Container Love / The Lady From Another Grinning Soul.

Double Exposure: Berlin-Alexanderplatz © Kai von Kröcher, 2017

 

All I see are sad men grinning, brown suits, streets of Shoreditch. +++ Haben Sie am 31. Dezember 1969 die Sendung Was bin ich? mit Robert Lembke im Fernsehen gesehen? Im Studio damals waren unter anderem der selbstständige Einsiedler Karl Kurz und, was vielen heute gar nicht mehr bekannt ist, die französische Chansonsängerin Françoise Hardy zu Gast. +++ Oft lese ich meine Blogeinträge hinterher noch einmal durch. Klingen die teilweise nicht übergebürlich spöttisch? Meistens sind sie aber gar so gemeint. Das Skirennen aus meinem Post gestern zum Beispiel. Das hatte ja totalen Spaß gemacht. Die Musik war, um es neutral auszudrücken, für Leute wie Sie und mich vielleicht ziemlich bescheuert. Ansonsten aber war alles großartig: die Skilehrer und -lehrerinnen waren herzlich und engagiert; die Kinder erlebten, und darauf kommt es doch an, größtmögliche Spannung und Freude – und am Ende, wie Gary Lineker es ausdrücken würde, gewinnt immer Otto! +++ Und dann kommt also einer daher, vom Alexanderplatz oder so. Und da fließen dann also Milch und Honig und alles ist asterbohne und supi: „Ja, eh!“, wie der Österreicher sagt. +++ Das Bild (oben) hatte ich neulich zusammengesetzt, die beiden Fotos stammen von 2017 – tolle Zeit damals, kommt alles nicht wieder …

 

 

Überschrift inspired by: Container Love © Phillip Boa, 1989

Überschrift also inspired by: Lady Grinning Soul © David Bowie, 1973

Lyrics: Mr W4 © Baxter Dury, 2025

Shoreditch: Ortsteil des Londoner Bezirks Hackney

Was bin ich? – Das heitere Beruferaten: Quizsendung im Ersten Deutschen Fernsehen (1955 bis 1958 und von 1961 bis 1989) nach dem US-amerikanischen Vorbild What’s my line?

Robert Lembke (* 17. September 1913 in München; † 14. Januar 1989 ebenda), dt. Journalist und Fernsehmoderator

Françoise Hardy (* 17. Januar 1944 in Paris; † 11. Juni 2024 ebenda), frz. Sängerin, Komponistin und Texterin

Gary Lineker (* 30. November 1960 in Leicester), engl. Fußballspieler

Moonage Daydream / Ei ohne Salz

Fiktives Vinyl: Ilse Paradies – Ei ohne Salz © Kai von Kröcher, 2006/2022

 

