Берлинская правда / Doch wo dein Baum mit deinem Haus war, stand ein Edeka.

Fiktive Postkarten: Auferstanden aus Ruinen (ehem. Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße) © Kai von Kröcher, 2021

 

Das gehört niemand außer ihnen, und all die, die es brauchen, wissen nicht, dass es es gibt. +++ Hm. +++ Jahrelang hatte ich diesen Song als eine Art Konsum- und Gesellschaftskritik verstanden: wir hier unten, die da oben. Und alles gehört niemandem außer Lidl und Aldi. Was natürlich auch daran lag, dass der Sänger so nuschelt – was ich, nebenbei gesagt, aber ganz gut finde. +++ Okay, falls Sie übrigens nach meinen letzten Posts hier geschockt waren. Dann haben Sie vielleicht den Hauch einer Ahnung, wie ich mich gestern gefühlt haben muss, als ich in den sogenannten „Sozialen“ die Kommentare einiger hundert Berliner Zeitungs-Leser, äh, gelesen habe: Es ging da um den Unfall mit dem E-Scooter am Wochenende am Buckower Damm. Der war da mit einem Auto zusammengeprallt. Und ja, man kann E-Scooter scheiße finden. Und ja, die sind zu zweit auf dem Roller gefahren, und E-Scooter-Fahrer sind eh total nervig. Und ja, sie sind anscheinend bei Rot über die Kreuzung. Aber ein 14jähriges Mädchen ist dort ums Leben gekommen, das hatte Eltern. +++ Der überwiegende Teil der Kommentarschreiber jedenfalls war der Meinung, das Mädchen sei selbst schuld. Einer schrieb, das sei ihr „recht geschehen, der alten Pissgöre.“ Ich will Sie hier ja echt ungern mit politischen Schlaumeiereien anöden – aber ist das die Meinungsfreiheit, von der Holger Friedrich und seine Gefolgschaft immer sprechen?

 

 

Überschrift inspired by: Berliner Zeitung – 1945 gegründet und 1953 dem Zentralkomitee der SED unterstellt, Herausgeber seit 2019: Holger und Silke Friedrich

Überschrift also inspired by: Vergangenheit © Die Höchste Eisenbahn (feat. Judith Holofernes), 2012

Lyrics: Aliens © Die Höchste Eisenbahn 2013

 

A La La La La Long / Wie einst Surreal Madrid.

DJ Freizeitangebot aka Jürgen Stalin, der Jüngere: Aliens incognito (Berlin-Hauptbahnhof, No. 4512) © Kai von Kröcher, 2019

 

This must be underwater love, the way i feel it slipping all over me. +++ Schade, „Surreal Madrid“ gibt es schon – diverse Male, ich habe das eben gegoogelt. +++ Wenn Sie sich das Bild heute genauer ansehen, die Details: sehr schön gezaubert. +++ Wie einst Real Madrid! +++ Heute früh war ich in Britz – das behandeln Sie bitte vertraulich, das darf auf keinen Fall an die Presse: Ich gehe jetzt nämlich zur Wassergymnastik, soll gut für den Rücken sein. Die Hufeisensiedlung nur ein paar Bushaltestellen entfernt, man könnte dort schön spazieren. Und abgesehen von einem, den sie „den Salafisten“ nennen. Abgesehen vom Salafisten bin ich der Jungspund in dem munteren Haufen. Bis auf den Salafisten allesamt Ur-Südberliner*innen mit lockerem Mundwerk, Geburtenjahrgänge etwa um Kriegsende. Der Schwimmmeister meinte, zu Weihnachten hätte er für die Damen Geschenke. Die nahmen die Vorlage dankbar an und feixten jetzt laut über Vibratoren. Und über Kugeln, die man sich reinsteckt – und hörten nicht wieder auf. Aus dem Kassenrekorder am Beckenrand hallte Girl, I’m Gonna Make You Sweat, ein herrlicher Jux. +++ Nur irgendwie nicht ganz so meins, da bin ich echt spröde.

 

 

Überschrift inspired by: Sweat (A La La La La Long) © Inner Circle, 1992

Überschrift also inspired by: Wie einst Real Madrid © Sportfreunde Stiller, 2000

Überschrift also inspired by: We’re Going To Vegas Baby! (12″) © Surreal Madrid, 2000

Lyrics: Underwater Love © Smoke City, 1995