern dich (Bushido-Film-Biografie) © Bernd Eichinger (Drehbuch), Uli Edel (Regie), D 2010

Lyrics: Emma © Hot Chocolate, 1974

Seerosenbilder / … wieder mal ein Rock ‘n‘ Roll Freitag.

Fiktives Vinyl: Lukas Czenko – Seerosenbilder © Kai von Kröcher, 2014/2022

 

Nach dem fünften Bier hau ich alles kaputt, stell mich an den Flipper und wichs mir ein‘ astrein. +++ Eine gaaanz merkwürdige Platte übrigens, Lukas Czenko heute da oben. Kratzig und trocken auf eine Art, ich kann das nicht wirklich beschreiben. Und was sollen die Bullen da auf dem Cover, passt doch gar nicht zum Titel?! +++ Ja, heute ist Sonntag, das ist schon ganz richtig – nur hatte ich diese Melodie mit dem Freitag und Textfragmente dazu auf den Lippen, als ich heute morgen erwachte. +++ Today, tomorrow. +++ Vielleicht unterbewusst deshalb das Ding mit den Bullen – Hans-A-Plast waren ja aus Hannover und eine Punkband, mich machten die depressiv. Zuerst hatte ich damals gedacht, die kämen vom Hansaplatz, das wäre ganz witzig gewesen. +++ Wie gesagt, mit Lukas Czenko komm‘ ich nicht klar: Was will der uns sagen mit seinen „Seerosenbildern“? Ist das nicht ein Motiv aus der Malerei, aus der Romantik? Wer hat denn das immer gemalt – es gab doch da einen Maler, der hat immer Blumen gemalt: Liebermann, der immer nicht so viel essen konnte, wie er kotzen wollte? Das war doch von dem, das Zitat – oder nicht? +++ Apropos: Warum feiern so viele deutsche Nazis die Entnazifizierung der Ukraine so ab – beißt sich das nicht?

 

Überschrift inspired by: Nymphéas (Seerosen, 250 impressionistische Ölgemälde) © Claude Monet, ca. 1897 – 1926

Überschrift also inspired by/Lyrics: Rock ’n‘ Roll Freitag © Hans-A-Plast, 1979

Max Liebermann (* 20. Juli 1847 in Berlin; † 8. Februar 1935 in Berlin), dt. Maler

Red Army Blues 2.0 / Dystopien statt Klimawahn.

Sons of the Silent Age: Oktapolaris, Jannowitzbrücke (Demoversion) © Kai von Kröcher, 2021

 

Baby, baby, baby, I will never let you go, all I see is all I know, let’s take another way down. +++ Haben Sie eigentlich gewusst, dass es die Rote Armee gar nicht mehr gibt? Das nennt sich jetzt „Russische Streitkräfte“. +++ Da war er also wieder, im vorigen Post: dieser messerscharfe politische Witz – der die da oben das Fürchten lehrt! +++ Heute wieder ein älteres Bild vom Frühjahr: Vorm Krieg sah die Brücke übrigens wesentlich großartiger aus – falls Sie vorhaben, am Sonntag die Nazis zu wählen… +++ Das stimmt übrigens nicht ganz, dass es hier nie eine Reaktion gibt: Als ich diesen Typen zum Beispiel gepostet hatte, der da in Rostock-Lichtenhagen damals im Deutschlandtrikot den Hitlergruß machte. Da habe ich ohne Quatsch – jetzt vielleicht nicht gleich körbeweise, so aber doch immerhin einige Emails bekommen: Wer genau der Typ war, Hintergründe und so, was aus ihm geworden ist. Und warum er einen so gigantischen Pissfleck in der Hose hatte. Da haben sich viele gemeldet per Mail – sehr schönes Feedback! +++ Viele von denen, von denen ich seit Jahren nichts mehr gehört hatte. +++ (For further information please click here!)

 

Überschrift inspired by: Red Army Blues © The Waterboys, 1984

Überschrift also inspired by: Renate Storch (AfD), 2020/2021

Bildunterschrift inspired by / Lyrics: Sons of the Silent Age © David Bowie, 1977

Parents for Future: Klimastreik vor dem Bundestag | Reichstag | Platz der Republik | Freitag, 24. September 2021 | 12:00 Uhr