I Live Here in Kill City / Where the Debris Meets the Sea.

Fiktive Postkarten: Oberbaumbrücke, Berlin © Kai von Kröcher, 2026

 

Sometimes I wish that life was never ending, and all good things, they say, never last. +++ Okay, letzte Nacht habe ich von den Ceaușescus aus dem Dritten geträumt. Da hatte mich wohl das Gewissen geplagt. Die Familie ist im Prinzip schon in Ordnung. Trampel-Joe ist halt ein Kind, ein unumstößlicher Fakt – eigentlich wahrscheinlich sogar ganz niedlich. +++ Das ist übrigens auch genau das, was Herr Ceaușescu himself immer meinte, jedes Mal, wenn ich an seiner Tür klingelte und mich beschwerte: „Das sind Kinder – Sie müssen nicht immer meckern!“ +++ Sagen Sie, werde ich vielleicht alt? Alt, intolerant und rassistisch? Punkrock war gestern? +++ Die Postkarte (oben) zeigt einen Ausschnitt aus unserem allmorgendlichen Schulweg, wenn ich Otto rüber nach Friedrichshain bringe. Der Blick aus der U3 – dafür allein lohnt schon das Aufstehen. Ganz links, knapp außerhalb des Bildrands, dort fand seinerzeit die Ausstellung statt, die ich im April 2018 gemeinsam mit dem Freund und Fotografen Carsten Klindt hatte: Ein halbes Menschenleben ist das her…

 

Überschrift inspired by: Kill City © Iggy Pop, 1977

Lyrics: Sometimes It Snows in April © Prince and the Revolution, 1986

Up the Hill Backwards (Reprise) / They Say the Devil’s Water, it Ain’t So Sweet.

Fiktive Postkarten: Teufelsberg © Kai von Kröcher, 2026

 

Ich hör‘ die Glocken im Tal, ein Flugzeug in Überschallgeschwindigkeit. +++ Ging der Song so? Monolithen, Tom Liwa? In einem Anflug von Wahn hatte ich vor fünf Jahren alle meine CDs weggeworfen – in dem nicht verifizierten Glauben, ich hätte alles in iTunes gespeichert. +++ So kann man sich schmerzhaft täuschen. +++ Als ich das Haus heute um kurz nach acht verließ, ahnte ich nicht, dass die Intuition mich später auf den Teufelsberg führen würde. Hier war ich tatsächlich noch nie gewesen. Ich stand dort oben, fast der einzige Mensch, Wind um die Nase, die große Stadt unter mir. Und ich muss Ihnen sagen, ich kann mich schwerlich an einen ähnlich wunderbaren Vormittag erinnern. +++ Eigentlich hatte ich da längst schon wieder zu Hause sein wollen – weil aber Familie Ceaușescu* über mir mit ihren drei Orgelpfeifen am Wochenende selten die Wohnung verlässt und, naja, Trampel-Joe, der jüngste Spross, hat vor gar nicht so langer Zeit laufen gelernt. Hier liegt die Betonung explizit auf dem Wort laufen. Nicht etwa gemächlich schlendern. Laufen. Und jetzt läuft Trampel-Joe den ganzen Tag wie ein Raubtier im Zoo vom einen Zimmer ins andere Zimmer – und anschließend wieder zurück. Geschätzt etwa zweihundertfünfzig Mal am Tag. Das hört sich für Sie niedlich-tapsig an, ist es in einem Nachkriegsbau ohne Trittschalldämmung allerdings nur bedingt. +++ Wo waren wir stehen geblieben? +++ Just in diesen Momenten feiert Marie-Louise Eta in der Alten Försterei ihr Debüt an der Seitenlinie des 1. FC Union. Auf meinem Laptop läuft multitask-mäßig das Radio heiß: Zur Halbzeit steht es gegen den VfL Wolfsburg aktuell zwar 0:1, aber ich bin mir felsenfest sicher – und jetzt müssen die Autostädter sehr tapfer sein, denn da müsste es schon mit dem Teufel zugehen! +++ Sollten Sie übrigens mehr Informationen zu meiner Fahrt neulich im 171er Bus benötigen, scheuen Sie sich nicht, mir eine persönliche Nachricht zu senden!

 

Überschrift inspired by: Up the Hill Backwards © David Bowie, 1980

Überschrift also inspired by: When You Were Young © The Killers, 2006

Lyrics: Monolithen (?) © Tom Liwa, 2000

Teufelsberg – auf dem Trümmerberg im Berliner Grunewald wurde zur Zeit des Kalten Krieges in 120,1 m ü. NHN von der US-Army eine Abhörstation errichtet

* Name geändert

Marie-Louise Eta (* 7. Juli 1991 in Dresden), ehem. dt. Fußballspielerin und heutige Trainerin beim 1. FC Union Berlin