Wochenendrebellen / Die Kirche im Dorf lassen (Part three).

HBO Max präsentiert Harry Potter / Lighthawk an der Gedächtniskirche © Kai von Kröcher, 2026

 

Making money twenty-four-seven, but you never find anyone else. +++ Kriegen Sie noch zusammen, was der Vater des Jungen in Wochenendrebellen gegen Ende zu seiner Frau sagt? Als er den Sohn da in Riga im Fahrstuhl gesehen habe, da habe er – sinngemäß – zum ersten Mal etwas begriffen. +++ Das Foto (oben) ist vor zweieinhalb Wochen entstanden, da war gerade ein Schneesturm über der Hauptstadt erwartet worden. Oder Eisregen, ich weiß es nicht mehr. Blieb am Ende aber sowieso aus, doch kalt war es in jedem Fall. Der allererste Barmann in der Geschichte der Szene-Gaststätte der Herzen, Sebastian, hatte mich für die Aufnahmen engagiert: Er seinerseits, und das war Top Secret. Er seinerseits hatte von Warner den Auftrag bekommen, aus Anlass der Markteinführung des Streamingdienstes HBO Max die Gedächtniskirche zu illuminieren. Das sah tatsächlich ziemlich spooky aus, der neblige Januartag tat ein Übriges. +++ Im Netto-Markendiscount heute kaufte ein Kunde ein, der nahm kein Blatt vor der Mund: Trump sei eine Lachnummer, meinte er. +++ Das Stadion, das in Wochenendrebellen in der lettischen Hauptstadt Riga steht – die Szenen damals dort wurden in Wirklichkeit in keinem Geringeren als dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gedreht, berüchtigt als einstige Spielstätte des Mielke-Clubs BFC Dynamo Berlin. Wird zurzeit abgerissen, letztens bin ich extra mit meinem Sohn mal vorbeigefahren. Immerhin, und das finde ich dann wieder beruhigend: Die markanten, um nicht zu sagen ‚ikonischen‘ Flutlichtmasten bleiben erhalten und werden in den geplanten Stadionneubau integriert. +++ So weit da zu. +++ Sebastian hatte sich dann relativ bald aus der Gastronomie und damit auch aus dem club49 verabschiedet und sich im Film- und Fotobereich selbstständig gemacht. Mit seiner Firma Lighthawk, und so viel Neid muss man mir lassen: die Liste seiner Auftraggeber liest sich wie ein verdammtes Who-is-Who. Werbekampagnen für Adidas, Puma und Nike haben sie ausgeleuchtet, für BMW, Mercedes und Jaguar. Um nur ein paar zu benennen. Zusammenarbeit über die Jahre mit Fotografen wie Lindbergh, Rakete und Unwerth, Leibovitz, Testino und Ballhaus. +++ Um nur ein paar zu benennen. ++ Und ich durfte jetzt diese HBO-Aktion an der Gedächtniskirche zum Start einer Harry Potter-TV-Serie fotografieren. +++ Apropos ‚Streaming‘: Da hatte mir Anfang des Jahres doch tatsächlich ein Fucker namens Riki Mi*ev (angeblich im Namen von Netflix) sage und schreibe 19,99 € vom Konto abgebucht. Wo ich zum Streamen doch meinen Bücherei-Ausweis habe (Ihr seid solche Fucker berichtete) – das Geld habe ich mir selbstredend umgehend zurückgeholt, wo kommen wir denn da hin?!

 

Überschrift inspired by: Wochenendrebellen (Tragikkomödie mit Aylin Tezel und Florian David Fitz nach der Autobiografie von Mirco von Juterczenka) © Marc Rothemund (Regie), D 2023  

Überschrift also inspired by: Under the Milky Way © The Church, 1988

Lyrics: Mr W4 © Baxter Dury, 2025

Lighthawk GmbH Berlin | Sebastian Siebel, Sandra Pinelli | Cinema Lightning Services | www.https://lighthawk.de

Erich Mielke (* 28 Dezember 1907 in Berlin; † 21. Mai 2000 ebenda), Minister für Staatssicherheit und Fan des BFC Dynamo

Harry Potter | Fernsehserie © HBO Max, 2024 (seit 13. Januar in Deutschland)

club49 | Ohlauer Straße 31 | 10999 Berlin | (seit 2005)

Time Waits for No One / Every Day is Silent and Grey.

Fiktives Vinyl: DJ Schkopau – Wenn es nicht aufhoert © Kai von Kröcher, 2022/2023

 

