Go for it, Baby / Eine rundum burleske und sympathische Geschichte.

Fiktives Vinyl: Hotel 3 Jahreszeiten – Mit dir ist alles nicht schön © Kai von Kröcher, 2022

 

Well, David, what shall I do? They wait for me in the hallway. +++ Irgendwann im Jahre ’84 ungefähr hatten wir uns bei meinem Kumpel, dem Russen, getroffen. Die Eltern lebten am Stadtrand und hatten einen Videorekorder. Wir grillten im Garten, verschiedene Leute diverser Geschlechter. Zum Einbruch der Dämmerung wollten wir einen Film gucken, irgendwas Spitzenmäßiges. Wie wir in der Videothek allerdings feststellten, gab es dabei ein Problem: Der Videorekorder der Eltern war kein landläufiger VHS, sondern – das traf uns vollkommen unvorbereitet – ein fucking Beta. Für Beta gab es fast keine Filme. So stießen wir schließlich auf einen Streifen mit dem, wie sagt man das halbwegs treffend, spießig-frivolen Titel Zur Sache, Schätzchen. In unseren Ohren klang das wie, da will ich offen sein, Unterm Dirndl wird gejodelt. +++ Erinnern Sie sich an den Song Postcard der Braunschweiger Band Blue Bamboo? Die spielten ja seinerzeit etwa auf Augenhöhe. Das Stück kam mir gerade in den Sinn, ich habe es damals geliebt. Wäre vielleicht eine Art Soundtrack zu meiner Postkartenserie. Hat das von Ihnen noch zufällig jemand auf Kassette? Mal für die Rubrik Bermudadreieck auf radioeins vorschlagen, muss man früh aufstehen. +++ Okay, wir haben den Film dann also mit dem Plan mitgenommen, uns intellektuell darüber zu erheben und lustig zu machen. Wie man halt damals so drauf war, ich sage nur: Uschi Glas! +++ Um die Sache hier abzukürzen, stand ich neulich auf dem Rückweg von meiner Streaming-Bücherei in der U-Bahn am Halleschen Toooooor. Ich wollte jetzt doch endlich mal wissen, ob der Typ in Zur Sache, Schätzchen tatsächlich „der schlaffe Harry“ hieß oder nicht. Und was das für ein Pullover war, den der immer anhatte. Der so dermaßen kratzte, dass er kurz seinen Kopf anhebt – dann aber sofort wieder so schlapp wird, dass er in sich zusammensinkt. +++ Okay. +++ Im Augenwinkel fiel mein Blick auf den Bildschirm – Berliner Fenster nennt sich das offiziell, eine Art Kurzmeldungs- und Werbeplattform. Jedenfalls, ich dachte, ich fasse es nicht. Wissen Sie, welches Buch sie in diesem Moment da gerade „besprachen“, das Cover erinnerte auf den ersten Blick an Emil und die Detektive von Erich Kästner? Der Roman hieß ganz ohne Quatsch Hotel 3 Jahreszeiten von – da müsste ich kurz mal googeln: Hotel Drei Jahreszeiten von Stefan Gärtner im Droschl-Verlag. Dreht sich anscheinend um eine Buchhändlerin und spielt in Hannover. +++ Um nochmal darauf zurückzukommen: Zur Sache, Schätzchen hat uns damals alle vom Hocker gehauen, intellektuell haben wir aus der Wäsche geschaut – Top 10 der irgendwie größten unerwarteten Überraschungen unseres noch jungen Lebens!

 

 

Überschrift inspired by: Go for it, Baby – englischer Titel von Zur Sache, Schätzchen für den US-amerikanischen Markt

Überschrift also inspired by: „Eine rundum burleske und sympathische Geschichte“ (Evangelischer Filmbeobachter über Zur Sache, Schätzchen)

Lyrics: Teenage Wildlife © David Bowie, 1980

Zur Sache, Schätzchen (Komödie mit Werner Enke, Uschi Glas, Henry van Lyck u.a.) © May Spils (Regie), D 1968

Unterm Dirndl wird gejodelt (Softsexfilmkomödie mit Konstantin Wecker u.a.) © Alois Brummer (Drehbuch, Regie), D 1973

Postcard © Blue Bamboo, ca. 1985

Bermudadreieck | radioeins | FM 95,8 MHz (Berlin und Potsdam) | montags bis freitags | 05:40 Uhr

Hotel Drei Jahreszeiten (Roman) © Stefan Gärtner/Droschl-Verlag, 2026

Emil und die Detektive (Kinderroman mit dem Umschlagillustration von Walter Trier) © Erich Kästner, 1929

Come As You Are / Zur Sache, Ceaușescu.

