Spontane menschliche Selbstentzündung / Ist das Leben nicht schön.

Fiktive Postkarten: Geburtstagsgrüße vom Landwehrkanal © Kai von Kröcher, 2024/2026

 

The music that they constantly play – it says nothing to me about my life. +++ Über die Redaktion erreichen mich ab und zu Briefe, die sich nach dem Dunkel meiner persönlichen Seite erkundigen: Was hat mich im Leben geprägt, war ich einmal verliebt, hatte ich einen Hund. Üblicherweise lasse ich diese Post unbeantwortet. Heute aber, weil diese eine Sache, von der ich in wenigen Augenblicken erzählen werde, so weit entfernt liegt. Und dennoch wie frisch vor mir ausgehoben. Und sie mich dieser Tage unverhofft noch einmal berührte wie die Keratinfaser einer Gänsefeder. +++ Sagt man das so? +++ Allein aus diesem Grund möchte ich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen – eine Geschichte, die einen flüchtigen Blick auf den Menschen hinter der medialen Fassade um mich herum zulassen wird. +++ Eine Freundin von mir, nennen wir sie der Einfachheit halber Xxxx Xxxxx (ohne Bindestrich), hat heute Geburtstag. Als Fortschrittsverweigerer alter Schule gestaltete ich letzte Woche eine fiktive Postkarte für sie, berechnete den idealen Einwurfzeitpunkt und brachte sie Samstagmittag schließlich zum Briefkasten. Als ich mir das Motiv mit der U-Bahn über dem Landwehrkanal länger ansah, fühlte ich mich in die Vorweihnachtszeit des Jahres 1997 zurückversetzt. Die letzten Tage vor Weihnachten haben in ihren besten Momenten immer etwas besinnlich Leuchtendes, finden Sie nicht? +++ Mit meinen Einkäufen aus dem Kaufhaus des Westens saß ich in der U1 zum Kottbusser Tor, um mich herum ebenfalls mit Geschenken bepackte Mitbürger. Vielleicht kam ich mir vor wie James Stewart in Ist das Leben nicht schön?, das lässt sich heute allenfalls mutmaßen. Und dann jedenfalls sah ich sie. Auch mit Geschenken bepackt, saß sie auf der Bank ein paar Plätze weiter links. In einem Anflug verwegener Todesignoranz stand ich auf, und bepackt schob ich mich durch die bepackte Crowd ihr entgegen. +++ Das ist jetzt fast dreißig Jahre her – kann es nicht sein, werden Sie fragen: Kann es nicht sein, dass sie rechts anstatt links von ihm gesessen hat? +++ Nein, kann es nicht. +++ Sie musste irgendwo bei mir in der Gegend wohnen, ich hatte sie häufiger schon auf der Straße gesehen. Auf meiner Geburtstagskarte (oben) schreibe ich ihr, streng genommen sei sie die einzige Frau, die ich jemals im öffentlichen Raum angesprochen habe. Und dass ich im Leben vielleicht ruhig ein wenig mutiger hätte sein dürfen – was denken Sie?

 

Überschrift inspired by: spontane menschliche Selbstentzündung (Mythos)

Überschrift also inspired by: Ist das Leben nicht schön? (It’s a Wonderful Life – Tragikkomödie mit James Stewart) © Frank Capra (Regie), USA 1946

Lyrics: Panic © The Smiths, 1986

Überdosis Underground / Was will uns der Künstler nicht sagen.

Deep Fuck Records: Leaving in Chills – „Taylor Was A Mother (Part 1 & Part 2)“, Amiga © Kai von Kröcher, 2020/2021

 

I thought I was someone else, someone good. +++ Tolles Bild (oben) übrigens: Gestern gerade mit meinem Sohn dort vorbei spaziert. Die vergangenen Tage gemeinsam mit Otto Stück für Stück die verloren geglaubte Stadt zurückerobert. Meine Liebe zu ihr wiederentdeckt, vom Feeling her ein gutes Gefühl. Dabei den von mir geliebten Regenschirm meiner verstorbenen Mutter verbusselt – ostfälisch für: Stupidly managed to lose my umbrella. +++ Beim Kaffee Kochen heute früh darüber gerätselt, ob ich wohl jemals die Coldplay der Fotografie werden werde. Und ob ich das vielleicht sogar würde mögen, wenn ich das wäre. +++ Der Scheuer-Andi des Punk!

 

Überschrift inspired by: Underground Overdose – „Lethargie/Motor/Evolution/Angst/Tier/Blut“ (Deep Fuck Rec./United) © Kai von Kröcher, 2018/2021

Überschrift also inspired by: Polarwirbelsplit – „Was will uns der Künstler nicht sagen“ (Deep Fuck Rec./Sire) © Kai von Kröcher, 1999/2021

Lyrics: Perfect Day © Lou Reed, 1972

The House of the Rising Sun © The Animals, 1964 (Cover)