You walk past a cafe but you don’t eat when you’ve lived too long. +++ Kommt ja jetzt echt nicht oft vor, dass ich ins Kino geh‘. Als Spätgebärender schon mal erst recht nicht. Immer noch toll, dieses International – Sozialismus von der erhabenen Seite. Und als im Großen Saal gestern das Licht ausging, da hatte ‚man‘ fast seine Irritation schon vergessen. Dieses Stutzen darüber, dass an der Kinokasse da unten, nicht nur vom Feeling her. Dass da fast in der Mehrzahl Omas und Opas gestanden hatten. +++ Ich will jetzt heute viel in diesen Text hineinpacken, das mal vorweg. Und dabei ist mir das Genre der Filmrezension doch eher, wie sagt man – rutschiges Parkett? +++ Sehr schöne Platte da oben übrigens: Ei ohne Salz von Ilse Paradies. In seiner trockenen Eleganz vergleichbar vielleicht, wenn auch ganz anders: Station to Station, das Album von David Bowie – einem Künstler, über den es heute zu reden gilt. +++ Moonage Daydream, eigentlich kann ich gar nicht viel darüber sagen: Großartiger Film, Sound- und Bildgewitter – dachte ich gestern, halb im Glücksrausch versunken. +++ Der Autor Detlef Kuhlbrodt hatte da mal etwas Kluges gesagt. Das war bei ’ner Lesung, und da war dann noch so ’n anderer Typ gemeinsam mit ihm auf dem Podium, ein irgendwie etwas jüngerer. Der hatte gemeint, er habe David Bowie bis dato gar nicht gekannt. Habe sich aus gegebenem Anlass nun aber durch die Alben gehört – jetzt wisse er, worum es geht. Und Kuhlbrodt meinte, das wisse er eben nicht. Und das fand ich gut. Das wäre dann ja, sagen wir mal, als würde ich mich durch die Platten von Zarah Leander hören oder von Walther von der Vogelweide. Und dann wüsste ich plötzlich, wie das damals alles so war. +++ Nein, nein, mein Freund! +++ Als kleiner Steppke war ich ja ganz zuerst, wenn ich das noch richtig zusammenkriege: David-Cassidy-Fan – und natürlich T. Rex! Bis mein großer Bruder sich ’73 dann Aladdin Sane selber zu Weihnachten schenkte. Ganz modern über einen Plattenversand damals, analoger Online-Handel sozusagen: Oft waren die Cover am Rand dann etwas eingedrückt, das war immer sehr ärgerlich – aber so fing das an mit David Bowie und mir. +++ Time zum Beispiel werde ich auf meiner Beerdigung spielen, aber bitte nicht nachmachen! +++ Eigentlich redet Bowie die meiste Zeit in dem Film, und das ist auch gut so. Ich würde mir ungern zum Beispiel einen Film ansehen mit Kubicki, wo der die ganze Zeit labert. Oder Andrea Nahles. Oder anderthalb Stunden Friedrich Merz, alter Gevatter! +++ Arbeitstitel zu dem Plattencover heute da oben war übrigens immer Golden Years, wegen des BMWs. +++ Zum Beispiel hatte ich immer gehadert – Josef hadert, der alte Witz. +++ Jedenfalls habe ich immer mit mir gehadert, dass ich ja nur wie ein verwöhntes, dickes Kind herumsitzen musste – und alles was wichtig war, das war mir vom großen Bruder portionsweise serviert worden: Bowie, Stones, Lou Reed, Blondie, Ramones, Television, Kubrick, was es da alles so gab. Dass ich nichts von alleine. Und Bowie spricht nämlich auch über seinen älteren Bruder, den Halbbruder Terry, eine tragische Figur. Der jedenfalls habe ihn an viele Sachen herangeführt, die er (Bowie/Anm.d.Red.) sonst nicht kennengelernt hätte: „Wie ältere Brüder das halt tun“, oder so ähnlich, sagt Bowie. +++ Muss man vielleicht gar nicht hadern…

 

Überschrift inspired by: Moonage Daydream (Dokumentation) © Brett Morgen (Drehbuch/Regie), UK/D 2022

Überschrift also inspired by: Ei ohne Salz © Ilse Paradies, 2022

Lyrics: Rock ’n‘ Roll Suicide © David Bowie, 1972

Kino International | Premierenkino der DDR, eröffnet 1963 | Karl-Marx-Allee 33 | Berlin-Mitte

Station to Station © David Bowie, 1976

Morgens leicht, später laut: Singles © Detlef Kuhlbrodt/Suhrkamp Verlag, 2007

Tränen lügen nicht © Michael Holm, 1974 (Soleado-Cover)

Rock Me Baby © David Cassidy, 1972

Metal Guru © T. Rex, 1972

Aladdin Sane © David Bowie, 1973

Time © David Bowie, 1973

Golden Years © David Bowie, 1976

Wilde Maus (mit u.a. Josef Hader) © Josef Hader (Drehbuch/Regie), AT/D 2017

Terence ‚Terry‘ Burns (* 5. November 1937 in Royal Tunbridge Wells/Kent, England; † 16. Januar 1985 in London), Halbbruder von David Bowie