On the Front Page a Black and White Picture of / Manhattan’s Skyline.

Fiktive Postkarten: Berlin Skyline (Teufelsberg – A View To A Thrill) © Kai von Kröcher, 2026

 

The web of wicked ways is worse than all of us. +++ Kann man so sagen. +++ Mich jedenfalls belastet dieser im Raum stehende Rassismusvorwurf gar nicht mal unerheblich. Denn natürlich liegt es nicht an der Nationalität: ein deutsches Kind würde ganz sicher genauso poltern. Na gut, mein Sohn vielleicht nicht, eine rühmliche Ausnahme – aber grundsätzlich schon. +++ Ich würde den Fall gerne noch einmal für Sie rekonstruieren. Ich befand mich also auf einem spontanen Spaziergang zum Teufelsberg. Ein wunderbarer Samstagvormittag, und als ich die Teufelsseestraße hinunterschlenderte, lag Stille über der Gegend. Ich fragte mich allen Ernstes, was ich wohl anstellen müsste, in einer der Villen dort am Rande des Waldes zu wohnen: Ob ich mir von meinen bescheidenen Postkarten einen solchen Luxus jemals würde leisten können? +++ Irgendwann stand ich dann also oben auf jenem mystischen Teufelsberg. Die Sonne schien diffus durch einen milde stimmenden Wolkenschleier. Außer mir auf dem Hügel nur noch ein unauffälliger Typ mit einem Modellflieger. Regelrecht überwältigt war ich vom Ausblick und von der Ruhe dort oben. +++ Fairerweise muss ich gestehen, ich bin mir gar nicht ganz sicher, ob es sich tatsächlich um den Teufelsberg handelte, auf den ich gestiegen war: Die verfallenden Abhöranlagen der US-Streitkräfte waren sprichwörtlich zum Greifen nahe – lagen dann aber trotzdem doch eher auf der benachbarten Bergkuppe. +++ Es war jedenfalls toll, einwandfrei. Unter mir ringsum ein nicht enden wollendes Meer aus grünem Grunewald. Nach Osten hin der Anblick der Stadt mit ihren signifikanten Türmen. Weit hinten am südöstlichen Horizont glitzerten startende Flugzeuge des BER in der Sonne. Alles, was hier zu hören war, waren tatsächlich die Glocken im Tal. +++ Und an dieser Stelle kommen die Ceaușescus ins Spiel. Genau genommen eine unheilvolle Erinnerung an meinen alten Freund Trampel-Joe. Eine Art Panikattacke stellte sich ein – ich wollte plötzlich beim Leben von Wolfgang Kubicki nie mehr in mein Zuhause nach Kreuzberg zurück. +++ Wie unser Sozialkundelehrer, Herr Mazzega, früher scherzhaft zu fragen pflegte: „Alle Klarheiten beseitigt?!“ +++ Oder war es Paul Maul? Oder Fau Pohl? Vielleicht werde ich langsam verrückt …

 

 

Überschrift inspired by: Manhattan Skyline © a-ha, 1986

Bildunterschrift inspired by: A View To A Kill © Duran Duran, 1985

Lyrics: Web of Wicked Ways © The Sound, 1987

Up the Hill Backwards (Reprise) / They Say the Devil’s Water, it Ain’t So Sweet.

Fiktive Postkarten: Teufelsberg © Kai von Kröcher, 2026

 

Ich hör‘ die Glocken im Tal, ein Flugzeug in Überschallgeschwindigkeit. +++ Ging der Song so? Monolithen, Tom Liwa? In einem Anflug von Wahn hatte ich vor fünf Jahren alle meine CDs weggeworfen – in dem nicht verifizierten Glauben, ich hätte alles in iTunes gespeichert. +++ So kann man sich schmerzhaft täuschen. +++ Als ich das Haus heute um kurz nach acht verließ, ahnte ich nicht, dass die Intuition mich später auf den Teufelsberg führen würde. Hier war ich tatsächlich noch nie gewesen. Ich stand dort oben, fast der einzige Mensch, Wind um die Nase, die große Stadt unter mir. Und ich muss Ihnen sagen, ich kann mich schwerlich an einen ähnlich wunderbaren Vormittag erinnern. +++ Eigentlich hatte ich da längst schon wieder zu Hause sein wollen – weil aber Familie Ceaușescu* über mir mit ihren drei Orgelpfeifen am Wochenende selten die Wohnung verlässt und, naja, Trampel-Joe, der jüngste Spross, hat vor gar nicht so langer Zeit laufen gelernt. Hier liegt die Betonung explizit auf dem Wort laufen. Nicht etwa gemächlich schlendern. Laufen. Und jetzt läuft Trampel-Joe den ganzen Tag wie ein Raubtier im Zoo vom einen Zimmer ins andere Zimmer – und anschließend wieder zurück. Geschätzt etwa zweihundertfünfzig Mal am Tag. Das hört sich für Sie niedlich-tapsig an, ist es in einem Nachkriegsbau ohne Trittschalldämmung allerdings nur bedingt. +++ Wo waren wir stehen geblieben? +++ Just in diesen Momenten feiert Marie-Louise Eta in der Alten Försterei ihr Debüt an der Seitenlinie des 1. FC Union. Auf meinem Laptop läuft multitask-mäßig das Radio heiß: Zur Halbzeit steht es gegen den VfL Wolfsburg aktuell zwar 0:1, aber ich bin mir felsenfest sicher – und jetzt müssen die Autostädter sehr tapfer sein, denn da müsste es schon mit dem Teufel zugehen! +++ Sollten Sie übrigens mehr Informationen zu meiner Fahrt neulich im 171er Bus benötigen, scheuen Sie sich nicht, mir eine persönliche Nachricht zu senden!

