Walk Like a Flamingo / Der Schnee, auf dem wir alle talwärts fahr’n.

Slalom der Kids: Otto auf dem Weg zum Gold von Riezlern © Kai von Kröcher, 2026

 

If you’re fond of sad dudes and salty hair. +++ In den kommenden Wochen vermutlich werde ich mit der Arbeit an meinem Erstlingswerk beginnen, der Einstiegssatz in etwa soll lauten: Wenn ich erwachsen bin, würde ich gerne ein Möchtegern sein. Verstehen Sie? Philosophie meets Gesellschaftskritik. Über den Plot bin ich mir mit mir noch nicht einig, doch könnte es sich um einen Coming-of-Age-Roman handeln. +++ Apropos. +++ Ich bin Ihnen noch ein paar Antworten schuldig. In der Sache mit Pete Townshend zumindest muss ich Sie noch etwas vertrösten. Was meinen Sohn beim Skifahren allerdings angeht: Es war ein diesiger Morgen nach all diesen Tagen mit strahlendem Sonnenschein. In Höhenlagen mit Schnee muss man da eh vorsichtig sein. Doch jetzt war der Himmel bedeckt, quenchige Nebelschwaden hingen über den Hängen. Ein anderes Wort liegt mir gerade nicht auf der Zunge: „Quenchig“, im Sinne von vollgesogen, saftig. +++ Kennen Sie Skifahrermusik? Ich meine jetzt natürlich nicht Heide Rosendahl, keine Profis. Après-Ski eher. Ich war ja noch nie beim Après-Ski, ich kenne nur „après vous“ – eine Form des Anstands und der Bescheidenheit, der neue Trend in der Politik. +++ Leute, die sich im Skisport besser auskennen, sollten sich an den jungen Alberto Tomba erinnert fühlen. Ich selbst war laienhaft-emotional äußerst angefasst. Kloß im Hals und beinah ganz nah am Wasser gebaut. Nach einer Woche Kinder-Anfänger-Skikurs war an diesem Freitagmorgen ein Abschlussrennen angesetzt, da wurde richtig was auf die Beine gestellt. Große Lautsprecher standen am Zieleinlauf, aus denen so Lieder pumpten wie: „Ich tanz auf einem Bein wie ein Flamingo“. Meine Nichte glücklicherweise hat ein Handy-Video von der Abfahrt gemacht, auf solche Ideen kommt man selber ja nicht. Leute mit Kuhglocken standen am Ende der Piste und drehten jedesmal frenetisch durch, wenn einer der Pfarrer den Abhang hinab raste. +++ „Fahrer“ natürlich, kleiner Scherz! +++ Eines Abends hatte ich meine Nichte gefragt, was das denn für ein Schuppen da sei, am Fuße der Kanzelwandbahn, mit diesem sternförmigen Neonröhren-Konstrukt unter der Decke. Das sei so’ne Après-Ski-Pinte, meinte sie, immer gerappelt voll. Da schössen die Leute sich zu so Liedern wie „Ich hab ’ne Zwiebel auf dem Kopf, ich bin ein Döner“ die Lichter weg. +++ Otto jedenfalls ging als Vorletzter an den Start. Er sei nicht nervös gewesen, sagte er später – und getreu dem Motto, die Vorletzten werden die Ersten sein, meisterte er den Slalomparcours souverän und in perfekter Haltung in 21,88 Sekunden, und damit stieg er aufs Siegerpodest!!! +++ Haben Sie den Fehler im Text oben gefunden? Korrekt müsste es heißen: Natürlich nicht Rosi Mittermeier, keine Profis!

 

 

Überschrift inspired by: Walk Like an Egyptian © The Bangels, 1986

Überschrift also inspired by: Flamingo © Fäaschtbänkler, 2022

Überschrift also inspired by: Der Kommissar © Falco, 1981

Lyrics inspired by: At the River © Groove Armada, 1997

Heide Rosendahl (* 14. Februar 1947 in Hückeswagen), dt. Leichtathletin

Alberto Tomba (* 19. Dezember 1966 in Bologna), ital. Skifahrer

Ich bin ein Döner © Tim Toupet, 2008

Gold © Spandau Ballet, 1983

Rosi Mittermeier (* 5. August 1950; † 4. Januar 2013 in Garmisch-Partenkirchen), dt. Skifahrerin

Slalom der Männer | XXV. Olympische Winterspiele | Bormio Stelvio | 13:30 Uhr (ZDF)