Aufbruch des Sozialismus / Carried away by a Moonlight Shadow.

Fiktives Vinyl: Johnny Inflatable – Sohn eines Xylographen © Kai von Kröcher, 2019/2026

 

I was lost in France and the day was just beginning. +++ Haben Sie eigentlich mal was von der Moonlight-Shadow-Clique gehört? Ich meine jetzt nicht, ob die sich mal bei Ihnen gemeldet haben – ich meine, ob Sie mal was von denen gehört haben. +++ Das Cover (oben), da sehen Sie meinen Sohn im fortgeschrittenen Alter von einem Jahr und fünf Tagen, wie wir 2019 von der Fridays For Future-Demonstration im Tiergarten kommen und einen Zwischenstopp an Görings Reichsluftfahrtministerium eingelegt haben, weil der Kinderwagen kriminell eiert. Ich gehe ja sonst nie auf Demonstrationen, aber das war mir dann doch ein dringendes Anliegen. +++ Und jetzt also sitze ich hier, resignierend, und denke über so Sachen wie die Moonlight-Shadow-Clique nach. Warum sich kaum jemand an die erinnert. Und warum dem Bürger sowieso alles egal scheint. +++ Ich neige übrigens dazu, falls Sie das interessiert: Vor meinem geistigen Auge halte ich die Sängerin bei Moonlight Shadow zunächst immer für Bonnie Tyler, was völliger Quatsch ist. Sobald mir das dann wieder klar wird, denke ich jedesmal, Maggie Reilly sei die Frau von Mike Oldfield, was natürlich ebenfalls völliger Quatsch ist. Mike Oldfield allerdings war unter anderem mal mit Anita Hegerland verheiratet, mit der Roy Black 1971 zusammen Schön ist es, auf der Welt zu sein gesungen hat. +++ So klein ist die Welt. +++ Und ich sage es Ihnen noch einmal: Nachfolgende Generationen, spätestens die Menschen in ungefähr fünfzig Jahren, werden über uns urteilen: „Was für Idioten!“

 

Überschrift inspired by: Aufbau der Republik (Wandbild aus Meißner Porzellan am Gebäude der Deutschen Wirtschafts-Kommission) © Max Lingner, 1952

Überschrift also inspired by: Moonlight Shadow © Mike Oldfield feat. Maggie Reilly, 1983

Lyrics: Lost in France © Bonnie Tyler, 1976

Schön ist es, auf der Welt zu sein © Roy Black & Anita, 1971

Kindergarten Cop / Mister Njet.

Fiktives Vinyl: Johnny Infantilo – Dunkle Triaden © Kai von Kröcher, 2014/2022

 

You must see the movie, the sand in my eyes, I walk through a desert song when the heroine dies. +++ Nach dem Kino-Fiasko neulich (Kannawoniwasein/Anm.d.Red.) haben wir Donnerstagnachmittag einen zweiten Anlauf gewagt. „Diese Hunde, die wir nicht mögen“, hatte ich ständig runtergebetet, wenn uns an der Kasse bei Lidl einer mal wieder Paw-Patrol-Sammelbildchen zustecken wollte. Otto ist da stets konsequent und lehnt die entspannt dankend ab, andere Kinder sind bereits süchtig danach. In erwachsener Runde hatte ich dieses Anfixen mit Merchandise-Zeugs mal mit den Heroin-Dealern vorm Schulhof verglichen und böse Blicke geerntet, aber natürlich habe ich recht. +++ Auf jeden Fall! +++ In der Früchte-Gruppe in seiner Kita allerdings hören sie Paw-Patrol-Hörspiele immerzu auf CD, und da wollte ich mal nicht immer nur alles schlecht machen und verbieten. Man ist ja nicht Andrei Gromyko. Otto jedenfalls meinte, das seien ganz liebe Hunde, die würden den Menschen helfen. Und da man nichts ablehnen kann, ohne es zu kennen, habe ich gesagt: „Okay, weißt du was? Wir sehen uns den Film im Kino an – der ist sogar schon für Kinder ab null!“ +++ Alles klar, wieder ins Moviemento am Zickenplatz, wieder die Reihe ganz hinten, das würde ganz sicher zum Dahinschmelzen diesmal. +++ Ohne zu viel verraten zu wollen, beginnt der Film mit einem Schrottplatz in Flammen, dessen Betreiber in ihrer Barracke gefangen dem Feuer ausgeliefert sind. Dahinter steckt eine fiese Wissenschaftlerin, die irgendwie einen Meteoriten vom Himmel klauen will, der dann aber auf die Erde zu rast, eine Massenpanik auslöst und ganze Straßenzüge verwüstet. Hier greifen die niedlichen Hunde der Paw Patrol ein, sie fliegen in Kampfjets, sind auf Mad-Max-Gefährten unterwegs. Explosionen, Riesengetöse, alles schreit durcheinander, vieles spielt in der Nacht und in unterirdischen Gängen. Nach zwanzig Minuten sind wir leicht paralysiert wieder raus – zu Weihnachten gehen wir in Apocalypse Now. +++ Anfang der Neunziger war ich mit meiner Freundin mal im Kino. Gehörte zum Marmorhaus, glaube ich, war aber im Ku’damm Eck versteckt irgendwo. Korrigieren Sie mich, wahrscheinlich konnte man rauchen. Jedenfalls saßen wir drin, es lief eine Vorschau zu einem Schwarzenegger-Film, was auch immer. Nach einer Weile sahen wir uns an und dachten, die Vorschau geht aber echt ganz schön lange. Ich weiß nicht, ob wir uns Kindergarten Cop dann noch zu Ende angeschaut haben, aber ich glaube fast, nicht. +++ Witzig…

 

Überschrift inspired by: Kindergarten Cop (Filmkomödie mit Arnold Schwarzenegger) © Ivan Reitman (Regie), USA 1990

Überschrift inspired by: Andrei Gromyko (* 5. Juli 1909 in Staryje Gromyki bei Gomel, heute Belarus; † 2. Juli 1989 in Moskau), Außenminister der UdSSR

Lyrics: The Secret Life of Arabia © David Bowie, 1977

Paw Patrol – Der Mighty Kinofilm (PAW Patrol: The Mighty Movie, animierte Action-Komödie ohne Altersbeschränkung) © Cal Brunker (Regie), USA/CAN 2023

Apocalypse Now (Antikriegsfilm mit Martin Sheen, Marlon Brando u.a.) © Francis Ford Coppola (Drehbuch, Regie), USA 1979

Marmorhaus, ehemals ältestes Kino am Kurfürstendamm. Eröffnet 1913, geschlossen 2001

Altes Ku’damm Eck – Multifunktionsgebäude, Kurfürstendamm Ecke Joachimsthaler Straße, Architekt Werner Düttmann u.a. Erbaut 1969 – 1972, abgerissen 1998