Fiktive Postkarten: Digger, gib Handy! (S-Bhf. Wilhelmsruh) © Kai von Kröcher, 2026 (Rohdatei)

Fiktive Postkarten: Digger, gib Handy! (S-Bhf. Wilhelmsruh) © Kai von Kröcher, 2026 (Photoshop)

 

Earth below us, drifting, falling, floating weightless. +++ Am mittleren Vormittag bestieg ich, den Fotoapparat geschultert und Reiseziel vage Norden, den sagenumwobenen M41er Bus. Mir gegenüber saßen zwei kleine Kinder in voller Nationalmannschaftsmontur. Das Mädchen trug eine Brille. Und ein Heimtrikot mit Rückennummer. ‚Musiala wahrscheinlich‘, dachte ich so im Stillen und wartete, bis sie sich kurz einmal umdrehte. Moby hat, glaube ich, auch mal ein Album gemacht, auf dem die Zahl 19 prangte, Musiala hat die zehn. Um es nicht so spannend zu machen – das Mädchen trug das Trikot von Leroy Sané. Leroy Sané hatte ich von Anfang an irgendwie immer scheiße gefunden, pomadiger Lackaffe. Vom Mob wird er noch immer gelyncht. Hass ist kein gutes Ding: Seit ich dieses Mädchen heute gesehen hab, in ihrer reinen Fußballunschuld. Seither drücke ich Sané beide Daumen. Möge er in diesem Jahr die WM seines Lebens zu spielen! +++ Ich bin schon ein fairer Typ. +++ Teile der Überschrift beunruhigen Sie hoffentlich nicht – die Hintergrundstory dazu werde ich hier in einem Post der Zukunft nachliefern, das ist jetzt nicht wichtig. +++ Okay, ich war dann tatsächlich im Norden, da herrschte mitleidsloses Aprilwetter. Für die Fotos gar nicht so schlecht. Und als ich später zurück in der S-Bahn saß und meine Ausbeute im Schnelldurchlauf auf dem Kameramonitor durch-äh-laufen ließ, hatte ich eine Idee: Die Bilder sahen auch ohne Photoshop richtig gut aus. Ein Gefühl der Befreiung stellte sich ein. Diese ganze nervige Bildbearbeitung, das hatte doch mit Fotografie nichts mehr zu tun. Ich würde mir wahnsinnig viel Arbeit ersparen – und nebenbei noch ein erfolgreicher Nachwuchskünstler sein! +++ Von der WM habe ich mir bisher nur unmotiviert Schweiz gegen Katar gestern angesehen. Und obwohl ich alles, was mir mit Katar zusammenzuhängen scheint, als Lebensentwurf ablehne, hatte ich sofort meinen ersten Helden der Fifa-WM 2026 gefunden: den Torwart der katarischen Manschaft – auch wenn ich nicht weiß, wie der heißt. +++ Von Moby gibt es übrigens kein Album mit dem Namen 19, das war Adele! +++ Traut sich der Potus heute zu Deutschland gegen Curaçao? Die haben ja ohne Quatsch nur 148.000 Einwohner, das ist ein Stück kleiner als Braunschweig. Ich wünsche Curaçao ein gutes Spiel und drücke Leroy Sané fest die Daumen. +++ Let Love rule! +++ Aber so richtig geil sehen die Postkarten ohne Bearbeitung (oben) jetzt auch wieder nicht aus …

 

 

Überschrift inspired by: Come As You Are © Nirvana, 1991

Überschrift also inspired by: Zur Sache, Schätzchen (Filmkomödie mit Werner Enke, Uschi Glas u.a.) © May Spils (Regie), D 1968

Überschrift also inspired by: Nicolae Ceaușescu (* 26. Janua 1918 in Scornicești, Königreich Rumänien; † 25. Dezember 1989 in Târgo- bzw. Tirgoviște, SR Rumänien), neostalinistischer Diktator der Sozialistischen Republik Rumänien

Lyrics: Major Tom (Coming Home) © Peter Schilling, 1983 (engl. Version)

18 © Moby, 2002

Leroy Sané (* 11. Januar 1996 in Essen), dt. Fußballspieler

Mahmud Abunada (* 5. Februar 2000), katarische Nummer 1

19 © Adele, 2008

FIFA WM 2026 | Gruppe E | Deutschland – Curaçao | Houston/Texas | 19:00 MESZ | ab 18:00 Uhr ARD

Let Love Rule © Lenny Kravitz, 1989