Harzreise / Die Sünden der Faulheit.

A Ecke O (Oktapolaris) © Kai von Kröcher, 2020

 

In situations like these. +++ Naja, nun. +++ Haben Sie schon einmal über sich selbst nachgedacht? Gar nicht so uninteressant: Mir, gestern, zum Beispiel fiel auf, dass mich nichts interessiert. Weil, gestern die Nachricht vom Tode Jeff Becks – im Internet wurde dann viel über Gitarrengötter gepostet. Fast jeder schrieb über Gitarrengötter. Da fiel mir auf: Gitarrengötter haben mich nie interessiert. Eigentlich müssten einen, als jungen Menschen – da müssten Gitarrengötter einem doch wahnsinnig interessant vorkommen?! +++ Eine Sache aber interessiert mich dann doch: Es wird nämlich abends jetzt wieder später erst dunkel. Genauso gut könnte man sagen, die Tage werden langsam wieder länger – eine Laune der Natur. +++ Altenau zum Beispiel habe ich früher manchmal mit Altona verwechselt – Hamburg-Altona. +++ Und doch war es nachtschwarz, als ich am Kottbusser Tor gestern aus dem U-Bahnwaggon sprang und guter Dinge die breite Treppe in den triefnassen Frühabend hinunterspazierte. Unter der U-Bahn fühlt sich alles immer nach Taubenscheiße an – besonders fatal, wenn die Dunkelheit „soaking wet“ ist, wie man so sagt. Aber das machte mir gestern nichts. Und dann stand meine Sammlerin plötzlich an der Fußgängerampel da zufällig unten und sagte, ich sei aber faul geworden. Normalerweise würde ich jetzt sagen, es war die Frau, die viele Bilder von mir besitzt. Wussten Sie, dass diese Menschen in der Mehrzahl weiblicher Natur sind? Die Bilder von mir besitzen? Ein Kunstphänomen – so, wie die meisten Köche zum Beispiel Köche sind – und keine Frauen. +++ Zumindest habe ich das mal gehört. +++ Doch weil ich in diesem Moment gerade schnurstracks aus dem Museum kam, nenne ich diese Frau, die viele Bilder von mir besitzt – die nenne ich jetzt „meine Sammlerin“. Meine Sammlerin war auf dem Weg in den Harz, und nach wie vor ist sie felsenfest überzeugt, ich hätte alle Songtexte vollständig im Kopf. Alle Songtexte der Welt, Zeile für Zeile, das ist natürlich nicht möglich. Jedenfalls meinte sie, ich sei faul. +++ Wäre der Rand bei dem Bild heute (oben) nicht so merkwürdig ausgefranst, wäre das Bild heute super, vielleicht muss man da nochmal ran. +++ Faul also, so so – faul, was meine Internetpräsenz angeht: „Wenn man nichts zu sagen hat, soll man den Mund halten“, sagte ich zu meiner Verteidigung. Und heute nun wieder ein Post mit Gefasel und altem Bild – bidde sehr!

 

Überschrift inspired by: Die Harzreise (Reisebericht) © Heinrich Heine, 1824/1826

Überschrift also inspired by: Die Sünden der Faulheit (Roman) © Ulrich Pelzer, 1987

Bildunterschrift inspired by: A Ecke O © Winson, 2004

Lyrics: Shake the Disease © Depeche Mode, 1985