Shadows of a man, a face through a window / All I want is a room with a view.

Nollendorfplatz: Ihr Herz, das war einmal ein off’nes Haus, die schönen Menschen gingen ein und aus © Kai von Kröcher, 2018/2020

 

A possum Jackson Polluck is painted on the tar, sometimes I think a single sneeze could be the end of us. +++ Mein Beitrag zum Monat der Fotografie (EMOP Berlin): Das Bild, könnte man meinen, drückt zugleich Zuversicht  aus – als auch Aufbruch und Isolation. Menschen, einsam im Suizid: deutliche Handschrift des Punk. Der eingestreute Songtext* erinnert an verlorene Zeit, zerbrochene Freundschaft. +++ Vergänglichkeit im Speziellen und im Abstrakten.

 

Überschrift inspired by: Mandy © Barry Manilow, 1974 (Cover)

Überschrift also inspired by: Picture This © Blondie, 1978

Bildunterschrift inspired by: Lilly sagt © Max Prosa & Francesco Wilking, 2020

Lyrics: Dead Fox © Courtney Barnett, 2015

Europäischer Monat der Fotografie Berlin | 1. bis 31. Oktober 2020

* Songtext im Bild: The Streets of Laredo © Prefab Sprout, 2001

 

Long Dong Xuan / Hitler and the Debbie Chain.

Corona Days: Otto-Braun-Straße © Kai von Kröcher, 2020

Lilienthalstraße, Anfang Mai (Stillleben) © Kai von Kröcher, 2020

 

Ich schiebe ihr eine Tasse zu und versuche dabei so auszusehen wie die Frauen, die mit ihren Freundinnen in den Frühstückscafés auf der Akazienstraße sitzen. +++ Oder lassen Sie mich anders beginnen: Vor ein paar Tagen. Das hört sich schon besser an, ein Anfang wie aus einem Buch. Vor ein paar Tagen nämlich, als ich Otto in die Geheimnisse des Zähneputzens einzuführen zu versuchen begann. Sagt man das so? Läuft jedenfalls noch nicht so besonders – aber wie dem auch sei, saugte mein schweifender Blick sich fest an dem Cremeseifenspender auf dem Waschbecken wie der Kuss einer Schlange. Ihnen vielleicht wurscht, aber ich machte in jenem Moment eine erstaunliche Entdeckung: Wenn man dem Substantiv Olive den Buchstaben R anhängt, ergibt das den männlichen Vornamen Oliver! +++ Inspiriert durch den Roman M fuhr ich dann Samstag am späteren Vorabend. Das dürfte plusminus so achtzehn Uhr etwa gewesen sein, die Bundesligakonferenz der Geisterspiele im Radio war längst schon vorbei. Da setzte ich mir meine Maske auf und stieg in die Straßenbahn in die Herzbergstraße nach Lichtenberg. Ein schöner Satz schlängelte sich mir auf der Fahrt durch den Kopf: “Das Dong Xuan Center ist ein Versprechen”, oder so ähnlich. “Ein Versprechen, das dich mit einer leeren Brötchentüte an einer Haltestelle sitzend zurücklässt.” +++ Im Restaurant war es relativ übersichtlich, wie man so sagt; der einzige Ort, den ich mag. In einer der Ecken zwei junge Wuchtbrummen, regelrechte Maschinen: aufgekratzt-resolut, hatten sie es auf die zierlichen asiatischen Kellner abgesehen. Sextourismus in Zeiten Coronas – den Satz lasse ich mir patentieren. +++ Die Heimfahrt war unspektakulär, ich fühlte mich wenig systemrelevant. Die haushohe Kaffeetasse am Haus der Statistik leuchtete zum ersten Mal in meinem Leben. +++ Kurz noch zur Überschrift: Eine meiner liebsten Achtzigerjahrebands hatte ich erst Ende der Nullerjahre für mich entdeckt; lange Zeit dachte ich, ihr Name sei “Jesus and the Mary Chain”. +++ Neulich fragte ich Otto im Spaß: “Bist du Blondie?” Er sah mich kurz an, dann nickte er…

 

Überschrift inspired by: Dong Xuan Center | Herzbergstraße | Berlin-Lichtenberg

Überschrift also inspired by: Long Dong Silver (* 1960 in London), britischer Pornodarsteller mit außergewöhnlich langem Penis

Überschrift also inspired by: Adolf Hitler (* 1989 in Braunau, Österreich-Ungarn; † 1945 in Berlin), Nationalsozialist

Blondi († 1945 in Berlin), Schäferhündin

Überschrift also inspired by: Fade Away and Radiate © Blondie, 1978

Till It Shines © The Jesus and Mary Chain, 1994

Textauszug aus: M (Roman) © Anna Gien/Marlene Stark, Matthes & Seitz Verlagsgesellschaft Berlin, 2019