Down in space it’s always 1982, the joke we always knew. +++ Wie lange dieser Zustand damals wohl angedauert haben mag, der vor dem Urknall? Da muss das Universum, wenn ich das auf die Schnelle richtig verstanden habe. Zusammengepresst zu einem Stück Kohle – oder besser noch: ein Diamant! Aber die Frage allein ist natürlich schon Quatsch: Wenn es keine Zeit gegeben hat, kann etwas ja nicht, in welcher Form auch immer, gedauert haben. „Ein Paradoxon“, wie Clemmie nachts im Club, nach dreieinhalb Gläsern Elbling, mit diabolischem Grinsen immer zu fabulieren begann. +++ Neulich hatte ich etwas geschrieben, so von wegen, der M41er machte seinem Namen alle Ehre. Oder so. Gestern Nachmittag war ich fürs Wochenende einkaufen gewesen am Hermannplatz. Lebensmittelabteilung von Karstadt oder bei Lidl, das können Sie sich aussuchen. Als ich heraus kam, war es noch etwas zu früh für die Sportschau. Ich kam auf den gar nicht so uninteressanten Lösungsansatz, den M41er einfach ein Stück in die entgegengesetzte Richtung zu nehmen. Dorthin, wo es wehtut. Und dann zurück in die andere Richtung nach Hause – Reiseziel: Punktlandung Sportschau. +++ „Wo kommste so spät jewesen“, wie Schulfreund Ben Hacket in ostpreußischem (?) Dialekt seinerzeit immer wissen zu wollen pflegte. +++ Jedenfalls, ich setzte mich in den halbwegs leeren M41er Ziehharmonikabus Richtung Südosten. Ein Schatten von einem Mensch setzte sich neben mich und rauchte, heimlich unter den Sitz gebeugt, eine elektrische Zigarette. Dann aß er mit den Fingern eine Art Ziegenkopfsuppe aus einem Tuppertopf. Dann stand ich auf und schlich mich auf diese Drehscheibe da in der Mitte, wo man(n) sich immer vorkommt wie in einer Fernsehshow in den 70er Jahren: „Und hier ist er nun! Sie kennen ihn alle – begrüßen Sie mit mir, äh, Karl-Heinz Schibulski!“ +++ Ich fuhr also bis kurz hinter S-Bahnhof Sonnenallee, zu Füßen des neuen Estrel stieg ich aus. Freute mich auf einen leeren Bus in der Gegenfahrtrichtung. Genau an der Stelle, wo der neue Streckenabschnitt der A100-Stadtautobahn für logistische Komplikationen sorgt, genau an der Stelle war jetzt auch noch die Straße gesperrt. Der Verkehr wurde durch enge Neuköllner Wohngebietsstraßen umgeleitet. Ich wähnte mich in diesem Film mit dem Stau, keine Ahnung, wo ständig gehupt wird: Gefangen im M41er Bus für die Ewigkeit, Zeit existierte nicht mehr. Menschen erstaunlich gelassen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Endlich zu Hause, ging in der Sportschau gerade die Zweite Liga zu Ende, der Abend konnte beginnen.

 

Überschrift inspired by: Time Waits For No One © The Rolling Stones, 1973

Überschrift also inspired by: Everyday Is Like Sunday © Morrissey, 1988

Lyrics: Slip Away © David Bowie, 2002

Wenn es nicht aufhoert © DJ Schkopau, 2023

club49 | Ohlauer Straße 31 | 10999 Berlin

Tim und Struppi – Reiseziel Mond (Objectif Lune, Comicband) © Hergé, 1953

Goodbye Horses / Manuel Neuer doing Neuer things.

Now, Halloween Jack is a real cool cat, he lives on top of Manhattan Chase © Kai von Kröcher, 2025 (Handyfoto)

 

I’ve seen the sky just begin to fall and you say, All things pass into the night. +++ „Kai von Kröcher doing Kröcher things“, wie man im Internet neuerdings gerne schreibt. Sind Sie Facebook? Dann wissen Sie, was ich meine. Eingeführt worden ist das dem Anschein nach aus Hochachtung vor und Bewunderung für Weltklasseausnahmetorhüter Manuel Neuer, mit dem ich mich hier durchaus nicht messen möchte. +++ Jedenfalls machte ich neulich mal wieder sogenannte Kröcher things, hatte zweimal kurz nacheinander Vollpension gebucht im Grand Hotel Viktor Urbán, da war noch ein Zimmer frei – Station 73 und 72, mit dem weithin bekannt atemberaubenden Blick auf die Skyline. Vermutlich gehören Sie zu den Menschen, die das nicht verstehen, aber ich liebe das Grand Hotel Viktor Urbán. +++ Zu meiner Entlassung machte ich mit dem Handy ein Abschiedsfoto mit meiner vorerst letzten Tasse Kaffee dort, ein Moment wie aus Marmor (oben). +++ Seither bin ich im Auflademodus, mir geht doch schnell mal der Saft aus. +++ Okay. +++ Jedenfalls tat ich gestern dann aber etwas doch gar nicht so Kai von Kröcher doing Kröcher things mäßiges. Nämlich dachte ich, hm, vielleicht kann man sich im Internet ja nicht nur Manuel Neuer ansehen, sondern auch Das Schweigen der Lämmer – diesen Film, Sie wissen es, vor dem ich immer eine solche Höllenangst gehabt hatte. Weil explizite Szenen mit unschuldigen jungen Schafen vermutet. +++ Um es vorweg zu nehmen, fand ich den Film gar nicht so erwartet verstörend – um nicht zu sagen: beinahe harmlos. Hannibal Lecter anfangs sah komischerweise aus wie Ulrich Mühe in Das Leben der Anderen, ein vertrauter Charakter. Clarice Starling mit ihrer Frisur und ihrer ganzen Erscheinung schien eins zu eins eine Blaupause meiner Freundin damals Mitte der Neunziger. +++ Aber irgendwas war doch mal mit dem Song Goodbye Horses, erinnern Sie sich? Ich komme leider nicht drauf, hier sind die Akkus schon fast wieder alle…

 

Überschrift inspired by/Lyrics: Goodbye Horses © Q Lazzarus, 1988

Überschrift also inspired by: Manuel Neuer doing Manuel Neuer things © Internet, 2025

Bildunterschrift inspired by: Diamond Dogs © David Bowie, 1974

Das Schweigen der Lämmer (The Silence of the Lambs, Thriller mit Anthony Hopkins, Jodie Foster) © Jonathan Demme (Regie), USA 1991

Das Leben der Anderen (Politthriller mit Ulrich Mühe u.a.) © Florian Henckel von Donnersmarck (Drehbuch/Regie), D 2006