Bad in der Schlange / This town ain’t big enough for the both of us.

SCHLANGENBADENER STRAßE (MAGRITTE) © KAI VON KRÖCHER, 2018

SCHLANGENBADENER STRAßE (ROBERT MITCHUM) © KAI VON KRÖCHER, 2018

Bodies, I’m not an animal. +++ Soll ich Ihnen mal was verraten? In meinem Kopf ist kein Platz für Steve McQueen und Clint Eastwood gleichzeitig. Denke ich an den einen, fällt mir der andere nicht mehr ein. Oder halt umgekehrt – ein merkwürdiges Phänomen. +++ An den Song Bodies, um vielleicht doch noch ganz kurz vor dem Weihnachtsgeschäft auf den Zug mit dem – wie nennt man das, wenn man im Internet was über Babies schreibt und sich direkt einen zweiten Flatscreen-Bildschirm davon kaufen kann? Den Song Bodies jedenfalls von den Sex Pistols habe ich manchmal am Wickeltisch auf den Lippen, wenn Otto zum Beispiel den Body vollgespuckt hat. Zwar geht er jetzt regelmäßig zum Spanisch, aber ansonsten benimmt er sich oft wie ein Kind. +++ Was wollte ich sagen? +++ Die Bilder heute, daran würde ich eines Tages verzweifeln, dachte ich oft. Das Foto selbst ist ja schon von Anfang September, da hatte ich mich ein bisschen in Steglitz herumgetrieben. Schlangenbadener Straße, ich alter Abenteurer. Ist das noch Steglitz, oder ist das schon Wilmersdorf? +++ Okay. +++ Irgendetwas daran erinnert mich jedesmal an Magritte, dieses Bild mit der Melone. Aber ich frage Sie ernsthaft, wo sehen Sie da einen Hut? +++ Jedenfalls, in der Filmsendung auf radioeins gestern hatten sie etwas über die neue Regiearbeit Steve McQueens gefachsimpelt. Ich lasse das Radio immer in der Küche laufen, wenn ich nebenan über den Bildern sitze, man versteht meistens nur Bahnhof. Dann aber fiel mir ein, der echte Steve McQueen hat sich doch längst in die See streuen lassen. +++ Der Song Bodies jedenfalls, und das wusste ich nicht. Der Song Bodies dreht sich um eine Frau aus Birmingham, die hat ihr Kind abtreiben lassen. Und Johnny Rotten, wie ich ihn damals noch nannte. Johnny Rotten und seine Freundin, die hatten gerade ein Ungeborenes verloren. Und Johnny hat einen Song darüber gemacht, anscheinend weder contra Abtreibung noch pro – wenn Sie das interessiert, können Sie das googeln, das empfehle ich in solchen Fällen immer. Einfach “sex pistols bodies abortion” eingeben – aber nehmen Sie Ecosia, das ist nachhaltiger, wo hier schon eh alles den Bach runtergeht. +++ Okay, letzte Nacht jedenfalls, etwa um zwölf, da schaltete ich spontan den Fernseher ein und erwischte genau den Anfang von einem Western mit Steve McQClint Eastwood: Hängt ihn höher hieß der, ich ließ ihn komplett ohne Ton laufen – Otto lag schlafend in meinem Schoß und träumte von Das lustige Füßchenspiel mit Otto und seinem Papa

Überschrift inspired by: This Town Ain’t Big Enough For Both of Us © Sparks, 1974

Lyrics: Bodies © Sex Pistols, 1977

Widows © Steve McQueen (Regie), UK/USA 2018

Million Dollar Baby © Clint Eastwood (Regie), USA 2004

Hang ‘Em High (w/ Clint Eastwood) © Ted Post (Regie), USA 1968

Schlangenbaden / Amoureux solitaires dans une ville morte.

SCHLANGENBADEN © KAI VON KRÖCHER, 2018

We’re running out of time, breath and steam; we’re running down. +++ Okay. +++ So wahnsinnig viele neue Posts “passieren” zurzeit nicht, jedenfalls nicht hier. +++ Das wird Ihnen schon aufgefallen sein, oder es ist Ihnen egal. Dieses Foto, ich kann es ja sagen. Oder, um es mit Udo Lindenberg auszudrücken: “Der Banddoktor sagt, das ist ja ‘n Marathonlauf – und er macht seinen Koffer auf.” Und so weiter, er gibt einem die Sachen, die einen munter machen. Und so weiter, und so fort. +++ Soll heißen, dieses Foto heute hier, da war ich spontan mit der U-Bahn neulich zum Breitenbachplatz runtergefahren. Kann sein, da war vorher im Fernsehen abends irgendwo mal zufällig Kamikaze 1989 gelaufen, so als Inspiration. Wenn ich nicht stärkstens irre, spielte der in einer eher fiktiven Stadt, zusammengebastelt aus Bildern aus Köln und Berlin. Oder auch Düsseldorf. Da hatte ich davor gesessen und mich am Kopf gekratzt. Heribert Faßbender gehört durchaus zu denen, da muss ich stets aufpassen, den elenden Faden nicht zu verlieren. Ein Schloß am Wörthersee ist mir eigentlich lieber, ganz ohne Quatsch. +++ Snakebathing. +++ Jedenfalls wurde ich eingeladen, im November an einer Gruppenausstellung teilzunehmen, das freut mich natürlich. Und da frage ich so, gibt es ein Thema, irgendwie? Und dann heißt es, ja, Porträts und Menschen, im weitesten Sinne. Oh shit, denke ich, wie soll denn das funktionieren, bei meiner schrecklichen Menschenscheu? Und da fällt mir dann dieses Bild (oben) ein, ein Schnappschuss vom Breitenbachplatz. Da wollte ich nämlich rüberspazieren “zur Schlange”, diesem brutalistischen Wohnklotz über der Stadtautobahn. Das Haus nämlich sieht man auch in dem Fassbinder-Film in seiner Gigantomanie von oben und innen, obwohl – im Internet habe ich gerade gegoogelt, der ist gar nicht von old Fassbinder himself – old Fassbinder himself spielt darin nur die Hauptrolle. +++ “Nur” ist gut, sage ich Ihnen!

Überschrift inspired by: Schlangenbad, Gemeinde und Heilbad im Rheingau-Taunus-Kreis, Hessen

Überschrift also inspired by: Autobahnüberbauung Schlangenbadener Straße, Wohnkomplex mit 1064 Einheiten und 118 Hobbyräumen, Baubeginn 1970/71

Überschrift desweiteren inspired by: Amoureux solitaires © Lio, 1980

Lyrics: New Dark Age © The Sound, 1981

Honky Tonky Show © Udo Lindenberg & das Panikorchester, 1974

Kamikaze 1989 © Wolf Gremm (Drehbuch, Regie) Rainer Werner Fassbinder (Hauptrolle), D 1982

Heribert Faßbender, deutscher Sportjournalist und -moderator (“n’abend, allerseits”), *1941 in Ratingen

Ein Schloß am Wörthersee, 34teilige Fernsehserie mit Roy Black, D/A 1990 – 1992

“Wenn der Teufel dieser Stadt etwas Böses antun will, lässt er noch einmal so etwas wie ‘die Schlange’ bauen.” (Richard von Weizsäcker, Regierender von (West-)Berlin, 1981 – 84)