 

Überschrift inspired by: Up the Hill Backwards © David Bowie, 1980

Überschrift also inspired by: When You Were Young © The Killers, 2006

Lyrics: Monolithen (?) © Tom Liwa, 2000

Teufelsberg – auf dem Trümmerberg im Berliner Grunewald wurde zur Zeit des Kalten Krieges in 120,1 m ü. NHN von der US-Army eine Abhörstation errichtet

* Name geändert

Marie-Louise Eta (* 7. Juli 1991 in Dresden), ehem. dt. Fußballspielerin und heutige Trainerin beim 1. FC Union Berlin

Lay your body down upon the midnight snow / They say a snow year’s a good year.

Once Upon a Time in the West: Mit dem Sohn letzten Samstag im Grunewald © Kai von Kröcher, 2026

 

Did you ever want to be alone, be all white in decent snow. +++ Ich hatte nicht auf die Uhr geschaut, aber lass es vielleicht fünf Minuten gewesen sein. Fünf Minuten ungefähr, nachdem ich am Dienstag meinen Post abgesetzt hatte. Sagt man das so – einen Post absetzen? Wie einen Funkspruch: Mayday, Mayday? Oder neuerdings eine Fernsehshow? +++ Seit einigen Jahren nun schon lässt mich der 8. Januar offenen Mundes staunen über die Tatsache, dass exakt an diesem einen Tag zwei der wohl größten Größen der Musikgeschichte beide Geburtstag hatten. Und zudem wäre auch noch der Kaiser, kein Geringerer als Franz Beckenbauer nämlich – fast wäre auch noch der Kaiser an genau diesem Datum verstorben. Die Wahrscheinlichkeit einer solch kosmischen Konstellation scheint in etwa so fabulös, als hätte, sagen wir mal, ich gemeinsam Geburtstag mit Lothar Matthäus und Sergei Wiktorowitsch Lawrow. Und ich weiß nicht, wie es bei Lothar Matthäus aussieht, aber genau wie Lawrow habe auch ich einst Gitarre gespielt: D7, D7, D7 – frei nach Peter Bursch. Mein Sohn übrigens wurde geboren am 53. Jahrestag, da die englische Popgruppe The Rolling Stones die Berliner Waldbühne seinerzeit legendär zu Kleinholz verarbeitet hatte. +++ Jetzt habe ich aber doch ein bisschen den Faden verloren: Jedenfalls ungefähr fünf Minuten, nachdem ich den Post vorgestern abgesetzt hatte, schickte mir Richard David Precht eine Freundschaftsanfrage auf Facebook.

 

Überschrift inspired by: Snowbound © Genesis, 1978

Bildunterschrift inspired by: Spiel mir das Lied vom Tod (Once Upon a Time in the West, Italo-Western) © Sergio Leone (Drehbuch/Regie), I/USA 1968

Lyrics: Decent Snow © Super 700, 2012

Elvis Aaron Presley (* 8. Januar 1935 in Tupelo, Mississippi; † 16. August 1977 in Memphis, Tennessee), US-amerikanischer Musiker und Schauspieler

David Bowie (* 8. Januar 1947 in London; † 10. Januar 2016 in New York City), brit. Musiker, Sänger, Produzent, Schauspieler

Franz Beckenbauer (* 11. September 1945; † 7. Januar 2024 in Salzburg), dt. Fußballspieler, Funktionär, Trainer, Kaiser, Schauspieler

Lothar Matthäus (* 21. März 1961 in Erlangen), dt. Fußballspieler und -trainer, Fernsehexperte

Sergei Lawrow (* 21. März 1950 in Moskau), mutmaßlich verschollener russischer Außenminister

Peter Bursch’s Gitarrenbuch, Voggenreiter Verlag/Bonn 1975

Wer bin ich – und wenn ja, wie viele ? (Sachbuch über die Philosophie) © Richard David Precht, Goldmann Verlag/München, 2007